Alexander Scheller jubelt 2.305 Tage nach seinem Premieren-Sieg über Tour-Titel Nr. 2

Aus einem megaspannenden und superdramatischen Finish ist Alexander Scheller am Mittwoch Nachmittag als großer Sieger des Finales beim 13. Juni-HTT-250-Turnier hervorgegangen. Der 25jährige behielt am Ende in einer über weite Strecken recht zerfahrenen und wenig attraktiven Begegnung gegen den an Nummer 1 gesetzten Christoph Kramer nach 2:31 Stunden Spielzeit mit 6:4, 3:6, 7:6 die Oberhand, und feierte exakt 2.305 Tage nach seinem Premieren-Erfolg beim Februar-Second-Series-Turnier 2007 den zweiten Titelgewinn seiner Karriere. Für den Ranglisten-Zweiten Christoph Kramer wiederholte sich derweil der Traum vom zweiten Juni-HTT-250-Titel nach 2008 nicht, und so musste der 30jährige Leopoldsdorfer in seinem 21. Karriere-Finale bereits die 10. Endspiel-Niederlage seiner Laufbahn hinnehmen. Ein Bericht von C.L

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Titelgewinn als 19jähriger, Karriere-Ende 11 Monate später und nun ein sensationelles Comeback als Juni-HTT-250-Champion

“Man muss zunächst einmal die kleinen Turniere gewinnen, ehe man an große Titel denken kann”, mit diesem – für einen 19jährigen recht reif formulierten – Statement, hatte sich Alexander Scheller bei der Pressekonferenz anlässlich seines Finalerfolges beim Februar-Second-Series-Turnier 2007 zu seinem Premieren-Triumph und den damit verbundenen Zukunftsaussichten geäußert. Das war vor 2.305 Tagen, also vor einer halben Ewigkeit, und manchmal braucht “gut Ding eben Weile”. Unglaubliche sechs Jahre und vier Monate liegt der Triumph des damals 19jährigen zurück, der Alexander Szele in gerade einmal 45 Minuten mit 6:2, 6:0 abfertigte, und zum Sprung zu einer richtig großen und erfolgreichen HTT-Karriere ansetzte. Doch daraus wurde nichts, weil Scheller im Jänner 2008 einen unspektakulären, ja fast stillen Tour-Abgang hinlegte, und für Jahre aus der Szene verschwand. Im heurigen Februar knüpfte Scheller dann völlig unerwartet den neuerlichen Kontakt zum Tour-Veranstalter, und lieferte gleich auf Anhieb mit zwei bärenstarken Vorstellungen beim Februar-HTT-250-Turnier und beim Februar-Masters-Series-1000-Event im UTC La Ville ein starkes Comeback ab. Ex-Wimbledon-Sieger Michael Kunz, der rumänische Top-Ten-Star Maftei, der ehemalige Ranglisten-Erste Thomas Müller und der amtierende US-Open-Champion Christoph Kramer staunten als “erste Scheller-Opfer” nicht schlecht über die Performance des Tour-Heimkehrers, der aber erst am gestrigen Nachmittag sein großes Comeback endgültig krönte.

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Scheller-Triumph bei 25. Turnierstart und im 50. Single seiner Karriere

Beim vierten Anlauf seit seiner im heurigen Februar vollzogenen Rückkehr in den Circuit löste Scheller also auch das am 19. Februar 2007 abgegebene Versprechen in eine vielversprechende und erfolgreiche Tour-Zukunft ein. Der erste große Titel nach dem längst errungenen “kleinen Turnier” ist also eingefahren, und wie schon beim Premieren-Erfolg vor 76 Monaten siegte Alex bei einem Jubiläums-Turnier. Damals holte er seinen ersten Pokal – eine goldene Tennisfigur – beim 10. Karriere-Start, diesmal schlug Scheller beim 25. Turnierstart und im 50. Single seiner Laufbahn zu. So nebenbei siegte der 25jährige auch noch beim 680. Einzelturnier der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte, und das in einem nervenaufreibenden Finish, das selbst Alfred Hitchcook nicht spannender hätte gestalten können. 151 Minuten dauerte der finale Showdown der 13. Final-Ausgabe beim Juni-HTT-250-Turnier, der über weite Strecken einen wenig attraktiven Spielverlauf zu bieten hatte. Spannend war es dafür allemal, vorallem natürlich im Finish des dritten Satzes. Davor freilich musste man lange warten, ehe das Endspiel des 32. Saison-Events halbwegs auf Touren kam.

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Kramer ungewohnt nervös und mit Stotterstart in seinem 21. Karriere-Finale

Speziell der Ranglisten-Zweite aus Leopoldsdorf startete ungewohnt nervös und fehlerhaft in sein 21. Karriere-Finale. Er, der schon 9 Mal bei diesem Turnier im Einsatz war, 2008 sogar den Titel eroberte und zwei weitere Male – nämlich 2001 und 2006 – das Semifinale erreichte, legte einen brutalen Stotterstart am Centercourt des TC Matchball hin. Die Routine von 262 Turnierteilnahmen und 529 Single-Matches nützte in dieser Anfangsphase nichts, mit gleich zwei Breaks krachte der topgesetzte Niederösterreicher in ein rasches 0:3. Und womöglich wäre Scheller zumindest im ersten Heat einem Kantersieg entgegengesteuert, wenn er bei 3:0, 30:0 aggressiv nachgesetzt hätte. Doch vier Fehler des ehemaligen Februar-Second-Series-Siegers bringen Kramer das erste Break und bei 1:3 die Gewissheit, an diesem sonnigen Nachmittag durchaus noch eine gute Rolle spielen zu können. Vor den Augen seiner Eltern und Freundin Rebecca servierte der 30jährige ein starkes Aufschlagspiel zum 2:3 durch, womit nur mehr eines der beiden früh kassierten Breaks aufzuholen war. Doch dieses Vorhaben konnte Kramer nicht mehr in die Tat umsetzen. Beide Spieler hielten fortan ihr Service, und das reichte Scheller nach 38 Minuten zum Gewinn des ersten Satzes mit 6:4. Ein Break weniger, vorallem aber die wenig effektiven 44 Prozent an ersten Aufschlägen wurden Kramer schließlich zum Verhängnis in diesem ersten Durchgang.

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Kramer gleicht in 38 Minuten zum 1:1 in Sätzen aus

Scheller scheint dann beflügelt vom Gewinn des ersten Satzes auch zu Beginn von Heat Nr. 2 voll konzentriert und motivert bei der Sache zu sein, und mit dem frühen Break zum 1:0 frühzeitig in Richtung Titelgewinn zu marschieren. Zwei Spielbälle zum möglichen 2:0 ausgelassen, findet sich der 25jährige vom TWR 21 aber plötzlich mit einem 1:4 Rückstand konfrontiert, den aufzuholen letztlich nicht mehr gelang. Weil beide Akteure in der Folge ihren Aufschlag halten konnten, und Kramer schließlich mit dem ersten Ass dieses Finales nach weiteren 38 Minuten den zweiten Satz mit 6:3 für sich entschieden hatte. Vorallem die Eigenfehler-Quote hatte der amtierende US-Open-Champ der HTT im Laufe des zweiten Durchgangs minimiert, und damit zurück in dieses Endspiel und vorallem in einen superspannenden und alles entscheidenden dritten Satz gefunden.

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Scheller behält in einer megaspannenden Entscheidung im Tie-Break des dritten Satzes knapp die Oberhand

Dort hatten zunächst beide Spieler ihre Chancen auf eine frühe Führung. Scheller lag im Eröffnungs-Game 30:0 voran, das Break aber gelang Kramer, der sich kurz darauf sogar den Luxus von drei vergebenen Spielbällen zum 2:0 leistete. Stattdessen erlebten die Zuseher eine wild andauernde Break-Orgie mit 6 Aufschlagverlusten auf beiden Seiten zum 3:3, ehe Scheller erstmals in diesem dritten Durchgang mit einem durchgebrachten Service-Game zum 4:3 aufzeigen konnte. Kramer konterte nervenstark mit seinem ersten gewonnenen Aufschlagspiel im Entscheidungs-Heat zum 4:4, ehe er sich mit einem zu Null gewonnenen Break auf 5:4 in Richtung Titelgewinn aufzumachen schien. Nur noch einmal das Service durchbringen, dann wäre der 12. Turniersieg der seit 1997 andauernden Kramer-Karriere perfekt gewesen. Doch dann beginnt der routinierteste aller Spieler der Hobby-Tennis-Tour plötzlich zu zittern und speziell auf der Vorhand zu schwächeln. Doppelfehler Nr. 5 trägt zwar nicht dazu bei, das zehnte und womöglich letzte Game im dritten Satz des Juni-HTT-250-Finales 2013 zu gewinnen, letztlich waren es aber die vermehrt auftretenden Vorhand-Fehler, die Kramer in der finalen Entscheidung immer wieder ins Hintertreffen brachten. Schließlich musste der Tie-Break über den Titelgewinn beim Comeback-Event in der Leberstrasse entscheiden, und dort war dann richtig “Spannung und Dramatik” angesagt. Bei 6:6 und einem äußerst knapp verlaufenden Tie-Breaker wurden zum zweiten Mal die Seiten gewechselt, ehe Scheller mit einem Rückhand- und einem Vorhandwinner zum großen finalen Doppelschlag ansetzte.

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Alex Scheller mit Steilvorlage und Motivationsspritze für Kumpel Peter Klager vor dem am Freitag Vormittag stattfindenden “French-Open-Finale der HTT”

73 Minuten hatte der abschließende dritte Satz gedauert, am Ende hatte Kramer 100 Punkte in diesem Finale errungen, die dennoch nicht zum Gewinn des 12. Karriere-Titels reichten. “Es war nicht leicht, ich hatte am Ende tiefe Blasen an der Schlaghand”, betonte der unterlegene Ranglisten-Zweite, ehe er sich nach der Siegerehrung zu mehreren Bierchen mit seinem Bezwinger zurückzog. Die Zeremonie rund um den großen Triumphator am Centercourt, die gehörte aber Comeback-Star Alex Scheller, und der 25jährige genoss die Momente der Pokalübergabe, die Augenblicke des tosenden Beifalls aus dem Publikum und die Preisverteilung in vollen Zügen. Ein goldfarbener Pokal, dazu ein von Gastgeberverein TC Matchball gesponsertes Babolat-Racket, so konnte der neue Juni-HTT-250-Champion schon ein Lächeln in die bereitstehenden Kamera-Objektive schicken. Und mit diesem Sieg lieferte Scheller zudem auch die Steilvorlage für Kumpel Peter Klager, der am Freitag Vormittag im French-Open-Endspiel der HTT den Doppelsieg der Spezies perfekt machen soll. “Ich hoffe ich habe den Peter mit meinem Erfolg motiviert. Er hat heute voll am Live-Ticker mitgefiebert. Leider konnte er wegen eines Prüfungstermins nicht da sein, aber er hat sich über meinen Sieg total gefreut. Wenn er jetzt das Mai-Grand-Slam-Turnier gewinnt, dann fahren wir beide mit VIP-Tickets nach Kitzbühel”, lächelte der frischgebackene Juni-HTT-250-Champion.

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