Olympiasiegerin Ines Kreilinger “erstürmt” sich historisches US-Open-Viertelfinal-Match

Terra-Rossa-Lady Katharina Kothmayer hat beim Juli-Future-Turnier vor sieben Wochen als insgesamt erst vierte Dame der Open Ära den sechsten Frauen-Titel der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte fixiert, doch für die sportlichen Highlights aus weiblicher Sicht zeichnete am vergangenen Sonntag einmal mehr Olympiasiegerin Ines Kreilinger verantwortlich. Die 23jährige aus Mining zauberte mit exzellenter Hartplatz-Performance eine Tennis-Gala vom Feinsten auf den Grand-Stand des Tennispoint Südstadt, und sorgte mit zwei glatten Erfolgen über die teils höher eingeschätzte männliche Konkurrenz für die zweite Grand-Slam-Viertelfinal-Teilnahme einer Frau in der 22jährigen Major-Geschichte. Ein Bericht von C.L

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Olympiasiegerin Ines Kreilinger steht zum zweiten Mal in ihrer HTT-Karriere in einem Grand-Slam-Viertelfinale und hat nun die historische Chance, als erste Frau ein Major-Semifinale zu erreichen

Olympiasiegerin Ines Kreilinger hat am Sonntag Nachmittag ihre aktuelle Hochform und Vorliebe für Tennis auf Hartplatz eindrucksvoll unter Beweis gestellt, und zum zweiten Mal in ihrer Karriere das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers erreicht. Vor der sich nun bietenden historischen Chance auf den ersten weiblichen Semifinaleinzug der Tour-Historie, zeigten sich selbst die ursprünglich eher skeptischen HTT-Insider nun vorsichtig optimistisch. Denn der gewaltige Doppelpack-Auftritt der jungen Oberösterreicherin verblüffte selbst die größten Kreilinger-Kritiker. Den Quali-Sieg vom Samstag gegen Thomas Peyerl wollten Szene-Kenner noch nicht überbewertet wissen, von einem Höhenflug noch nicht sprechen, zumal in Runde 1 des Hauptbewerbs das “Hass-Duell” mit Intimfeind Martin Kova auf dem Programm stand, und die 2fache HTT-Championesse mental nicht unbedingt “Premium-Klasse” darstellt. Wenn ihr Umfeld nicht “rosarot” erstrahlt, dann ist die charismatische Ex-Top-Ten-Spielerin auch schon mal schwer gefährdet, eine Partie auszuschütten. Zuletzt gesehen in Kitzbühel, wo Kreilinger im Achtelfinale aufgebracht und völlig desillusioniert gegen Jungstar Stefan Kraberger in ein 0:6, 0:6 Debakel schlitterte.

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Martin Kova mit seinem bereits 16. US-Open-Start, und was sich im Leben von “Klein-Ines” bei Kovas September-Grand-Slam-Debüt im Jahr 1997 so ereignete

Und mit erwähntem Martin Kova hatte die Power-Lady aus Mining einen ganz gefährlichen Auftaktgegner zu bekämpfen. Weniger aus spielerischer Sichtweise, als vielmehr in Sachen Routine und mentaler Hinsicht. Kein Spieler im Tourzirkus kann nämlich auf mehr Erfahrung bei den US-Open der HTT zurückgreifen und verweisen als Martin Kova. Der 30jährige absolvierte am Sonntag sein 16. September-Grand-Slam-Turnier, und glänzte seit seinem Tour-Debüt im Jahre 1997 nur ein einziges Mal in der Saison 2009 durch Abwesenheit bei den US-Open. 6 Mal erreichte der 30fache Titelträger hier das Finale, zuletzt 2010 gegen Fabian Mayrhuber, als er im Halbfinale sensationeller Weise  Kiss-Bezwinger Christoph Straninger düpierte. Begleitet wurde der 16. Kova-Auftritt beim letzten Major des Jahres durch einige statistische Jubiläums-Zahlen, wie seinem 220. Karriere-Turnier, seinem 145. Grand-Slam-Einzel-Match oder dem möglichen 380. Einzelsieg seiner Karriere. Als Kova 1997 sein US-Open-Debüt feierte, war seine Gegnerin mit niedlichen 7 Jahren gerade mit geschulterter rosa Diddlmaus-Schultasche zur Schule unterwegs, in Sachen Tennis aber längst ein ganz große Nummer. Immerhin war das Ausnahmetalent in ihren Jahrgängen österreichweit ohne Konkurrenz und sogar zum Training bei Österreichs bestem Tennisspieler aller Zeiten Thomas Muster geladen!

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Kova & Kreilinger – wahrlich keine Kinder von Traurigkeit, und was die beiden “Enfant Terribles” an Gemeinsamkeiten vereint

Vor exakt zwei Jahren – ebenfalls in Runde 1 des September-Grand-Slam-Turniers – gab es ja schon einmal das Duell Kova vs. Kreilinger, und von diesem Match rühren auch die Ressentiments der beiden Tourstars füreinander her. Kova und Kreilinger, zwei echte “Enfant Terribles” und wahrlich keine Kinder von Traurigkeit. Wenn die beiden “K’s” auf den Centercourts dieser Stadt um Siege und Punkte fighten, dann geht es oftmals auch schon recht heiß her, und selbst Skandale sind – oder waren – dann keine Seltenheit. Denn so verschieden die beiden charismatischen HTT-Stars sonst auch sind, so gibt es doch einige Parallelen. Große Erfolge zieren die beiden sportlichen Visitenkarten von Kova & Kreilinger, wobei die Zahl “6” eine große Rolle spielt. Kreilinger eroberte erst kürzlich ihren 6. Olympiasieg, und Kova ist mit 6 Grand-Slam-Titeln immer noch der dritterfolgreichste Spieler der gesamten Major-Geschichte. Auch abseits der Courts gibt es eine spannende Gemeinsamkeit! Beide Akteure waren in ihrer Tour-Karriere nebst einigen Skandalen auch schon einmal mit einer HTT-Sperre belegt. Kova hatte im Frühjahr 2004 solange mit üblen Mätzchen gegen die Konkurrenz über die Strenge geschlagen, bis er vom HTT-Organisator für 5 Turniere gesperrt wurde. Erst eine Intervention einer Kova nahestehenden Person sorgte für eine Reduzierung auf 3 Bewerbe und die Rückkehr des geläuterten Exzentrikers. Insider wollen freilich wissen, dass Kova seit dieser ihm doch recht nahe gegangenen Sperre nie wieder der selbe aggressive Tennisspieler war. War Kova zu Beginn des Jahrtausends der Inbegriff des immer wieder im Brennpunkt stehenden Skandalboys, hatte in den letzten zwei Jahren Ines Kreilinger diese Rolle übernommen. Und auch die Oberösterreicherin hatte sich im letzten Oktober nach einem persönlichen Krach mit dem Tour-Veranstalter eine mehrmonatige Sperre eingehandelt.

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Wie Kreilinger im Hass-Duell mit dem ungeliebten Gegner vor der Nase zu einer sensationellen Hartplatz-Gala ansetzte

“Er wird auch diesmal keine Chance haben”, mit diesen Worten hatte sich Kreilinger am Samstag Nachmittag nach ihrem überlegenen Quali-Sieg über Thomas Peyerl für das Erstrunden-Hass-Duell mit Martin Kova eingestimmt. Und das es kein gewöhnliches Auftakt-Duell war, dokumentierte schon der Einmarsch der beiden Gladiatoren. Grußlos betraten sie den Grand Stand, würdigten sich vor der Einspielphase keines Blickes, und erzeugten so eine richtig spannungsgeladene Atmosphäre im Tennispoint Südstadt. Wie “Hund & Katz”, beurteilten einige Zaungäste die Szenerie auf dem 2er-Platz. Die Antipathie war deutlich spürbar, befand auch Kreilinger-Freund Patrick Wimmer. In unschuldigem Weiss trat die Olympiasiegerin dann an, und demonstrierte in sportlich höchst imposanter Weise, dass mir ihr nicht nur abseits des Platzes an manchen Tagen nicht gut Kirschen essen ist. Den ungeliebten Gegner vor der Nase, hämmerte die 23jährige die kleinen gelben Filzkugeln in selten gesehener Qualität übers Netz, und zertrümmerte mit präziser und explosiver Grundlinien-Power die Hoffnungen Kovas auf den 14. US-Open-Achtelfinal-Einzug seiner Karriere. In knapp über einer Stunde fegte die 2fache Turniersiegerin über den US-Open-Champion von 2003 mit 6:1, 6:4 hinweg, fügte dem 30jährigen die insgesamt erst dritten US-Open-Erstrunden-Niederlage seiner Laufbahn zu, und prolongierte ihrerseits die eigene Major-Bilanz bei Erstrunden-Matches auf 5:0.

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Kreilinger demontiert im US-Open-Achtelfinale mit unglaublicher Power & Präzision den viel höher eingeschätzten Paul Ganglberger in zwei Sätzen

Am Ende gab es dann sogar mehr als nur ein Shakehands! Die beiden Kontrahenten wechselten ein paar Sätze miteinander, und einigten sich darauf, den Zwist der Vergangenheit zu begraben, und künfitg einen Umgang wie zwei Normalos pflegen zu wollen. Eineinhalb Stunden später staunte die Hobby-Tennis-Tour-Welt dann aber über den nächsten genialen Auftritt der 6fachen Olympiasiegerin. Kreilinger musste im Achtelfinale gegen den weitaus höher eingeschätzten Landsmann Paul Ganglberger ran. Der Oberösterreicher gilt in der Szene als einer der ganz starken Spieler, der an einem guten Tag und vorallem auf roter Asche, jeden Gegner im Circuit gefährlich werden kann. Damit hatte er bei vielen Mitspielern den Favoritenstatus im “battle of sexes” mit seiner oberösterreichischen Landsfrau inne, zumal er am Vortag auch den Vorjahressieger klar eliminiert hatte. Wer aber freilich am Samstag Abend im Duell mit Christoph Kramer genau hinsah, der bemerkte alsbald, dass sich Ganglberger auf “hartem Untergrund” keineswegs so geschmeidig, leichtfüssig und vorallem erfolgreich bewegt wie auf Sand. Ganz anders wirkte da schon das Tennis seiner Gegnerin, die auf Hartplatz “groß geworden” ist, und Hardcourt ganz klar zu ihrem Lieblingsbelag auserkoren hat. Kreilinger flog förmlich über den Grand Stand, sie wirbelte mit unglaublicher Dynamik und Präszision die HTT-Männerwelt durcheinander, und nahm einen Hochkaräter wie Ganglberger schlichtweg auseinander. Einem noch recht engen und ausgeglichenen ersten Satz, ließ Kreilinger “ganz großes Kino” folgen, und stürmte in atemberaubender Manier zum zweiten Mal in ihrer Karriere ins Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Damit stellte die bald 24jährige ihren eigenen Ladies-Rekord aus dem Jahre 2011 ein, und erspielte sich die große historische Chance, am Tag darauf gegen Mathias Wagner als erste Frau der Geschichte ein Grand-Slam-Semifinale zu erreichen.

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Deutschlands Nr. 2 sorgt am dritten US-Open-Spieltag für einen Skandal

Was tat sich sonst noch am dritten US-Open-Spieltag? Mathias Wagner qualifizierte sich mit einem 6:1, 6:4 Erfolg über Alexander Walter für das Viertelfinale. Ebenfalls unter die Top 8 des letzten Grand-Slam-Turniers des Jahres schaffte es Wagners Vereinskollege Patrick Joksch, der Florian Urach beim 6:2, 6:1 beherrschte, und auch im Viertelfinale gegen Kitzbühel-Sieger Damian Roman aus Rumänien gute Figur machte. Der rumänische Shooting-Star erreichte aber letztlich mit 6:1 ,7:5 als erster Spieler das Semifinale, wo er auf den an Nummer 2 gesetzten Renee Glatzl treffen wird. Der Ex-Terra-Rossa-Jungstar enttäuschte auf dem Weg in die Vorschluss-Runde allerdings gewaltig, und hatte durchaus auch das nötige Glück auf seiner Seite. Weil Achtelfinal-Gegner und Freund Filip Markovic bei einer 1:0 Führung im dritten Satz aufgeben musste, durfte sich Glatzl im Viertelfinale mit Baumann-Bezwinger Alexander Scheller messen, doch der 2fache Saisonsieger kam direkt vom Strandurlaub und wirkte auf den Hartplätzen zu “relaxt”, um einen fehlerhaft spielenden Glatzl aus dem Bewerb werfen zu können. Für den Skandal des Tages sorgte schließlich noch Deutschlands Nummer 2 David Hühne. Weil er im Vorjahr vom Veranstalter in Runde 1 gegen Peter Baumann noch zu später Stunde auf den Platz geschickt wurde, und im Anschluss das wegen Dunkelheit unterbrochene Match wütend w.o. gab, schwor der Singener für dieses Jahr Rache. Um 16:30 Uhr trat der 33jährige Germane zum Erstrunden-Match gegen Quali-Sieger Michael Pichler an, für 18:30 Uhr war das Achtelfinale gegen Fabian Mayrhuber geplant, doch schon während des Duells mit Pichler kündigte Hühne immer wieder verbal an, dass diese Partie nie und nimmer rechtzeitig fertig werden würde, und das Match gegen Mayrhuber nicht zeitgemäß stattfinden wird können. Und dann setzte der mit Revanchegelüsten an den Start gegangene Hühne seine Ankündigungen in die Tat um. Er spielte sich solange aufreizend mit seinem Gegner und der Zeit, bis es 19:15 Uhr war, und der wolkenverhangene Himmel die Sicht am Centercourt massiv einschränkte. Zudem begann es dann auch noch zu regnen, sodass Fabian Mayrhuber den Weg nach Maria Enzersdorf umsonst angetreten hatte. Vielen Danke Hr. Hühne!

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