Debütant holt ersten Ländle-Titel der Geschichte

Kurzemann mit Premierenerfolg und Geisler mit erster Final-Niederlage

Tirols Tourstar Alexander Geisler kommt mit einer Niederlage zum Masters. Der 30jährige Zillertaler musste sich am Dienstag Abend im Endspiel des 19. November-Grand-Prix-Turniers etwas überraschend Tour-Neuling Markus Kurzemann geschlagen geben, der sich in 2:02 Stunden mit 7:6, 2:6, 6:4 durchsetzte und sich damit binnen 24 Stunden gegen beide Tiroler Top-Ten-Spieler behaupten konnte. Der 30jährige aus Bregenz ist damit der erste Vorarlberger, der in der 21jährigen Geschichte einen Turniersieg auf der Hobby-Tennis-Tour erobern konnte. Zudem sorgte Kurzemann am Dienstag Abend nach Arnoldner, Klinger, Müllner und Beywinkler für den fünften Titelgewinn eines Tour-Debütanten im Jahre 2010. Für Geisler setzte indes zum allerersten Mal in seiner Karriere eine Final-Niederlage. Ein Bericht von C.L

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Geisler erfüllte die Pflicht mit Masters-Quali, die Kür mit dem Titelgewinn beim November-Grand-Prix-Turnier blieb ihm versagt

Zwei Mal stand Vorarlberg bisher ganz knapp vor dem ersten Turniersieg auf der Hobby-Tennis-Tour, zwei Mal hatte Serve & Volley-Spezialist Daniel Schmid den ersten Ländle-Titel auf dem Schläger, und zwei Mal verhinderte ein gewisser Markus Seitner den Premierenerfolg des zweitkleinsten österreichischen Bundeslandes. Doch am Dienstag Abend, genau genommen sogar um sieben Minuten nach Mitternacht war es soweit. Markus Kurzemann, 30jähriger Debütant aus Bregenz sorgte im Endspiel des letzten Grand-Prix-Turniers der Saison für den ersten Ländle-Triumph und eine echte Überraschung. Zwar hatte sich der Debütant mit Siegen über Martin Kova, Clemens Beywinkler, Philipp Mayer und Thomas Guem als spielstarker Newcomer vorgestellt, einen Sieg über den höher eingeschätzten Alexander Geisler hatten ihm aber nur die wenigsten Tour-Insider zugetraut. Denn der 30jährige Tiroler hatte sich im Verlauf des 52. Saison-Turniers von Runde zu Runde und von Match zu Match gesteigert. Gegen Gerald Milabersky, Thomas Müller und Mario Kiss hatte der Zillertaler die Masters-Quali unter Dach und Fach gebracht, und damit die Pflicht für dieses Wochenende erfüllt. Die Kür sollte im großen Finale folgen, mit Karriere-Titel Nummer 5 und dem Triumph bei der Masters-Generalprobe.

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Die drei Final-Sätze beim November-Grand-Prix im Schnelldurchlauf

Doch dann kam wieder einmal alles ganz anders als man im Vorfeld erwarten durfte. Geisler spielte weitaus aggressiver als zuletzt und damit auch ungewohnt fehlerhaft. 24 sogenannte unforced errors von der Grundlinie, damit hatte sich Geisler recht rasch in eigentlich nicht zu erwartende Probleme gebracht. Immerhin rettete sich der Tiroler nach einem 2:5 Rückstand noch in den Tie-Break, der schließlich 7:5 an Kurzemann ging. In der Folge bekam man dann jene Leistung von Alexander Geisler zu sehen, die man gewohnt ist wenn der “French Open-Champion der HTT von 2009” in einem Tour-Finale um Titelehren kämpft. Laufstark an der Grundlinie, mit Übersicht, dem nötigen Touach in den Schlägen und der stets besseren Antwort auf ungestüme Kurzemann-Attacken, schaffte der Zillertaler in 34 weiteren Minuten mit 6:2 den Satzausgleich. Die Entscheidung in diesem Finale fiel dann gleich zu Beginn von Durchgang 3. Zu Null gelang Kurzemann das Break zum 2:1, übrigens dem einzigen im spielentscheidenden dritten Satz. Damit war die Partie gelaufen, weil sich der spätere Sieger bei eigenem Aufschlag keine Blöße mehr gab, und Geisler überdies seine Chancen nicht nützen konnte. Eine davon war das prompte Re-Break zum 2:2 und zwei Break-Möglichkeiten zum 4:4 ließ Geisler auch noch ungenützt, während sein Gegenüber den zweiten Matchball mit einem spektakulären Rückhand-Passierball zum Sieg nützte.

“Ich hätte nie und nimmer mit dem Turniersieg gerechnet”

“Unglaublich, ich hätte nie und nimmer damit gerechnet, hier dieses Tunier gewinnen zu können. Ich hatte mir das Viertelfinale und vielleicht das Halbfinale ausgerechnet, auch weil ich den Laslo Medve in meiner Rasterhälfe hatte, und ich gegen ihn noch nie gewonnen habe. Aber als der Laslo im Achtelfinale raus ist, dachte ich mir der Weg ist jetzt frei. Die letzte beiden Matches gegen Guem und Geisler waren aber unglaublich knapp. Ich war oft hinten, und heute im zweiten Satz körperlich erledigt. Im dritten Satz wurde ich dann wieder aggressiver,. Ich freue mich sehr über diesen Titel, weil ich durchwegs nur gegen wirklich starke Gegner gewonnen habe. Das Niveau hier auf der Hobby-Tennis-Tour ist extrem hoch, und ich freue mich schon auf die neue Saison. Das Ziel für 2011 ist die Teilnahme am Masters”, so der 30jährige Bregenzer.

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Mehr Gesamtpunkte, mehr Breaks, weniger Fehler und trotzdem verloren – bittere Geisler-Niederlage die den Tiroler für das Masters richtig heiß macht

Im sechsten Endspiel seiner Tour-Karriere erstmals verloren, eine Niederlage die bei näherem Betrachten der hobbytennistour.at-Matchstatistik doppelt bitter ausfällt. Denn Geisler machte mit 102:98 mehr Punkte als sein Bezwinger, mit 51:64 auch deutlich weniger Fehler als der spätere Sieger, und mit 5:4 Breaks auch beim Return die bessere Figur. “Diese Partie haben Kleinigkeiten entschieden. Ich hatte leider im ersten Satz kein gutes Gefühl auf der Vorhand und nur irgendwie das Tie-Break erreicht. Im zweiten Satz habe ich endlich wieder Tennis gespielt und da auch wieder das Gefühl bekommen was zu treffen. Die Niederlage ist auch darauf zurückzuführen, dass ich im dritten Satz meine vielen Chancen nicht genützt habe. Im Endeffekt hat aber an diesem Wochenende für mich ohnehin nur die Masters-Quali gezählt. Und so schlecht war meine Leistung gar nicht. Ich bin am Sonntag Abend aus Belgrad gekommen und gleich auf den Platz gegangen. Gegen Milabersky habe ich wie ein Waschlappen agiert, gegen Kiss im Halbfinale war es in Ordnung. Jetzt freue ich mich schon voll auf das Masters. Und ich kann nur soviel sagen. Ich hätte mich selbst nicht gerne als Gegner beim Masters”, richtete der Zillertal eine erste Warnung an die Konkurrenz. Und dann setzte er in Sachen Selbstvertrauen noch einen obendrauf: “Ich wünsche mir bei der Masters-Auslosung eine Todegruppe mit Mario Kiss, Franz Mayrhuber und Thomas Müller”.

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Claus Lippert, 24. November 2010