Kottisch knackt Aufschlag-Giganten und Marhold erstmals seinen Angstgegner

Mit einer taktisch brillanten Vorstellung hat Mai-Challenger-Sieger Gerald Marhold am Dienstag Abend im Semifinale des Challenger-Tour-Finals 2013 und im fünften Anlauf erstmals seinen Angstgegner Sascha Kobsik bezwungen. Der 35jährige hatte nach vier Saison-Niederlagen gegen den 3fachen Challenger-Saisonsieger vom TC Donaufeld erstmals das bessere Ende für sich, und qualifizierte sich mit einem in knapp zwei Stunden errungenen 6:3, 7:5 Erfolg für das wichtigste Endspiel der heurigen Challenger-Saison. Knapp zuvor hatte sich bereits Kitzbühel-Sieger Manfred Kottisch in einem weitaus hochklassigeren und attraktiveren zweiten Semifinale gegen Aufschlag-Monster Hannes Pribitzer durchgesetzt, und mit 7:6, 6:4 den dreizehnten in Serie erzielten Einzelerfolg auf Challenger-Ebene eingefahren. Damit kommt es heute Abend ab ca. 21:15 Uhr zum großen finalen Showdown beim 4. Challenger-Tour-Final 2013 zwischen Gerald Marhold und Manfred Kottisch. hobbytennistour.at berichtet ab 21:00 Uhr LIVE, wer sich zum Nachfolger von Vorjahressieger Thomas Peyerl küren wird! Ein Bericht von C.L

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Gerald Marhold feiert im Semifinale des Challenger-Tour-Finals den ersten Sieg nach vier Niederlagen über Angstgegner Sascha Kobsik

Mai-Challenger-Champion Gerald Marhold kann weiter seinen Traum vom Gewinn des Challenger-Tour-Finals 2013 leben. Der als ruhig und zurückhaltend bekannte Wiener lieferte am gestrigen Montag Abend im Semifinale des großen Challenger-Saisonfinales am Altmannsdorfer Ast nach seinem Vorrundenerfolg über Titel-Topfavorit Matthias Hason das nächste Husarenstück, und knackte im fünften direkten Duell des Jahres erstmals Angstgegner Sascha Kobsik. In vier Matches zwischen Juni und November, nach Niederlagen auf dem rutschigen Grün des WAT Landstrasse, der roten Asche des TC Donaufeld und in den heiligen Teppich-Hallen des UTC La Ville, baute sich als letzte Hürde vor dem so heiß ersehnten 10. Karriere-Finale mit Kobsik also ausgerechnet jener Mann auf, der heuer zum Sargnagel Marholds auf Challenger-Ebene avancierte. Alleine letzte Woche schnappte der 31jährige Neo-Donaufelder mit geschnürtem Defensiv-Konzept, Marhold im Endspiel des November-Challenger-Turniers den möglichen vierten Karriere-Titel weg. Doch nach 4 Niederlagen und Demütigungen hatte Marhold genug! Er, der sonst als bemüht gilt, mit aggressiver und offensiver Tenniskunst das Renomee der Challenger-Stars im Circuit zu steigern, fasste irgendwann im Vorfeld den Plan, Kobsik diesmal mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Druckvoll und fehleranfällig ins Verderben zu laufen, das wollte sich der 35jährige im bislang wichtigsten und brisantesten Duell der beiden Challenger-Stars ersparen, und so erlebte man am Montag Abend quasi die Geburtsstunde des neuen Gerald Marhold.

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Marhold und Kobsik belauern sich zwei Sätze lang mit wenig attraktiver Tenniskunst

Der Hason-Bezwinger legte zwar im fünften direkten Vergleich mit Kobsik gleich im ersten Game mit kassiertem Break einen kleinen Fehlstart hin, doch mit prompt geschafftem Re-Break war dieser – sicherlich auch der Nervosität geschuldete – Lapsus rasch wieder korrigiert. Was sich dann am 9er-Court des UTC La Ville entwickelte, war für Tennis-Experten zwar ein höchst interessant zu verfolgender taktischer Schlagabtausch mit einer durchaus spannungsgeladenen Note, doch Tennisfeinschmecker und Ästheten des “weißen Sports” wurden optisch nicht unbedingt verwöhnt. Es folgte eine eher unatrraktive Belauerung an der Grundlinie, mit wenigen attraktiven Ballwechseln und weit mehr unerzwungenen Fehlern, die eben auch der Wichtigkeit dieses semifinalen Duells zugeschrieben werden müssen. Die Entscheidung in einem ersten richtig engen Satz fiel dann im achten Game, als Marhold das Break zum 5:3 gelang, und er kurz daruf den ersten Durchgang ausservierte. Im zweiten Satz dann das gleiche Bild. Unendlich lange Rallyes von der Grundlinie, bei denen sich beide Akteure dahingehend zu überbieten versuchten, wer in diesem “Alles oder Nichts-Match” weniger Risiko nehmen kann, und dieses kuriose Spiel beherrschte an diesem Montag Abend überraschender Weise Gerald Marhold besser. Der 35jährige lag zweimal mit Break voran, ohne daraus einen entscheidenden Nutzen ziehen zu können. Auch weil Kobsik – wie schon in den vergangenen Matches seiner 12 Siege umfassenden Erfolgsserie – höchst fokussiert und mit aller höchster Konzentration zu Werke ging, und kämpferisch mit jeder Faser seines Körpers um diesen so sehr angepeilten Finaleinzug beim Challenger-Tour-Final fightete. Und dieser unbändige Einsatz und Wille schienen sich wieder einmal auszuzahlen. Kobsik lag im Finish des zweiten Satzes 5:4 voran, und wirkte wild entschlossen, die Partie in einen alles entscheidenden – und Marhold wohl wenig schmeckenden – dritten Heat zu hieven. Was ihm aber freilich nicht mehr gelang, weil sich Kobsik in seinem Aufschlag-Game bei 5:5 wenig geschickt anstellte. Zwar konnte der 3fache Challenger-Saison-Champion noch ein 0:40 egalisieren, das letztlich entscheidende Break zum 5:6 kassierte er dann aber doch, und wenige Minuten später stand Kobsik auch schon mit deprimiertem Gesichtsausdruck am Netz des 9er-Courts, um seinem Bezwinger zum nicht unverdienten ersten Sieg im fünften direkten Duell zu gratulieren.

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“Ich bin schwer enttäuscht! Das wird wohl eine Zeit lang dauern, bis ich diese Niederlage verkraftet habe”

Bitterer schmeckte wohl heuer keine der insgesamt 19 Saison-Niederlagen die Kobsik im Tour-Zirkus einzustecken hatte. Ausgerechnet das 13. Spiel seiner beeindruckenden Challenger-Sieges-Serie wurde dem Neo-Donaufelder zum Verhängnis, und nach 4:0 Siegen im Head to Head mit seinem gestrigen Bezwinger, kam der erste Umfaller gegen Marhold natürlich auch zum reichlich ungeünstigsten Zeitpunkt. Dementsprechend groß war die Enttäuschung, mit der sich Kobsik der abschließenden Pressekonferenz stellte. “Die 13 hat mir kein Glück gebracht. Ich habe schon gestern und auch heute an dieses Szenario mit der 13 gedacht, und jetzt ist es tatsächlich so gekommen. Ich wollte im ersten Satz eigentlich mehr draufgehen auf die Bälle, konnte meinen Plan aber nicht ganz umsetzen, warum auch immer! Irgendwann reißt halt jede Siegesserie. Leider ist das im wichtigsten Match des ganzen Jahres passiert. Ich bin schwer enttäuscht, das wird wohl eine Zeit dauern, bis ich diese Niederlage verdaut habe. Ich muss aber auch dem Gerald gratulieren. Sein Sieg geht heute völlig in Ordnung. Er war sehr geduldig und hat stark serviert. Ich persönlich bin froh, dass es jetzt vorbei ist. Der Druck in den letzten Tage war absolut irre und so gewaltig groß. Ich bin körperlich ausgelutscht, vorallem aber geistig komplett leer. Diese Niederlage tut sehr weh, aber ich werde nächstes Jahr noch stärker zurückkommen”, verabschiedete sich Kobsik, der rückblickend auf eine famos Saison verweisen und stolz sein kann. Drei Challenger-Titel errungen, damit der erfolgreichste Spieler dieser Turnierserie, dazu taktisch und mental auf einem Weg, den man auf Challenger-Ebene in dieser Perfektion noch nicht gesehen hat! Gut möglich, dass der 31jährige dieser Tage auch zum Trendsetter vieler junger Challenger-Akteure wurde. Vorzuwerfen hatte sich Kobsik am Ende des Turniers nichts, zumindest aus seiner Sicht. Wobei, den Tick aggressiver hätte er im Semifinal-Schlager gegen Marhold nicht nur agieren können, sondern agieren müssen. Zumindest den Überrachungsmoment hätte er damit forciert, anstatt stereotyp dem Gegner ein leicht durchschaubares taktisches Konzept zu offerieren.

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 “Wenn ich das Endspiel verlieren sollte, dann wären alle Siege davor für die Fische”

“Ich bin ein Match vor meinem großen Ziel”, so formulierte der Sieger eingangs der Pressekonferenz treffend seine Situation nach dem taktisch brillant errungenen Halbfinalerfolg. “Die 0:4 Bilanz gegen Kobsik hatte ich überhaupt nicht im Hinterkopf. Im Gegenteil: Ich bin seit Freitag so fokussiert auf dieses Turnier, ich will hier unbedingt den Titel holen. Heute habe ich extrem sicher gespielt, und geduldig auf meine Chancen gewartet. Das war mein Plan, und der ist voll aufgegangen. Natürlich freue ich mich über den Finaleinzug, aber wenn ich das Endspiel verlieren sollte, dann waren alle Siege davor für die Fische. Dann wäre das gleich bedeutend mit einer Niederlage in der ersten Runde. Für das Finale erwarte ich ein ähnliches Spiel wie heute, und es wird wohl wieder wichtig sein, gut aufzuschlagen”, erklärte Marhold.

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Kottisch behält im Aufschlag-Hagel seines Gegners die Nerven, und zieht mit dem 13. Challenger-Einzelsieg in Serie ins Endspiel des Tour-Finals im UTC La Ville ein

Und in diesem erwähnten Endspiel trifft Gerald Marhold am Dienstag Abend live auf hobbytennistour.at auf Kitzbühel-Sieger Manfred Kottisch, der sich in einem hochklassigen und äußerst attraktiv geführten zweiten Semifinale nicht von Aufschlag-Monster Hannes Pribitzer einschüchtern ließ, und nach 1:42 Stunden Spielzeit mit 7:6, 6:4 den 13. Einzelsieg auf Challenger-Ebene in Folge einfahren, und sein insgesamt viertes Karriere-Finale fixieren konnte. Der 48jährige Routinier benötigte aber freilich einige Zeit, um sich im Aufschlag-Hagelgewitter seines Kontrahenten zurechtzufinden, und sich auf die stürmischen Angriffe seines Gegners einzustellen. Wichtig war für Kottisch in dieser Anfangsphase des zweiten Semifinales daher, dass er seinen Aufschlag halten konnte, und das tat der 2fache Saison-Sieger überraschend souverän. Letztlich war es sogar Kottisch selbst, der die einzige Breakchance im kompletten ersten Satz vorfand, ehe er die Weichen Richtung Endspiel mit gewonnenem Tie-Break stellte. Auch danach ging es dem Kitz-Sieger aber alles andere als leicht von der Hand, beim vierten Challenger-Start seiner Karriere, zum vierten Mal das Endspiel zu erreichen. Bei 2:2 im zweiten Durchgang spürte Pribitzer bei 15:30 plötzlich akute Schmerzen im Knie, wirkte für den Rest dieses Aufschlagspiels gehandicapt, und gab sein Service letztlich zum 2:3 ab. Das war die Entscheidung, weil Kottisch in der Folge solide seine Aufschlagspiele nach Hause brachte, und am Ende über einen nicht unverdienten 7:6, 6:4 Erfolg jubeln konnte.

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Die Stimmen zum zweiten Semifinale des Challenger-Tour-Finals 2013

“Das war diesmal eine bessere Partie”, lachte der Sieger in Anlehnung an seine eher mäßige Darbietung im letzten Vorrunden-Spiel gegen Thomas Pratsch. “Es war vorallem aber auch eine extrem schwierige Partie. Ich habe einmal drei Games lang gebraucht, bis ich endlich einmal einen ersten Aufschlag meines Gegners übers Netz zurückgebracht habe. So eine Service-Qualität kannte ich bislang noch nicht. Pribitzer hat einen hervorragenden ersten Aufschlag, und auch sein zweites Service mit viel Spin machte mir Probleme. Glücklicher Weise konnte ich mich dann aber auf sein Service einstellen, und wenn der Ball einmal im Spiel war, recht gut mithalten. So ist dann mein Selbstvertrauen gestiegen”, analysierte Kottisch, der mit nunmehr 13 Einzelsiegen in Serie das Endspiel beim Challenger-Tour-Final in Angriff nehmen wird. “Das war eine extrem geile Partie. Hochklassiges Tennis vom Aufschlag geprägt, das war wirklich gut”, freute sich Hannes Pribitzer trotz Niederlage über eine gelungene Vorstellung im Semifinale des Challenger-Tour-Finals 2013. “Ich bin mit meiner heutigen Leistung einfach rundum zufrieden. Ich habe in der Vorrunde nämlich überhaupt nicht gut gespielt, und außerdem trainiere ich derzeit überhaupt nichts. Von daher war es wirklich ein tolles Turnier für mich” konstatierte Pribitzer, der nach wie vor den Rekord “be”hält, Turniersieger mit dem schlechtesten HTT-Ranking zu sein. In der Open Ära seit 1990 hat noch nie ein schlechter platzierter Spieler als Pribitzer (Nr. 439 beim Mai-Challenger-Turnier 2013) ein Turnier gewonnen!

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