Teenie-Star Yannik Podesser sorgt beim Februar-Future-Turnier für Rekordsieg

Mit einem Rekordsieg endete am Dienstag Abend das Endspiel beim 2. Februar-Future-Turnier 2014 im UTC La Ville. Der erst 14jährige Yannik Podesser gewann am späten Abend den dritten Saison-Future-Bewerb durch einen finalen Kantersieg über Jänner-Future-Champion Martin Böö, und stellte dabei eine neue Bestmarke auf. Den in lediglich 61 Minuten errungenen 6:1, 6:2 Erfolg fixierte Podesser als Nr. 461 der HTT-Computer-Rangliste, womit er als Turniersieger mit dem schlechtesten Ranking, Aufnahme in die HTT-Rekordlisten fand. Damit löste der Jungstar vom Vienna Cricket Club den Deutschen Karsten Schütze ab, der erst vor wenigen Wochen beim Jänner-Challenger-Turnier als Nr. 443 eine neue Rekordmarke aufgestellt hatte. Der frischgebackene Februar-Future-Champion ist zudem erst der dritte Spieler der Geschichte, dem mit einem Ranking jenseits der Top 400 ein Turniersieg im Circuit gelang. Ein Bericht von C.L

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Yannik Podesser zieht im ersten Satz seiner Final-Premiere eine abgebrüht wirkende Show ab

Am Ende eines langen Finalabends staunten sie alle über die Abgebrühtheit, mit der sich ein 14jähriger Final-Debütant am Faschings-Dienstag in seinem Premieren-Endspiel präsentierte. Yannik Podesser, Junior vom Vienna Cricket Club lieferte im Endspiel des 2. Februar-Future-Turniers eine beinahe unglaubliche Vorstellung ab. Da steht ein eben erst 14 Jahre alt gewordenes Bürschchen im allerersten Finale seiner Karriere, und dann tritt der Rookie dort derart imposant in Erscheinung, das selbst der Gegner ins Staunen gerät. Einfach fehlerlos, taktisch höchst diszipliniert und in keiner Sekunde nervös wirkend, zog Podesser im ersten Satz eine geniale Filzkugel-Show ab. Zwar legte Jänner-Future-Sieger Martin Böö mit einem zu Null gewonnenen Aufschlagspiel mächtig los, doch damit hatte der 28jährige scheinbar sein Pulver auch schon verschossen. Was folgte war ein grauenvoll gespielter erster Satz, der gemixt mit der tadellosen Vorstellung seines Gegenüber im Debakel für den Böö enden musste. Mit 9 Punkten in Folge hatte Podesser zwei Aufschlagspiele und das erste Break dieses Endspiels fixiert, und nach nur 12 Minuten bereits mit 4:1 geführt. 6 Minuten später war der erste Heat auch schon durch, in dem Podesser mit 24:7 gewonnenen Punkten glänzte, mit 79 Prozent an ersten Aufschlägen für Druck sorgte, und mit drei Breaks aus drei Break-Chancen auch höchste Effektivität zeigte. Und während nur 4 unerzwungene Fehler die Match-Statistik des 14jährigen nach Satz 1 zierten, spuckte die HTT-Datenbank wahre Horrorzahlen für einen grottenschlecht spielenden Martin Böö aus. Der 28jährige brachte es insgesamt gerade einmal auf 7 Punkte, die sich bei 18 unerzwungenen Fehlern natürlich äußerst bescheiden ausnahmen. Beim Return war der Linkshänder auch ohne Chance und Break-Möglichkeit geblieben.

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Martin Böö kommt im zweiten Satz mit seinem ersten Break auf 2:3 heran

Unverändert präsentierte sich zunächst auch zu Beginn des zweiten Satzes das Bild am Centercourt des UTC La Ville. Podesser eröffnete mit einem souverän durchgebrachten Aufschlagspiel, in dem er auch für die spielerischen Glanzpunkte sorgte. Ein ums andere Mal brillierte der 14jährige mit genial platzierten Passierbällen, die Martin Böö auf der anderen Seite des Netzes immer wieder chancenlos bestaunen musste. Nach sieben in Serie verlorenen Games, gab es dann aber doch plötzlich einen Lichtblick am Tennis-Horizont des im ersten Durchgang vorgeführten Jänner-Future-Champions. Böö hatte sich das Game zum 1:1 erkämpft, und dabei mit starken ersten Aufschlägen und einem Vorhand-Winner ein Lebenszeichen von sich gegeben. Trotzdem führte Podesser kurz darauf mit 3:1, nachdem sich der Teenie-Star mit eleganten Volleys am Netz und einem von Böö fehlerhaften gespielten Service-Game mit 3:1 absetzen konnte. Und trotzdem hatte man in dieser Phase des Finales das Gefühl, als ob der Jänner-Future-Sieger knapp dran an einer möglichen Wende wäre. Der 28jährige hatte sein Spiel umgestellt, versucht den Ball im Spiel zu halten, und auf die Gelegenheit zum Punktschlag gewartet. Und praktisch wie aus dem Nichts – Böö hatte zwei leichte Fehler beim Stand von 1:3 produziert – kam der 28jährige zu seinem ersten Breakball und dem Re-Break auf 2:3. Der Kenn-Bezwinger hatte einen herrlich getimten Stoppball gesetzt, dazu bei einem Netzroller das nötige Quentchen Glück, während Podesser erstmalig in diesem Endspiel “menschliche Züge” zeigte, und bei Doppelfehler Nr. 1 und einem leichten Volleyfehler gröber patzte.

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Podesser verwandelt seinen zweiten Matchball und macht traumhaftes Final-Debüt perfekt

Eine phantastisch geschlagene Vorhand-Peitsche sollte Böö im Folge-Game einen Spielball zum 3:3 bescheren, doch der immer besser ins Spiel kommende und immer öfters auch mit seinem Paradeschlag der Vorhand punktende Linkshänder, patzte stets dann, wenn die “big points” auf dem Programm standen. So waren seine nun immer öfters zu bestaunenden Vorhand-Winner zwar die Bestätigung seines großen Könnens, mehr aber auch schon nicht, denn wann immer die entscheidenden Game-Punkte anstanden, hatte Podesser das bessere Ende für sich. So holte der 14jährige auch noch die letzten beiden Games, um nach exakt 61 Minuten Spielzeit den Premieren-Triumph endgültig perfekt zu machen. Den ersten Matchball Podessers konnte Böö noch mit einem Service-Winner entschärfen und abwehren, mit dem zweiten Matchball aber hatte der Jungstar sein traumhaftes Final-Debüt Realität werden lassen.

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In Runde 1 fast ausgeschieden, im Semifinale die Mama zum Einschlafen gebracht, feierte Yannik Podesser im Endspiel einen grandiosen Sieg und hievte sich mit seinen 40 Siegpunkten erstmals unter die Top 300 der HTT-Computer-Rangliste

Mit verwandeltem Matchball fiel dann die ganze Anspannung beim 14jährigen ab. Mit geballter Faust stürmte er ans Netz zum Shakehands, bevor er bei der Siegerehrung gar nicht erst eine mögliche Ansprache abwarten wollte, und selbst den Griff zum Pokal tätigte. Podessers Triumph beim 2. Februar-Future-Turnier im UTC La Ville ist wieder einmal eine dieser ganz besonderen Geschichten, wie sie nur die Hobby-Tennis-Tour schreibt. Denn eigentlich grenzte es fast an ein Wunder, dass Podesser am Abend des 4. März überhaupt die Chance hatte, sich im Endspiel mit Martin Böö messen zu können. Drei Tage zuvor war der Teenager nämlich eigentlich schon ausgeschieden, lag der 14jährige doch im Auftakt-Match gegen Mario Ferrari mit 5:7, 2:4 und bei eigenem Aufschlag 30:40 zurück. Mit einem Bein bereits im Aus, rettete sich Podesser schließlich aber doch noch ins Turnier zurück, wo er danach konkurrenzlos die Herren Robert Rother und Felix Rössler zu Statisten degradierte. Im Semifinale am Montag Abend wiederum geizte Yannik im Duell mit Josef Winkler mit tennistechnischen Feinheiten, und mühte sich nicht nur drei unansehnliche Sätze lang ins Endspiel, sondern brachte auch noch Mama Podesser auf der Zuseherbank zu einem Schläfchen. Und während im Halbfinale die Mama vor Langeweile eingenickt war, saß 24 Stunden später der Papa auf der Bank, und staunte hellwach und begeistert über die grandiose und vorallem abgeklärte Performance seines Sohnes, der sich nebem dem Rekord als Turniersieger mit dem niedrigsten Ranking auch noch zum 216. Titelträger der Open Ära kürte. Als Belohnung für einen phantastischen Final-Abend kassierte Podesser zudem 40 Ranglistenpunkte, die ihn erstmals unter die Top 300 der HTT-Entry-List hievten, und er durfte sich über seinen eroberten Startplatz beim Future-Tour-Final 2014 freuen.

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Der jüngste Turniersieger der bisherigen Saison im Interview: “Es wäre schön, wenn ich auf Challenger-Ebene weiterkommen könnte”

“Ich bin natürlich sehr froh über diesen Turniersieg und meine Qualifikation für das Future-Tour-Final. Ich habe im ersten Satz aggressiv gespielt und wenige Fehler gemacht. Im zweiten Satz bin ich ein bißchen defensiver geworden, habe aber trotzdem weiterhin wenig Fehler gemacht. Das war heute mein Erfolgsrezept. Ich bin sehr froh über meine Leistung, und das es zum Turniersieg gereicht hat”, strahlte der zweite 14jährige Turniersieger in diesem Jahr. Verblüffend war für alle Beteiligten vorallem die Abgezocktheit, mit der Podesser scheinbar völlig cool den ersten Satz absolvierte. “Ich war schon nervös, aber es hat sich in Grenzen gehalten. Ich konnte gut damit umgehen, und die schnelle Führung hat mir sicherlich auch geholfen”, analysierte Podesser, der sich zum jünsten Turniersieger 2014 kürte, und auch gleich seine Ziele für die nähere Zukunft definierte: “Also es wäre schön, wenn ich auf Challenger-Ebene weiter kommen könnte. Vielleicht schaffe ich ja in den nächsten paar Monaten einmal ein Finale oder einen Sieg bei einem Challenger-Turnier. Das kann ich mir durchaus vorstellen, wenn ich gut spiele. Das kann ich schaffen”, erklärte der 14jährige.

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Martin Böö im Interview, und warum sich Gattin Katharina über die Niederlage freute

Derweil musste Martin Böö zum Interview, und das nach einer insgesamt wenig zufriedenstellenden Vorstellung im zweiten Finale seiner noch jungen Karriere. “Mit dem Finaleinzug bin ich zufrieden, damit habe ich mein Ziel erreicht, denn das Endspiel wollte ich so wie im Jänner wieder schaffen. Über den ersten Satz brauchen wir nicht viel zu diskutieren. Er hat routiniert gespielt, und ich habe einfach viel zu viele unforced errors gemacht. Im zweiten Satz bin ich besser ins Spiel gekommen, habe sicherer von der Grundlinie gespielt, nur leider habe ich es in den entscheidenden Situationen ein wenig mit dem Risiko übertrieben. Im Großen und Ganzen hat der Yannik aber sehr routiniert gespielt und diesen Titel verdient gewonnen”, so der 28jährige. Nur eine Person freute sich am Dienstag Abend im Hause Böö über Martins Niederlage. Gattin Katharina war froh über das 1:6, 2:6, “denn ich wüsste nicht, wohin wir den zweiten Pokal daheim stellen sollten. Mit dem Teller tun wir uns leichter”, lachte Martins bessere Hälfte.

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