Favoritensiege am 2. November-WTB-Spieltag

Durchwegs mit Favoritensiegen ist am Samstag Abend der zweite Spieltag beim 14. November-WTB-Turnier im Tennispoint Vienna zu Ende gegangen. Zwar musste sich im Achtelfinale die Nummer 1 des Bewerbs Christoph Kramer frühzeitig verabschieden, doch sein Aus gegen Titelverteidiger Victor Stabrawa kam für viele Insider nicht sonderlich überraschend. Der Rest des Starauflaufs beim glänzend besetzten November-WTB hatte keinerlei Probleme und bleibt uns auch noch für den Turnier-Sonntag erhalten. Ein Bericht von C.L

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Für Christoph Kramer endet Jubiläums-Auftritt frühzeitig

Ausgerechnet beim Jubiläums-Auftritt war für die Nummer 1 des November-WTB-Turniers 2009 frühzeitig Schluss. Den Ranglisten-Vierten Christoph Kramer, seit 1997 auf der Tour und heuer bereits zum 10. Mal beim November-WTB am Start, ereilte im Achtelfinal-Schlagerspiel des Tages gegen Vorjahressieger Victor Stabrawa verfrüht das Aus. Der 26jährige Neo-Leopoldsdorfer musste sich in einem spannenden aber wenig hochklassigen Match nach 2:04 Stunden mit 6:7, 2:6 geschlagen geben und die Hoffnungen auf eine vierte Viertelfinal-Teilnahme beim 40-Punkte-Klassiker begraben. Die Entscheidung in einem von vielen Eigenfehlern geprägten Schluss-Single auf Court Nr. 7 fiel mit dem Tie-Break des ersten Satzes. Nach fast eineinhalb Stunden hatte Stabrawa diesen für sich entschieden, und einem müde wirkenden Gegner damit auch auf mentaler Ebene die “Schneid abgekauft”. Danach ging beim Tour-Rekordler gar nichts mehr, und so musste sich Kramer mit kleinen statistischen Nebenerfolgen bei seinem 35. Saison-Auftritt begnügen. Der 26jährige spielte wie erwähnt sein 10. November-WTB-Turnier, baute seinen Rekord an “gespielten Turnieren in Serie” auf unglaubliche 75 Einsätze aus und feierte in Runde 1 gegen September-First-Series-Sieger Roman Riegler den 165. Einzelsieg seiner Karriere.

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“Schleichendes Karriere-Ende” bei frustriertem Roman Riegler?

Apropos Roman Riegler. Der 26jährige Oberösterreicher haderte nach dem Auftakt-Aus gegen Kramer wieder einmal mit dem Schicksal. Vom Auslosungspech verfolgt und von heftigen Motivationsproblemen geplagt, rutschte Riegler so wie im Vorjahr gegen Nenad Vladusic bereits nach dem Eröffnungsmatch aus. Gelegentlich ganz gute Phasen wie z.B. im ersten Satz, als der September-First-Series-Champion mit 4:2 führte, genügten nicht, um gegen Masters-Fixtstarter Christoph Kramer die Niederlagen-Serie zu beenden. Im Gegenteil: Der Oberösterreicher prolongierte seinen momentanen Negativ-Lauf auf der Tour, der ihn seit dem Gewinn seines ersten Karriere-Titels wie ein böser Fluch verfolgt. So schlitterte der gebürtige Linzer beim 29. Saisonturnier in seine bereits 18. Erstrunden-Niederlage, so kassierte er die dritte Auftakt-Pleite in der Halle in Folge und so musste er sich zum bereits vierten Mal in ununterbrochener Reihenfolge nach dem ersten Match eines Tour-Bewerbs verabschieden. Kein Wunder daher, dass die Stimmung bei Riegler tief im Keller angelangt ist. Vom möglichen Karriere-Ende nach der Saison ist da aus seinen Kommentaren sogar herauszuhören. “Mein größtes Problem ist im Augenblick die innere Einstellung”, begründete Riegler sein momentanes Tour-Tief.

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Kostolani am schnellsten und Stangl am eindrucksvollsten ins Achtelfinale

Problemlos spazierten am Samstag Abend auch die mitfavorisierten Herren Gerald Kostolani, Gerald Stangl und Michael Karner ins November-WTB-Achtelfinale. Am schnellsten löste dabei der 3fache Saisonsieger Gerald Kostolani sein Ticket für die letzten 16, immerhin benötigte der Vösendorfer Meisterschaftsspieler gerade einmal 35 Minuten um Second-Series-Star Patrick Khandroo mit 6:1, 6:0 abzufertigen. Den stärksten Eindruck der November-WTB-Stars hinterließ am Samstag Nachmittag aber Gerald Stangl. Der 39jährige kippte nämlich in Runde 1 mit Philipp Mayer den aktuellen September-WTB-Champ aus dem Turnier. Dabei beeindruckte Stangl mit druckvollem und vorallem höchst präzisen Tennis von der Grundlinie, eine Performance die ganz stark an seine besten Phasen aus der vergangenen Saison erinnerte. Stangl ließ im Duell mit Mayer nichts anbrennen und gewann sein Auftakt-Match mit 6:1, 6:3. Damit ging auch der zweite direkte Vergleich des Ranglisten-16ten mit dem Schärdinger Tour-Neuling klar an Stangl. Einen gelungenen Turnier-Einstand feierte am Samstag Abend auch der November-WTT-Finalist von 2007 Michael Karner. Der 18jährige Niederösterreicher, der heuer beim März-Super-4-Turnier in der Südstadt mit Siegen über Gerald Stangl und Thomas Müller für Furore sorgte, deklassierte den ägyptischen Qualifikanten Basel Abdelmoneim mit 6:1, 6:1 und trifft nun im Achtelfinale auf Alexander Neuhauser.

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Staatsmeister Martin Schneiderbauer sieht Winter-Debakel in Runde 1

Hohen Besuch gab es am zweiten Spieltag des November-Without-Top-Ten-Turniers beim Erstrundenmatch zwischen Markus Winter und Alexander Neuhauser. Kein geringerer als der amtierende österreichische Freiluft-Tennis-Staatsmeister Martin Schneiderbauer saß auf der Zuseherbank des 9er-Courts im Tennispoint und beobachtete mit Argusaugen den Auftritt von September-First-Series-Finalist Markus Winter. Der Grund: Schneiderbauer ist der Coach des 19jährigen und extra zur Spielbeobachtung angereist. Was er zu sehen bekam, dürfte ihm wohl weniger gefallen haben. Ja mehr noch, zeigte sich der Staatsmeister aus Steyr regelrecht schockiert von der Darbietung seines Schützlings. “Ein Wahnsinn, im Training spielt der Markus um Klassen besser”, kommentierte Schneiderbauer die traurige Vorstellung Winters, die am Ende mit einem 2:6, 2:6 gegen Alexander Neuhauser endete. “Ich bin relativ zufrieden, obwohl doch einige Hänger dabei waren”, befand hingegen der Sieger.

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Second-Series-Quartett stürmt in die zweite November-WTB-Runde

Was tat sich sonst noch am zweiten Spieltag des 14. November-WTB-Turniers 2009? Für Werner Kovarik ist das letzte WTB-Saison-Event wieder einmal ein guter Boden. Bei seinem dritten Start überstand der Wiener zum dritten Mal die erste Runde, heuer mit einem 6:2, 7:5 Erfolg über Robert Grünwald. Der 34jährige präsentierte sich im Vergleich zu seinen vielen matten und launenhaften Freiluft-Auftritten dieser Saison diesmal extrem spielfreudig, und feierte die Rückkehr in seine geliebte Halle mit dem 48. Einzelsieg seiner Karriere. “Von mir aus könnten wir das ganze Jahr in der Halle spielen”, strahlte der Kovarik und war damit einer der zahlreichen Glücklichen, die den Indoor-Start herbeigesehnt hatten. Einer von ihnen ist auch Luigi Sergi, zumindest präsentierte sich der Mann mit dem italienischen Namen bei der Rückkehr in die Halle recht erfolgreich. Fast die gesamte Freiluftsaison hatte Sergi wegen Rückenproblemen ausgelassen, am Samstag Nachmittag wirkte er mit einem siegreichen Doppelpack aber durchaus fit. Zwar darf man den Einzug ins Viertelfinale nicht überbewerten, zeigte Sergi vorallem in der Auftaktpartie gegen Marcus Rotter doch noch einige Schwächen, rechnen wird man mit “Luigi” in dieser Hallensaison aber wieder müssen. Das zeigte auch sein achtelfinaler Auftritt gegen Michael Holasek. Da wirkte Sergi schon um ein vielfaches aggressiver und druckvoller, ehe ihm in einem spannenden Finish der gewonnene Tie-Break von Durchgang 2 den Sieg in einem interessanten und guten Match brachte. “Es war ein sehr schönes Match. Ich bin zufrieden. Leider konnte ich im zweiten Satz eine 6:5 Führung nicht behaupten”, trauerte hingegen Holasek dem knapp vergebenen Aufstieg ins Viertelfinale nach. Ein kräftiges Lebenszeichen gaben auch die Second-Series-Stars beim 14. November-WTB-Turnier von sich. Gleich 4 der Underdogs haben am zweiten Spieltag die Auftakthürde mit Erfolg gemeistert. Tour-Promie Louie Austen deklassierte im Generationen-Duell WAT-Landstrasse Jungstar Michael Tauschmann mit 6:1, 6:0. Deutlicher als das Resultat fiel nur der Altersunterschied zwischen den beiden Akteuren aus. Mehr als ein halbes Jahrhundert, nämlich exakt 51 Jahre trennten den jüngsten und den ältesten Teilnehmer des November-WTB-Turniers in ihrem Duell zur ersten Runde. Ein Jahr älter als Michael Tauschmann und auch eine Runde weiter als der Somloi-Bezwinger ist Sebastian Caesar. Der 13jährige vermasselte mit einem 6:3, 6:1 Erfolg das Comeback seines Gegners Clemens Lederbauer. Der Schützling von Robert Libal musste zuletzt sechs Wochen wegen einer Blinddarm-Operation pausieren. Ebenfalls im Achtelfinale steht auch Peter Prinz. Der 38jährige kämpfte in einem attraktiven und spannenden Geschlechter-Duell Teenie-Star Bozana Djordjic in drei Sätzen nieder, und prolongierte damit auch seine persönliche Erfolgs-Bilanz in Sachen Auftakt-Matches in der Halle. Noch nie hat der Terra-Rossa-Star nämlich in der ersten Runde eines Hallen-Turniers verloren, am Samstag gegen Djordjic diese Serie auf 5 siegreiche Erstrunden-Matches ausgebaut. Nur beim berühmten “Zumachen” hatte Prinz an diesem Nachmittag kleinere Probleme. Erst nach 5 vergebenen Matchbällen reichte es im sechsten Versuch zum Sieg. “Ich bin heute sehr zufrieden. Mehr kann ich nicht spielen. Vorallem bin ich stolz darauf, dass ich mich trotz Verlust des zweiten Satzes motivieren und am Ende das Match auch gewinnen konnte”, strahlte der Sieger.

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Claus Lippert, 1. November 2009