Tour-Community unter Schock – und Tour-Insider mit mahnenden Worten

Die am gestrigen Montag öffentlich gewordene Ankündigung vom möglichen Ende der Hobby-Tennis-Tour, hat eine Welle an Emotionen und Reaktionen innerhalb der Tour-Community ausgelöst. In überwältigender Weise bekundeten Spieler und Sympathisanten des Tourzirkus in Postings auf der HTT-Webseite und in unzähligen SMS, Mails und Telefonaten, ihre Solidarität zur Hobby-Tennis-Tour. In teils berührenden und beklemmend zu lesenden Statements, äußerten die besorgten HTT-Fans ihr Verständnis für die aktuell verzwickte Situation, appellierten gleichzeitig aber auch an den amtsmüden Veranstalter, sich seiner Verantwortung im Umgang mit der Hobby-Tennis-Tour bewusst zu sein. Unisono fiel auch die Meinung der aufgebrachten Tour-Community aus, die Unruhestiefter rigoris zu sanktionieren und notfalls auch aus dem Circuit zu entfernen. Ein Bericht von C.L

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Nach erster Schockwelle ist eine noch nie dagewesene Diskussion auf der HTT entstanden

Kaum war der Website-Beitrag “Steht die Hobby-Tennis-Tour unmittelbar vor ihrem Aus” am gestrigen Abend online gegangen, piepste beinahe im 10-Minuten-Takt das Handy des Veranstalters. Massenhaft reihte sich SMS an SMS, alllesamt mit dem sorgetragenden Inhalt, tatsächlich Zeitzeugen des Endes einer 23jährigen Ära im Tennisbreitensport dieser Stadt zu werden. Es war eine Art Schockwelle, die am Montag Abend die sensible und hoch aufmerksame Tour-Gemeinde erfasste, und für eine in diesem Ausmaß noch nie dagewesene öffentliche Diskussion auf der Hobby-Tennis-Tour sorgte. Selbst Tour-Größen der Vergangenheit die nicht mehr am aktiven Geschehen beteiligt sind, meldeten sich zu Wort und boten nebenbei auch dankenswerter Weise ihre Hilfe an. So hat beispielsweise der 12fache Grand-Slam-Sieger und als Lippert-Intimus geltende Klaus Hofer keinerlei Verständnis geäußert, dass einige wenige Akteure mit ihrem Verhalten den Fortbestand der Hobby-Tennis-Tour gefährden würden.

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Beklemmend zu lesende SMS-Lawine am Veranstalter-Handy

Die Lawine an Stellungsnahmen, Reaktionen, Postings, SMS und Telefonaten hatte nebst “Bangen & Hoffen” vorallem eine unglaubliche Solidaritäts- und Sympathiekundgebung der Tour-Mitglieder zu bieten. Mehr als 50 liebenswert verfasste Kurznachrichten hatte der Veranstalter bis Dienstag Nachmittag auf seinem Handy empfangen, teils mit einem kurzen aber vielsagenden Statement, andererseits wieder mit emotional verfassten Texten, die deutlich machen, mit welcher Hingabe und welchem Engagement viele Spieler auf “ihrer Hobby-Tennis-Tour” Sport treiben und ihre Freizeit verbringen. Es war natürlich ehrenvoll zu lesen, welchen Stellenwert das Projekt HTT für viele Spieler darstellt, gleichzeitig aber auch beklemmend zur Kenntnis zu nehmen, was sich für das Gros der Akteure ändern würde, wenn es zum Ende der Hobby-Tennis-Tour kommen sollte. In diese Kerbe schlug am Montag Abend in einem ausführlichen Gespräch auch Nihad Berzengi. Der 23jährige ist mit 144 Turnierteilnahmen trotz seiner Jugend nicht nur die Nummer 7 der Ewigen Bestenliste in Sachen “Turnierstarts” und obwohl zuletzt permanent abwesend ein Kenner der Szene, sondern er gilt vorallem als enger Vertrauter des Veranstalters und als einer wenigen, der den Tour-Organisator wirklich sehr gut kennt.

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Mahnende Worte von Veranstalter-Intimus Nihad Berzengi

In der aktuellen Szene gilt Berzengi vielleicht als “Luftikus”, dem man kaum ernsthafte Gespräche oder Analysen zu einem ernsteren Thema zutraut. Am Montag Abend freilich widerlegte der 23jährige wieder einmal dieses vorherrschende Vorurteil, und richtete in einem längeren, vertraulichen Gespräch mahnende Worte an den Veranstalter. “Die Sorgen und Ängste der Hobby-Tennis-Spieler seien ernst zu nehmen und absolut nachvollziehbar. Da geht für manchen Tourspieler mehr als nur das wöchentliche Turniertennis verloren. Ich kann mich da absolut hineinversetzen. Ich bin zwar aktuell nicht so oft auf der Tour im Einsatz, aber ich war früher jede Woche auf der HTT am Start. Und wäre die Hobby-Tennis-Tour damals von einem Tag auf den anderen zu Ende gewesen, wäre für mich eine Welt zusammengebrochen. Ich habe viele meiner sozialen Kontakte hier geknüpft, und für mich gab es kein Alternativprogramm am Wochenende. Für mich stand schon am Sonntag Abend fest, was ich ab nächsten Freitag mit großer Vorfreude wieder tun werde. Von daher muss sich der Veranstalter schon seiner Verantwortung bewusst sein”, so Berzengi.

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Flammender Milabersky-Appell an amtsmüden Tour-Veranstalter

Ähnlich argumentierte am Dienstag Nachmittag auch Donaufeld-Obmann Gerald Milabersky. “Ich sage das in aller Deutlichkeit und auch auf die Gefahr hin, dass es der Tour-Veranstalter nicht hören mag. Es ist an der Zeit, die Störenfriede abzumahnen und nötigenfalls auszuschließen. Und der Tour-Organisator muss sich auch der Verantwortung stellen, die mit dem Wachstum der Hobby-Tennis-Tour gleichzeitig entstanden ist. In seiner Position kann er nicht nach Lust und Laune “hinschmeißen” wann immer es ihm beliebt. Die Tour ist – und ich weiß das aus persönlichen Erfahrungen – für viele Leute zu einer Art Zweitfamilie geworden, und zu einer wichtigen sozialen Institution herangewachsen. Die HTT ist mittlerweile in der Tennisszene eine Marke, und auch wirtschaftlich für das Tennis in Wien eine wichtige Komponente. Aus meiner Sicht muss sich die Hobby-Tennis-Tour neu aufstellen, einen Leidfaden anbieten, den Kalender für 2014 überdenken, und sich von den Störenfrieden trennen. Sich wohlfühlende Akteure sind notwendig für ein gut funktionierendes Produkt, und das war die Hobby-Tennis-Tour immer”, so Milabersky wenige Tage vor seinem Heimturnier beim RMB TILE CUP 2013.