Spaniens HTT-Superstar Ignacio Martin krallt sich letztes freies Masters-Tickets

Erstmalig in der Geschichte der Hobby-Tennis-Tour hat sich ein Spanier für das Masters der acht Saisonbesten qualifiziert. Ignacio Martin ist am Dienstag Abend zu später Stunde dieses historische Kunststück gelungen, nachdem der 25jährige Madrilene in einem sensationellen Mitternachts-Krimi den für eine Masters-Teilnahme nötigen Sieg im Halbfinale des November-HTT-500-Turniers eingefahren hatte. In einem an Spannung und Dramatik nicht mehr überbietbaren Mega-Duell, rang der 4fache spanische Saisonsieger den topgesetzten Renee Glatzl in 1:58 Stunden mit 4:6, 7:6, 6:3 nieder, und entriss damit quasi in allerletzter Sekunde dem HTT-250-Saisondominator Alexander Scheller das letzte Ticket für das Saisonfinale der Top 8 im UTC La Ville. Ein Bericht von C.L

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Spaniens HTT-Star Ignacio Martin hält nervlicher Belastung im alles entscheidenden Semifinale des November-HTT-500-Turniers stand

Ein lautes “Vamos” hallte 12 Minuten nach Mitternacht durch die leeren Gänge des UTC La Ville, losgelassen von Spaniens HTT-Held Ignacio Martin, der mit seinem Urschrei am Centercourt dem unglaublich dramatischen zweiten Halbfinal-Match beim 22. November-HTT-500-Turnier ein Ende setzte. 118 hochklassige, teilweise sogar sensationelle und vorallem überaus spannende Minuten waren vorüber, als auch Ignacios Freundin Puy Isaba die Erleichterung anzumerken war. Ja, die nervliche Belastung an diesem Dienstag Abend war für alle Beteiligten extrem hoch, und umso höher und bemerkenswerter ist sie wohl einzuschätzen, die heroische Leistung von Spaniens Nummer 1 Ignacio Martin. Dieser Tennisabend im UTC La Ville hätte spannender nicht sein können, kein Regisseur der Welt hätte ein aufregenderes und dramatischeres Drehbuch für einen Hitchcock-Krimi schreiben können, und mitten drin in dieser spannungsgeladenen Atmosphäre musste Ignacio Martin antreten, um ausgerechnet gegen die Nummer 1 des Turniers Renee Glatzl im letzten Moment die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Ein Sieg gegen die hochkarätige Nummer 3 der Hobby-Tennis-Tour musste im Semifinale des November-HTT-500-Turniers her, um den vor ihm rangierenden Alexander Scheller im letzten Moment noch abfangen zu können.

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Glatzl läßt im Finish des zweiten Satzes eine 6:5 Führung bei eigenem Aufschlag ungenützt, und damit fehlten ihm und Alexander Scheller letztlich nur 3 Punkte zur Glückseeligkeit

Ein Unterfangen, das fast eineinhalb Stunden lang aus spanischer Sicht schief zu laufen schien. Glatzl hatte nicht nur den ersten Satz mit 6:4 gewonnen, sondern in Durchgang 2 auch ein zwischenzeitliches 1:3 wettgemacht, und knapp vor 23:30 Uhr die Chance bei 6:4, 6:5 mit eigenem Aufschlag sein 12. Karriere-Endspiel zu erreichen, und damit auch dem im Achtelfinale frühzeitig gescheiterten Alexander Scheller entsprechende Schützenhilfe im Kampf um das letzte Masters-Ticket zu leisten. Bei 15:15 fehlten Glatzl – und damit auch Scheller – nur mehr drei Punkte zur jeweiligen Glückseeligkeit, doch der 19jährige wurde in dieser entscheidenden Phase wieder einmal seinem Ruf als Wundertüte par exzellence gerecht. Doppelfehler Nr. 7 leitete das entscheidende Break ein, je ein Fehler auf der Rück- und Vorhand machten das “spanische” Re-Break in allerletzte Sekunde tatsächlich noch perfekt. Im Tie-Break blieb Martin mit 7:2 souveräner Sieger, und damit musste im Kampf um das letzte freie Masters-Ticket ein alles entscheidender dritter Satz her.

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Alexander Scheller und seine vielen ausgelassenen Chancen an diesem Wochenende, das heiß ersehnte Masters-Ticket zu fixieren

Irgendwo auf der anderen Seite der Stadt fieberte auch Alexander Scheller am Live-Ticker von hobbytennistour at mit. Es dürften wohl die aufregendsten und nervlich belastendsten Stunden seiner Karriere gewesen sein. Wie überhaupt der 26jährige “Mister Vorhand” einen alles andere als ruhigen und angenehmen Tag verlebte. “Ich sitze wie auf brennenden Kohlen”, umschrieb der 3fache Saisonsieger seine Situation vor dem alles entscheidenden Abendschlager zwischen Glatzl und Martin. Am Ende sollten – zumindest am gestrigen Dienstag – nur drei Punkte zum heiß ersehnten, und eigentlich schon inne geglaubten Masters-Ticket fehlen. Andererseits hatte Scheller schon am vergangenen Sonntag zwei Mal die Möglichkeit, seinen Startplatz beim großen HTT-Final von 28. November bis 5. Dezember im UTC La Ville selbst zu fixieren. Im Achtelfinale gegen Martin Mayer vom TK Big Point Muckendorf durfte Scheller nach gewonnenem ersten Satz gleich zwei Mal im Tie-Break ran, die er aber beide vergeigte. Mit nur einem gewonnenen Tie-Break hätte er nämlich den kurz zuvor an Adam Goodsell im Achtelfinale gescheiterten Markus Kurzemann im Race to La Ville überholt, und den völlig außer Form befindlichen Vorarlberger auf den Schleudersitz in Sachen Masters-Quali befördert. So fehlten Scheller am Ende 10 Punkte auf Markus Kurzemann, und so war der 26jährige am Ende auch auf die Schützenhilfe Renee Glatzls angewiesen. Doch der 19jährige konnte die erhoffte Hilfestellung am Ende nicht leisten, weil er müde und ausgelaugt von den permanenten spanischen Angriffen im Finish regelrecht einbrach.

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Die Stimmen zum Halbfinal-Schlager zwischen Renee Glatzl und Ignacio Martin

Ignacio Martin legte mit einem frühen Break zum 1:0 die Basis für seinen Halbfinal-Erfolg, der in der Folge eigentlich nicht mehr gefährdet war. Mit 34 Winnern schoss sich der 25jährige aus Madrid ins Endspiel des November-HTT-500-Turniers und mitten hinein ins große Saisonfinale der Top 8. Verdient war der Sieg des Spaniers allemal, denn nebst großartiger Tenniskunst, die “Ignacio” letztlich konstanter und beständiger als Glatzl zum Besten gab, war es vorallem die mentale Performance, mit der Spaniens Überflieger in den entscheidenden Phasen des zweiten Satzes glänzte. Satz und Break zurück, dazu nur drei Punkte vom Aus entfernt, und das alles bei Glatzls Aufschlag, es gibt wahrlich aussichtsreichere Ausgangspositionen und gemütlichere Momente als Tennisspieler. Das sich Spaniens Nr. 1 alleine aus dieser Situation herausmanövrierte, ringt einem allerhöchsten Respekt ab. “Ich bin sehr glücklich, dieses Match gewonnen zu haben. Beim Masters dabei zu sein, war mein allergrößter Wunsch, und dieses Ziel habe ich mit sehr guten Leistungen in den letzten Wochen erreicht. Bei 4:6 und 5:6 habe ich nicht viel nachgedacht und nur versucht, jeden Ball so gut wie möglich zu spielen”, erzählte Ignacio später im Interview. “Ich habe über weite Strecken heute wirklich gut gespielt. Nur gegen Ende des zweiten Satzes war ich unaufmerksam und nicht gut genug. Im dritten Satz hat mich regelrecht die Kraft verlassen. Schade, aber ich habe wirklich alles versucht”, rechtfertigte sich derweil der Verlierer.

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Jungstar Lukas Prüger mit missglückter Revanche für die viertelfinale Oktober-HTT-500-Niederlage gegen Philipp Schneider, und Sascha Kobsik und Gerald Marhold – die beiden Finalisten des November-Challenger-Turniers – retten Manfred Buzeks Platz beim Challenger-Tour-Final

Im Endspiel des 22. November-HTT-500-Turniers trifft Ignacio Martin übrigens auf Philipp Schneider, und damit kommt es im letzten Saisonfinale der 500er-Serie zum Duell der beiden erfolgreichsten Spieler des Jahres. Sowohl Schneider als auch Martin haben heuer bislang 4 Turniere gewonnen, und Saisontitel Nr. 5 knapp eineinhalb Wochen vor dem Masters wäre für beide Akteure die perfekte Motivationsspritze. Schneider vs. Martin ist auch die Neuauflage des heurigen Wimbledon-Viertelfinales, das Schneider im dritten Satz knapp mit 6:4 für sich entscheiden konnte. Sein 5. Finalticket in diesem Jahr löste Schneider hingegen am Dienstag Abend mit einem 7:6, 6:2 Erfolg über Jungstar Lukas Prüger, dem damit nicht die erhoffte Revanche für die Viertelfinal-Niederlage beim Oktober-HTT-500-Turnier gelang. Am Dienstag Abend fielen auch drei Entscheidungen auf Challenger-Ebene! Zunächst einmal qualifizierten sich Sascha Kobsik und Gerald Marhold mit zwei jeweils doch recht souverän errungenen Siegen für das Endspiel des 8. November-Challenger-Turniers. Und weil sich beide Akteure heuer schon in die Siegerlisten der HTT-Challenger-Tour eintragen konnten, durfte daheim in Florisdorf auch Manfred Buzek jubeln. Der 30jährige Wiener, der in Runde 1 an Neo-Kumpel Sascha Kobsik scheiterte, steht als zwölfter und letzter Teilnehmer des Challenger-Tour-Finals am kommenden Wochenende im UTC La Ville fest.

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