Vukicevic scheitert im Semifinale der Tour-Finals an Schneider und seiner Fitness

Der 4. Dezember 2013 wird wohl einen ganz besonderen Platz in der Geschichte der Hobby-Tennis-Tour einnehmen und als Tag der Superlativen in selbige eingehen. Vierdreiviertel Stunden Single-Tennis auf höchstem Niveau mit zwei dramatischen und äußerst spannenden Halbfinal-Entscheidungen, dazu das Ende einer imposanten Siegesserie und zwei neue Rekorde für die Ewigkeit, aufgestellt im Doppelbewerb der Tour-Finals 2013 im UTC La Ville, ja die Masters-Halbfinal-Nacht am Altmannsdorfer Ast hatte es wahrlich in sich. Sollte der abschließende Finaltag heute Abend nur annähernd so spannend werden, dann steht uns ein finales Tennisfest vom Feinsten ins Haus. Verantwortlich dafür sollen jene Herren werden, die schon am Mittwoch Abend das UTC La Ville zum Kochen brachten, und dem Saisonfinale der Top 8 endgültig den Stempel des außergewöhnlichen Top-Events aufgedrückt haben. Da wäre der Ranglisten-Erste Peter Klager, der sich in einer an Spannung und Dramatik kaum überbietbaren Halbfinal-Schlacht in 2:15 Stunden gegen Jungstar Renee Glatzl durchsetzen konnte. Ihm im großen Finale gegenüberstehen wird Philipp Schneider, der noch 11 Minuten länger zu kämpfen hatte, bis er die Mitternachts-Show gegen Serbiens Rasenkönig Vladimir Vukicevic mit 6:7, 6:3, 6:3 für sich entschieden hatte. Die Ouvertüre zum “finalen Single-Showdown” der beiden Tour-Final-Debütanten bestreiten die Doppel-Stars der Szene, und da kommt es zum Endspiel  zwischen dem Duo Kreidl-Schratt, das mit einem 6:3, 6:2 Sieg über die polnisch-österreichische Paarung Stefan Kraberger und Bartosz Krzeminski die Siegesserie der Jänner-Grand-Slam-Champions nach 17 Siegen en suite beendete, und dem Team Glatzl-Markovic, das im zweiten Semifinale das letzte im Turnier verbliebene Mixed-Duo mit Kiss-Lienbacher ausschalten konnte. Ein Bericht von C.L

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Klager und Glatzl liefern im ersten Semifinale “großes Kino” ab

Ein Sieg trennt HTT-French-Open-Champion Peter Klager noch vom Triumph bei den Tour-Finals 2013 und damit von der Krönung einer märchenhaften Premieren-Saison auf der Hobby-Tennis-Tour. Der Ranglisten-Erste aus Wien, rang am Mittwoch Abend in einer Neuauflage des RMB-TILE-CUP-Finales, Jungstar Renee Glatzl in teils hochklassigen 135 semifinalen Minuten mit 7:6, 6:3 nieder, und zog mit dem bereits 9. Einzelsieg in Serie, in sein insgesamt 7. Karriere-Endspiel ein. Bevor der 21jährige aber einen unglaublichen Semifinal-Krimi am Centercourt des UTC La Ville für sich entschieden hatte, musste selbst er – der aktuell Branchen-Beste – an seine physischen Grenzen gehen. Zunächst musste der Ranglisten-Erste einem früh kassierten Break zum 1:3 nachlaufen, dann lag er zwischenzeitlich klar mit 1:4 zurück, ehe er bei 4:5 und eigenem Aufschlag sogar zwei Satzbälle Glatzls abzuwehren hatte. Der erste Satz ging also nach zunächst klarer Glatzl-Führung in eine Verlängerung, und die hatte es gewaltig in sich. Die beiden Games im Finish des ersten Durchgangs waren nichts für schwache Nerven, und an Dramatik kaum zu überbieten. Vorallem aber imponierten die beiden Haupt-Protagonisten nun mit ihrem jeweils besten Tennis, und das in der überaus heiklen Phase eines Tour-Final-Vorschluss-Runden-Matches. Spektakuläre Ballwechsel, atemberaubend anzusehendes Hallentennis und zwei der besten und vorallem fitesten Spieler des gesamten Tour-Zirkus am Rande ihrer physischen Grenzen, mit “großem Kino” trifft man ganz gut, was Klager & Glatzl am Mittwoch Abend auf den Centercourt zauberten.Schade nur, das Glatzl im Tie-Break exorbitant patzte, und sich mit einem 6 Minuten-Blackout um die Früchte eines grandios gespielten ersten Satzes brachte.

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Klager gewinnt zweiten Satz gegen Glatzl als der fittere Spieler

Die mehr als anstrengenden 77 Minuten des ersten Satzes, schien Klager in der Folge besser zu verkraften. Zwar hielten beide Spieler zunächst ihren Aufschlag, doch ein von Krämpfen geplagter Renee Glatzl hatte weitaus mehr Mühe, seine Aufschlagspiele zu halten, als ein diesmal auch nicht wie gewohnt souverän servierender Klager. Die Müdigkeit des 19jährigen, der dieser Tage ja als einziger Spieler auch im Doppel-Bewerb engagiert ist, schlug sich letztlich auch auf die Konzentrationsfähigkeit, der bis hierhin fast eineinhalb Sätze “doppelfehlerfrei” seine Aufschlagspiele absolvierte, ehe er zwei dieser Mißgeschicke produzierte, und damit sein Service zum 2:4 abgeben musste. Sieben ungenützte Break-Chancen standen nach dem nächsten Game für Glatzl zu Buche, der 19jährige hatte also durchaus noch seine Chancen, dieser Partie zumindest ergebnistechnisch eine Wende geben zu können. Doch der Jungstar vom Schwechater TC war dazu körperlich nicht mehr in der Lage. Klager servierte kurz darauf das erste Semifinale der Tour Finals 2013 aus, und jubelte nach denkwürdigen 2:15 Stunden mit 7:6, 6:3 über die gelungene Revanche für die RMB-TILE-CUP-Endspiel-Pleite beim TC Donaufeld. “Ich bin über diesen Sieg überglücklich. Es war die erwartet schwierige und anstrengende Partie. Die Ballwechsel waren teilweise so kraftraubend, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich denke wir haben zeitweise eine echt geile Partie geboten, und ich muss auch dem Renee gratulieren, der mit dem Doppel noch eine Mehrfachbelastung hat. Auch für mich war das jetzt die zweite anstrengende Partie in diesem Turnier, das geht wirklich ordentlich rein. Ich bin sehr zufrieden”, bekundete der Ranglisten-Erste nach seinem 9. Einzelsieg in Serie.

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Philipp Schneider ringt in 2:26 Stunden körperlich angeschlagenen Vladimir Vukicevic nieder

Der Finalgegner von Glatzl-Bezwinger Peter Klager heißt Philipp Schneider. Der 33jährige Niederösterreicher drehte das zweite Semifinale bei den Tour-Finals 2013 gegen den serbischen Ranglisten-Sechsten Vladimir Vukicevic nach verlorenem ersten Satz noch um, und behielt nach 2:26 Stunden Spielzeit mit 6:7, 6:3, 6:3 die Oberhand. Am Ende eines langen und sehenswerten Schlagabtausches waren insgesamt 204 Punkte ausgespielt, wobei 104 davon für Schneider zum Einzug in sein insgesamt 6. Karriere-Finale reichten. Exakt 100 Punkte waren wiederum für Vladimir Vukicevic zu wenig, um im zweiten direkten Duell mit Schneider zum ersten Mal siegreich zu bleiben. Außerdem muss der 32jährige aus Sombor weiter auf seinen ersten Titelgewinn außerhalb der “heimischen” Rasencourts bei WAT Landstrasse warten. Statistisch betrachtet waren es also läppisch vier Pünktchen, die Serbiens Rasenkönig über die gesamte Spielzeit von fast zweieinhalb Stunden weniger machte, tatsächlich freilich hatte das Halbfinal-Aus des serbischen Titelfavoriten aber viel monumentalere Gründe. Einmal mehr offenbarte Vukicevic körperliche Defizite, die auf diesem Niveau erst richtig ins Gewicht fallen. Wenn du fast eineinhalb Sätze lang gegen einen Topspieler wie Philipp Schneider ohne entsprechender Beinarbeit agierst, dann ist es eigentlich ohnehin ein Kunststück für sich, ein mental so schwierig zu bestreitendes Masters-Semifinale derart lange offen zu halten.

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Nach verlorenem Tie-Break im ersten Satz startet Schneider eine erfolgreiche Aufholjagd

Wie überhaupt sich der serbische HTT-Wimbledonsieger das Leben in diesem zweiten Masters-Semifinale extrem schwierig machte. Früh kassierte er ein Break zum 1:2, das sich gegen einen keineswegs überragend – dafür aber mehr als solide – spielenden Schneider dennoch nicht aufzuholen schien. Just als der 5fache Saisonsieger aber zum Satzgewinn servierte, musste er erstmalig in diesem Spiel seinen Aufschlag abgeben. Und das war nicht der einzige Fauxpas, den sich Schneider im Finish des ersten Durchgangs leistete. Bei 6:5 serviert der Niederösterreicher abermals auf die 1:0 Satzführung, und wieder – diesmal sogar zu Null – floppte der gebürtige Horner beim Service. Wie schon im ersten Semifinale musste daher auch hier ein Tie-Break die Entscheidung bringen, den Vukicevic letztlich mit 8:6 gewann. Im zweiten Satz dominierte zunächst wieder Schneider die Szenerie. Der Niederösterreicher lag 4:1 voran, musste aber das Re-Break zum 3:4 hinnehmen und nochmals am Return nachjustieren, um mit dem letztlich entscheidenden Break zum 5:3 den Satzausgleich nach weiteren 48 Minuten zu fixieren.

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Vukicevic zu unfit für dieses Level, und Schneider stolz diese Partie noch gedreht zu haben

Im dritten und alles entscheidenden Heat schleppte sich Vukicevic dann mehr “schlecht als recht” über den Centercourt des UTC La Ville, und rettete sich zunächst vorallem mit seinem Service und einem “medical time out” durch diese kritische Phase. Dennoch war in diesen Momenten bereits klar, dass sich Serbiens Nr. 1 nie und nimmer mit seinen “krampfenden” Beinen ins Finale der Tour-Finals kämpfen wird können. Zumindest dann nicht, wenn er an der Grundlinie kleben bleibt, und mit dem immer besser in Fahrt kommenden Schneider lange Duelle ausfechten würde. So suchte der 32jährige immer öfters und notgedrungener Weise den Weg ans Netz. Eigentlich ist das ja genau das Metier des HTT-Wimbledon-Champions, doch an diesem Abend des 4. Dezember fehlte “Vladi” einerseits der nötige Touch am Netz, und andererseits sogar hier die Beinarbeit, um sich entsprechend gut in Position bringen zu können. Nur 14 Punkte bei 32 Netzangriffen belegen das auch statistisch einwandfrei! Schneider hatte derweil nämlich richtig gut Rhythmus am Return aufgenommen, und mit dem Break zum 3:2 die Weichen in Richtung Endspiel gelegt. 19 Minuten später war Schneider durch, hatte der Ranglisten-Vierte bei 5:3 keinen Bock mehr, die Partie in einer womöglichen hitzigen und nervenaufreibenden Schlussphase mit eigenem Aufschlag auszuservieren, und so krallte er sich sofort das siegbringende Break zum 6:3. “Natürlich bin ich sehr enttäuscht. Ich wollte hier in diesem Turnier noch weitergehen, zumindest das Finale erreichen und vielleicht sogar den Titel holen, aber der Körper hat es nicht zugelassen. Meine Beine spielen derzeit nicht mit. Ich bin einfach zu unfit für dieses Level. Ich weiß nicht was los ist, aber ich werde hart an meiner körperlichen Verfassung arbeiten, und dann im Jänner hoffentlich erfolgreich auf die Tour zurückkommen”, verabschiedete sich Serbiens Nr. 1 Vladimir Vukicevic. “Ich bin sehr stolz, dieses Match noch gedreht zu haben, vorallem weil ich den ersten Satz so bitter verloren hatte. Ich bin auch glücklich, dass es mir gelungen ist, die Ruhe zu bewahren. Es war verdammt schwer, und natürlich habe ich auch von Vladis körperlichen Problemen profitiert. Er war aber bis zum Schluss brand gefährlich”, analysierte der Sieger, der sich nun im Endspiel gegen Peter Klager als klaren Außenseiter sieht.