Robert Priewasser – Held der Mai-Grand-Slam-Qualifikation 2013

Sie werden keine Rolle spielen, wenn in der kommenden Woche die glanzvollen Entscheidungen beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres anstehen, doch am gestrigen ersten Spieltag genossen auch sie das merklich größere Interesse der Tour-Öffentlichkeit an oder bei ihren Auftritten. Die Rede ist von den “Stars aus der zweiten Reihe”, von jenen Spielern im Tour-Zirkus, die ansonsten nur bei zweit- und drittklassigen Turnieren nach Spitzenresultaten greifen können, und Grand-Slam-Trophäen nur von Bildern der Webseite kennen. Am gestrigen Samstag freilich standen die Future- und Challenger-Asse einen Tag lang in der Auslage, und mitten drin unter den Top-Stars der Szene. Und das berechtigt, denn mit einem 22 Mann starken Quali-Raster, der für einige Herren wie Robert Priewasser zur Folge hatte, dass bis zur erfolgreichen Fixierung eines Platzes im Hauptbewerb drei Siege nötig waren, war der Qualifikationsteil der 22. French-Open der HTT beispielsweise größer als die beiden Single-Events des vorigen Wochenendes. Wir machen einen Blick hinab in den beinharten HTT-Quali-Bereich und wer sich bei der Ouvertüre für das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres entsprechend in Szene setzen konnte! Ein Bericht von C.L

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Als Quali-Spieler bei einem Grand-Slam-Turnier musst du körperlich und mental fit sein

Spät Abends bei der eher unterkühlten Players-Party im World Tennis Club Dirnelwiese saß ein abgekämpfter aber glückerlicher Robert Priewasser, und kippte – zumindest für jeden seiner drei Quali-Erfolge – ein verdientes Krügerl! Ja, es war schon richtige Knochen-Arbeit, die die Quali-Stars des Mai-Grand-Slam-Turniers 2013 auf dem erhofften Weg in den Hauptbewerb zu verrichten hatten. Stell dir einmal vor, du musst drei Matches in nur zwei Tagen – diesmal aufgrund des Schlechtwetters sogar an einem Tag – spielen, um überhaupt einmal am prestigeträchtigsten Event des Jahres teilnehmen, und am riesigen Major-Punktekuchen mitnaschen zu dürfen. Für viele der Starspieler undenkbar, und ein absolutes “no-go”, für Buzek & Co aber beinharte Realität. Du musst als Challenger-Spieler schon richtig fit und auch mental sehr stark sein, wenn du dir die körperlichen Strapazen eines Grand-Slam-Turniers antust, ohne auch nur der geringsten Chance auf Titel, Preise und Trophäen. Und doch sind sie immer wieder am Start, die “Säulen der HTT”, denn in Wirklichkeit bilden Kovarik & Co das Fundament, auf dem der Erfolg der Hobby-Tennis-Tour gebaut ist.

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Priewasser “demütigt” Vasiljevic in der ersten Quali-Runde, womit der Serbe offen mit seinem Karriere-Ende spekulierte

Am gestrigen Samstag beherrschten die Quali-Stars – wenn nicht unbedingt die Schlagzeilen – aber doch zumindest die Courts im World Tennis Club Dirnelwiese, was bei wie schon erwähnten 22 Teilnehmern absehbar war. Und zwei von ihnen haben sich auch bereits erfolgreich durch die Quali-Mühlen gekämpft, nämlich der Oberösterreicher Robert Priewasser und der “rote Baron” Manfred Buzek. Erstgenannter hatte sogar drei Siege am Stück errungen, und das härteste Stück Arbeit dabei gleich im Auftakt-Match des Tages gegen den favorisierten Serben Slobodan Vasiljevic verrichtet. Das 31jährige aus Ried mit der Grand-Slam-Routine einer eben erst geschlüpften Schmetterlingslarve ausgerechnet bei seinem Major-Debüt den arrivierten Serben aus dem Bewerb kippen würde, daran dachten wohl nicht einmal die größten Phantasten im Circuit. Und das der meist gut gelaunte Future-Tour-Star gar nur 3 Games auf dem Weg in Quali-Runde 2 abgab, machte die Vorstellung des Rieders noch um vieles außergewöhnlicher. Auch wenn Vasiljevic einen rabenschwarzen Tag erwischte, und mit einer indiskutablen Leistung praktisch Eigenwerbung in Sachen gewünschter Future-Tour-Teilnahme machte, so musst du den 39jährigen trotzdem erst einmal in einer derart haushohen Art abservieren. Vasiljevic dritter Mai-Grand-Slam-Auftritt wurde zum 1:6, 2:6 Desaster, das nicht ohne Wirkung auf den serbischen Tour-Star blieb. “Ich überlege ernsthaft aufzuhören. Tennis ist ein Sch….-Sport. Ich möchte jetzt keinesfalls die Leistung meines Gegner schlecht reden, aber wenn ich gegen solche Spieler keine Chance habe, warum sollte ich dann weiter Tennis spielen”, so Vasiljevic, während Priewasser seinen atemberaubenden Siegeszug durch den Mai-Grand-Slam-Quali-Raster fortsetzte.

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Hamidane verabeitet wieder einmal ein Racket zu Kleinholz, und wie Werner Kovarik mit jungen 24 Jahren in der Saison 1999 beim Mai-Grand-Slam-Turnier sein Debüt feierte

Nächstes Priewasser-Opfer in Runde 2 der “French-Open-Quali” war Lukas Lachnit, der sich nur mit “kämpferischen Mitteln” nie und nimmer gegen den Vasiljevic-Bezwinger behaupten konnte. Beim 3:6, 1:6 machte der 24jährige zumindest ein Game mehr als Vasiljevic, eine reele Chance auf die alles entscheidende letzte Quali-Runde hatte Lachnit aber nicht. Dafür hatte er sein ganz persönliches intensives Major-Erlebnis schon in Runde 1 zum Auftakt, als er live vor Ort Augenzeuge wurde, wie sein algerischer Gegner Elias Hamidane sein Spielgerät zu Kleinholz verarbeitete, und wieder einmal seinem Ruf als “enfant terrible” der Future-Szene gerecht wurde. Die letzte Hürde die hingegen Robert Priewasser auf dem Weg in sein erstes Grand-Slam-Hauptfeld zu überspringen hatte, war nur eine halbhoch aufgebaute. Weil Werner Kovarik nach seinem heroischen 6:3, 3:6, 6:3 Erfolg über Cocis-Ersatzmann Stefan Seebacher im 290. Match seiner Karriere platt war, ging der Ottakringer nach verlorenem ersten Satz bei 5:7 einfach vom Platz. Schade, denn damit prolongierte der 38jährige seinen nun schon 3 Jahre andauernden Negativlauf beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Dreimal in Serie ist Kovarik nun schon in der Quali zum größten Sandplatz-Event der Szene gescheitert, nach 2011 gegen Filip Marinkovic und 2012 gegen Mario Ferrari also nun gegen Robert Priewasser. Und nochmals schade, denn den Tour-Routinier verbinden mit den “French Open der HTT” durchaus auch schöne und vorallem ganz spezielle Momente. So spielte Kovarik an diesem Wochenende bereits sein 11. Mai-Grand-Slam-Turnier, und damit jenes Turnier, bei dem er im Mai 1999 sein Debüt im Tour-Zirkus feierte. Am 28. Mai 1999 war es, als Werner als “junger Hüpfer” von 24 Jahren beim Mai-Grand-Slam antanzte, und dort zum Auftakt gleich vom 5fachen Masterssieger und Mai-Grand-Slam-Champion von 1995 Christian Kainz mit 1:6, 1:6 verprügelt wurde.

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Manfred Buzek – der rote Baron auf dem Weg nach oben

Ebenfalls bereits über einen Platz im Hauptfeld des 22. Mai-Grand-Slam-Turniers darf Challenger-Star Manfred Buzek jubeln. Der “rote Baron” vom TC Donaufeld, hatte allerdings auch einen mühsam und insgesamt 5 Sätze dauernden Tennis-Nachmittag hinter sich zu bringen, ehe er über sein Erstrunden-Ticket gegen Alexander Lovrek jubeln durfte. Hatte er mit dem slowakischen Routiner und Dichtl-Bezwinger Georg Gallo nur im zweiten Satz ansatzweise Schwierigkeiten, trudelte Buzek im entscheidenden letzten Quali-Match nicht richtig rund in Richtung erstmaligem Hauptbewerb eines Grand-Slam-Turniers. Der 30jährige Wiener hatte im Duell mit Ulojan-Bezwinger Richard Rainer einmal mehr dann Mühe, wenn die vermeintlich technisch schwächereren Gegner die taktische Note ins Spiel bringen. Dann ist Buzek schon mal schnell am Ende seines Lateins und nahe dran, als Heißspron als der er bekannt ist, zu explodieren. Dabei hat sich der September-Future-Sieger auch in dieser Hinsicht schon um Welten gebessert. Vorbei die Zeiten, als er quasi mit dem ersten Fehler zum springenden, tobenden und hüfenden Rumpelstilzchen avancierte. Jetzt dauert es schon eine Weile, oder es muss schon richtig grottenschlecht gegen ihn laufen, ehe der “rote Baron” seinen Siedepunkt erreicht. Und spielerisch hat sich der 30jährige ohnehin unbestritten enormst weiterentwickelt. Selbst seine Kritiker und auf der Tour involvierte Akteure die dem Rotschopf weniger gut gesinnt sind, müssen akzeptieren, dass mit Buzek ein weiterer aussichtsreicher Aspirant auf der Challenger-Tour am heranwachsen ist. Ausgereift ist das Gesamtkonzept Buzek freilich noch lange nicht. Was weniger mit dem Engagement des 30jährigen zu tun hat, als vielmehr mit der Akribie, mit der er sich detailverliebt oftmals richtiggehend verzettelt. Buzek ist ohne Zweifel hineingekippft in die Materie Tennis. Er investiert enorm viel Zeit, trainiert fleißig, versucht körperlich in Bestform zu kommen, und arbeitet mit einem Trainer beim TC Donaufeld, der ihn – zumindest schon einmal – auf die richtige Spur geführt hat. Aufhören muss Buzek aber mit diesem unsinnigen und krankmachenden “Grübeln und Tüfteln” rund um sein Tennis. Ist das eine Racket vielleicht um das eine Gramm zu schwer, die eine Saite womöglich zu leicht bespannt, man kann es – vorallem in jenem Stadium in dem sich Buzek befindet – auch übertreiben. Ganze andere Sorgen hat da sein gestriger Gegner Richard Rainer. Es musste schnell gehen, denn daheim wartet eine in der 39sten Woche befindliche hochschwangere Frau. Darum fertigte er Diana Ulojan in ihrem 80. Karriere-Turnier wenig “gentleman-like” mit 6:1, 6:1 ab, ehe er sich wie erwähnt gegen Buzek verabschiedete.

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Sascha Kobsik feiert seinen allerersten Grand-Slam-Einzelsieg und kämpft nun gegen Thomas Dewald um einen Platz im Hauptfeld des zweiten Saison-Major-Events

Um ein weiteres Hauptbewerbs-Ticket kämpfen der immer besser in Fahrt kommende Thomas Dewald und Lokal-Hero Sascha Kobsik. Beide Akteure gaben sich in der zweiten und vorletzten Quali-Runde keine Blöße. Dewald schickte WTC-Future-Ass Gernot Hansen mit einem 6:0, 6:1 unter die Dusche, wobei der unterlegene Lokalmatador einmal mehr in vielen Szene keine schlechte Figur abgab. Der 36jährige zahlt gerade auch ein wenig Lehrgeld für die Art und Weise, wie er Tennis spielt. Weg vom unattraktiven Schupfertennis, hin zum anerkannt druckvollen Powertennis, das bei Hansen halt noch nicht in konstanter Form abrufbar ist. Dennoch muss er jetzt die Linie halten, dann kommt auch irgendwann einmal der dafür fällige Lohn in Form entsprechender Resultate. Ein Kurzgastspiel gab auch Jänner-Challenger-Sieger Sascha Kobsik, der sich nach 10 gespielten Games und einer 6:1, 3:0 Führung durch die Aufgabe seines russischen Gegners Boris Macheev über seinen ersten Grand-Slam-Einzelsieg freuen durfte, ehe er sich zu einer privaten Geburtstagsfeier zurückzog. Macheev wiederum hatte seinen großen Auftritt eine Runde zuvor, als er zunächst gegen Dieter Schickbichler spielerisch brillierte, und 6:1, 3:1 führte, ehe auch seine kämpferischen und mentalen Fähigkeiten gefragt waren. Schickbichler fightete in seiner bekannten Art zurück, zwang Macheev in einen entscheidenden dritten Satz und dort dazu, alle Fähigkeiten auszupacken. Am Ende behielt der Russe mit 6:3 die Oberhand.

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Karl Ader und Milan Stojkov duellieren sich um ein Treffen mit Tour-Star Fabian Mayrhuber

Das vierte und letzte Ticket für den Hauptbewerb berechtigt übrigens zu einem Duell mit dem ehemaligen Ranglisten-Ersten Fabian Mayrhuber, und wird zwischen Karl Ader und Milan Stojkov ausgespielt. Der frischgebackene Future-Doppelpack-Champion Karl Ader kam gemeinsam mit Sohn Manfred direkt von einem French-Open-Besuch in Paris, und vollgepumpt mit Eindrücken aus der Profi-Welt des Tennissports. Und mit dem Selbstvertrauen der vergangenen Triumphe, pushte sich Karl Ader gegen Mai-Challenger-Finalist Friedrich Böck zu einem mühevoll errungenen Dreisatzsieg. Böck, der 2011 nach zwei Quali-Siegen im Hauptfeld erst gegen Martin Thier unterlag, hatte im ersten Match seines 70. Karriere-Turniers den weitaus besseren Start erwischt. Solide legte er die kleinen gelben Filzkugeln wie gewohnt ins Feld des Gegners, wo Karl Ader ein wenig unbeweglich nach der Frankreich-Reise wirkte. Einmal warm gelaufen und angetrieben von der Welle seines Fan-Clubs, schlug der bald 70jährige Rekord-Champion aber zurück, und zog in die letzte Quali-Runde ein. Dort steht es gegen Milan Stojkov übrigens 6:3, 3:3, ehe die beiden ihr Duell in beiderseitigem Vernehmen abbrachen. Mit der Turnierleitung war dieses Handeln freilich nicht abgesprochen! Als Grund gaben die beiden die zu laute Musik der beginnenden Players-Party an! Richtig kreativ die beiden, denn dunkel war es noch nicht wirklich, als sich Stojkov in die Dusche und Ader ins Party-Zelt verkrochen. Womöglich war Stojkov aber zu müde oder mental nicht bei der Sache, immerhin hatte er eine Runde zuvor Manfred Ader in seinem 90. Karriere-Single bezwungen. Das besondere daran war, dass es Milans allererster Einzelsieg auf Grand-Slam-Ebene war! Herzliche Gratulation!

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