Power-Ladies “faszinieren” die Hobby-Tennis-Tour-Szene

“Nein Danke – es ist Muttertag”, “keine Zeit wegen Muttertag”, beinahe im Minutentakt hatte Tour-Organisator Claus Lippert am Donnerstag letzter Woche solche und ähnlich formulierte SMS von seinem Handy zu löschen. Eigentlich läßt man ja als Tennis-Turnier-Veranstalter dann die Finger von jenem Wochenende, an dem die Mütter dieses Landes ihres Ehrentag begehen. Doch die Stars der Hobby-Tennis-Tour machten es einmal mehr möglich! Zwischen einem “picke-packe” vollen Meisterschafts-Samstag und dem sonntägigen Muttertag fanden insgeamt 53 Spieler Zeit um dem zweiten Outdoor-Saison-Doppelpack beim TC Top Serve ihre Aufwartung zu machen. Und nachdem am Eröffnungstag die Topstars beim April-Masters-Series-1000-Turnier für die entscheidenden Akzente sorgten, standen am zweiten Spieltag die Challenger-Stars beim Mai-HTT-150-Turnier im Mittelpunkt. Ein Bericht von C.L

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Clemens Wimmer surft weiter auf der Welle des Erfolgs

Der Mann über den derzeit am meisten in der Challenger-Szene der Hobby-Tennis-Tour diskutiert wird heißt Clemens Wimmer und scheint obendrein augenblicklich kaum bezwingbar zu sein. Keine 48 Stunden nach seinem märchenhaften Triumph beim April-Challenger setzte der 29jährige Wiener seinen unglaublichen Erfolgsrun weiter fort. Mit einem 6:1, 6:4 Auftaktsieg über Peter Steinberger feierte der Shooting-Star seinen sechsten Einzelerfolg in Serie und den Einzug ins Achtelfinale des Mai-HTT-150-Turniers. Speziell in Durchgang 2 hatte der frischgebackene April-Challenger-Champion allerdings mehr Mühe als ihm lieb war, um den comebackenden Peter Steinberger in Schach halten zu können. Der 26jährige Waldviertler, der heuer erst einen Einzelsieg einfahren konnte und erstmals seit Jänner wieder im Einsatz war, nützte seine Rückkehr in den Tour-Circuit um einiges an seinem Tennis für die anstehende Meisterschaft zu testen. “Ich habe für mein Comeback auch nicht sonderlich viel erwartet und daher einfach mal gewisse Dinge probiert. Und dafür war es gar nicht schlecht. Das Match war knapper als es das Ergebnis aussagt”, stellte Steinberger klar. Auf der anderen Seite bekam man im Fall “Clemens Wimmer” wieder einmal eindrucksvoll demonstriert, was massenhaft errungene Siege alles auslösen können. Vollgepumpt mit Selbstvertrauen und mit – dem angesichts seiner Siegesserie – nicht weiter verwunderlichen Riesen-Spaß am Tennis, “surfte” Wimmer auf der “berühmten” Welle des Erfolgs ins Mai-HTT-150-Achtelfinale. “Tennis taugt mir derzeit unheimlich. Ich mag den Sand, ich mag mein Racket, ich mag die kleinen gelben Filzbälle, es macht mir derzeit einfach enorm viel Spaß”, strahlte Wimmer, der seine Auftritte im Tour-Zirkus derzeit in vollen Zügen genießt. Und selbst im Erfolg bleibt der 29jährige nicht untätig. Zwischen seinen Einsätzen wurde der April-Challenger-Sieger beobachtet, wie er sich beim ehemaligen Weltklassespieler Werner Eschauer Tipps und Tricks aus der großen weiten Tenniswelt der Profis geben ließ.

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Dalibor Peric führt Serbiens Tour-Stars beim Mai-HTT-150er an

Eine echte Tennis-Euphorie herrscht im Moment auch bei den serbischen Tennis-Cracks der Hobby-Tennis-Tour. Kein Wunder, liegt doch die Balkan-Republik im kollektiven Tennisfieber. Der Grund dafür heißt Novak Djokovic, der heuer als noch ungeschlagene serbische Nummer 2 der Welt, seine Landsleute permanent jubeln läßt. Auch die serbische Gemeinde der HTT ist begeistert und so ist es kaum verwunderlich, dass Vasiljevic & Co ihrem Idol Woche für Woche auf den Courts Österreichs größter Hobby-Tennis-Serie nachzueifern versuchen. Am zweiten Sandplatz-Wochenende des Jahres waren gleich einmal vier der serbischen Tourstars in “Action”, wobei vorallem Jungstar Dalibor Peric endlich einmal sein Potential ausspielte. Der 16jährige vom TC Terra Rossa, im ersten Quartal der neuen Tennissaison oftmals hart kritisiert, schlitterte als serbischer Brachial-Bomber abqualifiziert, von Pleite zu Pleite. Insgesamt fünf Mal rutschte “Dalibore” heuer bereits in Runde 1 aus, ehe er sich bei seinem Sandplatz-Saison-Debüt erstmals richtig in Szene setzte. Im inner-serbischen Generationen-Duell mit Blagoje Dogandzic feierte der Hernalser Jungstar mit 7:6, 6:1 den ersten Einzelsieg des Jahres.

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Tennis-Beau Bozana Djordjic verzaubert die Szene

Ebenfalls ein riesiger “Djoker-Fan”, obwohl aus Bosnien stammend, ist TC Top-Serve-Spielerin Bozana Djordjic. Die 15jährige brillierte am Samstag Nachmittag mit Chic, Charme, hammerharten Vorhandschüssen und einem souveränen Achtelfinal-Einzug beim Mai-HTT-150-Turnier. Der im Ranking bis auf Position Nr. 195 zurückgerutschte Teenager glänzte beim Erstrunden-Treffen mit Mario Ferrari in jeder Hinsicht und war für den bei seinem Comeback überforderten Gegner eine Nummer zu groß. Djordjic siegte 6:0, 6:2 und qualifizierte sich so für das achtelfinale Geschlechter-Duell mit ihrem Clubkollegen Filip Marinkovic. Davor freilich verwandelte die “Tennis-Beau” mit ihrem überzeugenden Auftritt den 4er-Platz ihres Heimatvereins in eine Art Laufsteg. Wenn Bozana den Court betritt, dann zieht sie die Blicke der Kollegenschaft auf sich. Top gestylt weiß die junge bosnisch stämmige Wienerin aber in der Zwischenzeit auch mit ihrem Tennis zu überzeugen. Das Image des jungen verbissenen Mädchens, das Niederlagen so sehr haßt wie Teenager einen Pickel im Gesicht, hat die mittlerweile 15jährige erfolgreich abgelegt. Natürlich ist Bozana auch anno 2011 nicht gerade begeistert, wenn sie als Verliererin vom Platz muss, doch Tränen der Wut & Enttäuschung gehören bei der äußerst gereift wirkenden 15jährigen längst der abgehakten kindlichen Vergangenheit an. Und nach grandiosen Siegen wie jenen in Runde 1 gegen Mario Ferrari wirkt das Lächeln Bozanas dann noch viel strahlender und bezaubernder als gewöhnlich. “Ein hübsches Mädel”, lachte der unterlegene Mario Ferrari, ehe er sein erstes Tour-Match nach 27 Monaten Tennispause analysierte. “Natürlich bin ich ein wenig enttäuscht, vorallem vom ersten Satz in dem ich kein Game machen konnte. Das tut dann doch sehr weh. Ich habe einfach zuviele Eigenfehler gemacht. Andererseits habe ich erst vor zwei Wochen wieder damit begonnen, Tennis zu spielen. Es hat riesigen Spaß gemacht, und wichtig war für mich vorallem, dass meine Schulter gehalten hat” resümierte der 29jährige Comebacker.

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Tina Weiss mit “Super-Show” wieder “on tour”

Das die Emanzipation auf der Hobby-Tennis-Tour längst fortgeschritten ist, belegte das Turnierprogramm des zweiten Mai-HTT-150-Spieltages, das auch die Neuauflage einer Show brachte, die im April vergangenen Jahres ein Wochenende lang für Furore sorgte. Beim April-WTB-Turnier im TK Eden mischte eine junge Dame die männerdominierte HTT-Szene gewaltig auf, schockte mit Siegen über Christoph Kramer, Harald Schauer und Martin Mayerhofer die Konkurrenz und verwandelte das Sandplatz-Saison-Opening 2010 vier Tage lang in eine “One-Woman-Show”. Die Rede ist von Tina Weiss, die am Samstag Abend ihre Rückkehr auf die Hobby-Tennis-Tour mit zwei atemberaubenden Siegen feierte. Die 23jährige vom UTC Wien setzte mit ihrem Erstrunden-Auftritt gegen den März-Second-Series-Champion von 2010 Michael Pichler ein ganz gewaltiges und großes Ausrufezeichen. Dem TC Hrubesch-Star am Centercourt des TC Top Serve eine Doppel-Null umgehängt, schoss sich die “smarte Erscheinung” 45 Minuten später mit einem 6:1, 6:1 Erfolg über Serbiens Nummer 1 Slobodan Vasiljevic ins Viertelfinale und die absolute Favoritenrolle für das  35-Punkte-Event. “Ich hatte nicht den Funken einer Chance. Ich kann mir nicht vorstellen, wer diese Tina Weiss auf dem Weg zum Titel stoppen soll”, zeigte sich der unterlegene Serbe beeindruckt.

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Andreas Tolunay mit dem “bittersten Tennistag seines Lebens”

Quasi im Schlepptau hatte Tina Weiss ihre Teamkollegin vom UTC Wien Karolina Godina zum Mai-HTT-150-Turnier mitgebracht und der höchst motivierten männlichen Gegnerschaft damit einen weiteren Dämpfer im Vorfeld versetzt. Die 23jährige wurde uniso zur Titel-Mitfavoritin erklärt, hatte aber in ihrem Auftakt-Match alle Hände voll zu tun und obendrein ein riesige Portion Glück nötig, um nicht schon beim ersten Antreten eine echte Bruchlandung hinzulegen. Denn viel fehlte wirklich nicht, und die 23jährige hätte im vierten “battle of sexes” zum Tag die blütenweiße Weste der Power-Ladies angepatzt. In ihrem Start-Single gegen den an Nummer 1 gesetzten Andreas Tolunay lag Godina nämlich 1:6, 4:5 zurück, war zudem mit nicht weniger als vier Matchbällen ihres Gegners konfrontiert und eigentlich schon mehr “draußen” aus dem Mai-HTT-150-Raster als im Viertelfinale. Doch mit Geschick und profitierend von einem nervelnden Gegenüber, konnte “Karo” die drohende Pleite gerade noch abwenden. Und so wurde der zweite Spieltag des Mai-HTT-150-Weekends zum großen Drama für Andreas Tolunay. Der 18jährige Jungstar vom TC Terra Rossa erlebt derzeit bewegte Wochen und dieser Tage binnen 24 Stunden die ganze Palette an Emotionen. Am Freitag in Runde 1 des April-Masters-Series-1000-Turniers den weitaus höher eingeschätzten Alexander Kastler bezwungen, wurde der Super-Samstag aus Sicht des Juniors zu einer ganz bitteren Lektion. 6:1, 5:4, und 4 Matchbälle gegen eine laut ITN-Ranking beinahe übermächtige Gegnerin, Gott sei Dank ging das Tolunay-Drama beinahe unbemerkt vom großen Turnier-Rummel auf den Show-Courts auf einem “Hinterhof-Platz” des TC Top Serve über die Bühne. 6:1, 5:7, 3:6, die nackten und höchst deprimierenden statistischen Fakten eines zunächst ganz ordentlichen Auftritts, der schließlich aber in einem tragischen Finish mündete. “Das war definitiv die bitterste Niederlage meines Lebens. Vier Matchbälle teilweise stümperhaft verjuxt, das tut extrem weh. Godina war aus meiner Sicht stärker als Hobiger und Kastler, und sie hat voll Gas gegeben. Vielleicht habe ich bei den Matchbällen zuviel nachgedacht oder mich zu früh über den Sieg gefreut. Womöglich wollte ich das Match aber auch zu schön abschließen, einfach nur blöd”, grollte Tolunay. Und das der Samstag für den Terra-Rossa-Jüngling doppelt ärgerlich endete, dafür zeichnete sein gemeinsamer Auftritt mit Dalibor Peric im Doppel verantwortlich. Das serbisch-österreichische Duo verlor die Auftakt-Begegnung gegen Rebecca Riemer und Marcus Rotter mit 9:11 im Champions-Tie-Break. Echt ärgerlich!

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