Historisches Erstrunden-Aus von US-Open-Titelverteidiger Christoph Kramer

Mit einer gleichsam bitteren wie historischen Niederlage endete am Samstag Nachmittag gleich das erste Antreten von Christoph Kramer als US-Open-Titelverteidiger beim letzten Grand-Sam-Turnier des Jahres. Der Vorjahres-Champion unterlag im Auftaktmatch zur “Mission Titelverteidigung” dem dreifachen oberösterreichischen Saison-Viertelfinalisten Paul Ganglberger deutlichst mit 2:6, 2:6, und kassierte damit eine Startpleite mit empfindlichen Folgen. Denn der an Nr. 3 gereihte Leopoldsdorfer büßt mit seinem frühzeitigen Scheitern nicht weniger als 1.910 seiner im Vorjahr errungenen 2.000 Punkte im nächsten Entry-Ranking ein. Damit verbunden dürfte der Absturz aus den Top Ten sein, der neben Prestige und Renommee natürlich vorallem gute Setzungen bei den wichtigen Grand-Slam-Turnieren und Freilose bei den anderen großen Events im Circuit kostet. Eine bittere Pille für Kramer, der erstmals nach 269 ununterbrochenen Wochen in den Top Ten den Status “Top-10-Star” verlieren wird. Ein Bericht von C.L

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Vorjahressieger Christoph Kramer mit Lospech und nach 269 Wochen Top-Ten vor dem Abschied aus der Elite-Liga

Hatte der Ranglisten-Vierte Christoph Kramer im letzten Jahr noch das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite, und mit einem kampflosen Finalsieg über Lukas Planteu den Titel des US-Open-Siegers der Hobby-Tennis-Tour geerbt, hatte Glücksgöttin Fortuna 52 Wochen später weniger Einsehen mit dem angreisten Titelverteidiger. Das Los bescherte dem 30jährigen mit Paul Ganglberger zwar einen unerfahrenen Hartplatz-Debütanten, doch als Aufwärmübung oder gar gemütlichen Anlauf für einen neuerlichen Triumph war der 31jährige Oberösterreicher nicht der geeignete Auftakt-Gegner. Dazu kam die Negativerfahrung vom April 2012, als Kramer im ersten direkten Duell mit Ganglberger erhebliche Probleme hatte, und beim 2:6, 1:6 im Achtelfinale des April-HTT-500-Turniers keine gute Figur abgab. Und ganz ehrlich: Auch wenn sich Kramer im letzten Jahr durch seinen unerwarteten US-Open-Triumph in die Geschichtsbücher der Grand-Slam-Historie eintragen konnte, so würde niemand im Tour-Zirkus auf die Idee kommen, den 30jährigen Niederösterreicher als Hartplatz-Experten einzustufen. Bei sieben US-Open-Starts in der Vergangenheit fand Kramer gleich vier Mal schon in Runde 1 seinen Meister, und damit kam das heurige Aus nicht wirklich unerwartet. Zumal sich die Auftaktpleite auch exakt in Kramers US-Open-Karriere-Bilanz seit 2008 einreihen läßt. Mit schöner Regelmäßigkeit wechseln die Resultate des Leopoldsdorfers von “ansehnlich bis desasrös”. 2008 realisierte Kramer mit dem Viertelfinaleinzug sein bis dahin bestes US-Open-Ergebnis, ehe er 2009 von Josef Herman am Centercourt regelrecht vorgeführt und demontiert wurde. 2010 schaffte es der damals 27jährige wieder bis ins Viertelfinale, wo der spätere Finalist Martin Kova zum Spielverderber wurde. 2011 floppte Kramer dann gegen Rainer Stolz in Runde 1, ehe er im Vorjahr zum größten Erfolg seiner seit 1997 laufenden Karriere ansetzte.

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Kramer gegen Ganglberger mit historischer Erstrunden-Niederlage: Noch nie hat ein US-Open-Champion im Jahr darauf in Runde 1 verloren

Seither freilich war Kramer auf Major-Ebene nicht mehr konkurrenzfähig. Mit dem Aus in Runde 1 gegen Paul Ganglberger beendete der frühzeitig entthronte Titelverteidiger die Grand-Slam-Saison 2013 ohne einen einzigen Sieg bei einem der vier Majors. Das ist dem 30jährigen Niederösterreicher in seiner langen und außergwöhnlichen Karriere nur ein einziges Mal passiert, und zwar im Jahr 2006, als er bei den “Australian Open” in Runde 1 von Christian Leiner mit 6:2, 6:4 besiegt wurde, bei den “French Open” durch Abwesenheit glänzte, in “Wimbledon” von Andreas Harbarth im Auftaktmatch mit 6:2, 6:0 vorgeführt wurde, und bei den “US Open” gleich im ersten Spiel an Tashi Liu scheiterte. Und noch einen – noch dazu historischen – Aspekt brachte die aktuelle September-Grand-Slam-Auftaktpleite vom Samstag Nachmittag gegen Paul Ganglberger mit sich. Kramer ist der erste US-Open-Champion der Hobby-Tennis-Tour, der in der langen Geschichte dieses Turniers als amtierender Titelverteidiger im Jahr darauf in Runde 1 die Segel streichen musste.

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Der HTT-French-Open-Champion und der Kitzbühel-Sieger liefern sich im Achtelfinale eine heiße und 3:19 Stunden dauernden Tennis-Schlacht

Neben dem tourhistorischen Auftakt-Crash von Christoph Kramer, stand der zweite Spieltag bei den 22. US-Open der Hobby-Tennis-Tour natürlich ganz im Zeichen des Achtelfinal-Schlagerspieles zwischen dem an Nummer 4 gesetzten French-Open-Champion Peter Klager und dem rumänischen Kitzbühel-Sieger Damian Roman. Für viele Experten war es bereits das vorweggenommene Endspiel, für manche Insider gar das eigentliche Traumfinale des letzten Major-Turniers des Jahres. Doch die Auslosung spielte da nicht mit, und so bekam man als Fan der Hobby-Tennis-Tour bereits im Achtelfinale des 61. Saison-Events einen Tennisleckerbissen angeboten. Klager und Roman lieferten sich nach einer eher vorsichtigen Anfangsphase einen heißen Nachmittag, der insgesamt 3:19 Stunden dauerte, und in drei dramatischen Sätzen seinen Höhepunkt fand. Ein ums andere Mal begeisterten die beiden HTT-Topstars mit phantastischen Ballwechseln, glänzten immer wieder mit Kostproben ihres außergewöhnlichen Könnens, und hatten vorallem auch körperlich die letzten Reserven abzurufen.

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Klager läßt in den Sätzen 2 und 3 jeweils Breakchancen zum 4:1 ungenützt

Es entwickelte sich ein Schlagabtausch auf höchstem Niveau, in dem Klager wie immer seine beinahe unfassbaren Möglichkeiten in Sachen Lauf- und Beinarbeit ausspielte. Was immer Roman auch an gnadenlosen Grundlinienschlägen in die Ecken des Centercourts hämmerte, Klager war dort und spielte den kleinen gelben Filz durchaus auch noch aus der Defensive heraus effizient zurück. Roman wirkte stabiler, sicherer und von der Grundlinie aus konstanter als Klager, und dennoch war es der French-Open-Champion der HTT, der diesen Achtelfinal-Hit der Giganten für sich hätte entscheiden müssen. Klager führte 7:5, 3:1, als er bei Aufschlag des rumänischen Kitzbühel-Triumphators und 15:40 zwei vorentscheidende Breakchancen zum 4:1 vorfand. Das wäre wohl der Aufstieg ins Viertelfinale für Klager gewesen, denn ein Spieler seiner Klasse läßt sich im Normalfall so eine Führung nicht mehr nehmen. Doch just in den wichtigen Augenblicken verjuxte Klager am Return seine Break-Möglichkeiten, und so kam Roman mit 7:5 zum Satzausgleich und zurück ins Aufstiegsrennen. Im dritten Satz dann das selbe Spiel nochmal! Wieder hat Klager bei 3:1 und Aufschlag Roman eine Break-Gelegenheit, wobei ihm diesmal kein Vorwurf zu machen ist. Sein rumänischer Kontrahent feuerte einen Service-Winner aus dem Handgelenk, und bereinigte damit die wirklich brenzlige Situation aus seiner Sicht. Belohnt wurde die zweimalige Aufholjagd schließlich mit dem 5:7, 7:5, 6:4 Erfolg, womit Peter Klager erstmals in seiner noch jungen Karriere vor dem Finale verlor. “Schade, der Sieg war durchaus möglich, aber ich habe vorallem im Finish die Anstrengungen des gestrigen Tages gespürt. Immerhin habe ich im Achtelfinale des Masters-Series-1000-Turniers auf Donaufeld auch drei Stunden gespielt, ehe ich den Mathias Wagner besiegt hatte”, äußerte sich Klager, der damit wohl auch die einmalige Chance ausließ, sich und seinen Top-Ten-Kollegen den rumänischen Shooting-Star in Sachen Masters-Quali vom Leib zu halten.

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