13jähriger Nobody sorgt als HTT-Nr. 445 für eine der größten Sensationen der Geschichte

Zweiter Spieltag bei einem HTT-150-Turnier mit gerade einmal 11 auf dem Spielplan stehenden Erstrunden-Matches, an so einem Tag wie am vergangenen Samstag kann man als Webseitenbetreiber schon mal in die journalistische Notlage geraten, am Ende des Tages ohne entsprechender Top-Story dazustehen. Und so hätte halt wieder einmal das Thema Wetter herhalten müssen, zumal man sich im Circuit angesichts des unmittelbar bevorstehenden Outdoor-Saison-Openings natürlich für die Wetter-Prognosen der kommenden Tage interessiert. Und zudem sorgte draußen vor der Halle des UTC La Ville, Sturmtief “Ev” mit orkanartigen Sturmböen und sintflutartigen Niederschlägen für äußerst ungemütliche Verhältnisse. Drinnen in der windgeschützten Halle hätte derweil knapp vor 18 Uhr und vier Partien vor Ende des zweiten Spieltages niemand mehr damit gerechnet, dass es auch “indoor” noch ein stürmischer und aufregender Abend werden sollte, der am Ende sogar mit einer der größten Sensationen der bald 25jährigen Hobby-Tennis-Tour-Geschichte aufwarten konnte. Und für die sorgte der erst 13jährige Nobody Fabian Dopf, der im Entry-Ranking auf Position Nr. 445 geführt und erst über die Quali in den Hauptbewerb vorgestoßen, den mit Grand-Slam-Ehren dekorierten HTT-Wimbledon-Champion von 2008 Michael Kunz in drei spannungsgeladenen Sätzen ausschalten konnte. Ein Bericht von C.L

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 Als Fabian Dopf schon im Mai 2012 erstmals im Circuit vorstellig wurde, und knapp am großen Sensations-Triumph vorbeischrammte

Ein wuscheliger Lockenkopf mit einem verschmitzten Lächeln, und großartig “performten Tennis” , das sind die Zutaten und Ursachen für die aktuellen Alpträume, die Ex-Grand-Slam-Sieger Michael Kunz seit letzten Samstag des nächtens plagen. Ein gerade einmal eineinhalb Meter kleiner Teenager – der breiten HTT-Öffentlichkeit großteils nicht bekannt – hat den arrivierten und allseits bekannten 7fachen Turniersieger in dessen 247. Karriere-Single vor den Kopf gestoßen, und mit einem völlig verdienten 6:4, 3:6, 7:6 Sieg einmal mehr für eine der ganz bitteren Stunden in der Karriere des Michael Kunz gesorgt. Fabian Dopf, 13jähriger Teenie-Star von WAT Landstrasse, ist wiederum am Samstag Abend im UTC La Ville mit einem Schlag zu großer Bekanntheit in der Wiener Hobby-Tennis-Szene gelangt. Obgleich sich eingefleischte Leser der HTT-Homepage vielleicht an den Mai 2012 zurückerinnern werden, wo der Name Fabian Dopf erstmals auftauchte und für Furore sorgte. Ein halbes Jahr zuvor beim Oktober-Challenger-Turnier 2011 feierte der Junior sein Debüt, musste aber gleich sein Premieren-Match gegen Tajana Lienbacher in zwei Sätzen und mit nur drei eroberten Games verloren geben. Umso imposanter wurde “Klein Fabian” dann im Mai 2012 auf der HTT vorstellig, als er sich beim Challenger-Turnier in der Simmeringer Leberstraße gegen arrivierte Challenger-Spieler wie Georg Gallo und Jens Gudenus bis ins Endspiel gegen Christoph Mayer II vorkämpfte. “Kleiner Mann ganz groß” titelte damals die Tour-Homepage, und berichtete über ein 11jähriges Wunderkind, das für einen echten Hype sorgte, und sich obendrein anschickte, in den Mai-Tagen 2012 Tour-Geschichte zu schreiben. Mit 11,4 Jahren wäre Dopf der jüngste Turniersieger aller Zeiten geworden, ehe der verhängnisvolle Abend des 21. Mai zu einem bis heute höchst einprägsamen Erlebnis in der noch jungen Dopf-Karriere avancierte. Der damals 11jährige Knirps stand bei seinem Final-Debüt ganz dicht vor dem Sieg, führte  – “Satz & Break” vor – mit 6:3, 3:1, und war wenig später bei 6:3, 5:4 und 30:30 nur zwei Punkte vom Titelgewinn entfernt. Doch eine verschlagene Rückhand und ein unnehmbarer Vorhand-Kracher seines Gegenübers vereitelten den Triumph, ehe im dritten Satz bei 2:2 wegen Regen & Dunkelheit abgebrochen werden musste. Die Fortsetzung wenige Tage später ging mit 5:7 verloren, der große Traum vom rekordbringenden Turniersieg mit zarten 11 Jährchen war dahin. “An diesem Match nagt Fabian noch heute”, erzählte Papa Dopf am Samstag Abend, nachdem der Sohnemann zur großen Sensation ausgeholt hatte.

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Fast 100 Minuten lang war kein Unterschied zwischen dem “Ranglisten-Zwerg” und dem “Aufschlag-Riesen” auszumachen

Zumindest wird der vergangene Samstag Abend ein wenig Linderung im Schmerz um den damals vergebenen Titel gebracht haben, in jedem Fall aber hat sich der mittlerweile 13jährige Fabian Dopf mit dem phantastischen Erstrunden-Auftritt gegen Michael Kunz jede Menge Renomee im Wiener Breitensport-Tennis erspielt. Und es war in der Tat großartig mitanzusehen, mit welcher Kaltschnäuzigkeit der Teenager vom WAT Landstraße, dem berühmten Gegner entgegentrat. Da stand dem unbekannten Junior – der sich über die Quali und einem 6:0, 6:1 Sieg über den kranken Patrick Weisz sein Ticket für den Hauptbewerb sicherte – die Nummer 2 des Turniers gegenüber, der 2008 das HTT-Wimbledon-Turnier gewann und zu den besten Doppelspielern der Open Ära gehört, und dann sieht man fast 100 Minuten lang keinen großen Unterschied zwischen dem “Ranglisten-Zwerg” und dem “Aufschlag-Riesen”. Im ersten Satz brachten beiden Akteure ihre Aufschlagspiele bis 4:4 ohne größere Probleme durch, ehe Dopf zum entscheidenden Break auf 5:4 ausholte, und schließlich unerwartet routiniert den Satz ausservierte.

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Kunz dreht zweiten Satz nach 1:3 Rückstand und kontert auch im dritten Satz bei einem 2:5 Rückstand mit 4 in Serie gewonnenen Games

Als der Junior im zweiten Durchgang dann plötzlich mit 3:1 in Führung lag, machte die sich anbahnende Sensation erstmals die Runde im UTC La Ville. Kunz wirkte bis hierher schwerfällig und konzeptlos, während Dopf komplett unbeschwert und völlig ohne Respekt vor dem großen Namen spielend, die Weichen in Richtung Sensation stellte. Kunz freilich hatte nicht vor, sich wie schon so oft in seiner Karriere von einem Nobody brüskieren zu lassen, und legte einen starken Zwischenspurt mit fünf in Serie gewonnenen Games auf dem Centercourt im La Ville hin. Damit hatte der 42jährige Deutsch Wagramer wieder für offene Verhältnisse gesorgt, und sein 247. Karriere-Single in einen dritten Satz gehievt. Und der hatte es dann gewaltig in sich, denn das “Grande Finale” offenbarte all das, was einen spannenden Tennis-Krimi ausmacht. Dopf der kleine Mann, steuerte zunächst wieder mit “großen Schritten” in Richtung Top-Sensation, immerhin führte der 13jährige 5:2, ehe der Jungstar wie schon im Mai 2012 knapp vor einer echten Sternstunde stehend, zu scheitern drohte. Der Kunz-Konter fiel nämlich gewaltig aus, mit 4 Games in Serie und dem Break zum 6:5 schockte der 7fache Turniersieger den Minuten zuvor wie den sicherem Sieger aussehenden Jungstar. Und als Kunz dann bei eigenem Aufschlag und einer 30:0 Führung nur mehr zwei Punkte vor dem Aufstieg ins Achtelfinale stand, war Dopf entgültig wieder an jenen Abend des 21. Mai 2012 erinnert, als er so knapp vor dem Triumph stand, und dann doch kläglich scheiterte. Kunz schien die Sensation im letzten Moment abgewendet zu haben, als er sich mit drei leichten unforced errors und einem Doppelfehler plötzlich im Tie-Break widerfand.

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Rotzfrech spielender Teenie-Star brüskiert routinierten Michael Kunz im entscheidenden Tie-Break

Und dort trauten Beobachter ihren Augen nicht, denn in dieser Entscheidung war es nicht – der mit der Routine von 116 Turnieren und über 240 Matches ausgestattete – Michael Kunz, sondern der rotzfrech spielende 13jährige Fabian Dopf, der routiniert und abgebrüht Punkt für Punkt in diesem Tie-Breaker abspulte. Kunz kämpfte längst mit einem ganz schweren Arm, fabrizierte teils katastrophal anzusehende Fehler, während Dopf mit kontrollierter Offensive ganz clever den Sieg “eintütete”. Mit 7:2 fixierte der Junior schließlich einen epoachalen Erfolg, der weit über die Grenzen der Hobby-Tennis-Tour hinaus für Aufsehen sorgen wird. Soeben die ganz große Nummer abgeliefert, präsentierte sich Riesentöter Fabian Dopf dann im Interview aber recht bescheiden: “Ich freue mich sehr über diesen Erfolg. Nach der 5:2 Führung im dritten Satz hatte ich schon fix mit dem Sieg gerechnet, als ich dann 5:6 und 0:30 zurücklag, dachte ich jetzt ist es aus. Ich habe in dieser Phase sicherlich auch das nötige Glück gehabt. Den Tie-Break habe ich dann aber sehr gut gespielt”, lächelte der Sensationsmann vom WAT Landstraße. “Ich habe natürlich gewusst, dass ich einen ganz starken Gegner in der ersten Runde habe, und eigentlich habe ich nur auf ein paar Games gehofft. Nach dem ersten Satz habe ich mit dem Sieg spekuliert, und nach dem verlorenen zweiten Satz wollte ich am Schluss noch ein paar Games holen”, erzählte Dopf.

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Michael Kunz über eine seiner bittersten Karriere-Stunden auf der Hobby-Tennis-Tour

Einmal mehr eine bittere Niederlage hatte am Samstag Abend dann Michael Kunz zu erklären. Der Deutsch Wagramer ist 2014 noch immer sieglos, fuhr die dritte Erstrunden-Pleite in Folge ein, und schrammte im 247. Karriere-Match so wie im Jahr 2012 erneut in eine März-HTT-150-Auftaktniederlage. “Was soll ich sagen. Bitter wenn man ein 2:5 – das so eigentlich auch nie hätte passieren dürfen – aufholt, und dann bei 6:5 und 30:0 das Match nicht gewinnt. Das ist richtig bitter. Unterschätzt habe ich meinen Gegner nicht, dazu bin ich selbst derzeit nicht gut genug in Form. Nachdem es schon im ersten Satz bis 4:4 eng war, war kein Grund mehr vorhanden, den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Ich gönne dem Fabian diesen Sieg, das ist ein schöner Erfolg für ihn mit 13 Jahren, aber ich muss dieses Match bei 6:5 im dritten Satz einfach ausseriveren. So gesehen hätte ich lieber 6:2 im letzten Satz verloren”, lachte Kunz. Als bitterste Niederlage seiner Karriere will Kunz den Samstag-Abend-Auftritt aber nicht wissen. “Die bitterste Niederlage war sicher jene bei den HTT-US-Open 2007, als ich im Semifinale gegen Hans Ebner verloren habe. Natürlich ist auch die heutige Niederlage eine bittere, aber wie schon gesagt, ich gönne ihm diesen Sieg. Er hat super gespielt, genau das was er kann, und das hat er gut gemacht. Nachdem ich bei 6:5 den Sack nicht zumachen konnte, hat er auch verdient gewonnen, denn den Tie-Break hat er echt super gespielt”, lobte der unterlegene Michael Kunz.