Mit “Super-Samstag” beim Mai-Grand-Slam ist “Super-Gau” vorerst abgewendet

Und dann wurde plötzlich doch noch Tennis gespielt an diesem wettertechnisch total verkorksten verlängerten Grand-Slam-Wochenende. Aller guten Dinge sind eben doch drei, und so ging nach zwei abgesagten Spieltagen der Auftakt des 22. Mai-Grand-Slam-Turniers erst im dritten Versuch endlich über die Bühne. Das ewig lange Warten auf die Stars der HTT hatte also endlich ein Ende, und wurde mit einem großteils sonnigen Samstag belohnt. Neues Monat, neues Glück, die verregneten und schwer unterkühlten letzten Tage im Mai hinter sich gelassen, startete der Tour-Zirkus am 1. Tag des Monats Juni endlich hinein ins größte und wichtigste Event des Jahres. Und dieser Samstag, er wurde zum “Super-Saturday”! Denn mit dem organisatorischen Gewaltakt von 32 absolvierten Matches, konnte – zumindest vorerst – der drohende “Super-Gau” eines komplett ins Wasser gefallenen zweiten Saison-Major-Bewerbs abgewendet werden. Sportlich war am Ende des Tages also die Hälfte des kompletten Mai-Grand-Slam-Programms in trockenen Tüchern, doch so rund wie der abgelaufene Spieltag nach Außen wirkte, war es hinter den Kulissen des Sandplatz-Klassikers nicht abgelaufen. Es war schon ein gehöriger organisatorischer und auch arbeitstechnischer Aufwand nötig, um die diversen im Vorfeld aufgetretenen Probleme rechtzeitig vor Beginn des Turniers aus der “HTT-Welt” zu schaffen. Ein Bericht von C.L

img_4454

img_4468

Mai-Grand-Slam-Auftakt mit riesigen Problemen hinter den Kulissen des Turniers

Knapp 70 Spieler am Start des zweiten Grand-Slam-Turniers des Jahres, dazu eine verheerende Wetterprognose, die dann zu allem Überfluss auch noch eintrat, und zwei ins Wasser gefallene Spieltage, an denen nicht eine einzige Partie des Mega-Rasters beim 679. Single-Turnier der Open Ära ausgetragen werden konnte, der Alptraum eines jeden Turnier-Veranstalters nahm Gestalt an. Doch das wäre alles noch nicht weiter tragisch gewesen! Die richtigen Probleme spielten sich hinter den Kulissen des 86. Grand-Slam-Turniers der Geschichte ab. Eine nicht liefernde Spedition, die nach dem Feiertag wohl kein Interesse hatte, am Fenstertag einen LKW voller Babolat-Artikel auf die Reise nach Wien-Hietzing zu schicken, und rund 800 Quadratmeter Regenplane, die eigentlich die Show-Courts des World Tennis Clubs vor den angekündigten Wassermassen schützen sollten, und stattdessen zu einem “Schuss ins Knie” wurden. Kurzum: Das größte Sandplatzturnier der Hobby-Tennisszene mit fast 70 auszuspielenden Matches stand am Freitag Abend plötzlich ohne eine einzige Dose Tennisbälle und mit drei verwüsteten Show-Courts da. Jetzt war guter Rat teuer!

img_4450

Wie ein kleiner aber feiner Tennis-Shop das größte Sandplatz-Turnier der Stadt rettet

Der Samstag-Morgen! Kaum zu glauben, aber die Sonne hatte nach Tagen des vergeblichen Kampfes gegen “Tief Frederik” endlich wieder einmal die Oberhand gewonnen. “Heiter” war damit das Programm des frühen Samstag Morgens, und das in jeder Hinsicht. “Heiter” war der Himmel über Wien, “heiter” auch die Laune des Veranstalters, und “Heiter” rettete auch das Mai-Grand-Slam mit einer “Hilfs-Aktion” in letzter Minute. “Heiter” ist nämlich der Name jenes Mannes, der in unkomplizierter Weise das möglich machte, was so manch großer Tennishändler im Süden Wiens nicht zuwege brachte. Mit drei Kartons “gelber Filz-Ware”, rasch und unbürokratisch zur Verfügung gestellt, hat sich ein bislang recht unbekannter Tennisshop in Rudolfsheim-Fünfhaus mit einem Schlag ins Rampenlicht der Hobby-Tennis-Tour-Szene “gehievt”. Schon einmal was von “Tennis-Stop” gehört. Nein, nun das ist ein kleiner aber feiner und äußerst gut sortierter Babolat-Shop auf der Hütteldorferstraße 89, der als Familienbetrieb der tennisbegeisterten “Heiters” seit einem Jahr am Markt ist. “Wir haben uns auf Babolat spezialisiert, und stehen interessierten Tennis-Spielern mit unseren Angeboten und günstigen Preisen jederzeit gerne zur Verfügung”, so Hr. Heiter, dessen Tennisshop schon in Kürze Geschäftspartner der Hobby-Tennis-Tour werden könnte.

img_4455

img_4467

Horst Gruber, Zaubermeister der feinen roten Asche, kämpft gegen Tief Frederik und die Auswirkungen der Planen-Pleite am Centercourt

Szenenwechsel nach Wien-Floridsdorf: Am Parkplatz vor der Anlage des World Tennis Clubs Dirnelwiese angekommen, ist bereits lautes Motorengeräusch zu vernehmen, und da ist er auch schon, der “einsame und unermüdliche Kämpfer” gegen widrigste äußere Verhältnisse, die das Mai-Tief “Frederik” dieser Tage in Richtung Strebersdorf schaufelt. Horst Gruber, der Obmann und “Zaubermeister in Sachen feinster rote Asche” sitzt seit 6 Uhr morgens auf seinem Traktor, und karrt unermüdlich Ladung um Ladung des feinen roten Pulvers hinunter auf den Centercourt. Und das ist notwendig geworden,. weil sich die drei zentral gelegenen Schmuckstücke des World Tennis Clubs nach der “Planen-Pleite” in einem optisch und auch praktisch katastrophalen Zustand befinden. Ja, der gutgemeinte Kraftakt mit ausgelegten Regenplanen, die die Showcourts vor den beiden vergangenen intensiven Regentagen schützen sollten, wurde zum Schuss ins eigene Knie. Weil zuviel Wasser oben auf das Plastik drückte, und am Ende seitlich überlief, hatten 800 Quadratmeter der durchsichtigen Schutzschicht mehr Schaden angerichtet als Schutz geboten. Ein Glück freilich, dass der WTC und damit die 22. Auflage des Mai-Grand-Slam-Turniers in Person von Horst Gruber einen Platz-Kosmetiker haben, der mit einer beinahe schon unnatürlichen Portion Optimismus und Idealismus zu Werke geht. Jeder andere Platzbetreiber hätte angesichts der Wetterprognosen schon im Vorfeld die Flinte ins Korn geworfen, erst recht nach einem Desaster wie den drei zerstörten Showcourts auf der Anlage. Nicht aber der “Horstl”, der um einen reibungslosen Ablauf seines “Grand-Slam-Debüts” kämpft, wie wenn perfektes Frühjahrswetter die “French Open der HTT” begleiten würde. Ein Großes Dankeschön und ein riesiges Kompliment im Namen aller Spieler des 22. Mai-Grand-Slam-Turniers 2013!

img_4492

img_4497

Marhold eröffnet um exakt 10:17 Uhr das 22. Mai-Grand-Slam-Turnier 2013, das mit Jan-Philip Toader aus Deutschland seinen ersten Sieger hat

Und während der “Centercourt-Chef” noch mit schwerem Gerät um Schadensbegrenzung auf den WTC-Tennisplätzen kämpfte, ging es dann doch noch los, das 310. Sandplatz-Turnier der Open Ära. Um exakt 10:17 Uhr war es soweit, schraubte sich Mai-Challenger-Champion Gerald Marhold im Eröffnungsduell mit Deutschlands Jan-Philip Toader bei eigenem Aufschlag in die Lüfte, und damit war es nach mühsamen Stunden des Wartens also endlich losgegangen mit dem Saison-Highlight auf roter Asche. “Das wird wohl meine einzige Story bleiben an diesem Wochenende”, meinte Gerald Marhold nach dem ersten Seitenwechsel betreffend seines “ersten Aufschlages zur heurigen Mai-Grand-Slam-Ausgabe”. Und wie Recht der 34jährige doch behalten sollte, denn 50 Minuten später war der “Major-Zauber” für den 3fachen Turniersieger auch schon wieder vorbei. Weit weg von jener Performance, mit der er in den vergangenen Wochen eigentlich einen ganz ordentlichen Formanstieg erkennen ließ, schlitterte der Mai-Challenger-Sieger in sein nächstes persönliches “French-Open-Debakel”. Marhold und das Mai-Grand-Slam-Turnier, das passte in 5 Jahren und ebensovielen Versuchen noch nie zusammen. 2009 beim Debüt rutschte er in Runde 1 gegen Norbert Heuberger auf der roten Asche aus, 2010 “bombte” ihn Aufschlag-Monster Andreas Fegerl gleich zum Auftakt aus dem Bewerb, ehe er 2011 richtiges Lospech beklagen durfte, ehe ihn gegen Nikolaus Kremser in Runde 1 das Aus ereilte. Im Vorjahr handelte sich Marhold eine unnnötige Startniederlage gegen Michael Pichler ein, und heuer nun das Debakel gegen einen immer stärker werdenden Jan-Philipp Toader, den man in Zukunft bei 150er und 250er-Turnieren auf der Rechnung haben sollte. “Heute ist absolut nichts gegangen. Mit der Form der letzten Wochen, hätte ich diesmal die erste Runde packen können”, ärgerte sich Marhold, während sein Bezwinger glücklich mit der “Dirnelwiesen-Sonne” um die Wette strahlte. “Ich habe sehr gut gespielt. Das Wetter ist Klasse, der Platz war Klasse, es war ein guter Tag für mich, das hat richtig Spaß gemacht”, betonte der seit 6 Jahren in Wien lebende 26jährige aus Düsseldorf, der übrigens dann unerwarteter Weise fünf Stunden später nochmals auf den Platz kam, um im kurzfristig eingeschobenen Zweitrunden-Match gegen Vorjahres-Semifinalist Clemens Beywinkler aufzulaufen. Dort gab es gegen den an Nummer 12 gesetzten BMTC-Jungstar ein 4:6, 3:6, womit auch für Deutschlands Nr. 3 sein Grand-Slam-Debüt zu Ende war.

img_5041

img_4709

img_4509

Krzeminski legt Image des reinen Doppelspielers ab, und verwehrt mit einem klaren Sieg über Thomas Peyerl dem Challenger-Tour-Final-Champion seinen 100. Karriere-Einzelsieg

Ebenfalls im Doppelpack war Polens neuer HTT-Star Bartosz Krzeminski am Samstag Vormittag im Einsatz. Der 33jährige aus Koszalin kommt im Single immer besser in Fahrt, und legt damit immer mehr das fälschlich entstandene Image des reinen Doppel-Spezialisten ab. Natürlich glänzte “Bartek” im Winter in der Halle bei den Doppel-Events der Hobby-Tennis-Tour, doch auch ohne Partner an seiner Seite, weiß sich der routinierte Pole großartig in Szene zu setzen. Zunächst demonstrierte Krzeminski mit einem glatten 6:1, 6:3 über Terra-Rossa-Star Thomas Peyerl seine große Klasse, womit dem regierenden Challenger-Tour-Final-Champion der 100. Einzelsieg seiner Karriere – zumindest vorläufig – verwehrt blieb. Das Peyerl den Jubiläums-Erfolg aber gegen einen echten Klasse-Mann verpasste, zeigte der zweite Auftritt des polnischen Tour-Stars, der sich mit Deutschlands Nr. 1 im Kampf um das erste Achtelfinal-Ticket an diesem Wochenende messen durfte. Und der 33jährige tat dies mit einer großartigen Leistung, die womöglich mit ein bißchen mehr Glück und dem nötigen Ausnützen des durchaus vorhandenen Momentums zu mehr gereicht hätte. Denn auf der anderen Seite des Netzes stand mit Jan-Philip Hupasch zwar die deutsche Nummer 1 und der mit drei Indoor-Titeln ausgezeichnete Hallen-Krösus aus Varel in Niedersachsen, doch eine “große Nummer” auf Sand, ist der Norddeutsche bislang noch nicht. Es müsste schon mit einem kleinen Wunder hier zugehen, wenn Hupasch am Ende des Turniers mit dem Silber-Pott vor den Fotographen posieren würde. Seine Art Tennis zu spielen ist – vornehm ausgedrückt – nicht die günstigste Variante, um auf roter rutschiger Asche zum Erfolg zu kommen. Dazu kommen seine anatomischen Gegebenheiten, die ihn auf Sand auch krass benachteiligen. Groß, korpulent, beinahe schwerfällig in seinen Bewegungen, große Champs bei den “big events on clay” sehen anders aus.

img_4736

img_4533

Deutschlands Nr. 1 und die Nr. 6 des Mai-Grand-Slam-Turniers Jan-Philip Hupasch hadert mit langsamen Verhältnissen im World Tennis Club Dirnelwiese

Dieser Tage kommt noch hinzu, dass die permanenten Niederschläge seit Donnerstag die Plätze im WTC bzw. das Spiel darauf so richtig langsam gemacht haben. Nicht die Verhältnisse, mit denen Hupasch seinen Kontrahenten sonst Angst macht. Und so mühte sich die Nummer 6 des Turniers zu einem Arbeitssieg und als erster Spieler ins Achtelfinale des zweiten Saison-Majors. Das der 21jährige aus Varel nicht schon bei seinem ersten Auftritt Überstunden schieben musste, lag wohl auch ein bißchen an seinem Gegner, der womöglich erschrocken über eine klare 5:1 Führung im zweiten Satz vergessen hatte, den Sack auch noch zuzumachen. 4 Satzbälle ließ der Mann aus Westpommern bei 5:3 aus, ehe sich Hupasch mit seinem 28. Karriere-Einzelsieg eine Runde weitergeschummelt hatte. “Ich bin schon ein bißchen enttäuscht. Ich war wirklich nahe dran am Satzgewinn, und in einem dritten Durchgang kann alles passieren. Andererseits bin ich schon auch zufrieden, weil ich dieses Match gegen die Nr. 6 der Hobby-Tennis-Tour so eng gestalten konnte. Immer hatte ich mir vor dem Spiel nicht viel ausgerechnet. Jetzt muss ich aus diesem Spiel für die Zukunft lernen”, lächelte Krzeminski, während sein Bezwinger mit den aktuellen Verhältnissen haderte. “Es ist einfach zu langsam hier, das ist mein Problem. Ich konnte heute einfach keinen Winner schlagen”, so der 21jährige Niedersachse.

img_4765

img_4808

img_5072

Februar-Masters-Series-1000-Sieger Peter Klager “spaziert” nach einem souveränen Doppelpack ins Mai-Grand-Slam-Achtelfinale, wo ihn der erste Prüfstein erwarten wird

Er ist auch nach dem 7. Match seines Hobby-Tennis-Tour-Debüts im vergangenen Februar noch weiter ungeschlagen und ohne Satzverlust, er rangiert in der Jahreswertung nach dem Februar-Masters-Series-1000-Titel an glänzender 12. Position, und er gilt für viele Insider hier als Geheimfavorit auf den Titel oder zumindest für ein weiteres Spitzen-Resultat! Die Rede ist von Peter Klager, der sich am gestrigen Samstag bei seiner Grand-Slam-Premiere im Doppelpack nicht lange aufhielt, und mit zwei souveränen Erfolgen über Motycka-Ersatz Alexander Barbunopulos und den an Nummer 11 gesetzten Peter Baumann das Achtelfinale ansteuerte. Der 20jährige dominierte beide Partien aufgrund seiner individuellen Klasse, ließ dem halbgriechischen Terra-Rossa-Star Alex Barbunopulos immerhin vier Games, während es mit Peter Baumann eine Runde später den ersten Gesetzten traf, und das mit einer Doppel-Null noch dazu ziemlich brutal. Für den 49jährigen Routinier zahlte sich damit die Setzung beim Mai-Grand-Slam-Turnier nicht aus, was wieder einmal zeigt, wie stark diese Veranstaltung auch hinten raus besetzt ist. Obendrein muss Baumann nach der vierten Auftakt-Niederlage in Serie weiter auf den 50. Einzelsieg seiner Karriere warten, während Klager nun im Achtelfinale einen ersten Prüfstein in diesem Turnier erhalten wird, muss der noch ungeschlagene 20jährige doch gegen den Sieger der Partie Nikolaus Kremser gegen den an “5” gesetzten Mario Kiss ran.

img_5326

img_5259

Vorjahresfinalist Nikolaus Kremser nur mit Mühe gegen Ersatzmann Patrick Joksch weiter

Diese Partie wurde am späten Samstag Abend nicht mehr angesetzt, und damit ist der “French Open-Sieger von 2008” Mario Kiss entgegen ersten Befürchtungen am Montag noch immer im Bewerb. Leichter wird es für den 34jährigen Donaufeld-Star freilich nicht, denn mit Vorjahresfinalist Nikolaus Kremser wartet zum Auftakt ein Titel-Mitfavorit  auf den 3fachen Grand-Slam-Champion. Kremser setzte sich am Samstag Nachmittag am Centercourt des WTC gegen Horacek-Ersatzmann Patrick Joksch knapp mit 7:6, 6:4 durch, und wird sich auch noch gewaltig steigern müssen, wenn er sein Vorjahres-Resultat mit dem sensationellen Finaleinzug wiederholen möchte. Indes ist Auftaktgegner Patrick Joksch aber kein “Schlechter”, denn der 20jährige – der schon in der Indoor-Saison immer wieder mit Topleistungen auffiel – hielt in beiden Sätzen mächtig dagegen. Im ersten Durchgang hat Joksch bei 6:5 und 30:40 sogar einen Satzball, und insgesamt jede Menge “heller Momente” im Duell mit dem Vorjahres-Finalisten. Und das, obwohl Joksch derzeit bei weitem nicht jenes Tennispensum absolviert, mit dem er sich gerne verbessern würde. Die Matura – Teil 1 ist schon bestanden – steht derzeit logischer Weise im Vordergrund, danach sollte man vom Jungstar des TK Big Point Muckendorf aber noch einiges erwarten dürfen.

img_5335