Super-Oldie Karl Ader schreibt mit Future-Doppelpack Tour-Geschichte

Super-Oldie Karl Ader hat am Dienstag Nachmittag neuerlich Tour-Geschichte geschrieben, und sich mit dem Titelgewinn beim Mai-Future-Turnier im World Tennis Club Dirnelwiese endgültig unsterblich gemacht. Der Seniors-Star vom TC Donaufeld kämpfte im Endspiel des 30. Saison-Events den um 23 Jahre jüngeren Hartmuth Beck in nervenaufreibenden und spannungsvollen 2:17 Stunden mit 6:4, 7:6 nieder, und kürte sich damit erneut zum ältesten Turniersieger der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte. 4 Wochen nach seinem Premieren-Erfolg beim April-Future und 18 Tage vor seinem 70. Geburtstag verbesserte Ader also seinen eigenen Rekord als “ältester Titelträger der Open Ära” auf den sensationellen Bestwert von 69,11 Jahren. Eine Rekordmarke für die Ewigkeit! Ein Bericht von C.L

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Karl Ader – der etwas andere Fast-Siebziger

Seit Wochen wartet die Tour-Community auf diesen einen Bericht vom “Koarl”, vom “Super-Oldie”, von Karl Ader, der beim April-Future-Turnier 2013 im World Tennis Club Dirnelwiese einen Rekord für die Ewigkeit aufstellte, und mit dem Finalerfolg über Robert Priewasser für einen allseits bewunderten Triumph sorgte. Mit fast 70 Jahren hirschte Ader über die Courts der Dirnelwiese und der jungen Kollegenschaft auf und davon. Auf die Titelstory warteten der geniale Super-Oldboy und seine riesige Fan-Gemeinde bis dato allerdings vergeblich, und so heckte der Donaufeld-Altmeister ganz einfach einen neuen Plan aus. Der abermalige Titelgewinn auf Future-Ebene musste dieser Tage her, denn ein zweites Mal wird sich der Veranstalter unter dem Druck des neuerlichen Sieges einen Medien-Boykott kaum erlauben. Und so brach Ader an diesem Wochenende an der nördlichen Stadtgrenze Wiens auf, diesen zweiten Karriere-Titel zu erzwingen. In den Runden vor dem großen – seinem vierten – Endspiel, präsentierte sich “Karl der Große” in bestechender Form und voll fokussiert auf das Gelingen des erneuten Husarenstücks, mit fast 70 Jahren auf der Hobby-Tennis-Tour zu triumphieren. Während viele andere Altersgenossen mit fast 70 in Seniorenheimen ihr Dasein fristen, und von diversen Wehwehchen geplagt ihre Schwierigkeiten mit dem Gehen ohne Stock haben, düpiert Karl Ader auf den Tenniscourts dieser Stadt die weitaus jüngere Konkurrenz auf Future-Tour-Ebene in einer souveränen Art und Weise, wie sie ihresgleichen sucht.

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Unentspannter Karl Ader holt sich den ersten Satz nach 46 Minuten mit 6:4

Mit nur sieben abgegebenen Games brauste der 69jährige in sein viertes Karriere-Finale, wobei vorallem die Präsenz und Aggressivität Aders im viertelfinalen Duell der Generationen gegen Martin Haslinger auffiel. Und auch im Endspiel war der Super-Oldie so richtig heiß, “aufgezuckert” wie wir umgangssprachlich sagen, und ungewohnt “unentspannt” obendrein. Ader wollte diesen Titel scheinbar unbedingt, der fast 70jährige gierte nach einer Wiederholung seines Premieren-Titels, und so wurde aus einem scheinbar “unwichtigen” Finale es “letztklassigen” Turniers ein richtig heißer Tanz am Centercourt des WTC. Drei Tage lang herrschte beim Mai-Future-Turnier nicht mehr als Friedhofs-Atmosphäre, ehe am gestrigen Dienstag-Nachmittag so richtig die Post abging. Beide Akteure starteten mit schwachen Aufschlagspielen, und so gab es gleich zu Beginn einmal vier Breaks in Serie zu bestaunen. Actiongeladen war die Anfangsphase des 30. Saisonfinales aber trotzdem schon, denn der merklich unentspannte Karl Ader hatte gegen Ende des vierten Games seinen ersten großen Auftritt. Einen strittigen Ball wollte Ader ganz klar auf der Linie gesehen haben, während Beck abwinkte und auf seiner Seite auf Out plädierte. Nach einem längeren Disput ließ sich Beck auf “zwei Neue” ein, während Ader den Fehler machte, und so sein Aufschlagspiel abgeben musste. Das kassierte Break noch nicht genug, echauffierte sich der Super-Oldie minutenlang über seinen Gegner und dessen “böswillige Entscheidung”, ehe Beck als erster Spieler mit durchgebrachtem Service glänzte, und auf 3:2 erhöhte. Erst als sich der 69jährige einigermaßen beruhigte, fand er zurück ins Spiel, und das gleich richtig imposant. Drei Games in Serie gewonnen, davon zwei zu Null geholt, der Routinier führte plötzlich 5:3, ehe er sich bei 5:4 in einem insgesamt 11 Minuten dauernden Aufschlagspiel und nach Abwehr von zwei Break-Chancen Becks, mit seinem 4. Satzball den ersten Durchgang nach 46 Minuten mit 6:4 sicherte.

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90minütiger und im Tie-Break endender zweiter Satz bringt Ader letztlich den 2. Titelgewinn seiner Karriere

 

Trotz Satzführung kam der sonst als so locker und entspannt bekannte Ader nicht von seiner “Aggressions-Welle” runter, und so monierte er plötzlich die obligate Satzpause, die sich Beck berechtigter Weise gönnte. Der 69jährige war also richtig heiß, holte zu Beginn des zweiten Heats zwei weitere Breaks zur 3:1 Führung, und steuerte unaufhaltsam in Richtung Titel Nr. 2. Auch weil Becks Spiel viel zu statisch wirkte an diesem sonnigen Nachmittag beim WTC, und der 46jährige mit vielen leichten Fehlern durchaus große Chancen auf “Mehr” vergeigte. Augenscheinlich war vorallem Becks Schwäche am Netz, die mit einer horrenden Bilanz von nur 4 Punkten aus 23 Netzangriffen in der Match-Statistik dokumentiert wurde. Dennoch fightete der 46jährige nach Kräften, und hielt den zweiten – am Ende insgesamt 90 Minuten dauernden – Satz mehr als nur offen. Ein starkes Aufschlagspiel zum 2:3, das Break zum 3:3, und Beck war wieder auf Augenhöhe mit dem Donaufelder Seniors-Star. Es folgten zwei weitere Breaks zum 4:4, ehe ein 13-Minuten-Game anstand, in dem Ader 4 Break-Gelegenheiten  ausläßt, ehe Beck mit seinem zweiten Spielball die 5:4 Führung klar macht. Das Game zum 5:5 war dann neuerlich überschattet von einer Ader-Diskussion ob eines knappen Balles neben – oder auf – der Linie, doch Beck ließ sich in dieser Phase nicht aus der Konzentration bringen, und ging mit Ass Nr. 3 abermals 6:5 in Führung. Ader seinerseits behielt beim zweiten Versuch in Serie gegen den Satzverlust zu servieren auch die Nerven, und fixierte den Tie-Break, wo er schließlich mit 7:4 die Oberhand behielt und mit einem Service-Winner nach insgesamt 1:27 Stunden den Mai-Future-Titel perfekt machte.

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Hartmuth Beck: “Wenn du so ein Match gewinnen willst, dann musst du ganz einfach besser spielen”

“Ich habe ganz einfach zu viele unforced errors gemacht, und ich war zu unfähig am Netz”, so bilanzierte Hartmuth Beck sein erstes Karriere-Finale auf der Hobby-Tennis-Tour. “Außerdem war der Karl wie eine Gummiwand. Wenn du so ein Match gewinnen willst, dann musst du ganz einfach besser spielen. Ich gratuliere dem Karl trotzdem. Er hat es verdient, auch wenn er heute das ganze Match nur herumgesudert hat. Ich habe leider in den letzten Tagen viel besser gespielt als heute im Finale, und was ich am Netz aufgeführt habe, war wirklich sensationell. Die einfachsten Bälle habe ich verhaut. Aber es war ja zum Glück nicht das letzte Turnier heuer auf der HTT, beim nächsten Mal wird es hoffentlich besser gehen”, verabschiedete sich der 46jährige.

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Karl Ader: “Ich wollte diesen Titel unbedingt”

Die Sonne war gerade am untergehen, als sich Karl Ader spät abends noch einmal mit seinem herrlich goldenen Pokal im Salettl des World Tennis Clubs zeigte. Der erneute Triumph, die Champagner-Dusche am Centercourt, der abermals verbesserte Alters-Rekord, die wunderschöne Trophäe und die Hoffnungen auf die große Final-Story, für den bald 70jährigen war der Dienstag Nachmittag ein perfekter in jeder Hinsicht, und obendrein auch ein sehr emotionaler Moment. So war Ader auf dem Weg zum Shakehands durchaus gerührt, und Markus Eichleter wollte gar ein paar Tränchen der Freude beim Super-Oldie gesehen haben. “Ich bin auch sehr zufrieden und glücklich mit dem heutigen Erfolg. Für mich ist dieser Titel genauso schön wie mein erster Sieg vor 4 Wochen. Es ist heute sehr eng geworden, weil der Hartmuth so überaus gescheit gespielt hat, und mich regelrecht zermürbte”, so der 69jährige. Und angesprochen auf seine Unentspanntheit im Finale, meinte Ader: “Ja, ich war heute sehr nervös und angespannt. Ich wollte diesen Turniersieg unbedingt”.

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Mai-Future-Turnier mit desaströsem und schlechtestem Nennergebnis seit August 2008

Zum Schluss hielt Ader seinen zweiten Pokal ins Blitzlichtgewitter der Fotographen, herrliche Bilder waren wieder entstanden, und damit schien die 2. Auflage des Mai-Future-Turniers im großen Erfolg zu enden. Doch die heile Welt war – von einer prächtig in Szene gesetzten Siegerehrung – nur Schein, denn was sich am Wochenende beim WTC absspielte, muss schon ernsthaft hinterfragt werden. Kann man nach einem Turnier-Debakel mit nur 13 Teilnehmern ganz einfach zur Tagesordnung übergehen. Gerade einmal 34 Nennungen bei beiden Events , und das eine Woche vor den French Open der HTT, eine Pleite sondergleichen, die beinahe historische Ausmaße annahm. In jedem Fall musste man beim Gang ins Archiv schon sehr weit zurückblättern, ehe man ein ähnlich desaströs Nennergebnis wie an diesem Weekend fand. 13 minusmäßige Nennungen gab es letztmals im August 2008 bei einem Challenger-Turnier, und noch schwächer besetzt war in den letzten 8 Jahren nur das Februar-Challenger-Turnier 2007 im Tennispoint Vienna, als gerade einmal 11 Akteure ein mehr als kümmerliches Turnierdasein fristeten. Doch woran lag dieses richtig enttäuschende Nennergebnis? War es die Meisterschaft, das prognostizierte Schlechtwetter, oder das Monatsende mit knappen Geldbörsen der Tourstars? Auf die Analyse und das Ergebnis kann man schon gespannt sein.

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