Marhold sorgt mit Sieg über Hason für Auftakt-Sensation beim Challenger-Final

Die Challenger-Tour-Finals 2013 können gleich am Eröffnungstag mit einer ganz dicken Überraschung aufwarten. Der von sämtlichen Experten und Tourinsidern als absoluter Topfavorit gehandelte Oktober-Challenger-Sieger Matthias Hason, musste sich im Auftakt-Match der Gruppe B nach nur 56 Minuten Spielzeit gegen Gerald Marhold mit 4:6, 3:6 geschlagen geben, womit der 16jährige wohl bereits alle Chancen auf einen Semifinaleinzug beim 90. Turnier des Jahres verspielt hat. Auch der Auftakt in Gruppe A entsprach nicht ganz der erwarteten Papierform, setzte es doch für den erfolgreichsten Challenger-Spieler der HTT-Geschichte Clemens Wimmer gegen Ranking-Underdog Hannes Pribitzer eine 4:6, 3:6 Niederlage. Ein Bericht von C.L

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Semifinale beim Challenger-Tour-Final für Matthias Hason außer Reichweite

HTT-Jungstar Matthias Hason braucht schon nach seinem ersten Auftritt beim 4. Challenger-Tour-Final im UTC La Ville ein mittleres Wunder, um seiner im Vorfeld allerorts umgehängt bekommenen Favoritenrolle noch gerecht werden zu können. Die Entdeckung des letzten Saisonviertels auf der Hobby-Tennis-Tour, ging am Freitag Abend völlig unerwartet gegen November-Challenger-Finalist Gerald Marhold unter, und begrub aller Voraussicht nach schon im ersten Spiel des Saisonabschlussturniers der Top 12 seine Titelchancen. Das Semifinale scheint für den 16jährigen außer Reichweite, da ihm in Gruppe B nun mit Ersatzmann Milan Stojkov ein ganz klarer Außenseiter am Samstag Nachmittag Schützenhilfe leisten müsste. Bei der im Auftaktschlager der Gruppe B gesehenen Performance die Gerald Marhold auf den Centercourt zauberte, ist von einer weiteren Sensation in diesem Pool aber nicht auszugehen. Denn der 35jährige servierte in diesem Duell der Generationen ausgezeichnet, zeigte sich obendrein äußerst spielfreudig und der routinierteste Akteur im Feld wirkt auch hoch motiviert, sich zum Abschluss des Jahres endlich einmal mit einem ganz großen Triumph selbst zu beschenken. Und dazu wird es notwendig sein, über die Gruppenphase hinaus mit einem ähnlich konstanten und hohen Percentage beim Aufschlag zu agieren, wie am Freitag Abend.

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 “Krank und verletzt” – Oktober-Challenger-Sieger Matthias Hason war körperlich nicht in der Lage, einem großartig spielenden Gerald Marhold Paroli zu bieten

An die 90 Prozent an ersten Aufschlägen servierte Marhold in der Anfangsphase des Duells der beiden Challenger-Tour-Final-Debütanten ins Feld seines Gegners, und damit hielt er die Partie gegen einen zunächst wie erwartet von der Grundlinie dominierenden und das Spiel diktierenden Hason offen. Bald wurde allerdings auch augenscheinlich, dass der 16jährige Jungstar vom TC Sportlights körperlich angeschlagen in dieses erste Gruppen-Match startete. Von der Mama und vom Arzt eigentlich mit Sportverbot belegt, dazu vollgepumpt mit Medikamenten, ging dem Oktober-Challenger-Champion schon nach wenigen Games die Puste aus. Marhold konnte mit 5:2 davonziehen, ehe er den ersten Satz mit einem Break zum 6:4 für sich entschied. Im zweiten Durchgang legte zunächst Hason einen Zwischenspurt ein, zog rasch mit 3:1 davon, und schien zumindest ergebnistechnisch der Partie eine Wende geben zu können. Doch der gesundheitlich angeschlagene November-HTT-250-Finalist, der heuer u.a schon Spieler wie Michael Schwärzli, Klaus Stattmann, Martin Kova oder Karl Michael Knirsch auf seiner Abschlussliste hat, war kräftemäßig nicht in der Lage, einem stark und konstant wie schon lange nicht mehr spielenden Gerald Marhold Paroli zu bieten. Der 35jährige holte sich 5 Games in Serie, und verwandelte nach 56 Minuten gleich seinen ersten Matchball zum 6:4 und 6:3 Erfolg über Matthias Hason.

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Hason-Bezwinger Gerald Marhold: “Jetzt nach dem Sieg gegen Hason will ich mich nicht mehr auf dem Weg zum Titel stoppen lassen”

“Ich bin sehr zufrieden mit meinem Tennis heute, vorallem wie ich aufgeschlagen habe. Das war auch notwendig, speziell zu Beginn des Matches, als Hason das Tempo diktiert hat. Ohne meinen Aufschlag wäre ich da ganz sicher rasch mit 0:3 zurückgelegen. Ich habe natürlich auch bald bemerkt, dass Matthias heute nicht fit war. Somit habe ich ihn im Rest des Matches laufen gelassen, und das hat sich am Ende dann positiv ausgewirkt. Vor dem Match war mir klar, dass ich krasser Außenseiter bin, und wahrscheinlich keine großen Aufstiegsmöglichkeiten in dieser Gruppe habe. Ich hatte mir vorgenommen, so gut wie möglich zu spielen, und jede auch noch so kleine sich bietende Chance zu nützen. Jetzt nachdem ich den Sieg über Hason in der Tasche habe, will ich mich auf dem Weg zum Turniersieg nicht mehr stoppen lassen. Ich weiß natürlich schon, dass die restlichen Gegner im Turnier ganz anders Tennis spielen als Hason, und mir seine Spielweise extrem gut entgegenkommt, aber ich rechne mir jetzt dennoch ganz gute Titelchancen aus”, so der 35jährige Hason-Bezwinger.

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Matthias Hason: “Ich habe mein Bestes gegeben”, und wie sich der 16jährige eine ärgerliche Verkühlung vor dem wichtigsten Turnier des Jahres einfing

Der 16jährige saß derweil kreidebleich im Foyer des UTC La Ville, und beantwortete bei der abschließenden Pressekonferenz geduldig die Fragen des interessierten Veranstalters. Die Frage ob es klug war, aufgeputscht durch einen Medikamenten-Mix überhaupt hier anzutreten, muss man nicht näher erörtern. Es war wohl die extreme Wichtigkeit und der hohe Stellenwert des anstehenden Turniers, dass sich Hason überhaupt raus aus seinem Bett bemühte. Der Jungstar, der noch am Donnerstag mit Fieber danieder lag, und zusätzlich durch eine Irritation der Rippen gehandicapt war, und auch aufgrud dieser Verletzung sogenannte Muskeltabletten schlucken muss, zeigte sich nach seiner Auftakt-Niederlage aber durchaus gefasst. “Ich habe versucht zu spielen und gehofft das es geht. Aber schon beim Einspielen war mein Puls extrem hoch. Ich habe trotzdem versucht mein Bestes zu geben, und mein Gegner hat zudem auch sehr gut gespielt. Ich werde im nächsten Jahr wieder angreifen”, lächelte Hason, der auch schilderte, wie dumm oder ungeschickt er sich eine starke Verkühlung unmittelbar vor dem wichtigsten Turnier des Jahres einfing. “Ich war duschen, und habe dann vergessen, meine Tapes runterzunehmen. Und da ich es liebe, bei extrem kühlen Zimmertemperaturen zu schlafen, wurden mir dann diese feuchten Tapes am Körper zum Verhängnis. Ich habe zwar gestern noch alles probiert, und mit langer Skiunterhose und einer Jogginghose drüber, sowie einem dicken Pulli das Fieber rauszuschwitzen, aber es ist sich nicht ausgegangen. Natürlich bin ich enttäuscht, aber eher darüber, dass ich vor diesem wichtigen Turnier krank geworden bin. Jetzt wünsche ich dem Gerald den Turniersieg, und wenn er weiter so spielt wie heute gegen mich, dann wird er das schaffen”, so der 16jährige, der an ein Scheitern seines Bezwingers bzw. an seine eigene Aufstiegschance keinen Gedanken verschwendet. “Natürlich gibt es auch im Sport immer wieder einmal ein Wunder, aber Gerald Marhold wird gegen den Milan Stojkov nicht verlieren”, fügte Hason – dessen Antreten am Sonntag noch unsicher ist – hinzu.

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Auch dem erfolgreichsten Challenger-Spieler der Gegenwart Clemens Wimmer droht nach Auftakt-Niederlage gegen Hannes Pribitzer das Vorrunden-Aus beim Challenger-Tour-Final 2013

Neben dem großen Titelfavoriten Matthias Hason droht auch dem erfolgreichsten Challenger-Spieler der Open Ära das frühzeitige Aus beim Challenger-Tour-Final 2013. Die Rede ist vom 6fachen Challenger-Titelträger Clemens Wimmer, der nach einer 4:6 ,3:6 Niederlage im Auftakt-Match der Gruppe A gegen Mai-Challenger-Sieger Hannes Pribitzer bereits mit dem Rücken zur Wand steht, und möglicher Weise so wie im Vorjahr mit einem K.o in der Vorrunde zu rechnen hat. Der 32jährige war in einem zunächst äußerst ausgeglichenen ersten Satz leicht im Vorteil, als ihm bei 3:3 das erste Break zur 4:3 Führung gelang. Ein promptes Re-Break Pribitzers brachte aber die Wende, zumal der 23jährige vom TV Oberrohrbach in der Folge mit einer ausgezeichneten Aufschlagleistung glänzen konnte. Die brachte dem “Gelegenheits-Server” auch eine wohl vorentscheidende 3:0 Führung im zweiten Satz, die Wimmer mit bekannten Kämpferqualitäten zwar versuchte zu egalisieren, die letztlich aber für Pribitzers doch zu einem recht deutlichen 6:4, 6:3 Sieg reichte. “Ich habe meinen Gegner heute zu keiner Zeit unterschätzt. Ich wusste, dass der Wimmer extrem sicher spielt, aber ich habe sehr gut serviert. Nur meine Vorhand hätte besser sein können. Ich gehe nicht davon aus, dass ich hier den Titel holen werde, aber man wird sehen was sich so in diesem Turnier ergibt. Wenn ich gut spiele, dann bin ich schon zufrieden”, bekannte der Sieger. “Ich hatte heute einen extrem starken Gegner. Der Pribitzer ist für mich in einer Kategorie mit Hason und Kostolani. Es war auch deshalb so schwierig heute, weil ich meinen Gegner nicht kannte. Ich für meine Person habe den Aufstieg ins Semifinale schon abgeschrieben, aber dem Pribitzer traue ich hier den Titel zu. Er macht sehr wenige Fehler, und das spricht für ihn”, analysierte Wimmer nach verpasstem 30. Saison-Einzelsieg.