Second-Series-Pilot geht an Athanasiadis

Nico Athanasiadis hat das erste Second-Series-Turnier gewonnen. Der gebürtige Argentinier holte sich am Mittwoch Nachmittag die Premieren-Veranstaltung der neuen Turnier-Reihe mit einem 6:2, 6:2 Finalsieg über Michael Holzer. Damit feierte Athanasiadis achteinhalb Monate nach seinem letzten Match auf der Tour mit seinem 1. Titel ein erfolgreiches Comeback. Auch im Doppelbewerb gab es neue Siegergesichter zu bestaunen. Thomas Windisch und Patrick Meinhart vollierten sich ohne Satzverlust zu ihrem ersten Turniersieg. Ein Kurzbericht von C.L

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“Mit winning ugly zum Titel”

Das bislang heißestes Turnier des Jahres wurde Beute eines gebürtigen Südamerikaners mit griechischen Wurzeln. Welch Überraschung sollte man meinen, wenn ein südlicher Typ eine wahre Hitzeschlacht für sich entscheidet. Doch Athanasiadis präsentierte sich beim Second-Series-Pilot alles andere als hitzeresistent. Zwar hielt er am Ende des tropisch anmutenden Turniers den Pokal für den Champion in Händen, erobert hat er diesen aber auf ganz andere Art und Weise. “Ich habe mir vor dem Turnier das Buch winning ugly von Brad Gilbert durchgelesen. Das hat mir sehr viel geholfen”, nannte Nico die Gründe für seinen Erfolg. Neben der mentalen Schiene fuhr der “siegreiche Gaucho” aber zudem auch noch die offensive Schiene. Mit ständigen Netzattacken sorgte er bei der wenig return-erprobten Gegnerschaft für Aufruhr. “Das war mit Sicherheit das Rezept zum Sieg. Ich habe bei jeder Gelegenheit den Weg ans Netz gesucht. Das hat die Konkurrenz nervös gemacht. Ich bin echt glücklich über meinen ersten Pokal. Im Vergleich zum letzten Jahr habe ich mich enorm gesteigert. Gegen einige meiner Gegner hier beim Second-Series hätte ich im Vorjahr noch verloren”, zog Athanasiadis eine erste Bilanz.

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Meinhart & Berzengi über den neuen Sieger verärgert

Doch der erste Titel des Argentiniers strahlte nicht nur in hellem Glanz. Wo immer der neue Second-Series-Champ auftrat, blieben Ärger und teilweise sogar Trümmer zurück. Bei Patrick Meinhart in Form eines zerstörten Rackets, welches er im Achtelfinale aus Wut über Athanasiadis mit dessen unendlich langen Pausen zwischen den Seitenwechseln zertrümmerte. “Er hat es gewaltig übertrieben” beklagte sich der 3fache Future-Tour-Sieger mit Tränen in den Augen. Der Höhepunkt des “argentinischen Schlafwagentennis” ging dann im Halbfinale gegen Nihad Berzengi über die Bühne. Fast 45 Minuten dauerte es, bis die beiden Finalanwärter zum ersten Ballwechsel antraten, was danach folgte kann man getrost als nicht anschaubar bezeichnen. Nach einem mehr als mässigen Schlagabtausch gab Berzengi beim Stand von 3:6, 0:4 auf. “Ich weiß nicht was Nico ständig über Gegner mit Schupfertennis klagt. Echt kurios wenn man sein heutiges Spiel gesehen hat, in dem er außer Schupfen nur Schupfen drauf hatte”, äußerte sich Berzengi verärgert.

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Berzengi mit skandalöser Vorstellung im Semifinale

Der 16jährige tut dieser Tage aber gut daran, über “fremde Leistungen” nicht kritisch zu urteilen. Denn was der ehemalige Future-Tour-Spieler in seinen beiden Halbfinalspielen zeigte, grenzte – wäre er Profitennisspieler – an Arbeitsverweigerung. Das oben erwähnte Semifinale im Einzel fiel in die Kategorie “Totalversager”, die Vorstellung im Doppel an der Seite von Tatajana Aubram aber war schlicht weg ein Skandal. 1:6, 3:6 musste sich das Junior-Mixed-Doppel den späteren Turniersiegern geschlagen geben. Das Aus gegen Meinhart-Windisch in dieser Höhe wäre bei schlechter Tagesverfassung auch vertretbar gewesen, einzig daran lag es nicht. Quasi aus dem Stand versuchten “Jana & Nihad” die Zeit tot zu schlagen. Warum Aubram und Berzengi die weite Anreise aus ihren Heimatbezirken jenseits des Gürtels in Kauf nahmen, blieb genauso ein Rätsel, wie die Antwort auf den debakulösen Auftritt. “Es ist nicht mehr gegangen heute”, versuchte sich Berzengi zu rechtfertigen. Vergeblich, weil sein Statement so unglaubwürdig wie sein Auftreten am Court selbst war. Die ebenfalls weit unter Normalform agierende Tatjana Aubram passte sich schließlich der läuferischen Nullnummer ihres Partners an, und so ergab man sich in trauter Zweisamkeit in die eigentlich nicht nötige letztlich aber im Debakel endende Niederlage.

Claus Lippert, 30. Juni 2006