Kreilinger-Comeback sorgt bei Michael Kunz für neuerlichen Ladies-Alptraum

Die beste und erfolgreichste Spielerin der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte ist zurück im Circuit! Ines Kreilinger, vierfache Olympia-Goldmedaillengewinnerin aus Oberösterreich feierte am vergangenen Samstag in Runde 1 des Mai-Grand-Slam-Turniers ihr mit Spannung erwartetes Comeback, und kehrte mit einem mehr als überzeugenden 6:0, 6:4 Erfolg über den heuer wieder so gut in Schuss gekommenen Michael Kunz in den Tour-Zirkus zurück. Die Siegerin von 2 Turnieren und ehemalige Nr. 10 der HTT ließ spielerisch wieder einmal ihr großes Können aufblitzen, und überraschte danach im Interview mit interessanten Aussagen. Ein Bericht von C.L

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Olympiasiegerin Ines Kreilinger kehrt just bei den French Open der HTT in den Circuit zurück

Ja, diese Fragen musste der Tour-Veranstalter ziemlich oft in den vergangenen 8 Monaten beantworten, nämlich jene wo sie denn ist, und warum sie nicht mehr spielt, die charismatische Tennis-Queen der Hobby-Tennis-Tour! Nun, zumindest dieses Thema ist durch seit letzten Samstag, denn exakt 238 Tage nach ihrem letzten Auftritt im Achtelfinale des September-Masters-Series-1000-Turniers 2012, betrat die 23jährige aus Mining wieder HTT-Boden. Ob zufällig oder doch beabsichtigt, aber Kreilinger feierte just bei jenem Event ihr großes Comeback, wo sie im Vorjahr mit einer phantastischen Leistung für Furore und ein bemerkenswertes Resultat sorgte. Wir erinnern uns: Bei den French Open der HTT 2012 war die Oberösterreicherin damals als Nr. 8 gesetzt mit einem Freilos in die zweite Runde gekommen, wo sie Jungstar Patrick Eckart am Centercourt niederkämpfen konnte. Packend dann das Achtelfinale der jungen Oberösterreicherin, die Rumäniens Nr. 1 Rares Maftei unter Mobilisierung all ihrer Kräfte in die Knie zwingen konnte. Nach verlorenem ersten Satz hatte sich die damals 22jährige sogar “übergeben”, und doch am Ende den Willen aufgebracht, die Wühlmaus auf der anderen Seite des Netzes zu besiegen. Ein epoachler Triumph, denn was nur die wenigsten wussten war, dass Kreilinger bei diesem Turnier körperlich und seelisch schwer angeschlagen ihre Matches bestritt, und aus ärztlicher Sicht wohl keine Erlaubnis zum Tennisspielen bekommen hätte. Im Viertelfinale musste sie dann den mörderischen Anstrengungen Tribut zollen, und ließ so nach ihrer Aufgabe im zweiten Satz gegen Clemens Beywinkler zwei große historische Gelegenheiten aus. Erstens wäre die 4fache Olympiasiegerin die erste Dame in einem Grand-Slam-Semifinale gewesen, und mit einem Sieg wäre sie überdies als erste weibliche Spielerin in die große Männer-Domäne “Top-Ten” eingebrochen.

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Kreilinger im Oktober 2012 mit Karriere-Ende und 238 Tage dauernder HTT-Pause

Historie Teil 2, also den Einzug in die Top Ten holte Kreilinger wenige Monate später im Sommer nach dem Juni-Masters-Series-1000-Turnier auf Rasen nach. Platz 10 im Entry-Ranking der so hochgejazzten Hobby-Tennis-Tour sicherte Ines ihren ganz persönlichen Eintrag in den Rekordbüchern, und jede Menge Renommee bei der männlichen Kollegenschaft. Dann freilich wurde es ruhig um die Top-Ten-Lady. Kreilinger zog sich immer mehr aus den sportlichen Bereichen zurück, wechselte ins Management der HTT und tauschte ihr Racket quasi gegen die Utensilien eines Turnierleiters ein. Dort schlug sich die 23jährige mit großem Erfolg, während sportlich betrachtet die Schlagzeilen rund um die 2fache Championesse immer seltener wurden. In Kitzbühel bei der Babolat-Trophy lieferte sie mit dem Erreichen des Viertelfinales noch einmal “vernüftig” ab, ehe sie am 6. Oktober 2012 im Achtelfinale des September-Masters-Series-1000-Turniers ihr bislang letztes Match gegen Markus Eichleter bestritt. Die 23jährige siegte 7:6, 6:2, gab daraufhin zwei Tage später ihr Viertelfinale gegen Gerald Scheller w.o, und beendete ihre so glanzvolle aber gerade einmal 16 Monate dauernde Karriere aus privaten Gründen und ohne großes Tamtam!

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Michael Kunz kann mit Mühe ein totales Debakel gegen gut spielende Kreilinger verhindern

238 Tage später am letzten Samstag kehrte Ines Kreilinger nun also zurück auf die Hobby-Tennis-Tour. Um 12:41 betrat sie den 5er-Court des World Tennis Clubs auf der Dirnelwiese, um 12:58 setzte sie mit einem Vorhand-Winner den ersten Ball ihres Mai-Grand-Slam-Auftakt-Matches gegen Michael Kunz übers Netz, und um 13:52 Uhr, also nach nur 54 Minuten Spielzeit, war die beste weibliche Tour-Teilnehmerin aller Zeiten auch sportlich wieder in ihrem Element gewesen. Das Kreilinger gleich bei ihrem Debüt-Auftritt zu alter Stärke finden würde, und einen wie Michael Kunz richtig schlecht und hilflos aussehen lassen würde, das hätten selbst Insider nicht für möglich gehalten. Doch die 23jährige jagte den kleinen gelben Filzball mit derartiger Wucht und Präzision übers Netz, dass einem unbeweglich agierenden Michael Kunz eineinhalb Sätze lang nicht nur ein Debakel, sondern eine historische Höchststrafe drohte. “Wenn ich gegen ein Mädchen 0:6, 0:6 bekomen hätte, wäre das sehr bitter gewesen, und das hätte ich mir sehr lange anhören müssen”, übte sich Kunz nach dem 0:6, 4:6 Desaster in Galgenhumor. Wobei eine Grand-Slam-Pleite in einem Geschlechter-Duell für Kunz gar keine Premiere darstellte. Michi Kunz und die Frauen – zumindest wenn sie einen Tennisschläger in der Hand haben – das ist eine eigene – aus Sicht des 42jährigen Deutsch Wagramers sogar recht traurige Geschichte.

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Michael Kunz und sein Grand-Slam-Trauma gegen Fräulein Rückhand aus Gummersbach

Die schon länger auf der Tour etablierten Mitspieler wissen genau wovon die Rede ist. Es war im Jänner 2010, als eine junge Dame aus Westfalen die Hobby-Tennis-Szene verzückte, und mit einem sensationellen Erfolgslauf durch den superstarken Jänner-Grand-Slam-Raster düste. In der Quali hatte sie mit Michael Holasek und Thomas Peyerl schon zwei anerkannte Tour-Spieler aus dem Bewerb geworfen, ehe in Runde 1 des Hauptbewerbs der scheinbar übermächtige Wimbledonsieger von 2008 Michael Kunz wartete. Der Ausgang ist bekannt, die Geschichte längst legendär, und durchaus wert, nocheinmal komplett im damaligen Turnierbericht nachgelesen zu werden. In jedem Fall führte Kunz 7:5, 5:2, ehe “Fräulein Rückhand” aus Gummersbach zu einer phänomenalen Aufholjagd ansetzte, und am Ende zur großen Kunz-Bezwingerin, Grand-Slam-Sensation und Siegerin der Herzen avancierte. Dreieinhalb Jahre später wiederholte sich für Kunz das Schockerlebnis, von einer weiblichen Spielerin bezwungen zu werden. Wobei Kreilinger den ehemaligen Grand-Slam-Champ nicht niederkämpfte, sondern förmlich demontierte.

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Die neue Ines Kreilinger: “Gefühle beim Comeback waren vertraut und doch ungewohnt”

Am Ende hatte die 23jährige, die zuletzt bis auf Platz 50 im HTT-Computer-Ranking zurückgefallen ist, nach nur 54 Minuten mit 6:0, 6:4 das bessere Ende für sich, und damit einen persönlichen Rekord weiter ausgebaut. Noch nie bei ihren mittlerweile vier Grand-Slam-Starts musste sich Kreilinger in Runde 1 geschlagen geben. Die Miningerin ist also sportlich betrachtet wieder “daheim”, doch mit Sicherheit nicht mehr die selbe wie vor ihrer Auszeit. Die 23jährige wirkt gereifter, ruhiger, und vorallem vorsichtiger, Tennis und die daraus resultierenden Ereignisse sind ihr scheinbar nicht mehr so wichtig. Nichts blieb übrig von der einst so extrovertierten, gar exzentrischen und übermotivert wirkenden Spielerin, die für Erfolge und Skandale sorgte, die auch ihre Bekanntheit mitbegründeten. Nur einmal beim abschließenden Interview erinnerte Kreilinger an alte Zeiten, als sie davon sprach, sich im zweiten Satzz schon gelangweilt zu haben. Ansonsten sah man die neue Ines K., geläutert und zurückhaltend, beinahe bescheiden! “Ich war sehr konstant, obwohl ich lange kein Wettkampftennis mehr gespielt habe. Trotzdem bin ich froh, dass mein nächstes Match nicht gleich im Anschluss stattfindet, denn eine zweite Partie wäre sicher eng geworden in körperlicher Hinsicht”, so die 23jährige. Und angesprochen auf ihre Gefühle angesichts der Rückkehr in den Circuit sagte die Oberösterreicherin: “Ich war heute schon nervös. Einerseits war es ein vertrautes Gefühl, auf der anderen Seite aber auch ungewohnt. Ich war doch sehr lange weg. Seit meinem Rücktritt habe ich nicht ein einziges Mal mehr auf die Webseite geschaut. Ich hatte vollkommen damit abgeschlossen”, so die Comeback-Siegerin, die nun auf den an Nummer 15 gesetzten britischen Serve & Volley Spezialisten Adam Goodsell treffen wird.