Scheller-Triumph beim 16. Juli-HTT-250-Turnier im Sportcenter 23

Nur 5 Wochen nach seinem Sieg beim Juni-HTT-250-Turnier hat Alexander Scheller erneut auf 250er-Ebene zugeschlagen. Der 26jährige Wiener gewann am Donnerstag Nachmittag das Endspiel des Juli-HTT-250-Turniers im Sportcenter 23 gegen den topgesetzten Christoph Kramer in 1:47 Stunden mit 7:6, 6:2 und avancierte damit nach Ignacio Martin, Jürgen Buchhammer, Jan-Philip Hupasch, Vladimir Vukicevic, Peter Klager, Karl Ader und Thomas Löffelmann zum bereits achten Mehrfach-Champion der laufenden Saison. In einer Neuauflage des Juni-HTT-250-Finales prolongierte Scheller im dritten direkten Saisonduell mit Kramer seine Siegesserie bei HTT-250-Events und vollendete mit seinem 9. Einzelsieg in Serie ein brillant gespieltes Turnier ohne Satzverlust. Der unterlegene Christoph Kramer hatte hingegen nach 107 Minuten die einmalige Chance vertan, sich bei der 16. Auflage des Juli-HTT-250-Turniers als erster Spieler zum zweiten Mal in der Siegerliste des seit 1998 im Tourkalender etablierten Events zu verewigen. Ein Bericht von C.L

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Topgesetzter Christoph Kramer verpasst im 22. Tourfinale mit 65 unerzwungenen Fehlern den 12. Titel seiner Karriere

TWR-21-Star Alexander Scheller hat am Donnerstag Nachmittag die Nachfolge von Patrick Bayr als Juli-HTT-250-Champion angetreten, und sich mit dem dritten Titel seiner Karriere erstmals seit seinem Comeback im Februar 2013 unter den Top 40 der HTT-Computer-Rangliste etabliert. Der 7:6, 6:2 Finalerfolg des 26jährigen stand allerdings in einem lange Zeit recht ausgeglichenen Match auf der Kippe, ehe der neue HTT-250-Dominator Hand an die herrliche und in blau gehaltene Siegestrophäe legen konnte. Am Ende offenbarte die Match-Statistik von hobbytennistour.at mit 82:64 gewonnenen Punkten allerdings doch eine klare Überlegenheit Schellers, der im dritten direkten Duell mit Kramer aber vorallem von einer unfassbaren und untragbaren Fehlerlawine des Ranglisten-Dritten profitierte. 65 “unforced errors” waren aus Sicht des an Nummer 1 gesetzten Kramers am Ende einfach zu viel, um im 22. Endspiel seiner Laufbahn den 12. Titel davontragen zu können.

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Eine starke Vorhand reichte Scheller zum dritten Karriere-Titel auf der Hobby-Tennis-Tour

Keine Kabeltrommel, kein Strom und damit auch kein Live-Ticker, beinahe spartanisch und mit der guten alten “Stricherlliste” mussten am Donnerstag Nachmittag die statistischen Fakten des 43. Saisonfinales zusammengetragen werden. Kramers erwähnte Horrorbilanz von 65 selbst produzierten Fehlern hatte es sogar möglich gemacht, dass Scheller mit einem einzig funktionierenden Schlag – nämlich seiner Vorhand – zu Titelehren kommen konnte. 17 Mal krachte der Scheller’sche Paradeschlag unreturnierbar ins Feld seines Gegners, ansonsten blieb die Finalstatistik des 26jährigen Wieners leer. Und obwohl sich die Match-Bilanz des 2fachen Saisonsiegers recht einseitig liest, ortete Scheller eine durchaus zufriedenstellende Steigerung in Sachen variabler Spielgestaltung. “Darum spiele ich HTT-250-Turniere. Hier kann ich an meinem variablen Spiel arbeiten, und ein solches brauchst du auch, wenn du gegen die besten Spieler und die Top-Ten-Stars bei den großen Turnieren bestehen willst”, betonte Scheller, der eigentlich einen Traumstart in sein drittes Karriere-Finale erwischte.

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Nach ausgeglichenen 68 Minuten geht der erste Satz im Tie-Break an Alex Scheller

Ein frühes Break zum 2:0, drei Spielbälle zum 3:0, Scheller hätte es sich um so vieles leichter machen können an diesem sonnig warmen Sommertag beim Sportcenter 23. Parallelen zum letzten finalen Treffen der beiden Tourstars vor 5 Wochen im Endspiel des Juni-HTT-250-Turniers waren zu erkennen, als sich Scheller trotz früher 3:0 Führung zu einem knappen Dreisatzerfolg zitterte. Kramer hatte wieder einmal die Anfangsphase eines Finalgipfels verschlafen. Apropos verschlafen: Exakt vor 4 Jahren im Endspiel der 12. Juli-HTT-250-Auflage hatte Kramer “richtig verpennt”. Der damals 26jährige hatte nach einem Mittagsschläfchen, einem kaputten Wecker und einem Weckruf per Handy von der nervösen Mama exakt eine Stunde Verspätung, ehe er von Gnaden seines Finalgegners zum Titelgewinn rauschte. Diesmal war der Leopoldsdorfer zwar physisch anwesend, munter wirkte die Anfangsperformance des 30jährigen aber wahrlich nicht. 4 unerzwungene Vorhandfehler, drei Patzer von der Rückhand, und Kramer hatte sich quasi selbst mit 0:2 in Rückstand bugsiert. Nachdem Scheller aber in dritten Game des ersten Satzes wie schon erwähnt drei Spielbälle zur klaren 3:0 Führung ungenützt ließ, und Kramer mit seinem ersten Break zum 1:2 verkürzte, wurde nichts aus der Soloshow des späteren Siegers. Im Gegenteil: Mit zwei Doppelfehlern war der 26jährige urplötzlich den Vorteil des frühen Breaks wieder los, und auch ein weiterer Breakgewinn – noch dazu zu Null – zum 5:3 reichte Scheller vorerst nicht. Der Hühne-Bezwinger vom Halbfinale patzte ganz massiv beim Versuch, den ersten Satz auszuservieren. Und dann wurde es sogar noch richtig eng, denn plötzlich musste Scheller bei 5:5 und 15:40 zwei Kramer-Chancen zum 5:6 abwehren, und auch im entscheidenden Tie-Break bei 2:3 und zwei anstehenden Aufschlägen seines Gegenübers hellwach sein, um den Verlust von Durchgang 1 abzuwehren. Ein bombatischer Vorhand-Return bescherte Scheller das 3:3, während der geschockte Kramer just mit dem allerersten Doppelfehler zum 3:4 eine insgesamt acht Punkte dauernde Negativ-Serie einleitete. Damit war nach einer Stunde und acht Minuten der erste Satz im Tie-Break an Scheller gegangen, und auch das Eröffnungs-Game ging aus Kramer-Sicht zu Null verlustig.

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Kramer trauert im zweiten Satz vielen leichtfertig vergebenen Chancen nach

Die spannende Schlussphase des ersten Satzes hatte über das eher matte und enttäuschende Niveau des 16. Juli-HTT-250-Finales hinweggetäuscht, das auch im zweiten Heat nicht wirklich besser wurde. Eine Break-Orgie stand an, in der es beide Akteure verabsäumten, zahlreiche Gelegenheiten zu ihren Gunsten zu nutzen. So hatte Scheller drei Chancen zum 2:0 leichtfertig ausgelassen, Kramer ein 40:0 und insgesamt 5 Spielbälle zum 2:1 vergeben, und die Partie nach den ersten 5 Games in Durchgang 2 ebensoviele Breaks erlebt. Mit dem Service-Gewinn Schellers zum 4:2 war die Partie gelaufen, weil Kramer auch in seinem vierten und letzten Aufschlagspiel des zweiten Satzes gehörig patzte, und am Ende eine katastrophale Service-Leistung zu beklagen hatte. 62,5 % beim ersten Aufschlag nützen eben recht wenig, wenn man dann nur zu 35 % den Punkt macht. Und wenn man von 10 Aufschlagspielen nur 3 durchbringt und 7 Breaks kassiert, dann kannst du auch als Nummer 3 der HTT-Entry-List kein 250er-Finale gewinnen. Ein verzogener Vorhand-Passierball gegen den am Netz lauernden Gegner brachte schließlich beim Matchball die Entscheidung zugunsten Schellers, der sich danach im Interview erfreut zeigte:

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Alexander Scheller mit “variantenreichem” Tennis zufrieden und mit 9 Siegen in Serie auf dem Weg zum TC Donaufeld

“Dieser Erfolg freut mich sehr, mein zweiter Saisontitel taugt mir wahnsinnig. Wenn ich auf 250er-Ebene weiter Turniere gewinne, dann weiß ich, dass ich gut bin. Mit dem Christoph Kramer im Raster, und auf ihn erneut im Finale treffen zu dürfen, hat mir riesigen Spaß gemacht. Zu meiner Leistung heute möchte ich nichts sagen. Wenn du hier Fehler machst, wirst du nicht so brutal dafür bestraft wie bei den ganz großen Turnieren. Darum versuche ich, mir bei 250er-Turnieren für mein Tennis mehr Varianten anzueignen. Ich denke das ist mir im Vergleich zum letzten Finale gegen Kramer diesmal schon ganz gut gelungen”, äußerte sich Scheller, der nun als aktuelle Nr. 38 und mit der imposanten Erfolgsbilanz von 9 Einzelerfolgen in Serie zum Juli-HTT-500-Turnier “auf Donaufeld” anreist.

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Kramer nach seinem 265. Karriere-Turnier: “Es war wie in einem Film, bei dem du ständig auf die Replay-Taste drückst”

“Ein Finale zu erreichen ist immer schön, und ich kann mich auch als Top-Ten-Spieler noch über ein erreichtes Endspiel auf 250er-Ebene freuen”, erklärte Kramer, der sonst allerdings ein Spiel der vergebenen Chancen beklagte. “Im ersten Satz ist es relativ gut gegangen. Ich habe zwar die Anfangsphase wie immer verschlafen, aber danach vom Feeling her recht gut gespielt. Das ich letztlich den Tie-Break verloren habe, hat mich zwar ein bißchen geärgert, aber ich habe nicht daran gedacht, dass dieses Match schon verloren wäre. Leider habe ich im zweiten Durchgang viel zu viele Chancen ausgelassen. Ich musste eigentlich immer einem Rückstand hinterherlaufen, und als Scheller mir den Aufschlag zum 2:3 abgenommen hatte, war die Partie für mich gelaufen. Danach habe ich aufgesteckt. Irgendwie fehlte mir heute auch die Geduld, und im zweiten Satz war das für mich wie in einem Film, bei dem du auf die Replay-Taste drückst”, analysierte Kramer, der am vergangenen Wochenende sein 265. Karriere-Turnier absolviert hatte, und im Semifinale gegen Markus Eichleter den 280. Einzelsieg seiner Laufbahn feierte.

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Das Finale beim 16. Juli-HTT-250-Turnier in der totalen Statistik

Juli-HTT-250-Final-Statistik

Alexander SCHELLER

Christoph KRAMER

Vorhandfehler an der Grundlinie 16 21
Rückhandfehler an der Grundlinie 6 14
Fehler am Netz 6 2
Doppelfehler 6 4
Asse 0 3
Service-Winner 0 1
Vorhand-Winner 15 7
Rückhand-Winner 0 1
Volley 0 0
Smash 0 1
Stopp 0 2
Lob 0 0
Passierball-Vorhand 0 2
Passierball-Rückhand 0 2
Return 2 1
1. Aufschlag in Prozent 75,6 % 62,5 %
2. Aufschlag in Prozent 70,0 % 83,3 %
Punkte nach dem 1. Aufschlag 54,8 % 35,0 %
Breakchancen 8 9
Breaks 7 5
Punkte selbst erzielt 17 20
Punkte durch gegnerische Fehler 65 44
Punkte gesamt 82 64

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