“Marlies-Mania” trotz enttäuschender Premieren-Vorstellung gegen Markus Winter

Eigentlich stand an diesem Feiertags-Wochenende mit der 18. Auflage des November-HTT-250-Turniers ja nur eine Veranstaltung der Hobby-Tennis-Tour in Wien auf dem Programm. Der ganze Fokus der HTT-Community sollte eigentlich am letzten Saison-Event einer Turnierserie liegen, die zu Beginn des Jahres von Jürgen Buchhammer bestimmt, und im Sommer dann von Alexander Scheller dominiert wurde. Dazu kommt, dass das November-HTT-250-Turnier in der Vergangenheit immer wieder “große und historische Momente” der Open Ära lieferte. 1996 gewann der Serbe Jovan Milanovic das allererste 250er-Turnier der Geschichte, 2003 siegte Stefan Schwing mit zarten 12,4 Jahren und avancierte damit zum bis heute jüngsten Turniersieger aller Zeiten, und 2011 bleibt uns natürlich als jene Ausgabe in Erinnerung, in der sich Martin Kova nach exakt 2.000 Tagen ohne Turniersieg seinen 30. Karriere-Titel sichern konnte. Man war also wieder einmal höchst gespannt in der Szene, als plötzlich am Donnerstag Nachmittag die Meldung von der Übersiedlung des Linzer HTT-500-Turniers ins UTC La Ville bekannt wurde. Getopt wurde der Transfer des vorletzten 500er-Turniers von Linz nach Wien am Ende des Tages aber noch von der Sensations-Nachricht, das Österreichs Nr. 11 bei den Damen, die erst 18jährige Marlies Szupper am Altmannsdorfer Ast aufschlagen wird. Ein Bericht von C.L

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“Marlies-Mania” am Altmannsdorfer Ast und wie eine 18jährige die komplette Aufmerksamkeit der gesamten HTT-Community auf sich zog

Es war angerichtet für einen tollen Tennistag am Nationalfeiertag 2013, und das mit 28 Matches und einem Programm, das keine Wünsche offen ließ. Die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour Franz Mayrhuber war genauso zu bestaunen, wie der in Topform befindliche 3fache HTT-250-Saison-Champion Alexander Scheller, wie das erst 15jährige – und vor einer Woche sensationell debütierende – Supertalent Lukas Prüger, oder Olympiasiegerin Ines Kreilinger, die am vergangenen Wochenende mit einer traumhaften Performace sogar die Masters-Träume von Deutschlands Nr. 1 Jan-Philip Hupasch vorzeitig platzen ließ. Doch sie allesamt standen am zweiten Spieltag des November-HTT-250 und des von Linz nach Wien übersiedelten Juli-HTT-500-Turniers im Schatten einer jungen Dame, die ohne auch nur eines einzigen geschlagenen Balles im Circuit, das totale Interesse und den kompletten Fokus der Tour-Gemeinde auf sich zog. Marlies Szupper, 18 Jahre jung, die aktuelle Nr. 11 Österreichs und im WTA-Ranking auf Position Nr. 1.113 geführt, machte der größten rot-weiss-roten Breitensport-Tennis-Serie ihre Aufwartung, und sorgte am Nationalfeiertag für eine echte “Marlies-Mania”. Noch nie in der Vergangenheit der 23jährigen HTT-Geschichte hatte der Auftritt eines Newcomers für derart viel Aufsehen im Vorfeld gesorgt, wie jener der 18jährigen Wienerin. Schon Stunden vor ihrem ersten Auftritt im UTC La Ville wurde der Veranstalter mit SMS-Anfagen bombardiert, wann denn nun genau ihr erstes Match anstehe, und ob es zu ihrer Auftakt-Partie einen Live-Ticker geben würde. Das Interesse war also gewaltig, wie sich die mit Profi-Ambitionen und mit reichlich internationaler ITF-Erfahrung ausgestattete Tour-Debütantin im Duell mit den Hobby-Tennis-Stars dieser Stadt schlagen würde.

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Markus Winter mit dem “Los seines Lebens” beglückt

Und dann, wenige Minuten nach 16 Uhr war es soweit. Zunächst machte sich jener Mann auf den Weg durch den schmalen Schlauch in Richtung Centercourt, den an diesem Nachmittag des Nationalfeiertags so viele seiner Kollegen beneideten. Markus Winter, März-Challenger-Sieger des Jahres 2008 war der Glückliche, der bei der 2 Tage zuvor vorgenommenen Auslosung von Göttin Fortuna mit dem “Los seines Lebens” beglückt wurde. Wobei der 23jährige vom UTC Wien Minuten vor seinem Duell mit der weiblichen Nr. 11 des Landes gar nicht wirklich glücklich wirkte. Die Anspannung war förmlich greifbar und zu spüren, als sich der Herausforderer vor seinem 121. Karriere-Match vom Foyer aus in Richtung Centercourt in Bewegung setzte. Von welcher Bedeutung und welch riesigem Interesse “s”ein eigentlich unbedeutender Allerwelts-Erstrunden-Auftritt bei einem ursprünglich nicht einmal geplanten 500er-Turnier war, wurde dem nervösen 23jährigen vermutlich in jenen Augenblicken bewusst, als er auf dem Weg durch das UTC La Ville einen Ratenschwanz an neugierigen Zusehern hinter sich herzog. Und dann hatte plötzlich der mit massigst Vorschusslorbeeren in sein HTT-Debüt gestartete “blonde” Superstar seinen Auftritt. Von einem Blitzlichtgewitter begleitet, betrat Österreichs Nr. 11 zum ersten “battle of sexes” den Court.

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Szuppers Premieren-Auftritt und die Folgen ihres Stotterstarts gegen die HTT-Nr. 131

Um 16:22 Uhr hatte die auf Platz 1.113 im WTA-Ranking geführte Wienerin mit einem Return ihren ersten Ballkontakt auf der Hobby-Tennis-Tour, und exakt 2:04 Stunden später nach einem mühsamst errungenen 6:3, 6:7, 6:0 Erfolg über die Nr. 132 der HTT-Computer-Rangliste die Erwartungen der vielen Schaulustigen vor Ort enttäuscht. Drei benötigte Sätze in über 120 wenig überzeugenden Minuten gegen einen mit International Tennis Number 6,27 ausgestatteten Markus Winter, der seit Kitzbühel wegen einer hartnäckigen Verletzung außer Gefecht war, der heuer noch ohne Einzelsieg durch den Circuit “tourt” und mittlerweile bereits 9 Erstrunden-Niederlagen in Folge auf seinem Konto zu Buche stehen hat, das war nicht das, was sich die Tour-Community von Österreichs Nr. 11 erwartet hatte. Und der Stotterstart der jungen Dame vom WAC führte gar dazu, dass der gesamte restliche Abend im La Ville von heftigen und angeregten Diskussionen rund um Szuppers Darbietung geprägt war. Am Ende des Tages hatten sich viele “sogenannte Tennisexperten” in teils unsachlichem Niveau sogar dazu herabgelassen, der Tour-Newcomerin in einer Art Tribunal jegliches Format abzusprechen. Und auch der Turnierdirektor des von Linz nach Wien velegten 500er-Turniers, der um Nachsicht und eine zweite Chance für seinen “Star” bat, wurde spät Abends für seinen “Sensations-Gast” verlacht. Er möge doch für das nächste Mal nach einem echten Kaliber Ausschau halten!

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Österreichs Nr. 11 in der Pressekonferenz nach ihren Tour-Debüt

Marlies Szupper selbst, analysierte derweil auf ihrer Pressekonferenz ganz nüchtern und sachlich eine Tour-Premiere, die sie selbst natürlich auch nicht zufrieden stellte, die aber durchaus auch nachvollziehbare Gründe hatte. “Es war extrem ungewohnt für mich. Ich spiele nur ganz selten gegen Burschen. Es ist eine große Umstellung, denn Männer haben ein ganz anderes Spiel als die Mädels, vorallem beim Aufschlag. Es war aber teilweise doch ein ganz gutes Match mit schönen Ballwechseln. Ich habe dieses Turnier der Hobby-Tennis-Tour nach meiner langen Pause auch als Test gesehen, und nicht sonderlich nachgedacht was passieren könnte, falls ich dieses Match verliere. Ich habe es auch als Spaß gesehen, und ganz ehrlich: Hier bei diesem Turnier und in dieser Turnierserie rennen ja keine Blinden herum. Die können hier alle Tennis spielen, und ich bin der Meinung, dass richtig gute Frauen auch gegen durchschnittlich spielende Männer keine Chance haben”, so die 18jährige. Und gefragt nach der Ernsthaftigkeit, mit der sie in diesem Turnier zu Werke gehen wird, anwortete Szupper: “Ich bin vom Charakter her extrem ehrgeizig. Ich könnte viel mehr Spaß haben auf dem Platz, meinen Leute dich mich kennen. Aber ich nehme einfach jedes Match richtig ernst, und ich werde auch hier auf der Hobby-Tennis-Tour in jeder einzelnen Runde mein Bestes geben”.

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Markus Winter trotz 9. Erstrunden-Niederlage in Folge mit seinem Comeback-Auftritt zufrieden

Mit vielen Eindrücken vom “Match seines Lebens” kehrte dann auch der unterlegene Markus Winter vom Centercourt des UTC La Ville zurück. “Am Anfang nach der Auslosung dachte ich noch, das ist richtig unfair. Aber ich bin jetzt im Nachhinein richtig froh, gegen eine so starke Gegnerin gespielt zu haben. Die Anspannung war groß, aber das Match hat mir sehr gut gefallen. Im ersten Satz hat mich die Marlies eiskalt erwischt, und ich wusste einfach nicht, was ich spielen sollte. Der zweite Satz hat dann ganz gut gepasst, obwohl ich bei 5:4 meinen Aufschlag nicht zum Satzgewinn durchbringen konnte. Ich bin stolz, gegen eine Bundesligaspielerin einen Satz gewonnen zu haben. Sie spielt ausgezeichnet Tennis, und ich bin ein bißchen enttäuscht, dass mir im dritten Satz die Puste ausgegangen ist”, erklärte Markus Winter nach seiner 9. Erstrunden-Niederlage en suite.

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Das erst 15jährige Supertalent Lukas Prüger “prügelt” Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber in nur 45 Minuten mit 6:1, 6:2 vom Platz

Rund um den Szupper-Hype gingen die restlichen Geschehnisse beim 18. November-HTT-250-Turnier und beim Juli-HTT-500-Nachtrags-Turnier beinahe völlig unter. Und dabei gab es monumentale Ereignisse an diesem Nationalfeiertag 2013 zu bestaunen, wie beispielsweise den hisorischen Erstrunden-Untergang des Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber. Es ist keineswegs eine Übertreibung, das 1:6, 2:6 Debakel des Branchen-Besten im Duell mit Neo-Jungstar Lukas Prüger als “Untergang” zu bezeichnen. In nicht einmal 45 Minuten war der amtierende Masterssieger von einem 15jährigen Mega-Talent vom Platz geprügelt worden. Lukas Prüger heißt der junge Mann, der an jedem anderen Tennistag des Jahres abseits der Szupper-Mania mit seinem Kantersieg über den Ranglisten-Ersten wohl zum Top-Gesprächsthema der Wiener Tennisszene geworden wäre. Der Jungstar, der schon vor einer Woche mit Matchbällen im Viertelfinale des Oktober-HTT-500-Turniers gegen den späteren Sieger Philipp Schneider aufhorchen ließ, gilt als ganz großes Versprechen für die Zukunft, und für den HTT-Veranstalter als Siegkandidat Nr. 1 an diesem Wochenende. Erst recht nach seinem Super-Sieg im Achtelfinale des aktuellen 500er-Events im UTC La Ville, der für die einen eine bloße Überraschung, für die anderen aber eine Art Wachablöse dokumentierte. Denn bei Mayrhuber geht eigentlich spielerisch schon den ganzen Spätsommer und Herbst über recht wenig zusammen. Die Klatsche gegen Prüger war nun der negative Höhepunkt, den der Unterlegene selbst aber mit der Gelassenheit von 48 Lebensjahren und 214 Single-Matches auf der HTT zur Kenntnis nahm. “Ich bin mittlerweile in einer Situation, wo ich solche Ergebnisse nicht so tragisch sehe. Ich hatte heute das Gefühl, dass mein Gegner in fast allen Bereichen besser war. Ich habe es einfach nicht geschafft, ihn in Rückhand-Duelle zu verwickeln. Das hat er recht clever gemacht. Er scheint zu wissen, was man gegen alte Spieler tun muss”, analysierte der Ranglisten-Leader. “Es ist ein geiles Gefühl und mir ist alles aufgegangen”, strahlte derweil Sieger Lukas Prüger nach seinem grandiosen Erfolg.

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Der mit riesigen Vorschusslorbeeren angereiste Tour-Neuling Florian Kopf wird von dem glänzend in Form befindlichen Alexander Scheller bereits im Achtelfinale entzaubert

Bombastisch in Fahrt und wild entschlossen, sich den aktuell inne habenden achten Platz im “Race to La Ville” nicht mehr abspenstig machen zu lassen, agiert derzeit auch der Saison-Dominator auf HTT-250er-Ebene Alexander Scheller. Nachdem sich der 26jährige zum Auftakt in Runde 1 als Nummer 2 des Turniers und den Anstrengungen der letzten Wochen über ein Freilos freute, stand ihm im Achtelfinale mit Florian Kopf ein Tour-Neuling gegenüber, dem vor dem ersten Aufschlag des 82. Saisonturniers ein Ruf vorauseilte, der der Konkurrenz das Fürchten lehrte. Serbiens Jungstar Filip Markovic äußerte sich am Freitag Abend nach seinem Auftaktsieg über den polnischen Challenger-Spieler Marcin Schiermayer in einem Interview zum Tour-Debütanten namens Florian Kopf. “Der Florian wird dieses Turnier nicht nur ganz sicher gewinnen, sondern er wird die Gegner regelrecht deklassieren”, so der um einen Mastersstart-Platz kämpfte Markovic. Ein Ehrengame für Thomas Löffelmann im Premieren-Match ließ noch keine Aufschlüsse zu, die sollte man dann aber im Achtelfinal-Schlager mit dem 3fachen Saisonsieger Alexander Scheller ziehen können. Eine ab Durchgang 2 wie in Trance spielende Nummer 2 der Setzliste, nahm im “Match seines Lebens” – wie er es später bezeichnen sollte – den aufgrund seiner ITN favorisierten Newcomer mit seiner Vorhand auseinander, und lieferte dem “Neuen” gleich einmal einen nachhaltigen Vorgeschmack, welcher Wind anno 2013 auf der Hobby-Tennis-Tour weht. Die drei teils hochklassigen Sätze in diesem Achtelfinal-Hit werden für Kopf wohl Motivation sein, es beim nächsten Mal besser zu machen, und für Scheller war es ein ganz wichtiger Sieg, der die Türe zum großen Saisonfinale am Altmannsdorfer Ast wieder ein kleines Stück weiter öffnete.

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Olympiasiegerin Ines Kreilinger wird wieder einmal ihrem Ruf als “launische Diva” gerecht

Was tat sich sonst noch am nationalen Feiertag Österreichs? Die 6fache Olympiasiegerin Ines Kreilinger kassierte nach ihrer grandiosen Vorwochen-Darbietung beim Oktober-HTT-500-Turnier mit dem gewonnenen viertelfinalen Geschlechter-Duell gegen Deutschlands Nr. 1 eine drastische Ohrfeige in Form einer 2:6, 0:6 Klatsche gegen den polnischen Doppel-Spezialisten Bartosz Krzeminski. Die 24jährige Oberösterreicherin “trotte” derart frustriert und unmotiviert über den Platz, dass man sich ernsthaft fragen musste, ob die 28 Euro Startgeld an einem super-sonnigen und warmen Feiertag nicht anderweitig weitaus besser angelegt gewesen wären. Das Lieblings-Tennis-Kleidchen in der Wäsche, und schon hatte die Miningerin ihren Ruf als “launische Diva” wieder einmal bestätigt. Von famoser Tenniskunst, dargeboten gegen die besten “Herren der Schöpfung”, bis hin zur totalen Nullnummer kann man von der 6fachen Olympia-Championesse scheinbar alles haben.

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Martin Kova behält im Evergreen-Hit gegen topgesetzten Michael Kunz die Oberhand

Am Ende des Berichtes kommen wir noch einmal zurück zu jenem Turnier, das ursprünglich dieser Tage im Fokus stehen sollte, nämlich zur 18. Auflage des November-HTT-250-Turniers. Und dort stand mit dem Duell zwischen Martin Kova und Michael Kunz der ganz große Schlager schon in Runde 1 auf dem Programm. Ein wahrer Evengreen-Hit zweier Tour-Stars, die es insgesamt auf die imposante Anzahl von 333 gemeinsamen Turnierstarts bringen. In einem abwechslungsreichen Match hatte am schließlich nach fast zwei Stunden Spielzeit Martin Kova das bessere Ende für sich. Der 30jährige, der hier 2011 triumphierte und seinen 30. Karriere-Titel feiern durfte, gewann gegen die Nummer 1 des Turniers mit 6:2, 6:7, 6:0, und freute sich über den 380. Einzelsieg seiner außergewöhnlichen und seit 1997 währenden Laufbahn. Michael Kunz wiederum absolvierte sein 240. Karriere-Match ohne den gewünschten Erfolg, und musste sich damit so wie im Vorjahr (damals gegen Deutschlands David Hühne) in Runde 1 geschlagen geben.