Jungstar Patrick Joksch schießt Ex-Grand-Slam-Sieger Michael Kunz aus dem Bewerb

Ein hoch dramatischer und über weite Strecken recht hochklassiger Achtelfinalschlager, der gut und gerne auch als vorweggenommenes Finale hätte durchgehen können, und die historische Erstrundenniederlage eines enttäuschend auftretenden Titelverteidigers, das sind kurz zusammengefasst die sportlichen Highlights des zweiten Spieltages beim 22. September-Grand-Slam-Turnier 2013 im Tennispoint Südstadt. Ein Bericht von C.L

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Vorjahres-Semifinalist Clemens Beywinkler scheitert in drei Sätzen an Serbiens Jungstar Filip Markovic und erstmals überhaupt in seiner Karriere in Runde 1 der US-Open

Herrliches Spätsommerwetter am letzten August-Tag, endlich waren die feucht-kühlen Bedingungen der letzten Turnierwoche vergessen, und endlich bekam man auch die besten Spieler der Hobby-Tennis-Tour auf den beiden frisch verlegten Hardcourts in Maria Enzersdorf zu sehen. Am Centercourt eröffnete BMTC-Star und Vorjahresfinalist Clemens Beywinkler gegen Serbiens Jungstar Filip Markovic das höchst attraktive Tagesprogramm, und der 24jährige patzte mit einem 5:7, 6:2, 2:6 erstmals überhaupt in seiner Karriere in Runde 1 der US-Open. Der junge Niederösterreicher, der im vergangenen Jahr noch im Viertelfinale Mario Kiss deklassierte und erst im Halbfinale nach einer grottenschlechten Darbietung am späteren Champion Christoph Kramer scheiterte, war am frühen Samstag Vormittag nicht wach genug, um Markovic bei dessen 20. Turnierstart am motivert angepeilten Achtelfinaleinzug zu hindern. Der erreichte Aufstieg in Runde 2 garantierte dem 19jährigen Mai-Masters-Series-1000-Finalisten nämlich das erhoffte Duell mit Freund und Trainingspartner Renee Glatzl.

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Lokalmatador Markus Hobiger enttäuscht in Runde 1 gegen Deutschlands Nummer 3 Jan-Philip Toader auf allen Linien

Am benachbarten Grand Stand versuchte sich derweil Lokalmatador Markus Hobiger im Duell mit Deutschlands Nr. 3 Jan-Philip Toader und beim letztlich untauglichen Versuch, beim sechsten US-Open-Start seiner Laufbahn, zum vierten Mal das Achtelfinale zu erreichen. Doch vom Aufstieg in die zweite Runde – so wie er das 2008, 2009 und 2011 bewerkstelligte – war der 36jährige Guntramsdorfer weiter entfernt denn je. Hobiger stand im Treffen mit dem frisch gebackenen Juli-HTT-150-Champion aus Düsseldorf vom ersten Ballwechsel an auf verlorenem Posten, und war am Ende mit 2:6 ,3:6 noch recht gut bedient. An der Grundlinie extrem unbeweglich, dazu ideenlos was sein Spiel betrifft, kassierte Hobiger die dritte Erstrunden-Niederlage in Folge und prolongierte obendrein seine persönliche Negativ-Bilanz bei Grand-Slam-Turnieren. Es bleibt dabei, der Niederösterreicher ist bei seinen 23 bisherigen Major-Starts noch nie über das Achtelfinale hinausgekommen. Und noch eine interessante Statistik gilt es rund um den charismatischen Guntramsdorfer zu erwähnen. Weil “Hobi” heuer im Sommer dem “Wimbledon-Turnier der HTT” einen Korb gab, versäumte er erstmals überhaupt in seiner Karriere ein Grand-Slam-Turnier. “Das war nicht unbedingt eines meiner schlechtesten Matches auf der Hobby-Tennis-Tour, nur mit meiner Aufschlagleistung bin ich extrem unzufrieden, denn die war schlichtweg eine Katastrophe”, übte sich die Nummer 24 der HTT-Computer-Rangliste in Selbstkritik.

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Der Quali-Schock: Terra-Rossa-Star Thomas Peyerl wird von der beinahe fehlerlos spielenden Olympiasiegerin Ines Kreilinger mit 0:6, 2:6 vermöbelt

Eine viel zu spät abgegebene Nennung, ein Kulanzakt des Veranstalters, und schon war das Trio Patrick Wimmer, Ivan Zaric und Ines Kreilinger mit einer nachträglichen US-Open-Starterlaubnis versehen. Sehr zum Leidwesen von Terra-Rossa-Star Thomas Peyerl, der die “last minute Nennung” weit nach “sign in” ausbaden musste. Und das in doppelt bitterer Hinsicht, denn der Challenger-Tour-Final-Champ wurde nicht nur in die Qualifiaktion zurückgereiht, sondern zu allem Überdruss auch noch mit Olympiasiegerin Ines Kreilinger als Gegnerin zwangsbeglückt. Zwar nahm Peyerl in gewohnt lockerer Art und mit heiterem Gemüt das Horrorlos zur Kenntnis und das unerwartete Treffen mit der 2fachen Olympiasiegerin von WAT Landstrasse als sportliche Herausforderung wahr, doch in Wirklichkeit hatte der Terra-Rossa-Star damit schon vor dem ersten Aufschlag die Hoffnung aufgegeben, seine sich katastrophal lesende US-Open-Bilanz aufzubessern. 2007 flog er zum Auftakt gegen Bernhard Nagl aus dem Bewerb, 2008 war Norbert Heuberger zum Start eine Nummer zu groß, und so ließ Peyerl gleich ganze fünf Jahre ins Land ziehen, ehe er sich heuer wieder auf die Hardcourts im Tennispoint Südstadt getraute. Er hätte getrost noch ein Jahr der Abstinenz dranhängen können, denn der Ausflug nach Maria Enzersdorf lohnte sich nicht im Entferntesten. Beim 0:6, 2:6 entpuppte sich Kreilinger als unbezwingbare Championesse, die mit gezeigter Hartplatz-Performance auch noch ganz anderen Gegnern an diesem Wochenende Schwierigkeiten bereiten könnte. “Meine Vorhand ist wieder da, und ich liebe diesen Belag” stellte die 23jährige nach einer beinahe fehlerlosen Quali-Vorstellung fest.

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“Ich bin zu dumm für diesen Sport” – Patrick Wimmer kommentiert sein unnötiges Quali-Aus gegen Michael Pichler mit Ironie

“Ich bin zu dumm für diesen Sport”, stellte derweil Kreilingers Freund Patrick Wimmer nach verlorener Quali-Schlacht gegen Michael Pichler fest. Der Olympia-Silbermedaillengewinner im Doppel hatte den ersten Satz nach 3:5 Rückstand noch mit 7:5 für sich entschieden, und sein Hartplatz-Debüt scheinbar sicher im Griff. Solange, bis ihn ein vermeintlich belangloses Break beim gar nicht entscheidenden Stand von 2:2 aus der Fassung und auf die Verliererstrasse brachte. Hadernd, fluchend, und die Konzentration vollends verlierend, crashte Wimmer danach in ein US-Open-Quali-Debakel der unnötigsten Art. Das steirische Gegenüber war spielerisch um gar nichts besser, mental aber Klassen stärker als die Nummer 89 der HTT-Rangliste. “Ein Break hat mich total aus der Bahn geworfen”, zeigte sich Wimmer im Anschluss fassungslos, während sich Pichler auf ein Duell mit Deutschlands Nummer 2 David Hühne freuen darf. Den letzten Platz im Hauptbewerb der 22. HTT-US-Open sicherte sich schließlich noch Lukas Lachnit, der Ivan Zaric überraschend deutlich mit 6:2, 6:0 deklassierte.

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HTT-French-Open-Champion Peter Klager und Kitzbühel-Sieger Damian Roman wärmen sich gegen Thomas Dewald und Jürgen Buchhammer für Achtelfinal-Schlager auf

Den Charakter eines “warm ups” hatten auch die beiden Erstrunden-Begegnungen von Kitzbühel-Sieger Damian Roman und HTT-French-Open-Champion Peter Klager. Die Gegner waren überfordert, der individuellen Klasse der beiden Tour-Stars hoffnungslos ausgeliefert und mit nur einem Ehrengame richtig brutal abgefertigt. Das Qualifikant und Dogandzic-Bezwinger Thomas Dewald gegen den rumänischen Grand-Slam-Debütanten Damian Roman über die Rolle eines Statisten nicht hinauskommen würde, war erwartet worden. Das sich aber der 2fache HTT-250-Saisonsieger Thomas Buchhammer gegen den an Nummer 4 gesetzten Peter Klager derart armselig präsentieren würde, kam dann auch für langjährige Szenekenner überraschend. Der 30jährige vom UTC La Ville baute nach einer tollen Wintersaison zuletzt rapide ab, und mit der dritten Erstrunden-Niederlage in Serie hat Buchhammer auch einen erheblichen Rückschlag in Sachen angepeilter Masters-Qualifikation erlitten. 90 Punkte für 1 Game sind zwar eine ordentliche Quote, sorgen aber in der inoffiziellen Jahreswertung eher für Stillstand als Fortschritt.

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Michael Kunz nach glatter Auftaktniederlage gegen Patrick Joksch im freien Fall

Einen schleichenden und aus seiner Sicht nicht wahrgenommenen Abwärtstrend hat in den letzten Wochen auch die Formkurve von Ex-Wimbledonsieger Michael Kunz genommen. Der 42jährige Niederösterreicher wurde am Samstag Nachmittag am Grand Stand in nicht einmal einer Stunde von einem der aufstrebenden Jungstars namens Patrick Joksch überlaufen, und konnte anschließend auf der Pressekonferenz gar nicht glauben, dass er mit dem 4:6, 1:6 Aus bereits die fünfte Auftaktpleite in Serie kassiert hatte. “Das gibts nicht, seit Wimbledon waren doch noch gar nicht so viele Turniere”, grollte der Deutsch Wagramer. Und ob, der 7fache Titelträger befindet sich nach einem grandios gespielten Frühjahr und einer passabel absolvierten Rasensaison aktuell im freien Fall. Dabei steht Kunz rankingtechnisch mit Platz 16 so gut wie schon Jahre nicht mehr da. Der momentane Top 20 Rang ließ den Wimbledon-Champion von 2008 zuletzt sogar von einer Masters-Teilnahme träumen, doch mit Leistungen wie jener vom Samstag Nachmittag werden die Masters-Ambitionen des 42jährigen auch Träume bleiben. Hüftsteif wankte Kunz im Duell mit dem quirligen und permanent Druck ausübenden Joksch über den Grand Stand, und handelte sich nebenbei auch noch eine weitere US-Open-Karriere-Schlappe ein. Der glatte Ausrutscher von 2013 reihte sich nahtlos in jene Pleitenserie ein, die Kunz beim letzten Major des Jahres seit 2008 begleitet. “Ich habe 3:1 geführt und stark angefangen. Leider habe ich dann nachgelassen, und so mein Ziel das Viertelfinale zu erreichen klar verfehlt”, zeigte sich Kunz enttäuscht.

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Quali-Sieger Patric Weidinger steht nach seinen Centercourt-Eskapaden erstmals in der Kritik

Was tat sich sonst noch am zweiten Spieltag des Hartplatz-Grand-Slam-Turniers? Alexander Walter hat sich mit einem ungefährdeten 6:1, 6:2 Erfolg über Thomas Löffelmann zum zweiten Mal in Folge für ein Grand-Slam-Achtelfinale qualifiziert. Dort trifft der 41jährige auf Mathias Wagner, der sich zu später Stunde die teils wahnwitzige Performance von Quali-Sieger Patric Weidinger aus nächster Nähe gab. Immer wieder flogen das Racket und das Käppi des 24jährigen über den Centercourt, und Wagner hatte wohl alle Mühe, sich das Lachen zu verkneifen. Indes könnte das äußerst extrovertierte Verhalten, dem Tourneuling bald zum Verhängnis werden. Die Art wie sich Weidinger auf dem Platz benimmt, ist zuletzt einigen Mitspielern, vorallem aber nicht zur Hobby-Tennis-Tour gehörenden Clubmitgliedern diverser Gastgebervereine sauer aufgestossen. Beim Tour-Newcomer aus Bruck klaffen halt zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch unendlich groß wirkende Lücken. Wie man sich als chancenloser Underdog in einem aussichtslosen Match mit einem der Tour-Kapazunder verhält, zeigte zur selben Zeit Tour-Oldie Karl Ader. Der 70jährige genoss seinen abendlichen Auftritt gegen den US-Open-Champion von 2010 Fabian Mayrhuber in vollen Zügen, und das gewonnene Ehrengame im ersten Satz gleich noch viel mehr. Im 50. Saisonmatch hatte Ader trotz Auftakt-Niederlage auch die 90 Ranglistenpunkte des Vorjahres verteidigt, und damit war der Donaufelder Seniors-Hero mit dem Auftritt beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres rundum glücklich.

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