Glatzl gewinnt epochales Vorrunden-Match bei den Tour-Finals gegen Vukicevic

Die Hobby-Tennis-Welt verneigt sich vor zwei Spielern, die am Samstag Abend in einem denkwürdigen Schlagabtausch mit Tennis auf allerhöchstem Niveau glänzten, und für das erste absolute Top-Highlight der heurigen Tour-Finals im UTC La Ville sorgten. Der Ranglisten-Dritte Renee Glatzl und HTT-Wimbledon-Champion Vladimir Vukicevic lieferten sich fast drei Stunden lang ein mit höchster Intensität geführtes Duell, ehe sich der Jungstar nach insgesamt 244 teils phantastisch ausgespielten Punkten gegen den Routinier mit 7:6, 5:7 und 6:3 durchgesetzt hatte. Und während die Hobby-Tennis-Szene der Stadt noch völlig im Bann des epochalen Gipfeltreffens der beiden vielleicht derzeit besten Spieler im Circuit stand, endete im zweiten Vorrunden-Treffen des “CasaNova-Vienna-Days” im UTC La Ville womöglich eine Ära. Denn seit exakt 22:30 Uhr ist Vorjahressieger Franz Mayrhuber als amtierender Masters-Champion der Hobby-Tennis-Tour entthront. In teilweise recht einseitigen 69 Minuten musste sich der Titelverteidiger im Duell mit Spaniens HTT-Superstar Ignacio Martin mit 1:6, 6:7 geschlagen geben, und schon vor seinem letzten Gruppen-Match am kommenden Montag das bislang schlechtestes Masters-Abschneiden seiner Karriere zur Kenntnis nehmen. Ein Bericht von C.L

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Glatzl und Vukicevic sorgen mit tollem Schlagabtausch für das beste Masters-Match aller Zeiten

Der mit großer Spannung erwartete Vorrunden-Schlager bei den Tour-Finals 2013 zwischen RMB TILE CUP-Champion Renee Glatzl und Olympiasieger Vladimir Vukicevic hat die allgemein recht hohen Erwartungen nicht nur mehr als erfüllt, sondern durch 170 hochklassige und denkwürdige Minuten bei weitem übertroffen. Power, Dynamik, Präzision, dazu jede Menge Willensstärke und aller höchste Konzentration über die gesamte Spieldauer hinweg, machten aus dem Vorrunden-Kracher der Gruppe B das mit Sicherheit beste Masters-Match aller Zeiten. Letztlich konnte man für den Klassiker am Centercourt des UTC La Ville gar nicht genug Superlativen finden, so erstklassig und einzigartig trugen die beiden HTT-Topstars exakt 2:50 Stunden lang ihr bestes Tennis vor. Die Besucher vor Ort wurden Augenzeugen eines außergewöhnlichen Giganten-Duells, das allseits begeisterte, und auch nach Spielschluß in der Szene noch für Aufsehen sorgte. Es war im Vorfeld in jedem Fall der erste große Knaller der Vorrunde bei den heurigen Tour-Finals im UTC La Ville, und das erste Super-Duell dieses Turniers mit zwei absoluten Titel-Aspiranten. Wie erwartet lieferten sich Glatzl und Vukicevic vom ersten Ballwechsel an einen in atemberaubender Geschwindigkeit geführten Schlagabtausch. Ein Kampf um jeden einzelnen Punkt hatte um exakt 16:45 Uhr begonnen, und schon nach den ersten beiden ausgespielten Punkten klatschte ein staunendes Publikum massigst Beifall. Den besseren Start in den Vorrunden-Hit verzeichnete Glatzl, der gleich im ersten Game sein Gegenüber breakte, und in dieser Anfangsphase weitaus stabiler als sein serbischer Widerpart wirkte. Der Vukicevic-Konter ließ allerdings nicht lange auf sich warten, und mit dem Re-Break zum 3:3 war dieser erste Durchgang wieder völlig offen. Fortan servierte der HTT-Rasenkönig aus Serbien vorne weg, Blöße gab sich aber auch Glatzl bei eigenem Aufschlag keine! Und so kam es dann zu einer  höchst spannungsgeladenen und dramatischen Schlußphase des ersten Satzes, in der Vukicevic zunächst im elften Game trotz klarer 40:0 Führung einen Breakball abzuwehren hat, ehe er die 6:5 Führung fixieren kann. Ähnlich verläuft das Folge-Game, in dem Glatzl auf den Tie-Break servierend zuerst ein 40:0 ausläßt, dann drei Vorhand-Kugeln an die Plane jagt, ehe er zum 6:6 ausgleichen kann. Und in erwähntem Tie-Breaker lieferte Glatzl dem serbischen Olympiasieger eine sensationelle Aufholjagd. 4:1 und 5:4 lag Vukicevic nämlich in Front, ehe Glatzl mit seinem Paradeschlag der Vorhand die Wende zu seinen Gunsten herbeiführte. Der Satzball mit einem exzellent platzierten Vorhand-Passierball war die Krönung eines ersten Satzes, der 68 Minuten und 99 ausgespielte Punkte dauerte, und schließlich eben die 1:0 Satzführung für den 19jährigen Ranglisten-Dritten brachte. Kuriosum am Rande: Bei 48:51 Punkten hatte Glatzl am Ende sogar drei Punkte weniger gewonnen als sein Gegner.

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Vukicevic dreht eigentlich schon verloren geglaubten zweiten Satz, ehe Glatzl im Entscheidungs-Heat alles klar macht, und danach von Glückwunsch-Bekundungen überschwemmt wird

Mit den Gedanken nach einem intensivst geführten ersten Durchgang vielleicht kurz nicht bei der Sache, dazu die Körperspannung womöglich kurz einmal eingebüßt, und schon ist man gegen einen Hochkaräter wie Vladimir Vukicevic sofort in Nöten. Drei Doppelfehler im Auftakt-Game des zweiten Satzes waren aus Sicht Glatzls obendrein zu viel des Guten, und praktisch eine Auflage für den serbischen Rasenkönig zur 1:0 Führung, die er kurz darauf mit eigenem Service zum 2:0 ausbaute. Glatzl hielt aber seine Motivation weiter extrem hoch, und begann die Herausforderung des scheinbar immer stärker werdenden Gegners anzunehmen. Der 19jährige hielt dagegen und sogar noch mehr! Das Re-Break zum 2:2 war der Startschuss zu einer sensationellen Phase des 5fachen Turniersiegers vom Schwechater TC, der seinerseits mit bombastischer Vorhand-Kunst ein Break zum 4:2 herausschoß, und trotz 0:30 im nächsten Game die scheinbar vorentscheidende 5:2 Führung per Vorhand herausgebombt hatte. Glatzl schien also wie der sichere Sieger auszusehen, als er angesichts klarer Führung die absolute Konzentration und den Fokus für das Wesentliche verlor, und den sicher geglaubten Sieg nochmals in Frage stellte. Denn Vukicevic legte einen mächtigen Schluss-Spurt im zweiten Satz auf den Opticourt des UTC La Ville, und kämpfte sich mit 5 in Serie gewonnenen Games und zur Freude seiner Gattin Moni zum 7:5 und mitten hinein in einen alles entscheidenden dritten Satz. Dort wurde der Schlagabtausch der beiden HTT-Stars wieder richtig intensiv, und Glatzl hatte diesmal den besseren Start! Ein Break zum 3:1 genügte Glatzl, um kurz darauf bei 4:1 vielleicht “optisch” deutlicher in Führung zu liegen, als es tatsächlich war. Vom Kopf her war es in dieser mental so heißen Schlussphase sicherlich nicht einfach für Vukicevic, geistig und körperlich längst am Limit agierend, stets einem Rückstand nachzulaufen. Der Serbe versuchte sein Möglichstes, hielt zumindest seinen Aufschlag, konnte am Return gegen einen famos servierenden und letztlich auch die Nerven behaltenden Glatzl aber nicht mehr zusetzen. Mit seinem allerersten Ass holte sich der 19jährige seinen ersten Matchball, und mit einer Aufschlag-Granate vollendete er schließlich mit Erfolg. “Es war sehr schwer! Ich hatte ja inklusive Olympia schon zwei Mal gegen Vukicevic verloren, und mir fest vorgenommen, heute zu gewinnen. Gott sei Dank ist es mir diesmal aufgegangen. Im ersten Satz war es wirklich knapp, im zweiten Satz bei 5:2 habe ich nachgelassen, mich nicht mehr bewegt, dazu die Konzentration verloren, und das hat Vukicevic halt gnadenlos ausgenützt”, analysierte Glatzl nach absolviertem 160. Karriere-Match, das Einzelsieg Nr. 95 mit sich brachte. Den vierten Karriere-Vorrundensieg beim Masters hatten am Samstag Nachmittag enorm viele HTT-Fans und interessierte Hobby-Tennis-Spieler der ganzen Stadt mitverfolgt, und ein enormes Echo unmittelbar nach Spielende auf Glatzls Handy und seinen “social media Seiten” ausgelöst. Quasi im Minutentakt trudelten Gratulationen, Glückwünsche und Bekundungen zu seinem Mega-Triumph über Vukicevic ein. “Das hat mich sehr gefreut und macht mich unheimlich stolz. Ich hätte nicht gedacht, dass soviele Leute hinter mir stehen. Es ist außerdem auch unglaublich, wieviele Leute in der Tennis-Szene dieses Turnier mitverfolgen”, so Glatzl.

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Fünfte Niederlage in Serie, vorzeitige Entthronung als Masterssieger, schlechtestes Masters-Abschneiden seiner Karriere – die Ära Mayrhuber scheint zu Ende zu gehen

Während der letzte November-Tag des Jahres mit dem besten Tour-Final-Single aller Zeiten als historischer in die Masters-Geschichte einging, und für Glatzl nebenbei zum ganz persönlichen Feiertag avancierte, wurde der Abend des dritten Spieltages für Franz Mayrhuber zum “black saturday”. Der ehemalige Ranglisten-Erste und zweifache Mastersgewinner musste im zweiten Gruppen-Match des “CasaNova-Vienna-Days” gegen Spanies HTT-Star Ignacio Martin in nur 1:09 Stunden Spielzeit die zweite Niederlage bei den Tour-Finals 2013 einstecken, und mit 1:6, 6:7 auch vorzeitig die Chance auf eine erhoffte Halbfinal-Teilnahme begraben. Die fünfte HTT-Niederlage in Serie besiegelte um exakt 22:30 Uhr die endgültige Entthronung Mayrhubers als Masterssieger, und sie spiegelte womöglich noch weit mehr wieder als nur das schon vor dem letzten Gruppen-Match feststehende schlechteste Masters-Abschneiden des 48jährigen Routiniers bei seiner fünften Tour-Final-Teilnahme. Eine Ära droht dieser Tage und Wochen zu Ende zu gehen. “Ich gehöre nicht mehr dazu, zu dieser absoluten Elite-Liga bekannte der 12fache Turniersieger in einem kurzen Augenblick am Samstag Abend in der Players Lounge sitzend. “Ein interessante wie gleicher Maßen pikante Selbsteinschätzung, die so vielleicht gar nicht stimmt, die er in den 69 Minuten seines zweiten Vorrunden-Auftritts am Centercourt aber selbst untermauerte.

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Der bittere Abgesang der ehemaligen Nr. 1 in den ersten eineinhalb Sätzen, ehe sich der einstige Branchen-Primus fast noch in einen dritten Satz gekämpft hätte

Der Titelverteidiger lieferte über weite Strecken seines zweiten Karriere-Treffens mit Spaniens Tour-Star Ignacio Martin eine fürchterliche Vorstellung ab. Mayrhuber wurde regelrecht vorgeführt, von einem – zugegeben – groß aufspielenden Gegner, ohne sich allerdings selbst auch nur annähernd in Normalform zu präsentieren. Der Abgesang der insgesamt 104wöchigen Nr. 1 wurde richtig bitter, zumal er auf allerhöchster Tour-Bühne und vor breitestem Fan-Interesse erfolgte. Die 20 Minuten des ersten Satzes, die gefühlt einer sportlichen Hinrichtung gleichkamen, waren grausamst anzusehen für echte Mayrhuber-Fans. Es war unwürdig, wie jener Mann, der noch vor wenigen Wochen souveränst als Branchen-Bester vom HTT-Ranking ausgespuckt wurde, vergeblich und mit untauglichsten Mitteln dem spanischen Vorhand-Orkan zu trotzen versuchte. Desaströs las sich auch die Match-Statistik nach dem ersten Durchgang, kein Wunder bei nur einem Winner und 13 unforced errors. In den Duellen mit den “ganz Guten” wird auch ein riesiges Mayrhuber Problem offenkundig, und zwar jenes mit dem ersten Aufschlag. Was nützen 68 Prozent ganz guter Quote am “Ersten”, wenn der 48jährige mit diesem “reingespielten Eröffnungsschlag” nur zu 23 Prozent auch den Punkt erobert. Die Return-Qualität ist auf höchstem HTT-Niveau mittlerweile eine derart beachtliche, dass einmal salopp ausgedrückt ein Einwurf zu wenig ist, um ernsthaft reüssieren zu können. Indes: Im zweiten Satz zeigte Mayrhuber dann doch wieder jene Ansätze, mit denen er einst in Hobby-Tennis-Kreisen dieser Stadt für Furore, und für Angst und Schrecken unter der titelhungrigen Konkurrenz sorgte. Nach nur 30 Minuten aussichtslos und völlig ohne Perspektive agierend mit 1:6 und 0:3 zurück, schien knapp 35 Minuten später sogar ein dritter Satz im Bereich des durchaus Möglichen! Typisch Mayrhuber eben, der als Kämpfer vor dem Herren selbst in “fortgeschrittenem Alter” jedem Pseudo-Star und vielen jüngeren Spielern als absolutes Vorbild dienen muss. Natürlich schraubte Ignacio Martin zumindest “im Kopf” um mehrere Gänge zurück, doch eigentlich demoralisiert, musst du dann auch erst einmal zurückkommen in solch einer Partie. Mayrhuber gelang sein erstes Break zum 3:4, dann wehrte er bei 3:5 insgesamt drei Matchbälle des Madrilenen ab, ehe er im Game zum 5:5 noch zwei weitere Matchbälle des Spaniers entschärfte. Die Entscheidung im Tie-Break sah letztlich zwar einen ganz hervorragend servierenden 4fachen iberischen Saisonsieger, womöglch aber auch den Glücklicheren siegen. Denn mit einem Ball an die Line und einem Netzroller, spielte “Don Ignacio” quasi im Doppel mit Glücksgöttin Fortuna an seiner Seite den Tie-Break zu Ende. “Er hat absolut verdient gewonnen” betonte Mayrhuber nach verpasstem 13. Masters-Einzelsieg seiner Karriere. Und noch eine statistische Anmerkung am Rande: Durch die zweite Vorrunden-Niederlage und das bereits besiegelte zweite Vorrunden-Aus seiner Karriere nach 2010 steht fest, dass Rekord-Masterssieger Christian Kainz weiter der einzige Spieler in der Geschichte dieses Turniers bleibt, der sich mehr als zwei Mal die Masterskrone aufsetzen durfte. Mit 5 Masters-Titeln vielleicht sogar ein Rekord für die Ewigkeit!

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