Zitter-Aufstieg von Kiss-Lienbacher geht im Eklat um Abbruch des Eröffnungs-Doppels unter

Der bei den Tour-Finals zur Anwendung kommende Round-Robin-Modus sorgt beinahe alljährlich für kurios anmutende Aufstiegs-Szenarien. Blieb am Montag Abend Spaniens 4fachem Saisonsieger Igancio Martin mit zwei Gruppensiegen der Aufstieg ins Semifinale verwehrt, genügte dem Mixed-Duo Mario Kiss und Tajana Lienbacher in Gruppe B des Doppel-Bewerbs ein – noch dazu im Champions-Tie-Break errungener – Vorrundensieg, um sich mit dem Aufstieg in die Vorschluss-Runde weiter Hoffnungen auf den Titelgewinn machen zu dürfen. Am gestrigen Abend reichte dem Duo Kiss und Lienbacher trotz Niederlage gegen die bereits vor dem Schlusstag feststehenden Aufsteiger Kraberger-Krzeminsi der Gewinn des ersten Satzes, um die an Siegen gleich gereihten Paare Kreilinger-Wimmer und Bogdanov-Peyerl im Kampf um Platz 2 auszustechen. Allerdings ging der “Last Minute Aufstieg” von Kiss-Lienbacher angesichts eines Doppel-Eklats im Eröffnungsspiel des Abends völlig unter. Ein Bericht von C.L

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Vorrunden-Doppel zwischen Kreilinger-Wimmer und Peyerl-Bogdanov endet mit Eklat

Es wäre ja zu schön gewesen, wenn die bislang so großartig verlaufende 24. Auflage der Tour-Finals im UTC La Ville völlig skandalfrei über die Bühne gegangen wären. Gute Stimmung, tolle Matches, alles lief rund, bis am Montag Abend im Auftakt-Match des Terra-Rossa-Tages, Ines Kreilinger und Patrick Wimmer sowie Thomas Peyerl und Marko Bogdanov die Klingen kreuzten. Die Partie war keine 2 Minuten alt, da gab es den Stein des Anstosses, die Szene des Abends, die dieses Match in Richtung Eklat kippen ließ. Was war geschehen? Marko Bogdanov feuerte einen ersten Aufschlag ab, traf den kleinen gelben Filz aber nicht ins Feld, sondern genau auf Olympiasiegerin Ines Kreilinger. Bogdanov zählte sich umgehend den Punkt zum 15:0 gut, was auf der anderen Seite des Netzes vorallem Kreilingers Partner Patrick Wimmer echauffierte. Mit den Worten “Du bist ein echter Marmeladinger” und der Androhung “heute bist du noch dran”, machte sich Wimmer Luft über das aus seiner Sicht völlig indiskutable Verhalten Bogdanovs. Zwar beruhigten sich zwischenzeitlich die Gemüter, doch bei 6:1, 2:1 kochte die Rivalität erneut auf. Diesmal wurde um einen Outball diskutiert, was den deutschen Doppelspezialisten schließlich dazu veranlasste, das Match abzubrechen, und das Vorrunden-Doppel aufzugeben.

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Wie die beiden Streitparteien den Abbruch-Skandal sahen

“Bogdanov hat gleich im ersten Game mit einem ersten Aufschlag meine Partnerin getroffen, und ohne Entschuldigung ein 15:0 für sich reklamiert. Ich habe ihm dann höflich mitgeteilt, dass der Spielstand den Regeln nach in Ordnung geht, ich es aber für richtig empfinde, wenn er sich vorher entschuldigen würde. Ab diesem Punkt war das ganze Match ziemlich hektisch gespielt. Der Grund seines Abtretens war aber im zweiten Satz bei 2:1, als die Ines einen ersten Aufschlag ganz klar “in” servierte, und Bogdanov den Ball “out” gab. Er meinte dann noch, dass er den Ball nicht gesehen hat, und ich habe ihn darauf hingewiesen, dass er dann den Ball, ohne ihn gesehen zu haben, nicht out geben könnte. Danach ist er einfach abgetreten. Ansonsten wäre das eine ganz gute Partie gewesen”, stellte Wimmer seine Sicht der Dinge dar. “Was ist aus meiner Sicht passiert! Mir reißt der erste Aufschlag ab, und ich treffe die Ines unglücklich. Auf den ersten Bick kam es für mich nicht so rüber, als wenn da was Schlimmes passiert wäre. Der Gesichtsausdruck der beiden sah für mich eher nach “was ist denn jetzt eigentlich” aus! Deswegen habe ich 15:0 rausgehauen! Ich habe das jetzt nicht so empfunden, dass ich mit 150 km/h jemanden abgeschossen hätte, und ich habe auch keinen Schrei gehört oder ein schmerzverzerrtes Gesicht gesehen. Und von daher habe ich es auch nicht verstanden, von wegen warum entchuldigst du dich nicht gleich. Ich war selbst überrascht, mir ist sowas noch nie passiert! Der Grund warum ich dann sagte ich will nicht mehr, war die Diskussion über einen Aufschlag! Es waren schon davor ein paar knappe Bälle von der Ines, und ich denke ich bin nicht bekannt dafür, bewusst falsche Entscheidung zur eigenen Vorteilnahme zu machen. Ich hatte dann keine Lust mehr, weiter zu diskutieren, und ich konnte mich eigentlich auch seit dem ersten Ball nicht mehr richtig fokussieren. Für mich war das Match nach der Aktion bei 15:0 eigentlich schon gelaufen.Gleich nach dem 15:0 hat auch eine ziemlich aggressive Stimmung auf dem Platz geherrscht, und das nur aufgrund eines Missverständnisses aus meinen Augen heraus.  Der letzte Punkt war dann das “i” auf dem Ganzen, und da habe ich mir gesagt, das tue ich mir nicht an. Ich gehe nicht abends auf den Platz, um mich dann dieser Negativ-Stimmung auszusetzen”, erzählte Bogdanov.

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Ines Kreilinger scheitert beim dritten Doppel-Masters-Start ihrer Karriere zum ersten Mal in der Vorrunde, und Kiss-Lienbacher bejubeln “schönste Niederlage” ihrer Laufbahn

Eklat hin, Skandal her, am Ende des Tages musste sich Olympiasiegerin Ines Kreilinger bei ihrem dritten Doppel-Masters-Start zum ersten Mal in der Vorrunde geschlagen geben. 2011 stand sie mit Mario Kiss noch im Finale, 2012 erreichte die Oberösterreicherin mit Daniel Elender das Semifinale, ehe heuer eben mit Patrick Wimmer das Aus in der Vorrunde kam. Den eigentlich von den Experten erwarteten Aufstieg, ließ das Mixed-Duo aber schon am Samstag Nachmittag liegen, als man gegen Kiss und Lienbacher einen katastrophalen Champions-Tie-Break spielte, und damit die Chancen auf das Semifinale selbst stark reduzierte. Immerhin hatte man vor dem dritten und letzten Vorrundentag aber noch die Chance, die Vorschluss-Runde zu erreichen. Dazu war ein glatter Zweisatz-Sieg – bei gleichzeitiger Schützenhilfe von Kraberger-Krzeminski – notwendig. Die Jänner-Grand-Slam-Champions hätte nur in zwei Sätzen gewinnen müssen, um Kreilinger-Wimmer aufgrund des besseren Satzverhältnisses mit ins Semi zu nehmen. Doch schon nach dem ersten Satz hatte sich die Sache erledigt! Kiss-Lienbacher hatten überraschender Weise 6:2 gewonnen, und das vorallem nach einer absoluten Topleistung von Mario Kiss, der quasi im Alleingang den “einen nötigen Satz” fixierte. “Wir sind sehr froh, und ich glaube wir sind alle Vier glücklich”, ortete Kiss unmittelbar nach dem Matchball eine allgemeine Feierstimmung beim Shakehands. “Das ist eine meiner schönsten Niederlagen” ergänzte Kiss. “Sie haben uns im ersten Satz überrascht, und extrem gut gespielt. Wir sind hingegen nicht so richtig ins Spiel gekommen, und dann waren noch drei, oder vier Entscheidungspunkte gegen uns, und dann wird es speziell im Doppel sehr schwer”, erklärte derweil Bartosz Krzeminski die Gründe für den verloreren ersten Satz der Titelfavoriten.

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