Spaniens HTT-Superstar Ignacio Martin feiert gegen Renee Glatzl einen Sieg ohne Wert

HTT-Wimbledon-Champion Vladimir Vukicevic hat bei den Tour-Finals 2013 im UTC La Ville seinen zweiten Vorrunden-Sieg errungen, und damit als erster Spieler das Halbfinale des Saison-Abschluss-Turniers am Altmannsdorfer Ast erreicht. Der Ranglisten-Sechste aus Serbien düste am Montag Abend im Eilzugstempo durch sein letzten Gruppen-Match, und fertigte den schon vor dem letzten Round-Robin-Auftritt entthronten Titelverteidiger Franz Mayrhuber in nur 39 Minuten mit 6:2 und 6:0 ab. Am Ende des Tages reichte es für den Rasenkönig der Hobby-Tennis-Tour sogar zum Gruppensieg, denn im Schlagerspiel des Abends musste sich Jungstar Renee Glatzl dem spanischen HTT-Hero Ignacio Martin in 2:24 Stunden mit 6:7, 6:2 und 4:6 geschlagen geben, womit der 19jährige im fünften Masters-Match seiner Karriere erstmals als Verlierer vom Platz musste. Weil Glatzl seine Masters-Premieren-Niederlage allerdings mit einem Satzgewinn “geschönt” hatte, durfte der 5fache Titelträger vom Schwechater TC neben Vukicevic über ein Halbfinal-Ticket bei den Tour-Finals 2013 jubeln. Weniger Grund zur Freude hatte derweil Spaniens Nr. 1 Ignacio Martin, der mit zwei Vorrundensiegen am schlechteren Satzverhältnis scheiterte, und ab sofort das Saisonfinale im UTC La Ville nur mehr als Zuschauer verfolgen kann. Ein Bericht von C.L

img_4970

Nach Glatzl-Niederlage ist Ranking-Leader Peter Klager als einziger Spieler bei den Tour-Finals 2013 ungeschlagen

Seit Dienstag Nacht exakt 0:28 Uhr, ist nur mehr der Ranglisten-Erste Peter Klager bei den heurigen Tour-Finals im UTC La Ville ungeschlagen. RMB-TILE-CUP-Champion Renee Glatzl, der nach seinen beiden Vorjahressiegen als Ersatzmann und seinem perfekten Start in die heurige 24. Auflage des HTT-Masters überhaupt noch unbesiegt in “Masters-Matches” war, kassierte im “Match des Tages” am Terra-Rossa-Day gegen Spaniens HTT-Star Ignacio Martin eine 6:7, 6:2, 4:6 Niederlage, und ist damit den Nimbus der Unbesiegbarkeit bei den Tour-Finals los. Für den 19jährige war es aber vermutlich die bislang “schönste Niederlage” seiner Karriere, denn außer entgangenen 200 Ranglistenpunkten und dem Verlust seiner persönlichen Masters-Siegesserie ist aus Sicht des Jungstars nichts passiert. Bei genauerem Hinsehen könnte man sogar meinen, der Vukicevic-Bezwinger ist mit seinem Ausrutscher und dem damit verbundenen Rückfall auf Platz 2 in Gruppe B gar nicht unglücklich. Denn jetzt – sollte es am Dienstag Abend in Gruppe A nach Papierform gehen, könnte sich Glatzl ein Semifinal-Duell mit Peter Klager “erlosed” haben, und der Ranglisten-Erste als Gegner im Kampf um eines der beiden heiß begehrten Final-Tickets, ist Glatzl allemal lieber als Philipp Schneider, gegen den er im Head to Head mit 0:2 zurückliegt.

img_1039

Martin und Glatzl zeigen im Tie-Break des ersten Satzes Tennis vom aller Feinsten

Glatzl freilich beteuerte später im Interview, nicht absichtlich verloren zu haben, auch wenn die Optik mit zwei Doppelfehlern im letzten Game ein bißchen schief war. Sei es drum, denn in Erinnerung von diesem intensiven und langen Tennisabend am Terra Rossa-Day blieben ohnehin jene Szenen, die sich im ersten Satz am Centercourt des UTC La Ville abgespielt hatten. Genaugenommen im Tie-Break des Startsatzes, in dem beide Akteure großes Tennis zeigten, und der Spanier dort sogar den Mann mit der schnellsten Vorhand im Ciurcuit überpowerte. “Senor Ignacio” zelebreierte in dieser heißen Phase des ersten Satzes Tennis vom aller Feinsten, und das obwohl die mentale Anspannung unfassbar groß gewesen sein muss, und die Spannung in der Halle in beinahe unmessbare Sphären stieg. Martin durfte – angesichts der heiklen Quali-Chancen für ein mögliches Semifinale – diesen ersten Satz in keinem Fall verlieren, und trotzdem ging der Madrilene speziell im Tie-Break ein Höllentempo, gepaart mit höchster Risikobereitschaft. Belohnt wurde er mit dem ersten Satz, der nach 63 Minuten mit 7:6 an den 4fachen Saisonsieger aus Spanien ging.

img_3402

Als Jungstar Renee Glatzl im dritten Satz von komischen Gedanken gequält wurde

Danach folgten aus Sicht des Spaniers wohl die Schlüssel-Szenen, warum am Ende Renee Glatzl am kommenden Mittwoch Semifinale bei den Tour-Finals 2013 spielen wird, und nicht der 25jährige aus Madrid. Martin ließ in den ersten beiden Games – die rekordverdächtige 22 Minuten dauerten – insgeamt sieben “big points” ungenützt, zunächst zwei Spielbälle im ersten Game bei eigenem Aufschlag, und danach gleich fünf Break-Chancen am Stück, um sich auf 1:1 zurückzukämpfen. Immerhin blieb Martin mit eigenem Service dran am mittlerweile besser spielenden Glatzl, zumindest solange, bis er das zweite Break zum 2:5 kassierte. Damit war der Sack aus Glatzls Sicht zugemacht, und um 23:45 hatte der 19jährige mit dem Gewinn des zweiten Satz endgültig sein Halbfinal-Ticket beim Masters 2013 in der Tasche. Die Entscheidung in Sachen Aufstieg war also gefallen, nicht aber wer dieses letzten Vorrunden-Match in Gruppe B für sich entscheiden würde. Dabei schien alles klar, denn bei Ignacio Martin war die Luft draußen, und Glatzl bei einer 4:2 Führung scheinbar auf dem besten Weg, auch sein fünftes Karriere-Masters-Match siegreich zu gestalten. Doch in der Schlussphase schwirrten dem 19jährigen komische Gedanken durch den Kopf! Soll ich die Gruppe gewinnen, um im Halbfinale womöglich Angstgegner Philipp Schneider gegenüberstehen zu müssen, oder wäre es nicht klüger, als Verlierer des Duells mit Spaniens Nr. 1, als Gruppen-Zweiter den Gang ins Semifinale anzutreten, und dort Lieblingsgegner Peter Klager im Kampf um ein Semifinal-Ticket zu “daten”.  Den Ausgang dieser Überlegungen und des Matches kennen wir, ob es für Glatzl auch den gewünschten Erfolg bringen wird, steht derweil aber noch in den Sternen.

img_3609

Die Stimmen zum Entscheidungsspiel in Gruppe B

“Ich habe mich im ersten Satz regelrecht angesch…….! Das war nicht mein Spiel, ich glaube das hat jeder gesehen. Im zweiten Satz habe ich mir dann gedacht, spiele einfach dein Spiel, und dann ist es plötzlich auch gegangen. Im dritten Satz und nachdem ich wusste, dass ich weiter bin, habe ich dann ganz locker gespielt. Dann war auch plötzlich die ganze Nervosität vorbei”, erzählte Glatzl, der angesprochen auf das kuriose Ende des dritten Satzes meinte: “Ich habe nicht mit Absicht verloren. Ich habe Sachen probiert, die ich sonst nur im Training spiele. Ich wollte sehen, ob ich das auch in einem Turnier-Match umsetzen kann”, so der 19jährige. “Ein bißchen ärgert es mich schon, dass jetzt meine Siegesserie beim Masters vorbei ist”, ergänzte Glatzl, der obendrein auch den insgesamt 38. Saison-Einzelsieg und damit die aktuell von Alexander Scheller gehaltene Bestmarke mit 38 Einzelsiegen im Jahr 2013 verfehlte. “Es war ein gutes Match, vorallem im ersten Satz. Und speziell im Tie-Break habe ich super Tennis gespielt. Die Entscheidung im zweiten Satz fiel in den ersten beiden Games! Da hatte ich extrem viele Chancen, und ich konnte nicht eine einzige davon nützen. Nachdem ich den zweiten Satz veloren hatte, war es extrem schwierig sich weiter zu motivieren. Der erste Satz und der Tie-Break hatten enorm viel an mentaler Kraft gekostet. Außerdem war ich auch schon müde. Jetzt bin ich natürlich traurig und enttäuscht, aber morgen wird das schon wieder anders aussehen. Nächstes Jahr komme ich wieder, und dann mache ich es besser”, verabschiedete sich der Spanier.

img_0963

Vladimir Vukicevic düst im Eilzugstempo ins Semifinale der Tour-Finals im UTC La Ville

Gut möglich, dass Serbiens HTT-Rasenkönig Vladimir Vukicevic in der Nachbetrachtung der Tour-Finals 2013 gleich zwei Mal in den Rekordlisten aufscheinen wird. Der 32jährige aus Sombor war am Samstag im 2:50 Stunden dauernden Jahrhundert-Match gegen Renee Glatzl – und damit im längsten Spiel des Turniers – mit von der Partie, und am Montag Abend dürfte der Ranglisten-Sechste aus Serbien auch Teil des kürzesten Spieles bei den Tour-Finals 2013 geworden sein. Denn “Vladi” hatte es im letzten seiner drei Gruppen-Matches richtig eilig, um sich für die anstehenden Aufgaben zu schonen. Serbiens Nummer 1 ist nicht ganz fit, leicht kränklich und verspannt, so war Vukicevic froh, nach nur 39 Minuten Spielzeit, den Titelverteidiger mit 6:2, 6:0 eliminiert zu haben, und die Heimreise antreten zu können. Es war eine höchst einseitige Angelegenheit, dieses dritte Treffen der beiden Top-Ten-Stars, das Vukicevic übrigens den dritten Sieg bescherte. Dabei startete der als großer Underdog ins Spiel gegangene Mayrhuber optimal, brachte zwei Mal sein Service durch, und schien dem schaumgebremst agierenden Gegner Paroli bieten zu können. Doch dann legte Serbiens HTT-Star einen Gang zu, verschärfte das Tempo, und holte 11 Games in Folge. Höhepunkt dabei war das Game zum 4:0, in dem der Ranglisten-Sechste vier Asse in Serie aus dem Handgelenk zauberte.

img_1027

Franz Mayrhuber muss erstmals in seiner Karriere eine Masters-Vorrunde ohne Sieg abschließen, und der entthronte Titelverteidiger geht zudem mit der Unserie von 6 Niederlage in Folge ins Tennisjahr 2014

Während Vukicevic also mit seinem zweiten Sieg in der Vorrunde als insgesamt erst fünfter internationaler Spieler der Open Ära den Aufstieg ins Masters-Semifinale schaffte, und danach im Interview seine Unzufriedenheit über den eigenen Aufschlag zum Ausdruck brachte, musste der entthronte Titelverteidiger Franz Mayrhuber eine gemischte Bilanz seiner 2013er-Saison im Tour-Zirkus ziehen. “Natürlich bin ich nicht zufrieden mit einer Saison, in der ich nur einen Titel gewonnen habe. Aber mehr ist derzeit nicht drinnem, und damit kann ich aber ganz gut leben”, betonte der 48jährige. Schade aus seiner Sicht war natürlich, dass er ausgerechnet im letzten Match des Jahres bei seinem letzten Masters-Auftritt für diese Saison mit einem Debakel vom Centercourt geschickt wurde. Das 2:6, 0:6 hatte aber noch andere statistische Negativ-Auswirkungen. Mayrhuber musste sich zum ersten Mal in seiner Karriere ohne Sieg in der Vorrunde des Saison-Abschluss-Turnieres zufrieden geben. Und mit dem verlorenen 20. Masters-Single-Auftritt seiner Laufbahn, kassierte der Routinier zudem die bereits sechste HTT-Niederlage in Serie. Für einen wie Franz Mayrhuber eine echte Horror-Bilanz. “Vukicevic war einfach in allen Belangen überlegen. Das muss man letztlich so hinnehmen. Ich bin Realist, und ich habe schon im Vorfeld mit drei Niederlagen gerechnet. So ist es dann auch gekommen, und das zeigt wiederum, dass ich mich ganz gut selbst einschätzen kann”, zog Mayrhuber nach seiner 5. Masters-Teilnahme in Serie Bilanz.

img_1025