Maftei kommt als erfolgreichster internationaler Spieler der Open Ära zum Mai-Grand-Slam

Rumäniens HTT-Topstar Rares Maftei kommt mit einem Erfolgserlebnis zu den heurigen French Open der Hobby-Tennis-Tour! Der 31jährige vom TC Donaufeld feierte am Dienstag Abend im Endspiel des Mai-HTT-250-Turniers beim World Tennis Club Dirnelwiese seinen ersten Saisontitel, und holte sich wenige Tage vor Beginn des zweiten Major-Saison-Events eine Art Moralinjektion im bevorstehenden Kampf mit den Giganten des Hobby-Tennis-Sports. Maftei besiegte in einem wenig hochklassigen, dafür um so dramatischeren Finale, WTC-Lokalmatador Markus Eichleter in 2:27 Stunden, und fixierte erst nach 5:7, 2:5 Rückstand und der Abwehr von drei Matchbällen den letztlich glücklichen aber nicht unverdienten 5:7, 7:5, 6:2 Finalerfolg. Mit seinem ersten Turniersieg seit dem vorjährigen Oktober-HTT-250-Triumph bei seinem Ex-Verein Terra Rossa, hat der 31jährige aus Bukarest scheinbar nicht nur zurück in die Erfolgsspur gefunden, sondern auch einen neuen Rekord aufgestellt. Mit seinem 7. Karriere-Turniersieg ist Maftei nunmehr ganz alleine der – an Titeln gemessen –  erfolgreichste internationale Spieler der Open Ära. Bislang musste sich Rumäniens Nr. 1 die Spitzenposition mit Deutschlands Robin Douglas, Tashi Liu aus China und dem Russen Stanislav Perepelkin – allesamt mit 6 Karriere-Turniersiegen – teilen. Ein Bericht von C.L

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“Drama in Orange” – Markus Eichleter vergibt 3 Matchbälle und muss als Dreisatz-Verlierer des Mai-HTT-250-Endspiels gegen Rares Maftei vom Platz

Am Ende waren 100 erzielte Punkte im Finale nicht genug, hatten selbst 3 Matchbälle nicht zum ganz großen heimischen Tennismärchen gereicht, und so stand WTC-Star Markus Eichleter am Dienstag Abend wenige Minuten nach 20 Uhr mit leeren Händen und leerem Blick am Centercourt seines Heimvereins. Fassungslos war man auch hoch droben im Salettl beim Anhang des Kärntners, über das was sich in den 60 Minuten zuvor auf der Dirnelwiese abgespielt hatte. Denn eine Stunde vor dem bitteren Gang zum Shakehands mit dem am Netz wartenden und strahlenden Rares Maftei, hatte Lokal-Hero Markus Eichleter drei ganz dicke Möglichkeiten, eine Woche vor dem Heim-Grand-Slam mit einem Überraschungserfolg “Renommee und Selbstvertrauen” zu tanken. Eineinhalb Stunden und zwei Sätze lang, hatte der 38jährige Arnoldsteiner in diesem 29. Saisonfinale beinahe alles richtig gemacht. Der Peyerl-Bezwinger lieferte als der aktivere Spieler eine solide Leistung ab, kam im ersten Heat nach frühem 1:3 Rückstand noch zum Satzgewinn, stand im zweiten Durchgang bei erwähnter 5:2 Führung ganz dicht vor seinem zweiten Turniersieg, und hatte den wirklich schlecht spielenden Top-Ten-Mann aus Burkarest scheinbar im Griff. Bis dem Kärntner drei Matchbälle signalisierten, “hey du bist dran am großen erträumten Heim-Triumph”. Was dann folgte war ein “Drama in Orange”. Mit schwerer Hand ließ der  WTC-Star alle drei “big points” aus, den dritten Matchball sogar per Doppelfehler. Geschockt und mental angeschlagen stolperte Eichleter dann durch den Rest des Matches, als ihm im entscheidenden dritten Satz auch noch die Kraft ausging. Mit schweren Beinen und schmerzhaften Krämpfen wurde die zweite Niederlage im dritten Karriere-Finale noch unerträglicher. Aber alles der Reihe nach!

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Maftei mit besserem Start und 3:1 Führung, Eichleter mit dem besseren Ende und dem 7:5 Gewinn des ersten Satzes

Rares Maftei war trotz mäßiger Saisonbilanz von 5:8 Siegen und weit weg von seiner Bestform, als Favorit in dieses Mai-HTT-250-Finale und die vierte Auflage des Duells mit Markus Eichleter gegangen. Das klare Head to Head von 3:0 untermauerte Mafteis Favoritenrolle noch zusätzlich, und so kam die rasche 3:1 Führung des Rumänen zu Beginn des Spieles eigentlich erwartet. Doch das der 31jährige “Karpaten-Server” heuer noch alles andere als ins Bestform agiert, und weit weg von seinem traditionellen Mai-Hoch durch die Lande tingelt, zeigte der weitere Verlauf des Eröffnungssatzes, in dem Eichleter zu einer furiosen Aufholjagd startete. Zunächst ließ Maftei noch zwei Break-Chancen zum 4:1 aus, ehe er mit einer unattraktiven Fehlerorgie massiv zum Verlust des ersten Satzes beitrug. Speziell auf der Vorhandseite produzierte der Challenger-Tour-Final-Champion von 2011 unerklärlich viele und vorallem leichte Eigenfehler, das gewohnt hohe Risiko beim zweiten Aufschlag ließ seine Doppelfehler-Quote dramatisch nach oben schnellen, und auch sonst hatte der an Nummer 1 gesetzte Top-Ten-Mann dem solide und offensiv bemüht spielenden Eichleter nichts entgegenzusetzen. Das der Kärntner daheim am Centercourt des WTC den ersten Satz nicht klar für sich entschied, lag wohl eher daran, dass er schon beim “Zumachen des Eröffnungs-Durchgangs” nervlich schwächelte. Maftei hatte weder das Tempo erhöht, noch wie durch ein Wunder zu seinem besten Tennis gefunden, und doch kam der Rumäne gegen einen wackelnden Gegner zum 5:5 Ausgleich. Im Finish patzte der Ex-Terra-Rossa-Star aber freilich derart hartnäckig und konstant mit Vorhand und Aufschlag, dass selbst Eichleter nicht anders konnte, als nach 49 Minuten endlich den ersten Satz und Dach und Fach zu bringen.

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Maftei mit 5:7, 2:5 Rückstand und Eichleter bei 3 Matchbällen ganz dicht dran am zweiten Tour-Titel seiner Karriere

Im zweiten Durchgang sah es dann wie schon erwähnt sehr lange nach dem Heim-Triumph des Markus Eichleter aus. Der 38jährige brachte seine Aufschlag-Games sicher und solide durch, während Maftei weiter wild durch die Gegend patzte, nach einem kassierten Break zum 1:3 bei 1:4 abermals mit zwei Break-Möglichkeiten seines Gegners zum möglichen 1:5 konfrontiert war, und längst mit dem Rücken zur Wand stehend schien. “Bei Maftei geht an diesem Nachmittag – zumindest bislang – gar nichts” war im Live-Ticker von hobbytennistour.at zu lesen, als der rumänische Donaufeld-Star auf der Verliererstraße unaufhaltsam in Richtung Debakel steuerte. Zwar konnte Maftei mit zwei Service-Winnern und durchgebrachtem Aufschlagspiel zum 2:4 das Schlimmste vorerst abwenden, die vergebene 5:1 Führung schien Markus Eichleter aber auch nicht weiter vom Erfolgsweg abzubringen. Der 38jährige aus Kärnten lieferte ein souveränes Aufschlagspiel zum 5:2 ab, ehe das Unheil in Form des vergebenen “Matchball-Triplepacks” seinen Lauf nehmen sollte. Zunächst servierte Maftei die Doppelfehler Nr. 8 und 9 direkt hintereinander ins Feld seines Gegners, der sich daraufhin mit einem sensationell getimten Stoppball seinen ersten Matchball erspielte. Einmal freilich funktionierte die bis dahin schon mit 50 Fehlern behaftete Maftei-Vorhand, und damit war der erste Championship-Point Eichleters abgewehrt. Kurz darauf beim Stand von 5:3 hatte es der Lokalmatador vom World Tennis Club Dirnelwiese vor den Augen seiner Freundin Sabine dann aber selbst in der Hand, zum ganz großen Schlag auszuholen. Bei eigenem Aufschlag und zwei Matchbällen nämlich, bei denen er mit richtig ärgerlichen Doppelfehlern versagte. Doch der Oktober-HTT-150-Champion aus dem Gailtal hatte längst mit seiner “Eisenhand” zu kämpfen, als er vor dem größten Triumph seiner bisherigen Karriere stand. Maftei sagte “Danke”, nahm die Eichleter’schen Geschenke ohne mit der Wimper zu zucken an, und drehte damit eine eigentlich längst verloren geglaubte Partie noch zu seinen Gunsten.

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Rares Maftei im Entscheidungssatz ungefährdet, während Markus Eichleter mit Krämpfen kämpft

Zunächst hatte Maftei nach weiteren 56 Minuten den zweiten Durchgang mit 7:5 für sich entschieden, und damit wieder alle Trümpfe in der Hand, sich mit Karriere-Titel Nr. 7 zum erfolgreichsten internationalen Spieler der Tour-Geschichte zu machen. Dieser Rekord war in der Folge nicht mehr gefährdet, auch wenn die ersten fünf Games der finalen Entscheidung offen verliefen. Beide Akteure präsentierten sich bei eigenem Aufschlag wenig konkurrenzfähig, was 5 Breaks in Serie zur Folge hatte. Mit dem ersten durchgebrachten Service-Game, stellte Maftei dann die Weichen in Richtung Titelgewinn. Mit 8 Punkten in Serie schoss der Mann aus Bukarest die 4:2 Führung heraus, der Rest war nur mehr Formsache. Weil Eichleter im Entscheidungssatz nicht ein einziges Aufschlagspiel durchbrachte, und der Kärntner sich mit Krämpfen herumplagte, während Maftei seine Fehlerquote halbwegs minimieren konnte, und dann beim Matchball auch noch von einem verschossenen Return seines Gegenübers profitierte. Nach 2:27 Stunden und 212 ausgespielten Punkten, nach 5:7, 2:5 Rückstand und 3 abgewehrten Matchbällen stand am Ende jener Mann mit der herrlichen Mai-HTT-250-Silber-Trophäe und dem Rekord als erfolgreichster internationaler Tour-Star im Blickpunkt, der noch vor drei Jahren ein mitleidig belächelter – um nicht zu sagen ausgelachter – Tour-Neuling war. Die Geschichte Mafteis, vom Tennisanfänger der sich bei seinen ersten Gehversuchen im Circuit chancenlos agierend gegen die Future-Tour-Spieler bis auf die Knochen blamierte, und vom Veranstalter fast zur Ausübung einer anderen Sportart überredet worden wäre, ist längst Legende. 36 Monate später ist dieser “Loser” mit 7 Turniersiegen der erfolgreichste ausländische Tourstar und längst fixer Bestandteil der Top Ten.

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Bisherige Saisonbilanz von Rares Maftei trotz Mai-HTT-250-Titel nicht zufriedenstellend

Zufrieden war der 31jährige aus Rumänien trotz des ersten Saison-Triumphs aber nicht. Die Form ist trotz Titelgewinn nicht jene, die er sich für die kommenden großen Aufgaben der Sandplatz-Saison wünschen würde, mit seinem Tennis ist der stets nach Perfektion strebende Maftei mehr als unzufrieden, und auch die Resultate ließen bislang zu wünschen übrig. Bei seinen bisherigen acht Saison-Turnierstarts kam der Neo-Donaufelder kein einziges Mal über das Viertelfinale hinaus, die dritte Runde war drei Mal auch schon das höchste der Gefühle. Und mit diesen eher matten Ergebnissen, sind auch die ausgegebenen Maftei-Ziele für 2013 in ganz weite Ferne gerückt. Von der anvisierten Nummer 1 und dem groß angekündigten Sprung auf den Ranglistenthron, ist Rares ganze Galaxien weit entfernt. Dabei geistern im Kopf des 31jährigen weiterhin nur die “Premium-Ziele” herum. Als Maftei nach dem Erreichen des Endspiels auf der Pressekonferenz gefragt wurde, ob er denn mit dem Erreichen seines ersten Saisonfinales zufrieden sei, antwortete der rumänische Überflieger beinahe genervt: “Nein natürlich nicht, ich stehe im Finale eines schlecht besetzten 250er-Turniers, aber was ich will sind Endspielteilnahmen bei einem Grand-Slam-Turnier”, knurrte der 31jährige aus Bukarest.

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Versprochener Striptease seiner Frau motivierte Maftei bei der Abwehr von 3 Matchbällen

Alles andere als zufrieden fiel daher natürlich auch die erste Bilanz des Ex-Terra-Rossa-Stars nach errungenem Titelgewinn aus. “Dieser Sieg war schwer erkämpft. Ich habe heute zu Beginn so blöd gespielt. Meine Vorhand war sehr schlecht, ich habe mich katastrophal bewegt, und ich hatte große Probleme mit dem Aufschlag. Die hohe Doppelfehler-Quote hat mich nicht geärgert, die ist bei mir immer hoch, weil ich eben viel Risiko beim zweiten Service nehme. Aber das mein erster Aufschlag so überhaupt nicht klappte, war ein echtes Problem heute. Dadurch sind mir kaum leichte Punkte gelungen”, so Maftei. Explosives wusste der 31jährige dann auf die Frage zu berichten, ob er sich bei 5:7, 2:5 und den drei Matchbällen seines Gegners schon als geschlagen betrachtet hatte. Und wieder kam eine unerwartete Antwort auf eine aus seiner Sicht wohl nicht qualifizierte Frage. “Überhaupt nicht. Ich hatte nie das Gefühl, hier als Verlierer vom Platz zu müssen. Ich war voll motiviert, weil mir meine Frau einen Striptease versprochen hatte, wenn ich mit dem silbernen Pokal nach Hause komme”, lachte Maftei. “Ich wollte hier nicht verlieren, und ich wusste auch bei 2:5 im zweiten Satz, dass meine Chance noch kommen würde. Ich wollte einfach nur sicher den Ball reinspielen und warten, ob Eichleter nervös werden würde. Und so war es dann auch. Ich habe danach Punkt um Punkt und viel über seine Vorhand gespielt”, betonte Maftei nach seinem 4. Sieg im 4. Duell mit dem Kärntner WTC-Star. Wenig Freude kam dann auch noch – wie erwartet – über den neuen Rekord auf. “Das freut mich nicht besonders, oder nicht extra, denn da sind vier 150er-Titel und nur 2 Turniersiege auf 250er-Ebene dabei. Ich muss einfach noch mehr an mir arbeiten. Ich bin weder richtig fit, noch habe ich zurzeit das nötige Selbstvertrauen, um bei großen Turnieren vorne mitspielen zu können. Doch genau das ist mein Ziel”, so der neue Mai-HTT-250-Champion, der mit seinem Erfolg den Doppelsieg des TC Donaufeld neben Mai-Future-Turniersieger Karl Ader perfekt machte.

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Markus Eichleter zwischen Betroffenheit über drei vergebene Matchbälle und Frohmut über die gezeigte Leistung in diesem Turnier

Betroffen, gezeichnet und mit leerem Gesichtsausdruck saß derweil Markus Eichleter bei der abschließenden Pressekonferenz. In Gedanken versunken, wahrscheinlich auf der Suche nach den Ursachen, nachdem er eine Stunde zuvor so knapp am Märchen “Titel daham” vorbeischrammte. “Ich habe keine Ahnung was da passiert ist. Ich wollte in dieser Phase bei meinen Matchbällen den Ball nur reinspielen, damit der Rares mit seiner Vorhand die Fehler macht. Stattdessen habe ich dann die Fehler gemacht. Ich bin gerade voll leer. Ich kann gar nicht erklären, was geschehen ist. Eigentlich war das Erreichen des Finales zu Turnierbeginn nur ein schöner Traum. Dann schlage ich sogar den Thomas Peyerl, und jetzt das. Vielleicht wäre es anders gelaufen, wenn der Hühne im Semifinale nicht w.o. gegeben hätte, und der Maftei damit auch hätte spielen müssen. Vielleicht war es aber auch die Verschiebung von Montag auf Dienstag, die mir Probleme machte. Eigentlich wollte ich schon gestern unbedingt spielen. Ich war am Montag voll fokussiert, und es war gar nicht so einfach, heute wieder die Konzentration aufzubauen. Aber vielleicht muss man das Ganze auch positiv sehen. Ich habe mein Bestes gegeben, und ich hatte drei Matchbälle. Ich hätte den Maftei also heute schlagen können, und das ist auch was Positives. Ich habe bislang immer glatt in zwei Sätzen gegen ihn verloren, heute habe ich einen Satz geholt. Ich bin auf einem guten Weg, und muss mir heute nichts vorwerfen. Ich bin mit dem Erreichten bei diesem Turnier voll zufrieden. Außerdem habe ich heuer schon viel erreicht, das ich echt eine Super-Sache”, resümierte der unterlegene WTC-Star.

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