Topgesetzter Peter Baumann scheitert im Achtelfinale des Februar-Challenger-Turniers

Der HTT-Turnier-Doppelpack am ersten Februar-Wochenende der neuen Tennissaison wird endgültig zum ganz großen Aufstand der No-Names! An einem mit 22 Matches proppe voll gesteckten dritten Spieltag, fanden am Ende drei Tour-Debütanten den Weg in die beiden Semifinali, insgesamt bringen es die neun am Montag Abend noch im Bewerb befindlichen Spieler auf gerade einmal 69 gemeinsame Turnierstarts. Titelfavorit Nr. 1 beim 23. Februar-HTT-500-Turnier bleibt der an Nummer 2 gesetzte Fabian Mayrhuber, wobei sich der WAC-Star gegenüber seinen beiden Sonntags-Auftritten gewaltig wird steigern müssen, wenn er dem Ansturm der “No Names” standhalten, und im dritten Versuch nach 2010 und 2012 endlich den Titel erringen möchte. Die 8. Auflage des Februar-Challenger-Turniers avanciert derweil immer mehr zur ganz großen Junior-Party. Zwei 14jährige, dazu ein 17jähriger Qualifikant als absolute Turnier-Sensation, da wirkt der ebenfalls im Viertelfinale stehende Thomas Janzso mit seinen 24 Jahren beinahe schon als gestandener Oldboy. Als letzte Bastion der “Old Generation” im Duell mit der breiten Front an jugendlichen Tour-Stars kämpft aber der 54jährige Werner Tröstl längst einen einsamen Kampf. In der Rolle als “Kindergarten-Cop” wird der “Semifinal-Opa” am Montag Abend versuchen, die aufmüpfige Junior-Phalanx  zu bändigen. Ein Bericht von C.L

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Titelfavorit Fabian Mayrhuber müht sich mit zwei eher schwächlichen Vorstellungen ins Semifinale des 23. Februar-HTT-500-Turniers

“Ganz ehrlich, an diesem Wochenende zählt für mich nur der Titel, alles andere wäre eine Mega-Enttäuschung”, so skizzierte der 2fache HTT-Grand-Slam-Champion Fabian Mayrhuber im Vorfeld seine Erwartungen für das anstehende Februar-HTT-500-Turnier. Zwei Mal war der 25jährige WAC-Star hier bereits am Start, und beide Mal – nämlich 2010 und 2012 – scheiterte er jeweils erst im Finale am erhofften Titel-Gewinn. Beim dritten Anlauf soll es nun klappen, doch eine Empfehlung für Karriere-Turniersieg Nr. 11 gab der Ranglisten-Sechste am Sonntag Nachmittag nicht unbedingt ab. Zwar erreichte Mayrhuber ohne Satzverlust das Semifinale des 745. Single-Events der Open Ära, doch überzeugen konnte “Fabsch” dabei nicht. Im Achtelfinale mit Vorjahres-Halbfinalist Markus Mohr hatte der 25jährige im ersten Satz mit 2:5 Rückstand und einem abzuwehrenden Satzball eine Schrecksekunde zu überstehen, ehe er sich dem Ernst der Lage bewusst wurde, und mit 7:5, 6:1 die “Papierform” wieder herstellte. Ein deutliches Zeichen in Richtung “Turniersieg” konnte der HTT-Wimbledonsieger von 2011 aber auch im folgenden Match nicht setzen. Der viertelfinale Geschlechter-Fight mit der weiblichen Topspielerin Ines Kreilinger blieb vieles schuldig. Einen richtig attraktiven Schlagabtausch hatte man sich erwartet, wie ein eher unansehnliches Würgen wirkte jedoch der Mayrhuber-Auftritt im ersten Satz. Da ließ der 10fache Turniersieger beinahe alle bekannten Tugenden und Fähigkeiten vermissen. Ohne Zug am Schläger, ohne dem nötigen Punch, mühte sich die Nummer 2 des Turniers eher unattraktiv spielend zum einem 6:4, 6:2 gegen die 6fache Olympiasiegerin Ines Kreilinger, und feierte dabei seinen insgesamt 95. Karriere-Einzelsieg. “Ich werde mich sicher gewaltig steigern müssen im Semifinale”, wusste Mayrhuber, zumal im Semifinale mit Michael Lang scheinbar ein richtig starker Newcomer wartet.

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Defensiv-Künstler Michael Lang gibt der staunenden Konkurrenz Rätsel auf

Der erst 18jährige Niederösterreicher Michael Lang ließ nämlich auf seinem Weg ins Semifinale des 23. Februar-HTT-500-Turniers gerade einmal 12 Games liegen, und schickte in der Boxersprache gleich drei recht namhafte Gegner auf die Bretter. Auch am Sonntag Abend zu später Stunde hielt sich der zielstrebige Tour-Debütant nicht lange auf, jagte mit Martin Vesely und Matthias Wagner die Gegnerschaft ohne Satzverlust aus der Halle, und stürmte so gleich bei seiner HTT-Premiere bis ins Halbfinale. Der 18jährige aus Theresienfeld im südlichen Niederösterreich scheint ein Defensiv-Künstler der besonderen Art zu sein. Taktisch für sein junges Alter überdurchschnittlich weit entwickelt, hebelte der obendrein recht stark servierende Lang seine Gegner mit einer Leichtigkeit aus dem Bewerb, die auch der im Turnier verbliebenen und der diesmal abwesenden Konkurrenz Rätsel aufgibt. Am besten schlug sich noch WAC-Star Martin Vesely, der im ersten Satz des Achtelfinales mit seiner unorthodoxen Spielweise – der 39jährige spielt Vor- und Rückhand beidhändig – für einige Verwirrung bei seinem späteren Bezwinger sorgte. Komplett chancenlos lief hingegen eine Runde später die Nummer 4 des Turniers Matthias Wagner in eine bitter schmeckende 1:6, 2:6 Pleite. Von einer Katastrophen-Partie sprach der TK Big Point Muckendorf-Star im Anschluss an seine eher dürftige Darbietung. Kleines Trostpflaster: Im Achtelfinale gegen Kreidl-Bewzinger Andreas Tolunay feierte Wagner mit einem 6:2, 6:4 den 25. Karriere-Einzelsieg auf der Hobby-Tennis-Tour.

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Loibl – ein Name bürgt für Qualität – der Tennis-Clan steht vor möglicher neuer Rekordmarke

In der oberen Raster-Hälfte des Februar-HTT-500-Turniers kommt es auf den ersten Blick zu einem reinen Newcomer-Duell im Semifinale zwischen Matthias Braun und David Loibl. Doch statistisch betrachtet ist das nicht ganz korrekt, denn David Loibl hat schon einmal auf der Hobby-Tennis-Tour “angeschrieben”. Im Jänner 2008, also vor mehr als 6 Jahren, feierte David als damals 21jähriger sein Tour-Debüt bei den “Australian Open der HTT”, und musste sich in Runde 1 dem damaligen Champions-Race-Leader Oliver Rauschil in zwei Sätzen geschlagen geben. Danach sorgten nur mehr seine Brüder für Schlagzeilen aus Sicht des Loibl-Clans. Die Tennis-Familie aus Zistersdorf schickte fortan nur mehr Johannes und Stefan ins Rennen, und das Brüder-Duo streifte immerhin 6 Stück der hochbegehrten HTT-Titel ein. Als Höhepunkt triumphierte Johannes Loibl vor zwei Jahren beim Jänner-Grand-Slam-Turnier, und holte damit sogar einen Major-Titel ins nordöstliche Niederösterreich. An diesem ersten Februar-Wochenende 2014 könnte nun aber erstmals David Loibl an der Reihe sein, und mit einem Erfolg könnte er wahrlich “Historisches” auf die Beine stellen. Denn noch nie in der Geschichte der Hobby-Tennis-Tour seit 1990 ist es einer Familie gelungen, mit drei verschiedenen Personen zu Titelehren zu kommen. Brüder-Doppelsiege gab es bereits drei Mal zu bestaunen, Vater-Sohn und Vater-Tochter-Doubles jeweils im Doppelpack zu bejubeln, und auch die Konstellation Onkel-Neffe findet sich in der 744 Turniere umfassende Siegerliste bereits in zweifacher Ausfertigung. Drei Familien-Mitglieder mit einem HTT-Titel wären aber das absolute Novum, und für diese Bestmarke legte David Loibl am Sonntag Abend mit einem siegreichen Doppelpack den Grundstein. Der 27jährige besiegte zunächst in einer sehenswerten Achtelfinal-Partie Alexander Trojer vom Colony Club mit 6:2, 6:3, und im Anschluss auch noch den 11fachen Titelträger Mario Kiss, der seinerseits unmittelbar davor im Achtelfinale gegen Reinhard Bittermann sein 260. Karriere-Match im Circuit bestritt.

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Franz Mayrhuber im ersten Viertelfinale seit September 2013 gegen Tour-Neuling Matthias Braun ohne Chance

In der Vorschluss-Runde des 219. HTT-500-Turniers der Geschichte trifft David Loibl nun auf Matthias Braun, der seine Tour-Premiere mit drei Siegen höchst erfolgreich anlaufen ließ. Im Achtelfinal-Schlager am Sonntag Nachmittag kämpfte der Neuling vom Union Freizeitclub Marswiese den leicht favorisierten Oberösterreicher Christoph Brandner in drei Sätzen nieder, womit er sich für ein Treffen mit dem ehemaligen Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber in der Runde der letzten Acht qualifizierte. Und dort spielte der 27jährige Wiener seine ganze Klasse aus, stürmte höchst offensiv ausgerichtet mit 6:2, 6:0 ins Semifinale, und fügte seinem Gegenüber die allererste Februar-HTT-500-Niederlage seiner Laufbahn zu. Mayrhuber, der Anfang Jänner 49 Jahre alt wurde, und zuletzt auf Rang 4 der HTT-Entry-List zurückrutschte, kämpft derzeit weiter erfolglos um seine Form und Erfolge wie jene in der Vergangenheit. Während sich die breite Kollegenschaft bereits einig ist, dass die Zeit des 2fachen Masterssiegers definitiv vorüber sei, und der Trend nach unten vorgezeichnet ist, hält man seitens der Tour-Organisation den 12fachen Turniersieger durchaus noch für befähigt, das ein oder andere Karriere-Highlight setzen zu können. Natürlich nagt der Zahn der Zeit am Rückhand-Slice-König, und selbstverständlich wird es für die insgesamt 104 Wochen an der Spitze thronende Ex-Nummer 1 immer schwieriger, körperlich mit der teilweise um Jahrzehnte jüngeren Konkurrenz mitzuhalten. Doch für den ein oder anderen Titel bei 500er-Turnieren wie beispielsweise jenem wie dem aktuellen Event im UTC La Ville, ist der einstige Branchen-Primus immer noch gut. Aktuell fehlt es Franz Mayrhuber nämlich derzeit ehrlich gesagt auch an der nötigen Form. Das beste Beispiel dafür lieferte sein erster Auftritt an diesem Weekend, wo er nur mit großer Mühe die deutsche Nr. 158 der HTT-Computer-Rangliste Rüdiger Klermund 7:5, 7:5 niederringen konnte. Bei aller Wertschätzung für den großartig spielenden und leidenschaftliche kämpfenden Germanen vom TK Big Point Muckendorf, aber ein Franz Mayrhuber in Form und vorallem mit dem notwendigen Selbstvertrauen ausgestattet, kommt gegen Spieler mit einem ITN von über 6,0 nie und nimmer derart in Bedrängnis wie am Sonntag Nachmittag, als er bei 2:5 im ersten Satz sogar einen Satzball gegen sich hatte. Am Ende kämpfte sich der Februar-HTT-500-Champion von 2012 doch noch eine Runde weiter, und freute sich über seinen ersten Viertelfinal-Einzug seit September letzten Jahres. Dort freilich stand die Nummer 1 des Turniers rasch auf verlorenem Posten, zumal Braun mit permanenten Netzattacken genau jenes Tennis zelebrierte, mit dem Mayrhuber so überhaupt nicht klar kommt. “Korger & Guem” lassen grüßen!

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Nemanja Dejanovic scheint trotz leichter Verkühlung unaufhaltsam in Richtung Premieren-Turniersieg zu spazieren, und Filip Dogandzic bleibt für sensationelle Aufholjagd gegen Mike Jarosch unbelohnt

Machen wir noch einen kurzen Blick zum parallel laufenden Februar-Challenger-Turnier, wo die Jugend weiter unaufhaltsam “forscht”, und sich mit drei “Mann” weiter höchst aussichtsreich im Titelrennen befindet. Angeführt wird die Junior-Revolte von Serbiens Super-Talent Nemanja Dejanovic, der am Sonntag Abend trotz kratzendem Hals und triefender Nase eine Klasse für sich war, und die chancenlose Konkurrenz zu mehr als bemitleidenswerten Statisten degradierte. Nur drei Games gab der erst 14jährige Jung-Serbe bis ins Semifinale ab, in vier von sechs Sätzen verteilte Nemanja die gefürchtete Null, und im Viertelfinale verhängte der Vukicevic-Schützling gegen Alexander Sterzl sogar die Höchststrafe einer Doppel-Null. Dejanovic wird in diesem Turnier kaum zu stoppen sein. Maximal eine Verschlimmerung seiner Erkältung oder jugendlicher Leichtsinn & Übermut, bilden noch eine – allerdings recht geringe – Gefahr, doch noch vor dem Premieren-Titel ins Stolpern zu geraten. Im Windschatten Nemanjas profilierten sich am ersten Februar-Wochenende auch seine jungen Landsmänner Stefan Mitrovic und Filip Dogandzic. Das Junior-Duo vom Sportzentrum Gudrunstrasse, sorgte für unterhaltsames Programm und tolle Resultate. Pech hatte Filip Dogandzic, der im Erstrunden-Duell mit Mike Jarosch vom TC Donaufeld eine sehenswerte Partie ablieferte, und nur denkbar knapp am Achtelfinal-Aufstieg vorbeischrammte. Der 15jährige, aktuell als Nr. 267 im HTT-Computer geführt, legte im entscheidenden dritten Satz nach 1:4 Rückstand eine famose Aufholjagd hin, und hatte bei 6:5 und eigenem Aufschlag sogar die riesige Chance, die Runde der letzten 16 zu erreichen. Bei 30:15 fehlten dem Neffen von Blago Dogandzic nur mehr zwei Punkte, doch für ein Happy End reichte es nicht. Der Tie-Break ging 2:7 verloren, und damit verpasste “Filip” das von ihm so sehr ersehnte Duell mit Nemanja Dejanovic.

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Sensations-Auftritt von Stefan Mitrovic – der 17jährige Qualifikant stürmt mit Siegen über Thomas Grabensteiner und Yannik Podesser ins Februar-Challenger-Semifinale

Eine unglaubliche Geschichte schreibt indes ein Mannschaftskollege von Filip Dogandzic. Der 17jährige Stefan Mitrovic scheint derzeit auf einer riesigen Erfolgswelle zu surfen, und sich in einer eigenen Gefühlwelt zu befinden. Die Quali souverän überstanden, avancierte der junge Serbe im Hauptbewerb zum Riesentöter. Schon in Runde 1 hatte Mitrovic mit der Nummer 3 des Turniers Thomas Löffelmann einen Favoriten nach toller Aufholjagd im zweiten Satz verabschiedet, und dieses Kunststück wiederholte der 17jährige auch im Achtelfinale gegen WAT Landstrasse-Star Thomas Grabensteiner. Der 41jährige hatte im 75. Tour-Match seiner Laufbahn das richtige Konzept zur Hand, um den Sensationsmann zu stoppen. Immer wieder tauchte der Juni-Challenger-Sieger von 2013 am Netz auf, und immer wieder stellte er Mitrovic damit vor erhebliche Probleme. Als Grabensteiner mit einem Bein bereits im Viertelfinale stand, ging aber gegen Ende von Durchgang 2 die Konzentration für Augenblicke verloren, und im dritten Satz hatte Grabensteiner dem solide agierenden Gegner nichts mehr entgegensetzen. Den Platz im Halbfinale krallte sich Mitrovic dann im nachfolgenden Viertelfinal-Jugend-Kracher gegen Yannik Podesser, wo der er abermals seine unglaublichen Kämpfer-Qualitäten unter Beweis stellte, und im zweiten Satz einen klaren Rückstand wettmachte.

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David Durina entzaubert in spannungsgeladenem Finish die Nummer 1 des Turniers

Eine phantastische Talentprobe legte am Sonntag Nachmittag auch David Durina ab. Der Tour-Debütant spielte sich mit einem wahren und insgesamt sechs Sätze dauernden Kraftakt ins Viertelfinale, und imponierte mit zwei großartigen Auftritten gegen das arrivierte Duo Patrick Weidinger und Peter Baumann. In Runde 1 hatte Durina zunächst mit einem 6:2 gegen Patrick Weidinger für ganz klare Machtverhältnisse am Centercourt gesorgt, ehe er den berühmten Faden verlor, und gegen einen plötzlich aggressiv und druckvoll spielenden Gegner ins Hintertreffen geriet. 0:4 lag der 14jährige in der Entscheidung schon zurück, als er mit einem “finale furioso” und 6 in Serie gewonnenen Games noch den Aufstieg realisierte. Im Achtelfinale wartete mit Peter Baumann die Nummer 1 des Turniers, und der Routinier vom Bodyclub Himberg schien fast zwei Sätze lang souverän in Richtung Viertelfinale zu steuern. Mit einem Platzwechsel ging aber Baumanns Rhythmus verloren, während Durina wie “Phönix aus der Asche” stieg, und so im dritten Satz für ein atemberaubend spannendes Finish sorgte. Baumann hatte 6 Matchbälle am Schläger, und Durina wehrte sie allesamt im Stile eines Klassemannes ab. Besonders effektvoll setzte sich der Junior im Tie-Break bei 5:6 aus seiner Sicht in Szene, wo er beim sechsten Matchball seines Gegners einen glänzenden Baumann-Aufschlag mit einem phänomenalen Long-Line-Return entschärfte. Szenenapplaus war ihm sicher, und kurz darauf auch der hoch verdiente Sieg samt Aufstieg ins Viertelfinale.

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