Wessis dominieren November-GP

Am vorletzten Tag des letzten Turniers vor dem Masters ist die Entscheidung gefallen, wer als achter Spieler das elitäre Starterfeld beim Saison-Abschluss-Turnier der Top 8 komplettiert. Mit einem 6:0, 7:5 Erfolg über Harbarth-Bezwinger Mario Kiss schaffte der Tiroler “French Open-Sieger der HTT von 2009” Alexander Geisler quasi im letzten Abdruck die angepeilte Masters-Quali. Der Zillertaler sicherte sich damit zum zweiten Mal in Folge einen Platz im Masters-Starterfeld, und kann obendrein am Dienstag Abend auch noch die Generalprobe für dieses prestigeträchtige Saison-Highlight gewinnen. Im Finale des 70-Punke-Events wird Geisler auf Tour-Neuling Markus Kurzemann treffen. Der Debütant aus Vorarlberg musste im zweiten Vorschluss-Runden-Duell gegen Thomas Guem zwar den ersten Satz im Verlauf des Turniers abgeben, doch am Ende reichte es trotzdem knapp für den Einzug ins Finale. Ein Bericht von C.L

Italien-Juli-Turniere_05_28072.jpg

Alexander Geisler düpiert Harbarth-Bezwinger Mario Kiss und sichert sich letztes freies Masters-Ticket

Es ist 22:40 Uhr, als ein ohrenbetäubender Jubelschrei durch die 5-Feld-Tennishalle des Tennispoint Vienna schallt. Ein kräftiger Tiroler Uschrei der deutlich machen sollte, dass Alexander Geisler beim November-GP binnen 24 Stunden das scheinbar Unmögliche möglich machte. Keine zwei Stunden nach seiner Ankunft in Wien-Schwechat am Sonntag-Abend, sollte der 30jährige in einem nächtlichen Doppelpack die Herren Milabersky und Müller aus dem Weg räumen. Und als sein Konkurrent um das letzte Masters-Ticket Markus Seitner den höher eingeschätzten Laslo Medve im Achtelfinale bezwungen hatte, legte der Salzburger die Latte für seinen Clubkollegen nochmals ein ganzes Stück höher. Im Semifinale musste der Zillertaler die schier unüberwindbare “Hürde Harbarth” überspringen, so dachte man zumindest. Das der Ranglisten-Erste dann mit einem verletzten kleinen Finger nur Staffage war, und Kiss seine Grundschläge wie in alten Zeiten übers Netz hämmern würde, konnte niemand erahnen. Ob es für Geisler dadurch die spielerisch um die soviel leichtere Aufgabe war gegen Kiss um sein Masters-Ticket zu rittern, sei dahin gestellt, mental war es für den Tiroler Juli-GP-Champion aber um einiges weniger schwer, statt Harbarth seinen Lieblingsgegner Mario Kiss zu bekämpfen. Zweimal schickte Geisler den Topstar vom AZ-Tennisclub auf Sand ohne Satzgewinn vom Platz, und zweimal hatte man dabei auch das Gefühl, dass der Power-Server dem Sandplatzkönig nicht wirklich was anhaben konnte. Zumindest die Ausgangslage vor dem dritten Treffen war diesmal aber eine andere, und auch durchaus eine spannende. Kiss kam mit der Empfehlung seiner viertelfinalen Gala-Vorstellung gegen die Nummer 1, traf dazu erstmals auf dem von ihm gelieben Indoor-Teppich auf den Tiroler Widersacher, und durfte auch ein wenig darauf hoffen, dass Geisler in diesem “verlieren verboten Match” Nerven zeigen könnte. Doch weit gefehlt. Der 30jährige fegte wie ein Tiroler Föhnsturm über den Harbarth-Bezwinger hinweg und gewann Durchgang 1 mit 6:0. Iceman Geisler, cool, abgebrüht und mit der nötigen Klasse, hatte also den ersten Schritt in Richtung Masters getan. Der zweite Schritt fiel dem 30jährigen dann eine Spur schwerer. Kiss lag 5:3 in Führung, hatte mit seinem druckvollen Tennis von der Grundlinie die Partie im zweiten Satz lange Zeit offen gehalten und auch durchaus seine Chancen, einen dritten Satz zu erzwingen. Doch bei 5:4 patzte “Super-Mario” beim Service, und auch bei 5:6 ließ Kiss just bei seinem Paradeschlag aus. 2 Spielbälle auf den Tie-Beak blieben ungenützt, während Geisler Matchball Nummer 3 zum dritten Sieg im dritten Duell mit Kiss nützte. “Meine Vorhand ist im Moment mein größtes Problem. Mit ihr gewinne ich hier derzeit kein einziges Match”, zeigte sich Alex unzufrieden. “Ich freue mich aber auf das Finale, vorallem brauche ich derzeit ohnehin jede einzelne Partie”.

Italien-Juli-Turniere_05_29715.jpg

Thomas Guem läßt im “West-Gipfel” einen Matchball ungenützt und Gegner Markus Kurzemann so ins Finale einziehen

Die Hobby-Tennis-Tour rückt “westwärts”, zumindest wenn man einen Blick auf das November-Grand-Prix-Tableau macht. Drei “Wessis”, allesamt aus der schmalen westlichen Zunge auf Österreichs Landkarte stammend, manifestierten die Überlegenheit und Dominanz der Racket schwingenden Männer aus den Bergen. Das Geisler & Co nicht nur gut Skifahren können, sondern auch entsprechend erfolgreich das Spiel mit dem kleinen gelben Filzball beherrschen, demonstrieren sie Woche für Woche auf der Tour. Damit werden erstmals in der Geschichte auch zwei Tennis-Cracks aus dem heiligen Land Tirol am Start des Masters sein. Beim November-Grand-Prix-Turnier bekamen die beiden “Alpen-Stars” dann sogar noch Verstärkung aus Vorarlberg. Der Ländle-Bomber Markus Kurzemann feierte dieses Wochenende sein Tour-Debüt und konnte dabei bislang mehr als überzeugen. Auch wenn am Montag-Abend ein wenig Glück mit im Spiel war, auch wenn Kurzemann von einem vergebenen Matchball Guems profitierte und der 30jährige aus Bregenz erstmals im Verlauf des Turniers einen Satz abgeben musste, so kann man seinen Finaleinzug als durchaus verdient bezeichnen. Denn nach einer halben Stunde fand sich Kurzemann erstmals seit einem Tour-Debüt mit verlorenem ersten Satz in der Rolle des Jägers und Aufholers wider. Es wurde viel mit Slice operiert, von seiten Guems auch gewohnt oft volliert, nur Kurzemann konnte sein bislang gezeigtes Tennis nicht aufziehen. “Weil ich im Finish extrem müde geworden bin, immerhin war das heute inklusive Wintercup mein sechstes Match an diesem Wochenende”, entschuldigte sich Kurzemann. Am Ende nach fast zwei Stunden Spielzeit hatte der Newcomer den “West-Gipfel” mit Guem für sich entschieden, um erleichtert zum Interview zu schreiten. “Das war heute ein unglaubliches Auf & Ab. Ich fand zu Beginn keinen Rhythmus, und der Thomas hat sehr viel mit Slice gespielt. Im zweiten Satz bin ich dann ins Spiel gekommen, und am Ende lief es echt gut”, meinte der 30jährige. Derweil hätte Tirols Shooting-Star Thomas Guem an diesem Montag-Abend bereits sein achtes Saisonfinale erreichen können und mit dem 42. Einzelsieg im Jahr 2010 auch wieder die alleinige Führung von Mario Kiss (ebenfalls 41 Saison-Einzelsiege) übernehmen können. “Teilweise kommt meine Form wieder, aber die heutige Partie habe ich mental vergeigt. Wennst beim Matchbal superpassiv spielst, brauchst dich nicht zu wundern wenn du verlierst. Im ersten Moment bin ich ein wenig enttäuscht, aber irgendwie auch froh, in Blickrichtung Masters morgen nicht mehr spielen zu müssen”, so der 28jährige aus Schönwies.

Italien-Juli-Turniere_05_29714.jpg

Claus Lippert, 22. November 2010