Oliver Scheriau – Sieger beim März-HTT-150-Turnier “wider Willen”

WAT-Liesing-Star Oliver Scheriau hat seinen Erfolgslauf beim letzten Hallenturnier der heurigen Wintersaison auch im Finale fortgesetzt. Der 46jährige setzte sich im Endspiel des 6. März-HTT-150-Turniers gegen Patrick Wimmer vom TC Wien Süd Neugebäude durch, und entschied das mit Spannung erwartete Duell der beiden Final-Debütanten nach einer Stunde und zweiundzwanzig Minuten mit 7:5 und 6:3 für sich. Nach zuletzt vollbrachten Siegen von Peter Hillebrand, Yannik Podesser, Christoph Beutler und Robert Rother sorgte der Routinier für den bereits 5. HTT-Premierentitel in Serie, und für den insgesamt 10. Turniererfolg eines neuen Siegergesichts im heurigen Jahr. Ein Bericht von C.L

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Oliver Scheriau gewinnt letzten Hallentitel der Wintersaison und viel an Sympathie

Er hasst es Fotos von sich machen zu lassen, er mag es gar nicht Interviews zu geben, er war mit seinem im Finale gezeigten Tennis höchst unzufrieden, und er “genierte” sich sogar für seinen ersten Turniersieg, und dennoch war er der große Star des letzten Spieltages der Indoor-Saison 2013/2014 und der gefeierte Held der 6. Ausgabe des März-HTT-150-Turniers. Oliver Scheriau, ein Turniersieger wider Willen, der sich am Dienstag Abend nach seinem finalen Triumph über Patrick Wimmer zum 219. Turniersieger der Open Ära kürte, und an diesem 18. März 2014 obendrein noch richtig viel an Sympathie gewann. Der 46jährige erwies sich dieser Tage im La Ville nämlich nicht nur als großartiger Tennisspieler, sondern auch als fairer Sportsmann, der vorallem nach dem Endspiel viel Lob und Anerkennung von der Gegnerschaft erntete. Das Scheriau im ersten Moment nach Finalisierung seines bislang größten Karriere-Triumphs auf der Hobby-Tennis-Tour recht unzufrieden durch die Halle lief, lag wohl am Umstand von 39 selbst produzierten unforced errors und seiner 24 Stunden zuvor im Semifinale gezeigten Gala-Vorstellung gegen Klaus Stattmann, an der sich Scheriau orientierte, und an der er gemessen werden möchte.

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Nach Hochglanz-Darbietung im Semifinale, ließ Scheriau im Endspiel biedere Handwerkskunst folgen

Es war aus Sicht des 46jährigen ja auch wirklich nicht die blendende – und lange Zeit in Erinnerung bleibende – Darbietung, mit der er im Endspiel gegen Lenzinger-Bezwinger Patrick Wimmer aufwarten konnte. Seinen glanzvollen Auftritt hatte Scheriau wie schon erwähnt im Semifinale, der gegen Lokalmatador Klaus Stattmann in einer wahren Demonstration seines großartigen Könnens ausartete. Das der Routinier vom WAT Liesing 24 Stunden später quasi nur biedere Handwerkskunst im Vergleich zum galaktischen Vorschluss-Runden-Sieg des Vorabends zu bieten hatte, war wohl auch dem Umstand geschuldet, dass wir am Dienstag Abend “Final-Time” hatten, und in diesen “Alles oder Nichts Partien” Hochglanz-Inszenierungen absoluten Seltenheitswert haben. In einem Endspiel sind oft ganz andere Attribute gefragt, wie Kampfgeist, mentale Stärke und der unbedingte Wille, sich eine dieser Woche für Woche bereitstehenden Trophäen zu sichern, und sich mit einem Eintrag in die Siegerliste der Hobby-Tennis-Tour, Renomee und Anerkennung zu sichern. In einem Finale zählt “schönes Tennis” herzlich wenig, wenn es letztlich nicht zum Erfolg reicht. Das wird auch Oliver Scheriau am Mittwoch in der Früh merken, wenn er sich seines Premieren-Erfolges auf der Tour so richtig bewusst wird.

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Patrick Wimmer startet in bombastischer Anfangsphase mit einer 4:1 Führung

Mit der offen zur Schau gestellten Selbstkritik an der aus seiner Sicht völlig unzureichenden Leistung im Finale, versuchte Scheriau womöglich auch die ersten 20 Minuten seiner Endspiel-Premiere entsprechend aufzuarbeiten. Da war der 46jährige in der Tat “unterirdisch” schecht unterwegs, und mit reichlich Glück gesegnet, dass sein Gegenüber nach bombastischer Anfangsphase sein traumwandlerisch sicheres Offensiv-Tennis nicht durchziehen konnte. Wimmer, der am Vortag einen grandiosen Halbfinal-Krimi gegen Thomas Lenzinger erst im Tie-Break des dritten Satzes und nach fast zweieinhalb Stunden Spielzeit gewonnen hatte, merkte man die Anstrengungen des Semifinal-Kampfes wider Erwarten gar nicht an. Im Gegenteil: Der 33jährige Wiener legte mit dem neu gewonnenen Selbstvertrauen fulminant los, und holte sich gleich einmal die ersten sechs Punkte in Serie. Während Scheriau vorsichtig, risikolos und fehlerhaft sein Final-Debüt in Angriff nahm, glänzte Wimmer trotz merkbarer Anfangsnervosität mit einem selbstbewusst vorgetragenen Angriffs-Furioso. Der 33jährige bestimmt das Tempo und was am Centercourt des UTC La Ville in den ersten 20 Minuten des März-HTT-150-Finales gespielt wurde. Und das war aus Sicht Scheriaus ein Trauermarsch! Der 46jährige, der im Semifinale gegen Stattmann nur ein einziges Aufschlagspiel abgeben musste, und ansonsten mit einer bestechenden Service-Leistung aufwarten konnte, stolperte in der Anfangsphase des 17. Saisonfinales bei eigenem Aufschlag in drei früh kassierte Breaks, und musste heilfroh sein, dass Patrick Wimmer im vierten Game mit drei Doppelfehlern erstmals sowas wie “eine kleine Schwäche” erkennen ließ. Ansonsten wirkte der Lenzinger-Bezwinger in seinem 45. Karriere-Single wild entschlossen, vor seinen Fans den heiß ersehnten Titelgewinn zu fixieren. Bei 4:1 und 40:15 – Wimmer hatte sich die beiden Spielbälle im sechsten Game mit zwei phantastischen Vorhand-Winners herausgeschossen – nahm das Unheil aus Wimmers Sicht aber seinen Lauf, und erfuhr das Endspiel des 756. Single-Events der Open Ära seine Wende.

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Wimmer muss nach unansehnlicher Doppelfehler-Orgie den ersten Satz mit 5:7 abgeben

Wimmer machte mit zwei weiteren Patzern das halbe Dutzend an Doppelfehlern voll, vorallem aber “offerierte” der 33jährige seinem bis dahin nicht vorhandenen Gegner eine “praktisch aus dem Nichts” entstandene Break-Chance zum 2:4. Scheriau nimmt diese Einladung durch den Hintereingang zurück in dieses Debütanten-Endspiel dankend an, und ist fortan zumindest bei seinen eigenen Aufschlagspielen konzentriert und konkurrenzfähig. Die scheinbar wieder erlangte Aufschlagstärke hält Scheriau dann zunächst auch in diesem ersten Satz, den Wimmer zwischenzeitlich und nach einem zu Null gewonnenen Aufschlagspiel mit 5:3 anführt. Doch auch diese Führung sollte nicht zum Gewinn des ersten Satzes reichen, weil sich der Ranglisten-Vierzigste im zehnten Game des ersten Durchgangs beim Aufschlag recht tolpatschig anstellt. Einen Smash ins Netz, eine verschlagene Vorhand und dazu die Doppelfehler Nr. 7 und 8, so leichtfertig vergeigte Wimmer die Chance, den ersten Satz mit eigenem Aufschlag nach Hause zu spielen. Stattdessen sah sich der Wiener Minuten später mit der Aufgabe konfrontiert, mit eigenem Service plötzlich gegen den Satzverlust ankämpfen zu müssen. Bei 40:15 schien sich Wimmer schon in den Tie-Break gerettet zu haben, als er mit unsicherer Vorhand und Doppelfehler Nr. 9 den ersten Satz nach 44 Minuten Spielzeit mit 5:7 abgegeben hatte.

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Ein Break zum 5:3 genügt Oliver Scheriau im zweiten Satz, um das Endspiel des März-HTT-150-Turniers für sich zu entscheiden

Im zweiten Satz setzten sich dann die Aufschläger in Szene, was einen höchst interessanten und spannenden Spielverlauf garantierte. Auch wenn das Match insgesamt von vielen Fehlern geprägt war, so ließen die beiden Final-Protagonisten doch immer wieder ihr Können mit großartigen Gewinnschlägen aufblitzen, und zu einem insgesamt vorteilhaften Eindruck trug am Ende eben auch der spannende Verlauf des zweiten Satzes bei. Bis 4:3 hatten Scheriau und Wimmer ihren Aufschlag gehalten, wobei Wimmer bei 2:2 und 15:40 die beiden einzigen Breakchancen in dieser Phase vorfand. Der 33jährige hatte allerdings den gravierenden Nachteil, dass er im zweiten Durchgang stets hinterher servieren musste, und mit Fortdauer des Spieles wurde diese Aufgabe natürlich immer diffiziler. Und dann im achten Game dieses zweiten Satzes sollte schließlich auch die Entscheidung fallen. Wimmer hatte im ersten Satz desaströse 9 Doppelfehler in des Gegners Feld serviert, sich danach aber beim Aufschlag konsolidieren können. Just in der heiklen Phase des zweiten Heats unterlief Wimmer aber das Missgeschick in Form von Doppelfehler Nr. 10, womit Scheriau zwei Break-Gelegenheiten zum 5:3 serviert bekam. Doch der “neue Wimmer”, mental gereift und voll positiver Energie, hielt dagegen und wehrte beide Breakchancen seines Gegners ab. Augenblicke später muss der 33jährige aber doch dieses hart umkämpfte Aufschlagspiel abgeben, und das nachdem Wimmer seinerseits drei Spielbälle zum 4:4 ausgelassen hatte. Allerdings erleichterten die Doppelfehler Nr. 11 und 12 nicht gerade das Vorhaben Wimmers, die Partie noch länger offen zu halten. Vier Minuten später war der Zauber dann auch plötzlich schon vorbei. Gleich der ersten Matchball nützte Scheriau mit einem platziert angetragenen Vorhand-Winner, und damit hatte der 46jährige eine anfänglich recht schleppend und zäh angelaufene Finalentscheidung doch noch mit 7:5 und 6:3 für sich entschieden.

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Der Sieger im Interview: “Den ersten Satz habe ich gewonnen, und ehrlich gesagt weiß ich bis jetzt nicht wie”

Oliver Scheriau kürte sich im fünften Saisonendspiel zweier Final-Debütanten zum insgesamt 219. Turniersieger der Geschichte, er avancierte an diesem letzten Indoor-Weekend ohne Satzverlust zum bislang ältesten Turniersieger der heurigen Saison, und er verbesserte sich in der Mittwoch Früh erschienenen neuesten Ausgabe der HTT-Entry-List um gleich 85 Ränge von Platz Nr. 196 auf sein Karriere-High-Ranking mit Position Nr. 111. Dementsprechend zufrieden nahm er aus den Händen von Vorjahressieger Martin Steinbauer den Siegespokal entgegen, und zufrieden konnte sich der 46jährige dann auch seiner ersten Pressekonferenz auf der Hobby-Tennis-Tour stellen: “Ich freue mich sehr über diesen Turniersieg, weil ich eigentlich die ganze Woche relativ gut gespielt habe. Heute im Finale war es ein bißchen schlechter, aber insgesamt war es eine erfolgreiche Woche für mich”, urteilte Scheriau, ehe er sich zu seinem Final-Debüt äußerte: “Also das war heute eine ganz ganz komische Partie. Den ersten Satz habe ich gewonnen, und ich weiß ganz ehrlich gesagt noch immer nicht wie. Ich war extrem fehleranfällig und ich glaube mein Gegner war ein bisserl nervös, darum konnte er den ersten Satz nicht zumachen. Im zweiten Durchgang war es eigentlich immer sehr knapp bis zum 4:3, wo mir dann das Break gelang, was auch sehr glücklich war. Schließlich konnte ich dann ausservieren. Es war keine große Leistung, aber ich mit dem Ausgang des Spieles natürlich zufrieden”, analysierte der Sieger, der nicht ganz ohne Ziele durch den Circuit tourt, und voll des Lobes für die Hobby-Tennis-Tour ist. “Die HTT ist eine Bereicherung für jeden Tennisspieler. Das ist eine Super-Idee und genial gemacht mit dieser Homepage im Internet. Mit all den Statistiken ist das eine Sache, die es so im Hobby-Bereich einfach nicht gibt. Mein Ziel ist es, einfach gut Tennis zu spielen. Gegen die vielen Jungen anzutreten ist eine irrsinnige Motivation für mich. Ich bin jetzt schon 47 Jahre alt, aber wenn man einen jungen Spieler aus einem Bewerb rausnehmen kann, ist das immer noch was Schönes. Für mich ist das einfach Wettkampf. Ich komme aus dem Fußball, und für mich ist Wettkampf einfach alles”, erklärte Scheriau.

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Patrick Wimmer trotz Finalniederlage nicht unzufrieden und zuversichtlich, schon in Kürze wieder in einem HTT-Endspiel stehen zu können

Mit seinen Fans auf einen Umtrunk hatte sich derweil Patrick Wimmer ins La-Ville-Restaurant zurückgezogen, ehe auch er sich den Fragen des Tour-Veranstalters stellte: “Ich bin nicht enttäsucht, sondern eher noch immer happy über den erreichten Finaleinzug. Das ich das geschafft habe, und vorallem die Partie im Semifinale noch gedreht habe, steht für mich über dieser heutigen Niederlage”. Trotzdem fand der 33jährige im Gespräch mit dem Turnierleiter jene Punkte und Szenen, die den ersten Finalabend seiner Karriere am Ende nicht wie erhofft siegreich ausklingen ließen. “Da war einmal das 4:1 im ersten Satz mit den vergebenen Chancen zum 5:1. Das ist traurig und sehr bitter. Und im zweiten Satz war das Game bei 3:4 ärgerlich, als ich gefühlte acht Chancen zum 4:4 hatte. Und dann waren da auch noch meine unzähligen Doppelfehler. Ich glaube gar nicht, dass es nur 12 Doppelfehler waren. Das war einfach zuviel, um irgendwie solide spielen zu können. Ich möchte mich aber nicht ausreden auf die Kraft oder irgendetwas, ich war eigentlich top vorbereitet, und ich habe gewusst was ich gegen ihn spielen muss. Ich wollte oft seine Rückhand anspielen, und mir war bewusst, dass er sehr gut serviert. Ich hatte die Partie dann auch sehr gut unter Kontrolle, alles lief problemlos, und dann ist irgendwie einfach der Faden gerissen”, analysierte Wimmer. “Ich habe mich dann nicht mehr so durchziehen getraut, wollte ihn ein bißchen spielen lassen, weil er doch sehr fehleranfällig war. Mir hat dann irgendwie ein Erfolgserlebnis gefehlt, auf das ich mich nochmals richtig pushen hätte können”, ergänzte Wimmer bevor er ein letztes Resümee zog und einen kurzen Ausblick in die Zukunft wagte: “Ich habe ein Super-Turnier gespielt und bin voll zufrieden. Ich habe gute Leute geschlagen, wie den Challenger-Tour-Final-Sieger Gerald Marhold. Mir ist die Revanche gegen Pichler gelungen, und ich habe Peyerl besiegt, gegen den ich immer schon einmal spielen wollte, und der Lenzinger-Sieg war noch die Draufgabe. Jetzt möchte ich nochmals in ein Finale kommen, mit einem besseren Ausgang”, lächelte Patrick Wimmer, der mit seinem ersten HTT-Finaleinzug ebenfalls über sein Karriere-High-Ranking (Nr. 36) jubeln darf.

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