Backofen Landstraße als Bühne der hitzigen 19. Auflage im

“Wimbledon der Hobby-Tennis-Tour”

Man muss wohl kein Prophet sein um vorauszusagen, dass sich am bevorstehenden ersten Juli-Wochenende beim dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres der Spieler mit den größten Kraftreserven im 40-Mann starken Teilnehmerfeld durchsetzen wird. Ok, ganz ordentlich Tennis spielen wird er auch müssen, doch Kondition & Ausdauer werden beim 19. Juni-Grand-Slam-Turnier 2010 ganz wesentliche Faktoren sein. Denn es steht uns eine Hitzewelle ins Haus, mit Temperaturen jenseits der 30 Grad Marke und jenseits dessen was Tennisspieler gewöhnlich als angenehm empfinden. “Backofen” und “Sauna”, sind beides ganz treffende und am ersten Spieltag gefallene Bezeichnungen für das, was Harbarth & Co beim Höhepunkt der Rasensaison in Wien-Landstraße erwarten wid. Einen ersten Vorgeschmack gab es am späten Freitag Nachmittag, an dem fünf Einzel-Matches und eine Doppel-Partie zum Auftakt auf dem Programm standen. Ein Bericht von C.L

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Kann erstmals in der Geschichte ein Wimbledonsieger seinen Titel verteidigen?

Es ist sicherlich nicht das größte und wichtigste Turnier des Jahres, aber doch der mit Abstand prestigeträchtigste Titel den man als Spieler der Hobby-Tennis-Tour gewinnen kann. “Wimbledonsieger der HTT”, damit bleibt man in Spielerkreisen für immer bekannt. Nur 14 Spieler haben in der mehr als zwei Jahrzehnte langen Tour-Geschichte den “Titel aller Titel” davongetragen, und gleich sechs davon sind bei der 19. Auflage mit von der Partie. “Wimbledon” zu spielen, auch wenn es nicht am echten heiligen Rasen ist, scheint also bei den Akteuren der Tour mächtig “in” zu sein. Das Motto der heurigen Ausgabe ist klar: Wird erstmals in der langen Geschichte des Rasen-Majors der Vorjahressieger seinen Titel erfolgreich verteidigen können? Noch nie ist dieses Kunststück einem Rasen-Grand-Slam-Sieger gelungen, obwohl sich die Liste der Champions wie das “who is who” der Hobby-Tennis-Szene liest. Manche nennen es Fluch, andere Mythos, doch das es für “Wimbledon-Sieger der HTT” danach meist bergab geht, ist ein unwiderlegbares und beweisbares Faktum.

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Martin Kova gewinnt gegen Markus Hobiger sein erstes Grand-Slam-Single seit Jänner 2009

Am gestrigen Eröffnungstag waren dann gleich einmal zwei Herren am Start, die sich in ihrer Karriere schon die Rasenkrone aufsetzen durften. Einer von ihnen ist Martin Kova, der nicht nur im Jahre 2003 das wichtigste Rasenturnier gewann, sondern auch der Rekordspieler im “Rasen-Mekka” ist. Zum bereits 13. Mal schlug der 27jährige am Freitag Nachmittag beim Juni-Grand-Slam-Turnier auf, so oft wie kein anderer Spieler der Tour. Nicht immer freilich waren Kovas Auftritte ähnlich von Erfolg gekrönt wie 2003 in seiner besten Saison. Drei weitere Mal stand der ehemalige Ranglisten-Erste hier im Semifinale, gleich vier Mal musste er sich aber auch in Runde 1 verabschieden, so zum Beispiel im Vorjahr, wo er Bernhard Nagl im Auftakt-Duell zweier ehemaliger Wimbledon-Champions unterlag. Eine ähnliche Schmach konnte Kova heuer mit Erfolg verhindern, warf er doch zum Start des Rasen-Klassikers Markus Hobiger mit 6:2 und 6:3 aus dem Bewerb. Alles andere als hochklassig, viel eher auf bescheidenem Niveau plätscherte das Erstrunden-Match auf Court Nr. 5 dahin, mit einem Martin Kova der nie in Gefahr kam beim 13. Juni-Grand-Slam-Start vorzeitig auszurutschen, und mit einem Markus Hobiger, der nie auch nur annähernd im Stande war, dem an Nummer 7 gesetzten Champion von 2003 Paroli zu bieten. Und auch wenn Kova am Ende des Tages seiner Favoritenrolle zumindest “ergebnistechnisch” gerecht wurde, war der Erfolg vorallem für den 27jährigen sebst eine ungewohnte Sache. “War das mein erster Rasensieg seit mehr als vier Jahren”, fragte der Sieger in einer ersten Reaktion. Nein, doch es war Kovas erster Einzelerfolg bei einem Grand-Slam-Turnier seit Jänner 2009, als er in Runde 1 des Jänner-Grand-Slam-Turniers Nihad Berzengi schlagen konnte. Danach setzte es nur mehr Auftaktpleiten in schöner Regelmäßigkeit. Zumindest diese Negativserie konnte Kova am Freitag Abend also beenden. “Schwierig die ganze Sache, das hier ist nicht mein Belag. Und es war heute so unerträglich heiß, so heiß wie noch nie in diesem Jahr. Die nächste Runde wird schwer. Wenn Schremmer gegen Goodell spielt, heißt das nicht automatisch das Goodsell gewinnen wird. Und wenn der Schremmer siegen sollte, der kann ganz unangenehm hier auf diesem Belag werden”, stellte Kova nach dem Auftaktmatch seines 175. Karriere-Turnierstarts klar. Und Markus Hobiger? Der kann sich seit Freitag Abend auf ein langes Bade-Wochenende einstellen und freuen. “Wenn man gegen einen Spieler antreten muss, der schon 29 Turniere gewonnen hat, dann ist es schwer zu gewinnen. Der Kova ist eine Legende im Hobby-Tennis-Bereich, da muss man schon Respekt haben. Aber trotzdem war das Ziel heute die erste Runde zu gewinnen. Ich habe es ihm mit meinen Fehlern aber auch nicht sonderlich schwer gemacht. Bei dieser Hitze wollte ich mich nicht bewegen, ich denke aber das es nächste Woche auf Sand schon wieder viel besser gehen wird”, erklärte der 33jährige Guntramsdorfer, der vor einer Woche beim Juni-Super-4 sein 80. Karriere-Turnier bestritt.

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Tashi Liu verliert gegen Robert Rath zum ersten Mal in seiner Karriere in Runde 1 des Juni-Grand-Slam-Turniers

Weniger gut lief es am Eröffnungstag für den zweiten im Einsatz befindlichen ehemaligen “Wimbledonsieger der HTT”. Im Jahre 2002 war es, als Tashi Liu als erster internationaler Spieler einen Major-Titel erobern konnte, und so den größten Erfolg seiner Karriere feierte. Doch mittlerweile sind halt auch schon wieder 8 Jahre seither vergangen, und Asiens Nummer 1 längst nicht mehr in der Verfassung einstiger glorreicher Tage. Die letzten Wochen verletzungsbedingt außer Gefecht, kam beim Comeback am Freitag Abend dann auch noch Auslosungspech hinzu, stand ihm doch der frischgebackene Juni-Super-4-Finalist Robert Rath im Kampf um ein Achtelfinal-Ticket gegenüber. Und so geschah nach einem wenig berauschenden Duell am Centercout das aufgrund der Vozeichen scheinbar Unvermeidbare, nämlich das Tashi Liu erstmals in seiner langen Laufbahn im “Wimbledon der HTT” nicht die erste Runde überstand. Beim achten Antreten erwischte es den 32jähirgen, nach einer mehr als dürftigen Vorstellung wohl gemerkt. Und weil auch – der am vorigen Wochenende noch groß aufspielende – Robert Rath eine eher schwächere Darbietung ablieferte, artete der Erstrunden-Schlager zu einer trostlosen Nummer aus. Knapp über zwei Stunden quälten sich beide Akteure über den heiß nach oben strahlenden Kunstrasen, Liu mit spielerischen Mängeln nach seiner verletzungsbedingten Auszeit und Rath mit den üblichen Schwächephasen wenn es darum geht, eine herausgespielte Führung in das entsprechende Resultat umzumünzen. So wurde ein vermeintlich klare entschiedenes Match nach 5:1 Führung im zweiten Satz noch zu einer echten Zitterpartie. Die aktuellste Ausgabe der Entry-List spuckte den 29jährigen aus dem Marchfeld als neue Nummer 19 und damit erstmals in den Top 20 aus, gebührend konnte Rath diesen Umstand aber nicht begehen. “Letztendlich muss ich froh sein, dieses Spiel überhaupt noch gewonnen zu haben. Wenn der Tashi halbwegs fit ist, schaut es anders aus”, so der Juni-Super-4-Finalist.

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“Erste Gehversuche” von Markus Seitner, der gegen Terra-Rossa Star Jan Ohanessi den 125. Einzelsieg seiner Karriere feiert

Ebenfalls bereits im Achtelfinale steht die Nummer 5 des Turniers Markus Seitner. Der Salzburger, der 2008 schon einmal im Halbfinale des “Wimbledon-Turniers der HTT” stand, kämpfte am Freitag Abend Terra-Rossas Topstar Jan Ohanessi mit 6:4 und 6:2 nieder. Auch dieses Erstrunden-Match litt ganz nachhaltig unter den extrem heißen Bedingungen auf dem Kunstrasen von WAT Landstraße. Ohanessi hielt Durchgang 1 lange Zeit offen, ehe ihn plötzlich die Kräfte verließen. Womit man gegen einen Dauerläufer vom Kaliber eines Markus Seitner natürlich rasch auf verlorenem Posten steht. So war Durchgang 2 aus Sicht Ohanessis nur mehr ein “in Grenzen halten” der Niederlage, während der im aktuellen Entry-Ranking auf Platz 6 zurückgerutschte Seitner im 160. Karriere-Match den 125. Einzelsieg seiner Laufbahn einfahren konnte. “Das waren heute nicht mehr als erste Gehversuche auf diesem Platz. Hier auf Rasen kann ich nicht so laufen wie ich gerne möchte. Aber das wird schon noch. Trotzdem: Wenn der Jan im ersten Satz konzentriert bleibt, dann wäre es sehr eng geworden”, meinte der 30jährige. Keinen Kommentar wollte indes Jan Ohanessi abgeben. Für den 27jährigen Perser ist das Rasen-Grand-Slam-Turnier also schon vorbei bevor es richtig los geht. Eine Chance hat der Terra-Rosa-Star aber noch auf einen ersten Platz an diesem Weekend. Nämlich in der traditionellen Flop-Liste, die die unpassenst bekleideten Spieler im Wimbledon der HTT ausweist und die nach Turnierende erscheint.

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Spielfreudiger Harald Schauer düpiert formlosen Gerald Marhold

Problemlos die zweite Runde hat am gestrigen Nachmittag auch Harald Schauer erreicht. Der Steirer machte mit dem in einem hartnäckigen Formtief steckenden Gerald Marhold kurzen Prozess, und qualifizierte sich als überhaupt erster Spieler für die Runde der letzten 16 beim dritten Major-Event des Jahres. Schauer, der vor knapp drei Wochen in Runde 1 des Juni-WTB-Turniers gegen Christoph Kramer beim Stand von 1:6, 0:1 “lustlos” vom Platz ging, zeigte sich diesmal weitaus spielfreudiger und für einen fehlerhaft agierenden Gegner als eine Nummer zu groß. Es wäre ja nicht so, dass Marhold mit Spielern der Stärke von Harald Schauer nicht mithalten könnte, doch momentan hat Marhold ohne ganz andere Probleme und viel mehr mit sich selbst zu kämpfen. Der 31jährige sucht im Augenblick vergeblich nach seiner Form, kämpfte zudem vor wenigen Monaten mit einer hartnäckigen Krankheit und kam seither nie wieder zurück in die Erfolgsspur. Den ganzen Juni lang kein Match gewonnen, blieb der Wiener letztmals beim Mai-GP-Turnier Mitte Mai in drei Sätzen gegen Markus Hobiger erfolgreich. “Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben den Schläger geworden, da sagt alles über meine momentane Form”, klagte Marhold der sich nun für zwei Wochen auf einen Urlaub in die Toskana begeben und danach auf Sand einen Neuanfang starten wird. “Der Boden ist gewöhnungsbedürftig und die Hitze hat mir ein bißchen zugesetzt. Da draußen auf dem Platz war es echt brutal. In der nächsten Runde werde ich mich steigern müssen”, lachte Schauer nach einem Ausblick Richtung Achtelfinale wo unter Umständen der Sieger von 2007 Mario Kiss warten könnte.

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Das nächste Auftakt-Debakel – Peter Wenitzky kassiert gegen Andreas Tolunay die neunte Erstrunden-Niederlage in Serie

Kaum besser als Gerald Marhold ergeht es derzeit Second-Series-Star Peter Wenitzky. Der 21jährige aus Zwölfaxing kassierte am Freitag Abend im Quali-Duell gegen Andreas Tolunay ein bitteres 5:7, 6:1, 2:6 und damit bereits die neunte Erstrunden-Niederlage in Serie. Wenitzy der hier beim Juni-Grand-Slam-Turnier 2007 sein Tour-Debüt feierte, ist derzeit im Einzel komplett aus der Spur, während er im Doppel an der Seite von Thomas Peyerl die beste Saison seiner Laufbahn spielt. “Ich weiß auch nicht warum es im Single derzeit nicht läuft”, zeigte sich Peter ratlos. Sein Auftritt in der Quali-Runde gegen Andreas Tolunay war beschämend. Laut wurde der 21jährige nur verbal, spielerisch lieferte der Niederösterreicher ein bemitleidenswerte Nullnummer ab, während Tolunay langsam aber sicher in Form kommt. “Ja, ich spüre das die Form steigt. Jetzt fehlt nur mehr das “draufgehen” auf die Bälle. Heute habe ich sehr überlegt gespielt”, meinte der junge Mann vom TC Terra Rossa, der in Runde 2 am Samstag auf Thomas Peyerl treffen wird. Übrigens: Der mit 16 Teams glänzend besetzte Doppel-Raster hatte gleich im ersten Match eine kleine Überraschung zu bieten. Die “French-Open-Finalisten” Robert Rath und Alexander Neuhauser mussten sich zum Auftakt der Paarung Kova-Liu mit 1:6, 2:6 deutlich geschlagen geben.

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Claus Lippert, 2. Juli 2010