Fabian Mayrhuber verliert Mitternachts-Krimi gegen Ranglisten-Leader Peter Klager

Die 24. Auflage der HTT-Finals 2013 im UTC La Ville kann mit zwei hochkarätig besetzten Halbfinal-Partien aufwarten. Nachdem sich am Montag Abend bereits HTT-Olympiasieger Vladimir Vukicevic aus Serbien und der Ranglisten-Dritte Renee Glatzl für die Runde der letzten Vier qualifiziert hatten, zogen 24 Stunden später auch der 5fache Saisonsieger Philipp Schneider und der neue Ranglisten-Erste Peter Klager in die Vorschluss-Runde des 91. und letzten Saisonturniers ein. Dort kommt es am Mittwoch Abend zu zwei absoluten Krachern, stehen sich doch einerseits Peter Klager und Renee Glatzl in der RMB-TILE-CUP-Revanche, und Philipp Schneider im Duell mit Vladimir Vukicevic in einer Neuauflage des heurigen Oktober-Masters-Series-1000-Viertelfinales gegenüber. Ein Bericht von C.L

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Wird Erfolg im Mitternachts-Krimi zum Pyrrhussieg für Peter Klager ?

Während der große Konkurrent der letzten Wochen im Kampf um den Ranglisten-Thron Franz Mayrhuber schon seit Montag Abend nur mehr eine Zuschauer-Rolle beim Saisonfinale der Top 8 bekleidet, stürmt die neue Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour Peter Klager weiter von Sieg zu Sieg. Der 21jährige Wiener prolongierte am Dienstag Abend in der Night Session beim Bet at home cup-Day im UTC La Ville seinen aktuellen Erfolgslauf, und feierte im Duell zweier Major-Gewinner gegen WAC-Star Fabian Mayrhuber seinen achten HTT-Einzelsieg in Serie. Durch seinen in exakt 2:06 Stunden errungenen 6:1, 5:7, 7:6 Erfolg zog Klager als weiterhin einzig ungeschlagener Tour-Final-Starter ins Semifinale des 270. Hallen-Events der Open Ära ein, wo er auf Jungstar Renee Glatzl treffen wird. Allerdings könnte der knappe Triumph im “Mitternachts-Krimi” zu einem echten Pyrrhussieg geworden sein. Der dritte Erfolg im dritten direkten Duell mit dem ehemaligen Ranglisten-Ersten, bzw. die Art und Weise wir er zustande kam, könnte Klager im restlichen Verlauf dieses Turnier noch teuer zu stehen kommen. Denn nach zwei epochal herausgespielten Kantersiegen über Markus Kurzemann und Philipp Schneider, wirkte Klager nach seinem wenig souveränen Zittersieg über einen zuletzt alles andere als in Hochform agierenden Fabian Mayrhuber nicht mehr unantastbar für die Konkurrenz. Und die unnötig aufgehalsten Überstunden bei ohnehin schon einem Tag weniger Pause als Halbfinal-Kontrahent Renee Glatzl, könnten dem HTT-French-Open-Champion auch noch zum Verhängnis werden.

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Peter Klager gegen Fabian Mayrhuber bis 6:1, 5:3 galaktisch, danach aber richtig “patschert”

Er hat sich nämlich am Dienstag Abend richtig “patschert” angestellt, der zweieinhalb Vorrunden-Matches galaktisch aufspielende Ranglisten-Erste Peter Klager. Denn anstatt sich mit dem dritten Kantersieg in Serie weiter mit Selbstvertrauen vollzupumpen und entscheidend Kräfte für die Finalphase der 24. Masters-Auflage zu sparen, musste die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour im letzten Vorrunden-Match der Tour-Final-Gruppenphase mehr als unnötige Überstunden schieben. Eigentlich hatte sich der erst um 19 Uhr gestartete, sechste und letzte Vorrunden-Tag bei den Tour-Finals in rekordverdächtiger Zeit dem Ende entgegen geneigt, als HTT-French-Open-Champion Peter Klager um sieben Minuten vor Mitternacht beim klaren Stand von 6:1 und 5:3 seinen ersten Matchball vorfand. Die Klager-Fans daheim am Live-Ticker freuten sich über die dritte Gala-Vorstellung ihres Helden, sein Mannschaftskollege Robert Gravogl strahlte vor Ort angesichts der bis hierher so imposant ausgefallenen Darbietung am Centercourt des UTC La Ville, und Alexander Würz hatte ob seines abgegebenen Tipps von 6:1, 6:3 eigentlich schon zwei VIP-Tickets für den BET AT HOME CUP 2014 in Kitzbühel in der Hand. Doch dann kam plötzlich alles ganz anders!

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Klager läßt im zweiten Satz vier Matchbälle aus, und wütet danach als ruppiges Raubein über den Centercourt des UTC La Ville

Mayrhuber zauberte in dieser ganzen engen Phase des zweiten Satzes zunächst einmal drei großartige erste Aufschläge aus dem Handgelenk, und rettete sich damit hinein ins nächste Game, wo Klager freilich mit eigenem Service alles klar machen konnte. Mittlerweile saß Kova-Freundin Stephanie Kubik wohl schon gedanklich in der großzügigen VIP-Lounge des Kitzbüheler ATP-Turniers, denn sie hatte als einzige Teilnehmerin des Tippspieles zum “match of the day” einen 6:1, 6:4 Sieg Klagers vorausgesagt. Und der schien besiegelt, als der 4fache Saisonturniersieger drei weitere Matchbälle vor der Brust hatte, und beim vierten Versuch nach glänzendem ersten Aufschlag am Netz auftauchte. War der “Serve” noch ok, schlug er den “Volley” beinahe stümperhaft ins Netz, und damit war Klagers Dominanz endgültig gebrochen. Danach war das flüssige, das selbstverständliche, das einfach großartige Indoor-Tennis des Ranglisten-Ersten wie weggeblasen. Nichts war mehr übrig von einer beeindruckend ausgefallenen Vorstellung im ersten Satz, als er Mayrhuber fast nach Belieben diktierte, und nach nur 16 Minuten mit 5:0 voran lag. Doch Klager stolperte in der Folge förmlich in diesen dritten Satz, den es angesichts des fehlenden Ruhetages unbedingt zu vermeiden galt. Plötzlich bekam man auch das andere Gesicht des 21jährigen zu sehen. Der nette junge Mann von nebenan, immer gut gelaunt und in seinen Handlungen stets souverän wirkend, avancierte plötzlich zum grimmigen Raubein, das Schläger werfend, wild gestikulierend und laut schreiend über den Centercourt des UTC La Ville wütete. Im dritten Satz war dann von nobler Spielkultur nicht mehr viel übrig. Es hatte sich viel eher ein echter Kampf entwickelt, ein schonungsloser Schlagabtausch, in dem Mayrhuber über weite Strecken die besseren Karten in der Hand hatte. Allerdings schwächelte der 2fache Major-Gewinner immer dann bei eigenem Aufschlag, wenn er sich mittels Break einen kleinen Vorteil verschafft hatte. Im Finish des dritten Satzes war freilich Klager dem Sieg wieder näher! Doch der Mitternachts-Krimi forderte auch beim 21jährigen nervlichen Tribut, und Klager avancierte zum wahren Chancentod! Bei 5:4 und 6:5 vergeigte er stilvoll seine Aufschlagspiele, und erst im Tie-Break steckte die Nummer 1 letztlich die Grenzen entsprechend ab. 112 Punkte aus 205 gespielten Ballwechseln reichten letztendlich, um sich um exakt 1:11 Uhr Ortszeit mit dem 8. Einzelsieg in Serie zum dritten Vorrunden-Sieg bei den Tour-Finals 2013 zu retten.

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“Alles nach dem ersten Satz war einfach nur peinlich von mir”

“Nach dem gewonnenen ersten Satz wollte ich nur mehr Kraft für das Semifinale sparen, und dann war ich leider unkonzentriert. Alles nach dem ersten Satz war einfach nur peinlich von mir. Nach dem Ausrutscher hat mir zudem mein Knie sehr weh getan, und so hatte ich immer mehr die Lust an dieser Partie verloren. Alles in allem war es ein Match, auf das man nicht stolz sein kann”, resümierte der Sieger, während Fabian Mayrhuber zwischen Freude über die geschaffte Trendwende und Trauer über eine abermals vergebene Siegchance gegen Peter Klager schwankte. “Ich habe mich ordentlich von den Tour-Finals verabschiedet, aber das Ende des Matches ist schon enttäuschend. Mehr kann ich nicht dazu sagen. Ich bin nur völlig k.o”, so Mayrhuber in einer ersten Stellungnahme.

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Philipp Schneider bucht als letzter Spieler sein Ticket für die Tour-Finals-Halbfinali, offenbarte im Duell mit Markus Kurzemann aber deutliche Schwächen

Als letzter Spieler komplettierte Philipp Schneider am Dienstag Abend das Semifinale der Tour-Finals 2013. Der 33jährige Niederösterreicher, der sich mit 5 Saisontiteln für das  große Finale der Top 8 am Altmannsdorfer Ast qualifiziert hatte, musste 48 Stunden nach dem bitteren Vorrunden-Debakel gegen Peter Klager wieder auf den Platz, um dort einerseits zuletzt eingebüßtes Renomee zurückzuerobern, und andererseits gegen den ehemaligen Ranglisten-Ersten Markus Kurzemann das Semifinal-Ticket klar zu machen. Was ihm ergebnistechnisch in nur 73 Minuten mit 6:4, 6:2 ganz gut gelang, was spielerisch aber doch noch einige Wünsche offen ließ. Ok, der 5fache Saisonsieger aus Niederösterreich servierte 71 Prozent an ersten Aufschlägen ins Feld, er hämmerte 31 unwiderstehliche Winner ins Feld des Gegners, und er nahm Kurzemann gleich 7 Mal dessen Aufschlag ab. Alles schön und gut, aber nicht verschweigen darf man auch, dass der gebürtige Horner im Duell mit einem galaktisch weit entfernt von jeder Hochform spielenden Gegner, auch deutliche Schwächen offenbarte. Neben mangelnder Konstanz und vielen unforced errors von der Vorhand, ließ Schneider die zuletzt auf Teppich gesehene Aufschlagstärke vermissen. 4 kassierte Breaks gegen Tabellen-Schlusslicht Markus Kurzemann müssen Blickrichtung Semifinal-Schlager gegen Vladimir Vukicevic ein echtes Alarmzeichen für den 33jährigen sein.

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Philipp Schneider mit dem 18. Sieg im 20. Hallen-Match beim UTC La Ville

Am Ende blieb Schneider in dieser wenig berauschenden Break-Orgie gegen Kurzemann unbeschadet, weil er sich im zweiten Satz seiner Stärken halbwegs besinnen konnte, und damit im 20. Hallenmatch beim UTC La Ville seinen 18. Sieg feierte. “Es war eine ganz ordentliche Leistung. Ich fange schön langsam an, mich mit dem Platz zu arrangieren, aber mir fehlen gefühlt noch so ca. 10 Stunden Training auf diesem Belag. Im Halbfinale werde ich mich daher ganz sicher noch weiter steigern müssen”, so Schneider. “Es war eine Leistungssteigerung. Letztendlich das Masters mit dem heutigen Spiel und der dort gezeigten Leistung abzuschließen, ist eh ok”, verabschiedete sich auch Vorarlbergs Nr. 1 nach seinem dritten Masters-Start in Serie, bei dem er sich zum ersten Mal ohne Einzelsieg in der Vorrunde trösten musste.

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Die US-Open-Doppel-Champions Christian Kreidl und Benedikt Schratt sichern sich mit überzeugendem Kantersieg über Kramer-Mayerhofer das letzte Semifinal-Ticket im Doppelbewerb der Tour-Finals 2013

Im Single stehen mit Peter Klager, Renee Glatzl, Philipp Schneider und Vladimir Vukicevic wohl die “Großen Vier” im Semifinale der Tour-Finals 2013, und auch im Doppel haben sich zum Großteil die favorisierten Paarungen einen Platz im Halbfinale gesichert. Vor dem abschließenden sechsten Vorrunden-Tag hatten sich ja bereits die österreichisch-polnischen Jänner-Grand-Slam-Sieger Stefan Kraberger und Bartosz Krzeminski, die österreichisch-serbische Paarung Renee Glatzl und Filip Markovic und das Mixed-Duo Mario Kiss und Tajana Lienbacher für die Vorschluss-Runde qualifiziert. Um das letzte offene Halbfinal-Ticket duellierten sich am Dienstag Abend im Eröffnungsspiel das Team Christoph Kramer und Martin Mayerhofer, die gegen das bislang noch nicht überzeugend auftretende Duo Christian Kreidl und Benedikt Schratt vom AZ Tennisclub anzutreten hatten. Die August-Masters-Series-1000-Champions, die zum Auftakt der Gruppenphase gegen Glatzl-Markovic ein böses Debakel erlebten, und sich gegen Buchhammer-Kottisch auch erst mit einem 11:9 im Champions-Tie-Break in dieses Entscheidungs-Match retteten, waren gegen die US-Open-Doppel-Champions völlig chancenlos, und in knapp 50 Minuten mit 3:6, 1:6 recht rasch aus den Halbfinal-Träumen bei den Doppel-Tour-Finals 2013 im UTC La Ville gerissen worden. “Bei uns ging das ganze Turnier über nichts zusammen”, bilanzierten die Geschlagenen. Im letztlich bereits bedeutungslosen letzten Doppel der Vorrunden-Phase bei den Finals 2013, deklassierten Glatzl-Markovic die in den ersten beiden Matches recht unglücklich agierenden und zwei Mal nur im Champions-Tie-Break unterlegenen US-Open-Doppel-Finalisten Buchhammer-Kottisch mit 6:2, 6:1.

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