Schneider und Scheller verleihen “Race to La Ville” zusätzliche Spannung

Der ohnehin schon äußerst spannende Kampf um die acht Startplätze beim großen Tour-Final von 29. November bis 7. Dezember 2013 im UTC La Ville hat mit dem Ausgang des Oktober-Masters-Series-1000-Turniers noch zusätzlich an Brisanz gewonnen. In einem von vielen Überraschungen und Sensationen geprägten vorletzten Saison-Event der HTT-Masters-Series cashten am Ende mit Titelgewinner Philipp Schneider und Finalteilnehmer Alexander Scheller ausgerechnet zwei im “Race to La Ville” bis dahin nicht über eine Außenseiterrolle gekommene Underdogs punktemäßig groß ab. Im höchst ansehnlichen finalen Duell zweier Masters-Series-Endspiel-Debütanten trumpfte dann schließlich der Niederösterreicher Philipp Schneider auf, und feierte mit einem in exakt 90 Minuten errungenen 6:4, 6:3 Erfolg den dritten Turniersieg seiner Karriere. Ein Bericht von C.L

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Kollektives Gesetzten-Sterben erwischt in Runde 1 auch den Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber

Mit einem Finale “Schneider vs. Scheller” beim achten und vorletzten Masters-Series-1000-Turnier der Saison hatte wohl ganz ehrlich gesagt niemand gerechnet. Insider der HTT-Szene sowieso nicht, und selbst die allergrößten Optimisten aus den beiden Final-Lagern wären vor dem ersten Aufschlag zu einem sensationell besetzten Event als Phantasten verlacht worden, wenn sie einen der Ihren ins Endspiel getippt hätten. Bei 7 Top-Ten-Stars vor Ort, insgesamt 13 Spielern aus den ersten Zwanzig der HTT-Entry-List und 18 Spielern mit einer International Tennis Number unter 4,8, hatte die Namen Schneider & Scheller kaum jemand ernsthaft auf der Rechnung in Sachen Titelgewinn. Doch dann setzte vor dem großen Endspiel 5 Turniertage lang das ganz große und für massigst Aufsehen sorgende Gesetzten- und Favoritensterben ein. Die Nummer 1 Franz Mayrhuber erwischte es bei seinem insgesamt dritten Oktober-Masters-Series-1000-Start sogar gleich zum Auftakt, wo er einem in den letzten Wochen stark aufzeigenden David Schützhofer in einem wahren Tie-Break-Drama des dritten Satzes unterlag. Ebenfalls in Runde 1 erwischte es mit Lokalmatador Jürgen Buchhammer und Serbiens Jungstar Filip Markovic die Nummern 7 und 8 der hochkarätigen Setzliste. Buchhammer setzte seinen Abwärtstrend mit einem 4:6, 6:7 gegen den slowakischen WAT-Landstrasse-Star Pavol Cabada fort, und Filip Markovic musste sich seinem neuen Angstgegner Stefan Grubmüller zum zweiten Mal binnen sieben Wochen geschlagen geben, diesmal glatt mit 2:6, 3:6.

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Tüfekci, Müller, Martin oder Kiss – es erwischte viele HTT-Promis gleich zum Auftakt des vorletzten Masters-Series-1000-Turniers der Saison

In Runde 1 erwischte es aber auch noch viele andere ganz namhafte HTT-Promis, was wiederum den Beweis lieferte, wie unheimlich stark und vorallem dicht das 725. Single-Event der Open Ära besetzt war. Vorjahresfinalist Hüseyin Tüfekci fand im niederösterreichischen Jungstar Patrick Joksch seinen Meister, und schlitterte mit einem 7:5, 3:6, 1:6 in die bereits dritten Erstrunden-Niederlage in Serie. Der ehemalige Rangliste-Erste und Ex-HTT-Wimbledonsieger von 2009 Thomas Müller musste bei seinem Comeback eine 3:6, 3:6 Schlappe gegen den steirischen Tour-Debütanten Josef Maierhofer hinnehmen, und auch Spaniens Überflieger der 4fache Saisonsieger Igancio Martin landete bei seinem ersten Auftritt seit dem HTT-Wimbledon-Turnier im vergangenen Sommer zeimlich brutal auf dem harten Boden der Realität. Einen “spanischen Sommer” daheim ohne Tennis, das konnte angesichts der aktuellen Konkurrenz auf der Hobby-Tennis-Tour einfach nicht gut gehen. Mit 1:6, 4:6 gegen den späteren Semifinalisten Paul Ganglberger war “Senor Ignacio” noch gut bedient. Eine ansprechende Leistung die freilich nicht mit einem Sieg belohnt wurde, vollbrachte hingegen der 11fache Titelträger Mario Kiss. Der auf Position Nr. 15 im Entry-Ranking zurückgerutschte 34jährige “ballerte” zwar drei Sätze lang mit dem an “2” gesetzten Renee Glatzl auf Augenhöhe, schließlich aber setzte es zum dritten Mal in dieser Saison ein Aus in Runde 1.

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Wundertüte Renee Glatzl: Vom gefeierten RMB-TILE-CUP-Star zur Lachnummer nach Achtelfinal-Pleite gegen einen Qualifikanten

Im Achtelfinale erlebte die HTT-Gemeinde dann die ganz ganz große Sensation des Turniers, und womöglich sogar der gesamten Saison. Kiss-Bezwinger und RMB-TILE-CUP-Champion Renee Glatzl war am Sonntag Abend zur scheinbar nur “lästigen Pflichterfüllung” gegen den Qualifikanten Alexander Lovrek angetreten, um eine Stunde später nach einer katastrophalen Vorstellung wieder mit dem zweifelhaften Ruf behaftet vom Platz zu schleichen, die Inkonstanz in Person zu sein. Nach der Gala-Vorstellung “auf Donaufeld”, wo er im Endspiel des September-HTT-500-Turniers den HTT-French-Open-Sieger Peter Klager demontierte, hatte man dem Jungstar vom Schwechater TC den absoluten Durchbruch und vorallem jene Stabilität attestiert, die dem wankelmütigen Junior bis dahin viele viele Matches und Titel gekostet hatte. Und dann ließ Glatzl diesen rabenschwarzen Sonntag mit der 1:6, 2:6 Pleite gegen den Qualifikanten Alexander Lovrek folgen. Mit dem Ranglisten-Zweiten verabschiedeten sich im Achtelfinale aber auch noch der Oktober-Masters-Series-1000-Finalist von 2011 Markus Kurzemann und der deutsche Titelverteidiger Jan-Philipp Hupasch, der mit seiner knappen Dreisatz-Niederlage gegen Alexander Scheller ganz wichtige Punkte im Kampf um einen Masters-Startplatz liegen ließ.

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Zittern um das Antreten von HTT-Superstar Vladimir Vukicevic, und dann ging der erste Auftritt des Wimbledon-Champions außerhalb von WAT Landstrasse im Viertelfinale verloren

In der Box von Ana Ivanovic fieberte er beim WTA-Turnier in Linz bis zur bitteren Finalniederlage seiner Landsfrau mit, und damit stand ein ganzes Wochenende lang ein riesengroßes Fragezeichen hinter dem Antreten von Vladimir Vukicevic. Der Tour-Veranstalter stand rund um die Uhr mit der Nummer 5 des Turniers in Kontakt, doch bis zuletzt war sein Kommen vom Ausgang des WTA-Turniers in der oberösterreichischen Hauptstadt und dem Abschneiden von Topstar Ana Ivanovic abhängig. Und dann am Sonntag Abend um 20:45 Uhr war er doch gekommen, der serbische Superstar der Hobby-Tennis-Tour, der Wimbledon- und Olympiasieger Vladi Vukicevic. Anstandshalber überließ der 31jährige aus Sombor seinen beiden überforderten Auftaktgegnern jeweils ein Ehrengame, doch mehr war für das WAC-Duo Jan Philip Toader und Martin Vesely nicht drin. Den beiden Kantersiegen hatte man aber allgemein nicht das große Interesse entgegen gebracht, sehr wohl aber fragte man sich im Vorfeld, wie Vukicevic seinen ersten Tour-Auftritt außerhalb der geliebten und gewohnten Rasencourts auf WAT Landstrasse absolvieren würde. Und ein echter Prüfstein sollte im montägigen Viertelfinale der Niederösterreicher Philipp Schneider werden. Und der 33jährige vom UTC Waidhofen wurde in diesem Schlagerspiel für “Vladi” noch viel mehr als eine erste Bewährungsprobe abseits der WAT-Landstrasse-Courts. Der 2fache Saisonsieger wurde zum Sargnagel des heuer bis dahin noch ungeschlagen serbischen HTT-Superstars, und kämpfte sich in einem mitreißenden, hochklassigen und mega-dramatischen Schlagabtausch nach 3:08 Stunden mit 4:6, 7:6, und 7:5 in die Vorschluss-Runde des Oktober-Masters-Series-1000-Turniers. Für Vukicevic war es (inkl. Olympia) die erste Niederlage nach 13 Siegen in Folge, und ein unerwartetes Aus, das ihm auch in Sachen Masters-Quali höchst ungelegen kam. Denn jetzt muss der Olympiasieger wohl noch einmal einlaufen, wenn er wie angekündigt tatsächlich beim Saisonfinale am Altmannsdorfer Ast aufschlagen möchte.

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Mister Vorhand Alexander Scheller bändigt im Viertelfinale den britischen Serve & Volley-König Adam Goodsell

Im Viertelfinale endete übrigens auch der unheimliche und vier Matches andauernde Erfolgsrun von Quali-Star Alexander Lovrek, der gegen einen solide spielenden Paul Ganglberger mit 2:6, 1:6 ohne Chance blieb. Ebenfalls in der Runde der letzten Acht musste sich auch der letzte Gesetzte verabschieden. Englands Nummer 1 Adam Goodsell, beim 77. Saisonturnier als Nummer 6 gereiht, hatte mit gewohnter Serve & Volley Performace zwar den ersten Satz gegen Alexander Scheller für sich entschieden, war danach aber im Vorhand-Passierball-Hagel seines Gegners mit 1:6, 1:6 in den Folgesätzen rasch dem Untergang geweiht. Das letzte Halbfinal-Ticket krallte sich schließlich noch David Schützhofer, der einem kränklichen Stefan Grubmüller mit 6:4, 7:5 das Nachsehen erteilte. Die Vorschluss-Runde selbst verlief dann relativ unspektakulär, weil Philipp Schneider im einzigen Semifinal-Match gegen David Schützhofer nach Anlaufschwierigkeiten souverän in zwei Sätzen die Oberhand behielt, und Alexander Scheller kampflos gegen Paul Ganglberger sein bereits sechstes Saisonfinale erreichte.

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Schneider in einem flotten und attraktiven Endspiel um die Spur effektiver als Scheller

In einem über weite Strecken recht hochklassigen und äüßerst attraktiven Finale, sicherte sich schließlich Philipp Schneider nach zwei HTT-500-Titeln den ersten Masters-Series-1000-Turniersieg seiner Laufbahn. 90 Minuten hatte der 33jährige aus Waidhofen letztlich benötigt, um “Mister Vorhand” Alexander Scheller mit 6:4, 6:3 in die Schranken zu weisen, und das Duell zweier Masters-Series-1000-Final-Debütanten für sich zu entscheiden. Trotz 50 unerzwungener Fehler und 12 ausgelassener Break-Chancen hatte Schneider am Ende die Nase vorne, weil er gegen einen ganz stark spielenden Scheller um die Spur effektiver in den heiklen und heißen Situationen dieses Finales war und dort entschlossener zu Werke ging. So zum Beispiel im Finish des ersten Satzes, als Scheller seinen Gegner mit einem durchgebrachten Service-Game zum 4:5 zwar noch einmal unter Druck setzte, Schneider aber cool blieb, und mit viel Übersicht am Netz und dem ersten Ass des Endspiels entscheidend punktete.Die frühe Entscheidung führte der Vukicevic-Bezwinger schließlich gleich im ersten Game des zweiten Satzes herbei. Das Break zum 1:0 transportierte der 33jährige nämlich bis ans Match-Ende, wo er sich mit einem zweiten Break zum 5:2 sogar den Luxus leisten konnte, im Finish noch einmal bei eigenem Aufschlag zu schwächeln. Die 500 Punkte im “Race to La Ville” waren dem nunmehr 3fachen Saison-Champion am Ende dennoch sicher, und als insgesamt siebenter verschiedener Sieger im achten Saison-Turnier der HTT-Masters-Series dokumentierte er eindrucksvoll, welche Dichte in der absoluten HTT-Spitze anno 2013 herrscht.

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Die Stimmen zum Oktober-Masters-Series-1000-Endspiel

“Die Freude ist riesengroß, und ich bin richtig kaputt. Es war ab dem Achtelfinale Runde für Runde ein unfassbarer Fight, und die Krönung war mit Sicherheit das Viertelfinale gegen den Vladi. Das war ein extrem intensives Match, vielleicht das härteste das ich jemals gespielt habe. Ein Kompliment auch an meinen Finalgegner. Der Alex hat von Beginn an Gas gegeben, und mit seiner wahnsinnig starken Vorhand habe ich mir zunächst recht schwer getan. Es hat sehr viel zusammenpassen müssen für diesen Titel, und die Fitness wird aus meiner Sicht in Zukunft auf der Hobby-Tennis-Tour ein immer größerer und entscheidender Faktor werden”, so der insgesamt erst 37. Masters-Series-1000-Turniersieger der Geschichte. “Es war urgeil, ganz einfach der Wahnsinn. Ich hätte vor dem Turnier nie und nimmer mit einem Finaleinzug gerechnet. Ein paar Leute kannst du vielleicht ärgern, mehr hatte ich erwartet, und dann so ein Turnierverlauf”, jubelte auch Alexander Scheller nach seinem hochverdienten ersten Final-Einzug auf Masters-Series-1000-Ebene.

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