Entfesselter Peter Hillebrand demontiert ehemalige Nr. 1 im März-HTT-250-Viertelfinale

Am Samstag Abend zu später Stunde ist er noch haarscharf am sensations-umwitterten Achtelfinal-Aus gegen Martin Vesely vorbeigeschrammt, 14 Stunden später jedoch war für den ehemaligen Ranglisten-Ersten und hier beim März-HTT-250-Turnier topgesetzten Franz Mayrhuber Endstation. Die in knapp 50 Minuten mehr als deutlich ausgefallene 2:6, 3:6 Niederlage gegen Peter Hillebrand, war der ganz große Aufreger eines Tennis-Wochenendes, das so nebenbei auch zum Aufstand der Tour-Oldies avancierte. Die Hälfte der acht Halbfinalisten beim 8. März-HTT-250-Turnier und bei der 2. Auflage des Februar-Future-Turniers ist über 40, und damit demonstrierten Hillebrand & Co ganz eindrucksvoll, dass die Seniors-Szene sich noch keinesfalls der zu Saisonbeginn so dominierenden Jugend der Hobby-Tennis-Tour geschlagen geben möchte. Ein Bericht von C.L

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Jänner-HTT-250-Finalist Peter Hillebrand macht sich im Tour-Zirkus mit Viertelfinal-Galavorstellung über topgesetzten Franz Mayrhuber berühmt

Über 600 Spieler umfasst die aktuelle HTT-Entry-List mittlerweile, da kann man selbst als regelmäßiger Teilnehmer der Hobby-Tennis-Tour nicht jeden seiner Mitstreiter kennen. Eine mehr als gute Gelegenheit, sich über Nacht einen Namen im Circuit zu machen und gar zur lokalen Berühmtheit im Tour-Zirkus aufzusteigen, ist ein Sieg über einen der renommierten Tour-Stars wie Franz Mayrhuber einer ist. Nun, einen Erfolg über den ehemaligen Branchen-Primus und Sieger von 12 HTT-Turnieren haben in der jüngeren Vergangenheit schon mehrere “noch” unbekannte Spieler vollbracht, wie beispielsweise Karl Michael Knirsch, Bernd Bittermann oder Stefan Grübmüller. Eine weitaus größere Dimension könnte aber freilich jene Viertelfinal-Niederlage vom gestrigen Sonntag haben, die Franz Mayrhuber im Oldies-Duell mit Peter Hillebrand einstecken musste. Der Grund dafür liegt wohl in der bisherigen Einzigartigkeit, die das für viele Szenekenner doch recht überraschende Aus des 2fachen Masterssiegers darstellt. Jener Mann, der noch vor knapp mehr als drei Monaten die vielgelobte und als superstark ausgemachte Hobby-Tennis-Tour anführte, der in seiner Karriere 104 Wochen lang die Branche anführte und neben zwei Masters-Titel auch den Sieg bei den HTT-French-Open sowie Olympiagold bejubeln durfte, wurde im Viertelfinale eines HTT-250-Turniers nicht nur geschlagen, sondern in der Art und Weise wie diese – statistisch betrachtet – ganz besondere Niederlage zu Stande kam, sogar gedemütigt.

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Franz Mayrhuber feiert am Samstag Abend im Achtelfinale gegen Martin Vesely einen Pyrrhussieg

Jänner-HTT-250-Finalist Peter Hillebrand zeigte sich am gestrigen Sonntag zu “High Noon” im Duell mit Franz Mayrhuber gnadenlos, und “prügelte” den einzigen Top-Ten-Star des März-HTT-250-Turniers in lediglich 50 Minuten und nach einer grandiosen Vorstellung mit 6:2, 6:3 aus dem Bewerb. Der 41jährige vom TC Harland zelebrierte in seinem dritten Karriere-Viertelfinale Tennis vom Feinsten, und ließ dem Titelfavoriten nicht den Hauch einer Chance. Denn während Hillebrand praktisch permanent die kleine gelbe Filzkugel taktisch clever und überaus präzise im Feld seines Gegners platzierte, waren Mayrhuber die Strapazen des heroisch errungenen Achtelfinal-Triumphs vom Vorabend anzumerken. Über zweieinhalb Stunden hatte es gedauert, bis Mayrhuber den 165. Einzelsieg seiner außergewöhnlichen Karriere gegen einen exzellent spielenden Martin Vesely in einem wahren Tie-Break-Krimi fixiert hatte. Ein Pyrrhussieg wie sich 14 Stunden später herausstellen sollte, denn den 49jährige war behäbigen Schrittes nie und nimmer in der Lage, einem wie entfesselt spielenden Gegner Paroli zu bieten.

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Peter Hillebrand: “Es war heute einfach wunderschön, hier zu spielen”

“Ich freue mich natürlich sehr über diesen Erfolg. Ich wusste, dass ich gegen einen sehr starken Gegner im Viertelfinale spiele, wo ich von der ersten bis zur letzten Minute hoch konzentriert sein muss. Ich denke das ist mir gelungen, das Glück war auch auf meiner Seite, und so war es ein Tag, an dem einfach alles gepasst hat. Der Sieg geht in Ordnung, und es war einfach wunderschön heute hier zu spielen”, betonte Peter Hillebrand, der dann in der Pressekonferenz angesprochen auf seine Titelchancen meinte: “Wenn man den Franz Mayrhuber schlägt, dann kann man schon auch in Richtung Turniersieg schauen. Aber es sind noch viele weitere gute Spieler im Turnier, wie beispielsweise der Titelverteidiger. Ich werde versuchen, ins Finale zu gelangen, und dieses auch zu gewinnen. Wer will das nicht, aber es wird nicht einfach”, so der Mayrhuber-Bezwinger.

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Franz Mayrhuber: “Hillebrand hat verdient gewonnen. Ich hatte kein Rezept gegen ihn”

Ein gläserner leerer Blick zierte derweil das Gesicht von Franz Mayrhuber, der trotz enttäuschender Viertelfinal-Pleite, im Gespräch mit dem Veranstalter Rede und Antwort stand. “Der Gegner war stark und hat verdient gewonnen. Er hatte heute Spielzüge auf Lager, gegen die ich einfach kein Gegenrezept hatte. Das geht so in Ordnung. Der bessere Mann soll einfach gewinnen. Körperlich war ich natürlich schon ein bißchen angeschlagen, aber das soll keine Ausrede für meine Niederlage  sein. Auch wenn ich heute im Viertelfinale eines 250er-Turniers verloren habe, ist das für mich nicht bitter. Wirklich nicht”, lächelte die ehemalige Nr. 1 gequält. Indes: Innerhalb der Kollegenschaft setzte am Sonntag Nachmittag unmittelbar nach dem sensationellen Mayrhuber-Aus die große Diskussion ein, ob denn der “große alte Mann” der Hobby-Tennis-Tour nun auch tatsächlich bereits zu schwach für ein 250er-Turnier der HTT wäre, und woran es denn liegen könnte, dass Mayrhuber den bislang für ihn gewohnten Erfolgsweg verlassen hat.

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Mayrhuber prolongiert Negativ-Bilanzen, doch ist der 49jährige tatsächlich auch schon zu schwach, um auf HTT-250-Ebene um Turniersiege mitzuspielen?

Mit der 2:6, 3:6 Niederlage gegen Peter Hillebrand prolongierte der Ranglisten-Vierte zwei in den letzten Wochen und Monaten entstandene Negativ-Bilanzen. Einerseits muss Mayrhuber nun bereits seit 10 Turnierteilnahmen auf das Erreichen eines Endspieles warten, der letzte Titelgewinn liegt gar bereits 17 Turnierstarts zurück. Immerhin erreichte der 49jährige erstmals nach 7 vergeblichen Turnier-Auftritten wieder ein HTT-Viertelfinale, angesichts der an diesem Wochenende anstehenden Turnierkategorie, ist das für Mayrhuber aber ein mehr als schwacher Trost. Spannend waren nach dem Mayrhuber-Desaster die Stellungnahmen und Meinungen der Kollegen, die sich einerseits überrascht, und andererseits bestätigt fühlten. Natürlich war immer wieder sein Alter als Hauptgrund für die momentane Krise im Gespräch, und einige der Wortspenden zielten gar darauf ab, dass Mayrhuber auch auf 250er-Ebene “ausgedient” hätte. Nun: Mayrhuber ist natürlich keineswegs zu schwach für einen möglichen Titelgewinn bei einem 250er-Turnier. Das frühe Aus bei seinem HTT-250-Premieren-Auftritt war auch eine Verkettung unglücklicher Umstände. Das der Routinier am Vorabend über die volle Distanz von drei Sätzen und durch zwei Tie-Breaks im Achtelfinale gegen Martin Vesely musste, war genauso unglücklich, wie der Umstand, dass eine Runde später Peter Hillebrand einfach einen Traumtag hatte, und beinahe jeden Ball nach Wunsch traf.

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Spaß oder Erfolg – Franz Mayrhuber wird sich entscheiden müssen

Allerdings muss sich Mayrhuber langsam aber sicher darüber klar werden, wie er in Zukunft seine Turnierstarts koordinieren wird. Noch scheint der 49jährige nämlich immer noch nicht wahrhaben zu wollen, dass ihm im 14. Jahr des 21. Jahrhunderts körperliche Grenzen gesetzt sind. Zwei- oder dreifach Turniernennungen, dazu noch Tischtennis-Meisterschaft, das kann schon alleine in Sachen Regeneration unmöglich gut gehen. Wobei Mayrhuber seine Hetzjagd von Turnier zu Turnier nicht als Stress, sondern als Spaß empfindet. “Ich spiele einfach zu gerne Tennis”, verteidigt der 49jährige seine eigenwillige und unverständliche Terminplanung. Naja: Und wenn Mayrhuber eben einfach nur Spaß haben will, dann ist es auch in Ordnung, dann soll er weiter in inflationärer Weise Turnierstarts sammeln. Will er allerdings in die Erfolgsspür zurück, und auch auf der Hobby-Tennis-Tour seine Titelsammlung noch ein bißchen ausbauen, dann bedarf es raschester Weise eines gut überlegten Turnierplans. Dann ist eine Mayrhuber-Rückkehr in die Erfolgsspur nicht nur möglich, sondern fast sicher! Und das nicht nur auf HTT-250er-Ebene!

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