Heubergers schrammen gemeinsam an “historischem Familien-Finale” vorbei

Erst einmal in der bald 25jährigen Geschichte der Hobby-Tennis-Tour gab es in knapp über 750 Endspielen ein Vater-Sohn-Finale zu bestaunen. Beim September-Challenger-Turnier 2009 war es, als sich Friedrich und Marcel Pliemitscher das bislang einzige Mal in dieser brisanten wie einzigartigen Konstellation gegenüberstanden. Die Chance auf ein zweites familieninternes Vater-Sohn-Finalduell währte am Montag Abend im Semifinale des März-Challenger-Turniers 2014 gerade einmal 42 Minuten, dann hatte Robert Heuberger die erste der beiden Vorschluss-Runden-Begegnungen beim 18. Saisonturnier sang- und klanglos gegen Ex-Wimbledonsieger Michael Kunz mit 3:6, 1:6 vergeigt. Kaum rühmlicher verlief dann im Anschluss das zweite Semifinale mit Heuberger’scher Beteiligung, musste sich doch der 2fache Titelträger Norbert Heuberger nach einer desatrösen Vorstellung in nur 55 Minuten gegen einen abermals solide spielenden Rene Milich mit 1:6, 2:6 geschlagen geben. Ein Bericht von C.L

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Die “Heubergers” patzen nach starken Vorrunden-Leistungen ausgerechnet im letzten Match vor dem möglichen Familien-Finale

Es hätte schon was gehabt, dieses zweite Vater-Sohn-Finale der Geschichte, und vieles deutete im Vorfeld eigentlich auch darauf hin, dass Robert und Norbert Heuberger an diesem Abend des 24. März geschichtsträchtiges hätten vollbringen können. Norbert Heuberger war ohne Satzverlust über die arrivierte Challenger-Klientel ins Semifinale gerast, hatte das erfahrene Challenger-Duo Clemens Wimmer und Thomas Pratsch ausgeschaltet, und auch Jungstar sowie Baumann-Bezwinger Daniel Riel im Viertelfinale nicht den Hauch einer Chance gelassen. Sohnemann Robert hatte in den drei Matches vor dem Halbfinale seine Klasse und die großartige Weiterentwicklung während seiner fast viereinhalbjährigen Tour-Absenz eindrucksvoll demonstriert, und war vor dem Semifinal-Schlager gegen den an Nummer 2 gesetzten Michael Kunz mit jeder Menge Vorschusslorbeeren bedacht worden.

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Michael Kunz stürmt gegen Jungstar Robert Heuberger in sein 14. Karriere-Finale

Doch dann entwickelte sich das erste der beiden Vorschluss-Runden-Duelle am Centercourt des UTC La Ville zu einer einsamen One-Man-Show des Michael Kunz. Der HTT-Wimbledon-Champion von 2008, der dieser Tage seine Challenger-Premiere abliefert, diktierte nach anfänglichen Problemen das Match speziell mit seinen wuchtigen und präzisen Aufschlägen und einer Slice-Rückhand, die Heuberger vor riesige Probleme stellte. Aus drei Breaks in Serie zu Beginn des Spieles ging Kunz mit einer 2:1 Führung hervor, die er dann im Rest von Durchgang 1 mit souverän gewonnenen Aufschlagspielen geschickt verwaltete. Und das, obwohl der 42jährige Niederösterreicher in seinen Aufschlagspielen mit Doppelfehlern en masse das Publikum schockte. Die Entscheidung in Durchgang 1 führte der Deutsch Wagramer dann mit dem Break zum 6:3 herbei, als er seinen dritten Satzball mit einem brillant gesetzten Return verwandelte. Im zweiten Satz zog Kunz rasch mit 3:0 davon, u.a auch weil Heuberger sein erstes Aufschlagspiel zu Null abgeben musste. Damit war die Entscheidung eigentlich gefallen, denn obwohl Kunz weiterhin mit Doppelfehlern alles andere als geizte, gelang es Heuberger nicht mehr, den Aufschlagriesen zu breaken. Der 19jährige selbst patzte aber ein letztes Mal bei eigenem Aufschlag zum 1:5, und mit einem wuchtigen Vorhand-Winner verwandelte Kunz wenig später gleich seinen ersten Matchball zum 6:3 und 6:1 Erfolg. “Dieses flache Spiel hasse ich, mit dem Semifinaleinzug bin ich aber sehr zufrieden”, äußerte sich Robert Heuberger. “Ich bin eigentlich ziemlich zufrieden. Ich habe sehr gut gespielt – einmal abgesehen von den vielen Doppelfehlern. Das reicht natürlich gegen die Topspieler der Hobby-Tennis-Tour nicht, aber es war dennoch eine klare Steigerung zum Viertelfinalmatch gegen Marhold erkennbar. Es war ein Schritt in die richtige Richtung”, analysierte Michael Kunz, nachdem er in sein 14. Karriere-Finale eingezogen war.

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Norbert Heuberger enttäuscht mit desolater Halbfinal-Vorstellung gegen Rene Milich

Eine Stunde später war der semifinale Doppelpack des 7. März-Challenger-Turniers auch schon wieder Geschichte. Weil sich nach Robert Heuberger auch Papa Norbert mit einer eher desolaten Vorstellung in ein bitteres 1:6, 2:6 Debakel gegen Rene Milich manövriert hatte. Der 43jährige, der ohne Satzverlust in dieses Semifinale gestrümt war, präsentierte sich dort im Kampf um ein Finalticket gegen Rene Milich von seiner ganz schwachen Seite. Genaugenommen hatte man Heuberger noch nie so schlecht bzw. unbeholfen gesehen, wie am Montag Abend. Und das gegen einen Rene Milich, der zwar seinerseits später vom besten Match seitdem er vor zwei Jahren wieder mit Tennis begonnen hatte sprach, eigentlich aber nur mit einer soliden Darbietung bedacht war, Fehler zu vermeiden und den Ball im Spiel zu halten. Denn das genügte vollauf, um den massigst Fehler produzierenden Gegner letztlich klar aus dem Titelrennen zu werfen. Besonders auffällig und besorgniserregend war die eklatante Aufschlagschwäche Heubergers, war doch bei acht Service-Games nur ein einziges auch von Erfolg gekrönt.

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Norbert Heuberger schlittert mit akuter Aufschlagschwäche gegen einen solide spielenden Rene Milich in ein halbfinales Debakel

Die Anfangsphase war beiderseits von Nervosität und fehlerhaftem Spiel geprägt. Mit jeweils drei Doppelfehlern gingen die ersten Service-Games über die Bühne, ehe Milich seinen Aufschlag zum 3:1 halten konnte. Und das war angesichts der anhaltenden Aufschlagschwäche Heubergers schon die halbe Miete. Der 43jährige zeigte nur gelegentlich, wozu er eigentlich im Stande wäre. Mit unnehmbaren Vorhand-Krachern, mit viel Übersicht & Gefühl, sowie mit Spitzen-Volleys, die ihn einst in Teil 1 seiner HTT-Karriere zu einem der besten und erfolgreichsten Doppelspieler der Szene machte. Doch am Montag-Abend war Heuberger nicht mehr als ein Schatten seiner selbst. Mit den Doppelfehlern Nr. 5 und 6 gab der Routinier den ersten Satz in nur 20 Minuten mit 1:6 ab, und auch im zweiten Durchgang sollte sich nichts mehr ändern. Nach neuerlich früh kassiertem Break durfte Heuberger mit dem Game zum 2:2 das einzige durchgebrachte Aufschlagspiel bejubeln, insgeamt konnte er damit aber nicht das semifinale Debakel gegen einen beim Service sich konsolidierenden Gegner verhindern. Bezeichnend war dann auch noch die Schlussphase, als Heuberger mit drei Doppelfehlern in Serie das Match nach traurigen 55 Minuten beendete. “Milich hat gut gespielt, und ich bin heute einfach nicht zurecht gekommen. Das muss man so zur Kenntnis nehmen”, verabschiedete sich Heuberger. “Das war die beste Partie, seit ich vor 2 Jahren wieder mit Tennis begonnen habe. Außer dem Aufschlag ist diesmal alles gegangen. Ich bin absolut zufrieden”, strahlte der Sieger.

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