Aus der Balkonperspektive

Warum denn immer gleich sachlich werden, wenn es auch persönlich geht?André Heller

Ganz allgemein liefert die Faschingszeit jedes Jahr Höhepunkte und Tiefschläge in allen Bereichen unseres Lebens.
Dass der Fasching heuer Anfang März mit den üblichen Ritualen zu Ende gegangen ist, dürfte jedoch bei einigen noch nicht angekommen sein.

Auf der hobbyTennisTour ereignete sich Ende Februar ein Ereignis, das in den vergangenen Wochen ungewöhnlich heftige Reaktionen ausgelöst hat. Diese haben mittlerweile Auswüchse angenommen, welche die Grenzen des guten Geschmacks weit hinter sich gelassen haben.

Ursachen derartiger Kritik waren in der Vergangenheit häufig der Tatsache geschuldet, dass es schwierig ist, neue Spieler einzuschätzen.
Da steht der Veranstalter vor dem Problem, einen Spieler zu einem Turnier zuzulassen über dessen Spielstärke nichts bekannt ist. Der Spieler andererseits sieht sich einer Tour gegenüber, deren wahres Niveau aus der Ferne kaum einzuschätzen ist.
Mit derartigen Unsicherheiten müssen wir leben, tagtäglich.
Und manchmal geht es schief. Bestes Beispiel war ein spanischer Newcomer aus dem Jahr 2013, der sein Debüt beim Februar Future 2013 gab, sich am Ende der Saison im Tour Final wiederfand und dort nur knapp in der Vorrunde scheiterte.

Doch meistens verstummen derartige empörte “Der ist viel zu stark für…”-Rufe innerhalb des laufenden Turnierwochenendes und weichen der Erkenntnis, das der Veranstalter mit seiner Einschätzung doch nicht so daneben lag.

Aber um derartige Banalitäten geht es hier nicht.

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Die causa extrinseca

Auslösender Moment, welcher den Stein ins Rollen gebracht hat, war das heurige Februar 150er. Oder besser dessen Sieger.

Denn was da nach dem heurigen Februar 150er abgegangen ist, ist an Verhaltensoriginalität in der fast 25 jährigen Tourgeschichte einzigartig.
Mir ist kein Turniersieger auf der hobbyTennisTour bekannt, der sich nach seinem Erfolg einem derartigen Shitstorm ausgesetzt sah.

Üblicherweise erhalten Spieler nach erfolgreichem Finale oder nach respektablen Leistungen Glückwünsche aus unterschiedlichsten Quellen.
Diesmal nicht. Diesmal wurden dem Sieger alle Tennisfertigkeiten per se aberkannt, und zwischen den Zeilen war die Ratlosigkeit zu erkennen, wie man ein Tennisturnier gewinnen kann ohne Tennis spielen zu können.

Wie in solchen Fällen üblich erreichte das recht schnell eine Eigendynamik, bei der die bloße namentliche Erwähnung des Turniersiegers die nächste Welle auslöste.

Welche Hintergründe tatsächlich hinter dieser, zum Teil offen zur Schau gestellten, Gehässigkeit gegenüber dem Februar 150er Sieger lauern, werden wohl nur die handelten Personen wissen.

Das sich einige anmaßten, Erklärungen darüber abzugeben, wer ein Anrecht auf welches Maß der Berichterstattung hat, zeugt allerdings von einer recht bemerkenswerten Selbsteinschätzung, was die Relevanz der eigenen Meinung betrifft.

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Statler, Waldorf und andere Neujahrsbabies

Doch die Reaktionen in den Kommentaren der Tour-Homepage waren nicht die einzigen Beiträge, die der Welt in den letzten Wochen zu Teil wurden.

Würde man die meisten Kommentare nicht gerade als höflich bezeichnen, so sind die Beiträge, die auf der Facebook-Fanpage gepostet wurden wohl zwischen untergriffig und unverschämt einzuordnen.

Spannend zu beobachten war hier vor allem die Tatsache, dass sich die Beiträge sehr schnell zum Bashing auf die gesamte hobbyTennisTour weiterentwickelt haben, immer wieder aufgelockert mit fachkundigen Updates zum aktuellen Stand der ITN Einstufung des Februar 150er Siegers samt zugehörigen Meinungen.

Dafür, quasi im Alleingang grundlegende Wahrheiten recherchiert zu haben und die Tour Community zeitnah zu informieren, ist allen Beteiligten die höchste Anerkennung auszusprechen.
Des weiteren Verdanken wir diesen fleissigen Usern die schon lange überfällige Feststellung, was Hobbytennis zu sein hat und was nicht.
Auch dafür bedanken wir uns an dieser Stelle ausdrücklich.

Überwältig von dieser geballten Kompetenz erschien die Antwort des, seit knapp 25 Jahren tätigen, Tourorganisators beinahe unwürdig.
Die vom Veranstalter ausgesprochene Einladung an die Kritiker, bei einem gratis Turnierstart ihre fundierten Kenntnissee der hobbyTennisTour zu erweitern und die Tourgemeinschaft teilhaben zu lassen, an ihren schier sagenumwobenen Erfahrungsschätzen wurde…

… noch nicht einmal ignoriert.

Verständlich, ist es doch weitaus bequemer aus der Ferne, im Schutz der vermeintlichen Anonymität, rumzupöbeln.

In diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache erwähnenswert, dass die untergriffigsten Beiträge eine recht kurze Halbwertszeit zu haben scheinen und relativ zeitnah nach der Veröffentlichung wieder verschwinden.
Über die Ursachen des Verschwindens gehen die Meinungen auseinander. Die Palette möglicher Erklärungen beginnt beim Löschen durch den Verfasser über ein Eingreifen der Redaktion bis hin zu einem Fehler bei Facebook.

Auch wenn die Redaktion bisher davon Abstand genommen hat Kommentare bewusst zu löschen, so hinderte es betroffene Autoren nicht sofort Zensurvorwürfe zu unterstellen und trotzig weiterzustänkern.
Sollte es sich jedoch tatsächlich um einen Fehler handeln und die betroffenen Kommentare tauchen wieder auf, wird die Redaktion die betroffenen Beiträge jedoch bewusst entfernen.

Dass diejenigen, die am lautesten schreien auch jene sind, deren Untergriffigkeiten verschwunden sind, hat zudem eine besondere Note.

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Variatio delectat

Meine sehr geehrten Damen und Herren.
Es reicht!Wilhelm Molterer

Eine Erkenntnis aus dem bescheidenen Erfahrungsschatz des Autors lautet: Füttere Trolle nicht
Sie gehören zum Hintergrundrauschen der Online-Welt wie die Fliegen zu den Bedürfnisanstalten dieser Erde.

Solange das Hintergrundrauschen nicht zu laut wird, sind auch keine Maßnahmen notwendig dem trolligen Gehabe zu begegnen.
Maßnahmen werden aber dann notwendig, wenn die Toleranz permanent über das erträgliche Maß strapaziert wird und die Grenzen des Erträglichen wiederholt überschritten werden.

Aus diesem Grund hat sich die Redaktion dazu entschlossen, ab sofort jene User zu blocken, die die Medien der hobbyTennisTour für ihre privaten Kreuzzüge missbrauchen.
Hier wird keine Zensur betrieben und es werden keine Meinungen unterdrückt. Jeder hat das Recht hier seine Meinung frei zu äußern.
Dieses Recht geht jedoch mit der Pflicht einher zu akzeptieren, dass andere nicht dazu verpflichtet sind diese Meinung auch zu teilen oder zu unterstützen. Diskussionen zu kontroversiellen Standpunkten sind ausdrücklich erwünscht, solange sie sich im Rahmen einer angemessenen Diskussionskultur abspielen.

Abseits davon hat jeder die Möglichkeit, auf seinem Account oder auf seiner Website herumzutrollen, soviel er möchte. Aber nicht hier.

Am Ende des Tages stärken Trolle durch ihre unqualifizierten Beiträge die Zusammengehörigkeit der Community, die sie so niveaulos beflegeln.
Gruppendynamisch nehmen Trolle also eine unglaublich wichtige und verantwortungsvolle Position ein und dafür ist ihnen unser Dank gewiss.