Klager-Gala im Vorrunden-Schlager der Tour-Finals gegen Philipp Schneider

Der neue Ranglisten-Erste Peter Klager hat am Sonntag Abend im abschließenden Match des TZI-Days bei den Tour-Finals im UTC La Ville den 5fachen Saisonsieger Philipp Schneider ergebnistechnisch auseinander genommen, das Publikum in der Halle begeistert, und der Konkurrenz für den Rest des Saisonfinales der Top 8 am Altmannsdorfer Ast eine Denkaufgabe mit auf den Weg gegeben. Der HTT-French-Open-Champion aus Wien deklassierte den heuer mit 5 Turniersiegen an Titeln gemessen erfolgreichsten Spieler des Jahres 2013 in exakt 60 Minuten mit 6:1, 6:3, und steht mit einem Bein im Semifinale des 91. und letzten Saisonturniers. Fix hat der 21jährige sein Vorschlussrunden-Ticket aber noch nicht, weil im Parallel-Match der Gruppe A der 2fache Major-Gewinner Fabian Mayrhuber das Duell der beiden ehemaligen Ranglisten-Ersten gegen Markus Kurzemann ebenfalls in zwei Sätzen für sich entschied. Der 7:5, 6:3 Sieg des 24jährigen WAC-Stars läßt allen vier Spielern für den am Dienstag auf dem Programm stehenden letzten Vorrundentag in Gruppe A zumindest noch die theoretische Chance auf den Halbfinaleinzug der 24. Tour-Finals 2013 im UTC La Ville. Ein Bericht von C.L

img_4793

HTT-French-Open-Champion Peter Klager erteilt 5fachem Saisonsieger Philipp Schneider eine Lehrstunde

24 Stunden nach dem denkwürdigen Vorrunden-Kracher der Gruppe B zwischen Renee Glatzl und Vladimir Vukicevic, der mit einem 7:6, 5:7, 6:3 Sieg Glatzls endete und als bislang bestes Match in die Masters-Geschichte eingehen wird, brachte sich die neue Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour mit einer phantastischen Leistung der höchst interessierten Wiener Tennis Szene in Erinnerung. Der HTT-French-Open-Gewinner erteilte am Sonntag Abend im Spitzenspiel des vierten Turniertages dem 5fachen Saisonsieger Philipp Schneider eine echte Lehrstunde, und feierte im dritten direkten Duell mit seinem 12 Jahre älteren Konkurrenten den dritten ganz klaren Erfolg in zwei Sätzen. Klager demontierte in eindrucksvoller Manier einen Gegner, der sich zuletzt in den heiligen Hallen des UTC La Ville pudelwohl zu fühlen schien, und von seinen letzten 18 Indoor-Begegnungen am Altmannsdorfer Ast nicht weniger als 17 davon für sich entschied. Im Duell der beiden aktuell besten Siegesserien – Klager und Schneider waren nach zuletzt jeweils 6 Siegen en suite in diesen Vorrunden-Hit gestartet – war der 33jährige aus Horn aber derart chancenlos, dass er einem fast schon wieder leid tun hätte können.

img_4722

img_0933

img_4888

Die interessanten Aspekte und Lehren aus der grandiosen Klager-Gala

Dabei begann der mit großer Spannung erwartete Schlager aus Sicht Schneiders planmäßig. Der Niederösterreicher hatte sein erstes Aufschlagspiel zum 1:0 durchgebracht, und niemand in der Halle konnte zu diesem Zeitpunkt erahnen, dass schon im nächsten Game die Maschinerie Klager in Bewegung kommen sollte. Und erst einmal losgelassen, stürmte der heuer auf Masters-Series-1000-Ebene mit 15:0 Siegen noch ungeschlagene Ranglisten-Leader dann über einen völlig chancenlosen Gegner hinweg, demoralisierte Schneider mit jedem ausgespielten Ballwechsel um ein weiteres kleines Stück mehr, und steigerte sich in einen insgesamt genau 60 Minuten dauernden Spielrausch am Centercourt des UTC La Ville. Die erwähnte Lehrstunde die Klager an diesem 1. Dezember-Abend seinem Herausforderer erteilte, und die auch das beeindruckte Publikum im La Ville in Staunen versetzte, hatte mehrere interessante und lehrreiche Aspekte zu bieten. Da war vorallem die Beinarbeit, auf der das imposante Klager-Tennis aufgebaut ist. Unwahrscheinlich welch schier aussichtslos scheinenden Bälle der 21jährige nicht nur erwischt, sondern auch noch in einer Art zurück übers Netz befördern kann, die den Gegner vor massive Probleme stellt. Schneider war heute beispielsweise gezwungen, durch die permanent aus der Defensive heranfliegenden Bälle, das Risiko zu erhöhen, um irgendwie an direkte Punkte zu kommen. Denn Fehler macht der so stabil wirkende und äußerst sicher von der Grundlinie agierende Klager nur wenige. Der 21jährige ist physisch ganz sicher der stärkste Mann im Feld, und er vermittelt diese Stärke sowohl Gegner als auch Publikum in jeder Sekunde seiner Auftritte im Tour-Zirkus. Ein weiteres Kapitel aus Klagers Tennislehre ist der Aufschlag, mit dem der neue Branchen-Primus in unwiderstehlicher Art und Weise reihenweise Game um Game für sich entschied. Aufgrund seiner Größe und einer perfekten Hebelwirkung fielen die Asse am Sonntag Abend wie reife Früchte von den Bäumen. Acht unretournierbare Geschosse hämmerte der 21jährige ins Feld seines Gegners, dazu fast 70 Prozent an ersten Aufschlägen, und was noch wichtiger und vorallem effizienter ist, sind die markanten 81 Prozent an Punkten nach diesem ersten so bombastischen Service.

img_4746

img_4950

Peter Klager mit einer beeindruckenden One-Man-Show und Philipp Schneider mit der ersten Niederlage nach 6 Siegen in Serie

Das bekam am Sonntag Abend auch Philipp Schneider zu spüren, der gleich im ersten Aufschlagspiel Klagers die frei werdenden Kräfte der auf sich zufliegenden kleinen gelben Filzkugeln bemerkte, und den Service-Granaten des Ranglisten-Ersten hilflos gegenüberstand. Zu Null stellte der 4fache Turniersieger auf 1:1, ehe er unaufhaltsam und in nur 28 Minuten mit insgesamt drei Breaks zur 1:0 Satzführung marschierte. Es war eine eindrucksolle One-Man-Show, mit der Klager seine Favoritenrolle im phantastisch besetzten Saison-Abschluss-Turnier nachhaltigst untermauerte, mit der er einen heuer so starken Gegner demontierte, und die Zuschauer in der Halle begeisterte. Im Publikum war man fasziniert von der Leichtigkeit, mit der Klager über einen Gegner förmlich hinwegspazierte, von dem andere Mitkonkurrenten froh sind, ihn nicht in der eigenen Gruppe und im Aufstiegsrennen um die Halbfinal-Tickets zu haben. Unantastbar war Klager bei seinen Service-Games auch zu Beginn des zweiten Durchgangs. Zwei Mal in Serie brachte er seinen Aufschlag zu Null durch, und mit dieser Qualität setzte er Schneider noch zusätzlich unter Druck. Wenn du permanent beim Aufschlag des Gegner mit Nackenschlägen bearbeitet wirst, und nicht den Funken einer Chance besitzt, dann demoralisiert das nicht nur ganz gehörig, sondern es setzt einen Spieler auch bei den eigenen Aufschlagspielen massiv unter Stress. Man serviert eben ganz anders, wenn man weiß, dass jedes Service-Game das man nicht durchbringt, schon gleichbedeutend mit dem Satzverlust sein kann. Diesem Druck fiel Schneider im Game zum 1:3 zum Opfer, und damit war die Sache erledigt, denn Klager ließ kurz darauf die Ass Nr. 5 und 6 folgen. Eine kurze Schrecksekunde für alle Klager-Fans gab es dann doch noch, als der HTT-French-Open-Champion plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht am Centercourt lag, und man im Publikum eine schwerere Verletzung am Knie befürchtete. Doch diesen Peter Klager scheint gar nichts umwerfen zu können, auch wenn durch den Ausrutscher am Opticourt des UTC La Ville kurz der Spielfluss unterbrochen war. Schneider nützte diese wohl einmalige Gelegenheit, um mit seiner ersten und einzigen Break-Möglichkeit auf 3:4 heranzukommen. Doch die Klager-Gala hatte bei Schneider längst Wirkung gezeigt, und das gerade eroberte Break war Augenblicke später auch schon wieder wie Schnee in der Frühjahrsonne zerronnen. Das letzte Aufschlagspiel bei 6:1, 5:3 wurde dann für Klager zur großen Kür, die er mit den Assen Nr. 7 und 8 standesgemäß beging.

img_4936

img_4956

Peter Klager steht nach Mayrhuber-Niederlage vom Samstag Abend bereits als Nr. 1 am Jahresende fest – ein Kunststück, dass in 23 Jahren Hobby-Tennis-Tour erst 13 Spieler geschafft haben

“Ich habe mich beim Aufschlag extrem wohl gefühlt, und der Philipp hat meiner Meinung nach phasenweise überhaupt keine Chance gehabt. Das taugt mir natürlich voll. Bis auf das eine Break, bei dem ich mich zu dumm angestellt habe, war es eine wirklich sehr souveräne Leistung”, konstatierte der Sieger, der dann auch nur zur Schrecksekunde am Centercourt Stellung bezog: “Ich bin nicht überknöchelt, sondern ich bin so blöd weggerutscht, dass es mir den Fuß rausgedreht hat. Ganz kurz hatte ich gedacht jetzt ist es vorbei, aber es hat dann nicht mehr weiter wehgetan”, beruhigte Klager seine Fans, die mit ihm auch einen weiteren tollen Erfolg in einer ohnehin schon galaktisch anmutenden Premieren-Saison feiern dürfen. Denn seit Samstag Abend und der Niederlage von Franz Mayrhuber gegen Spaniens HTT-Star Ignacio Martin steht fest, dass Peter Klager im Jahr 2013 nicht mehr von der Ranglistenspitze zu verdrängen ist, und als insgesamt erst 13. Spieler der Geschichte die Nummer 1 am Jahresende inne haben wird.

img_4692

Die 13 Spieler der HTT-Geschichte die am Jahresende Nr. 1 der Entry-List waren

Claus LIPPERT 1990, 1991, 1998, 1999, 2000, 2001
Andreas HARBARTH 2007, 2008, 2009, 2010
Klaus HOFER 1994, 1995, 1996
Martin KOVA 2002, 2003
Gerald MÜLLNER 1992
Christian KAINZ 1993
Roman AINBERGER 1997
Patrick SCHWING 2004
Bernhard NAGL 2005
Christoph WAGNER 2006
Markus KURZEMANN 2011
Franz MAYRHUBER 2012
Peter KLAGER 2013

img_0921

Fabian Mayrhuber und Markus Kurzemann leisten sich niveaulosen Auftritt der zum bislang schwächsten Match dieses Turniers avancierte

Das der am Jahresende also als Nummer 1 feststehende Peter Klager nach seiner Sonntags-Gala und zwei Vorrundensiegen ohne Satzverlust noch nicht fix im Semifinale der HTT-Finals 2013 im UTC La Ville steht, liegt am Ergebnis des Parallel-Matches in Gruppe A, das am Sonntag Nachmittag einen 7:5, 6:3 Erfolg Fabian Mayrhubers brachte. Im Duell zweier ehemaliger Ranglisten-Erster, leisteten sich sowohl Fabian Mayrhuber als auch Markus Kurzemann aber einen mastersunwürdigen Auftritt, der im bisher mit Abstand schlechtesten Spiel dieses Turniers endete. Die beiden Top-Ten-Stars, die im Vorfeld durch Krankheiten und Verletzungen zu längeren Tennispausen gezwungen waren, wurden im direkten Duell am Sonntag Nachmittag auch Opfer ihrer mangelnden Matchpraxis, die ohne der damit nicht vorhandenen Erfolgserlebnisse auch fehlendes Selbstvertrauen zur Folge hatte. Mayrhuber gegen Kurzemann, das war ein niveauloser Auftritt zweier Tour-Stars, die 48 Stunden zuvor schon jeweils eine Auftakt-Schlappe einzustecken hatten, und die dadurch am zweiten Vorrundentag bereits gehörig unter Zugzwang standen.

img_4343

img_4459

Markus Kurzemann verschenkt eine 4:2 Führung im ersten Satz

Dabei hätte zumindest Fabian Mayrhuber nach einer gelungenen Anfangsphase mit mehr Selbstvertrauen in diesem dritten direkten Duell mit Kurzemann auftreten können. Einem raschen Break, ließ der WAC-Star ein zu Null gewonnenes Aufschlagspiel folgen, doch mit vier verlorenen Games in Serie, offenbarte sich Mayrhubers akute Formkrise auch auf der imaginären Anzeigetafel. Das Glück des plötzlich 2:4 zurückliegenden 2fachen Major-Gewinners war freilich, dass sein Gegner aktuell auch alles andere als in Bestform agiert. Die ganze Unsicherheit im Spiel des Lände-Bombers bekam man in den Games Nr. 7 und 8 zu sehen, als Kurzemann mit 0:8 Punkten den Vorsprung aus der Hand gab, und Mayrhuber wieder zurück ins Spiel hievte. Der 24jährige sagte kurz darauf “Danke”, weil Kurzemann erneut mit einer Unserie von 0:6 Punkten negativ auffällig wurde, und so nach 43 Minuten den ersten Durchgang mit 5:7 abgeben musste.

img_4454

An Krisen-Tennis zu viel des Guten – wie Kurzemann und Mayrhuber im zweiten Satz in ein peinlich kurioses Finish schlitterten

50 unerzwungene Fehler hatten “Fabsch & Kurze” im ersten Satz zusammen produziert, und damit das Auftakt-Single des TZI-Tages bei den Tour-Finals 2013 mit einem Negativ-Touch belegt. Und gleich vorweg: Es wurde auch im zweiten Satz nicht besser! Kurzemann leistete sich einen neuerlichen kapitalen Fehlstart mit 0:4 Punkten im Auftakt-Game und zwei kassierten Breaks zum 0:3, die deutlich machten, dass bei Vorarlbergs Nr. 1 aktuell einiges im Argen liegt. Es wurde aber sogar noch richtig kurios, denn das Fabian Mayrhuber nach klarer 3:0 Führung und zwei Spielbällen zum 4:0 noch in Schwierigkeiten geraten würde, war dann an Krisentennis selbst hartgesottenen Tennis-Fans zu viel des Guten. Doch das Unglaubliche passierte, Kurzemann kam zum 3:3 Ausgleich, ehe man in diesem Trauerspiel den Eindruck bekam, dass eigentlich keiner der beiden HTT-Asse den Sieg so richtig verdienen würde. Kurzemann schien das Match bei 3:3 und 30:0 gedreht zu haben, als er wieder mit einer frischen Dosis der am Centercourt kursierenden Unsicherheit angesteckt wurde. Mit den Doppelfehlern Nr. 9 und 10 half der Mann aus dem Ländle einem völlig verunsicherten WAC-Star wieder auf die Sprünge, und Gott lob hatte der dann ein Einsehen mit allen Beteiligten, und beendete kurz darauf mit 6:3 die eher peinliche Vorstellung jener beiden Herren, die im Circuit zusammen schon 17 Tour-Titel an Land ziehen konnten.

img_4565

Die Stimmen zum Horror-Spiel

Am Ende standen 97 schreckliche und zusammen produzierte unforced errors zu Buche, die die beiden komplett “formfreien” Akteure in der anschließenden Pressekonferenz zu erklären versuchten. “Zum Teil war es schon ein bißchen besser als letztes Mal. Ab und zu sind die Bälle gut gekommen, aber natürlich nicht in der Konstanz wie ich mir das wünschen würde. Ich habe aber auch das Gefühl, dass dieser Belag nicht so ganz meiner ist, denn ich habe hier eigentlich noch nie gut gespielt. Ich glaube das war meine 5. Partie auf diesem Platz, und ich habe noch nie meine beste Leistung hier abrufen können. Da könnte man auch langsam auf die Idee kommen, dass es am Bodenbelag liegt”, so Mayrhuber nach seinem 20. Saisoneinzelsieg. “Es hat heute eigentlich von Anfang an recht schlecht ausgeschaut. Ich habe zwar im ersten Satz 4:2 geführt, aber das lag eher daran, dass Fabian viele Fehler gemacht hat. Das einzige Positive am heutigen Tag war, dass ich im zweiten Satz ein 0:3 aufgeholt habe. Da habe ich wieder einmal halbwegs in einem gewissen Rhythmus Tennis gespielt, und das war wieder ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Jetzt versuche ich im dritten und letzten Spiel nur mehr meine Leistung zu steigern, und zu schauen, dass ich wenigstens halbwegs eine Konstanz in mein Tennis bringe”, übte sich ein selbstkritischer Markus Kurzeman in gleichzeitiger Zuversicht.

img_4633