Vladimir Vukicevic stärkt mit 1000er-Titel seine Favoritenstellung für Wimbledon

Das 50. Rasenturnier der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte ist am Mittwoch Vormittag mit einem würdigen Jubiläumssieger zu Ende gegangen. Serbiens HTT-Topstar Vladimir Vukicevic wurde im Endspiel der 18. Auflage des Juni-Masters-Series-1000-Turniers seiner Favoritenrolle gerecht, und besiegte den seit 8 Spielen ungeschlagenen Titelträger von 2008 Fabian Mayrhuber in 1:24 Stunden mit 6:3 und 6:4. Nach einer souveränen Vorstellung des 31jährigen Serben bei der “Wimbledon-Generalprobe” bleibt das Juni-Masters-Series-1000-Turnier nach dem Vorjahres-Triumph des Neuseeländers Ari Davis somit weiter fest in internationaler Hand. Ein Bericht von C.L

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Tennisbesessener Vladimir Vukicevic geht als Topfavorit in sein 2. Wimbledon-Turnier

Als Challenger-Star Manfred Buzek am Mittwoch Nachmittag die Anlage des WAT Landstrasse betrat, stand sie mitten im riesigen Clubheim, die dunkelblau glitzernde Glastrophäe, die Serbiens Tourstar Vladimir Vukicevic Stunden zuvor in zwei finalen Sätzen gegen Fabian Mayrhuber erobert hatte. Vom Besitzer weit und breit keine Spur, denn “Vladi” war angesichts des nachmittäglichen Regens im gegenüberliegenden Sporthotel abgeblieben, und dort mitten drin in der Arbeit mit ambitionierten Jugendlichen. Ja, der frischgebackene Juni-Masters-Series-Champion ist auch ein Tennisbesessener, der mit jeder Faser seines Körpers und einer riesigen Portion Leidenschaft  dem “weißen Sport” verfallen ist. Und seit Mittwoch 12:49 Uhr ist der 31jährige aus Sombor auch einer von 189 Spielern, die sich im Laufe von 23 Jahren Hobby-Tennis-Tour in die umfangreichste Siegerliste des Breitensporttennis dieses Landes eintragen konnte. Zudem ist Vukicevic der vierte serbische Titelträger der Geschichte, und der 29. internationale Champion, der so für den 63. ausländischen Turniererfolg insgesamt sorgte. Neben den statistischen Facts, ist Vukicevic aber spätestens seit dem Final-Auftritt gegen Fabian Mayrhuber vorallem der große Favorit auf den “Wimbledon-Titel” der Hobby-Tennis-Tour im heurigen Jahr.

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70 gemeinsame Eigenfehler lassen jeglichen Glanz im Finale vermissen

Denn Serbiens Bester demonstrierte im 36. Saisonfinale eindrucksvoll, das wohl kein Weg an ihm vorbei führen wird, wenn man sich am kommenden Wochenende die Rasenkrone der HTT krallen möchte. Ohne seinen besten Tag zu haben, dominierte Vukicevic über weite Strecken ein Finalduell mit Mayrhuber, das für den Beobachter doch einige Wünsche offen ließ. Man hatte sich vom Treffen des aktuell womöglich besten Rasenspielers der Szene mit dem Wimbledon-Vorjahres-Finalisten doch einiges erhofft, aber eine ganz erkleckliche Anzahl von 70 gemeinsam produzierten unforced errors, sorgte für einen wenig berauschenden Eindruck am Centercourt des WAT Landstrasse. Natürlich blitzte ab und an die große Klasse des Vladimir Vukicevic auf, immer wieder sorgte der 31jährige auch für geniale Genieblitze, doch atemberaubend oder gar spannend war das Endspiel des 89. Masters-Series-1000-Turniers der Open Ära nicht.

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Mayrhuber führt im zweiten Satz mit 4:3, kann letztlich seinen serbischen Bezwinger aber nicht gefährden

Vukicevic glänzte im ersten Satz vorallem mit seinem Service, das er nicht nur halten konnte, sondern auch ohne abzuwehrender Breakchance überzeugend darbot. Auf der anderen Seite genügte dem 31jährigen aus Sombor ein einziger genützter Breakball zum 3:1, um die Entscheidung in Durchgang 1 herbeizuführen. Nach 40 Minuten und 32 gewonnenen Punkten hatte Vukicevic die Weichen Richtung Premieren-Titel gestellt, und mit dieser Satzführung im Rücken, wurde der Serbe für sein Gegenüber natürlich noch schwieriger zu spielen. Das Break gleich im Eröffnungs-Game des zweiten Satzes schien einen serbischen Kantersieg einzuläuten, der letztlich aber ausblieb, weil Mayrhuber unerwarteter Weise im sechsten Game zu seiner allerersten Break-Chance kommt, und von zwei Vorhand-Fehlern seines Gegenüber profitierte, die ihm das 3:3 einbrachten. Als der 24jährige vom WAC dann bei eigenem Aufschlag die erstmalige Führung zum 4:3 fixieren konnte, ortete der im Publikum sitzende Wimbledonsieger von 2008 Michael Kunz bereits die Wende in diesem Finale. Allerdings war die Mayrhuber’sche Zwischenführung nur ein Strohfeuer! Einerseits ging der ehemalige Ranglisten-Erste und frischgebackene Juni-HTT-500-Sieger in den folgenden Ballwechseln eher leichtfertig mit der Chance um, den serbischen Favoriten ergebnistechnisch unter Druck zu setzen. Vielleicht spielte Vukicevic aber gerade in dieser engen Phase auch sein großes Können aus, womöglich legte er nur ganz einfach einen Gang zu, um einen kraftraubenden dritten Satz zu vermeiden. Wie auch immer, wahrscheinlich war es eine Kombination aus beidem, denn Minuten später stand der serbische Ausnahmekönner auch schon bei der Siegerehrung. Mayrhuber hatte bei 4:4 und 15:40 just zum schlechtesten Zeitpunkt seinen ersten Doppelfehler serviert, während Vukicevic cool und abgebrüht im folgenden Spiel das Ding nach Hause schaukelte.

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“Es war eine Durchschnittsleistung, und die reicht eben gegen so Leute wie Vukicevic nicht”

Siegerinterview gab es keines, und das nicht etwa weil sich Vukicevic mit Starallüren davor gedrückt hätte, sondern weil den Veranstalter ausgerechnet Minuten vor Beginn der Pressekonferenz mit dem neuen Juni-Masters-Series-1000-Sieger die telefonische Nachricht ereilte, dass ein Mitglied aus dem engsten Familienkreis nach einem Zusammenbruch mit der Rettung ins Krankenhaus abtransportiert wurde. So können wir euch nur das Statement des “zweiten Siegers” präsentieren. Und Fabian Mayrhuber hatte nach verlorenem 100. Karriere-Single viele Fragen zu beantworten, wie beispielsweise jener nach den zu Ende gegangenen Siegesserien und seiner Zielsetzung für das anstehende Juni-Grand-Slam-Turnier. Auf die Frage, ob er sich ärgern würde, dass ihm mit Ari Davis und Vladimir Vukicevic zwei vermeintlich für die HTT zu starke Akteure die einzigen beiden Niederlagen auf Rasen beigebracht haben, stellte der 24jährige klar: “Ich ärgere mich gar nicht, ganz im Gegenteil: Diese Partien spiele ich am liebsten. Ich würde mich freuen, wenn der Vladimir auch beim Grand-Slam am Start wäre. Ich hatte heute nämlich nicht das Gefühl, dass er zu stark für den Tourzirkus wäre. Ich habe nicht schlecht gespielt, aber auch nicht sonderlich gut. Es war eine Durchschnittsleistung, und die reicht eben gegen solche Leute nicht. Im zweiten Satz habe ich mich auch schlecht bewegt. Da war ich ziemlich müde auf den Beinen, und vorallem die kleinen Schritte haben dann nicht mehr funktioniert”, so der 24jährige.

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Nach Niederlage im 100. HTT-Karriere-Single plant Fabian Mayrhuber für Wimbledon den ganz großen Coup

Nach seinem eher holprigen Comeback-Auftritt bei den French-Open der Hobby-Tennis-Tour, scheint Mayrhuber als mit einem Titelgewinn und einer Finalteilnahme just auf seinem Lieblingsbelag zurück zu alter Form gefunden zu haben. “Es passt wieder alles, vorallem mit dem Selbstvertrauen. Ich denke, ich bin wieder absolut konkurrenzfähig, und kann jeden Gegner hier auf der Hobby-Tennis-Tour schlagen. Ob ich schon so stark bin wie vor meinem Jahr in Schweden als ich Nummer 1 der HTT wurde, ist schwer zu sagen und kann ich nicht beurteilen”, meinte der 9fache Turniersieger. Was Mayrhuber aber sehr wohl weiß, sind seine Pläne für das anstehende Major-Weekend. “Eigentlich muss ich so ehrlich sein und sagen, dass im “Wimbledon der HTT” nur der Titel zählt. Es wird sehr schwer, aber der zweite Rasen-Grand-Slam-Sieg muss mein Ziel sein”, so der ehemalige Ranglisten-Erste vom WAC, der es mit seiner Finalniederlage am Mittwoch verabsäumte, zum fünften Mehrfach-Titelträger beim Juni-Masters-Series-1000-Turnier zu avancieren.

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