Premieren-Titel samt Rekord für Tour-Newcomer Hannes Pribitzer

Mit dem Premieren-Titel von Hannes Pribitzer und einem neuen Rekord ist am Dienstag Nachmittag die 7. Auflage des Mai-KAT.2-Turniers der Challenger-Tour im World Tennis Club Dirnelwiese zu Ende gegangen. Der 22jährige Wiener vom TV Oberrohrbach deklassierte in einem höchst einseitigen Finale den 31 Jahre älteren Friedrich Böck in nur 59 Minuten mit 6:1, 6:2, und sicherte sich damit bei seinem erst zweiten Antreten auf der Hobby-Tennis-Tour den ersten Turniersieg seiner Karriere, und das obendrein ohne Satzverlust. Echte Highlights hatte der knapp einstündige finale Auftritt der beiden Challenger-Stars am sonnenüberfluteten Centercourt keine, und doch war der frühe Nachmittag des 21. Mai 2013 nach verwandeltem Pribitzer-Matchball einer für die Geschichtsbücher. Denn mit seinem Triumph als aktuelle Nr. 439 der HTT-Computer-Rangliste stellte Pribitzer einen neuen Rekord auf, nämlich jenen als Turniersieger mit dem niedrigsten Ranking in der Open Ära seit 1990. Bislang hatte Thomas Peyerl als Nr. 398 bei seinem Oktober-Challenger-Erfolg 2012 die Bestmarke gehalten. Ein Bericht von C.L

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Pribitzer feiert ersten Titel auf der HTT hinsichtlich der Vorkommnisse im Viertelfinale nur schaumgebremst – “Ich bin doch nicht so blöd, und saufe mich vor einem wichtigen Match zu”

Er ist der 187. Turniersieger der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte, seit Dienstag Nachmittag exakt 15:27 Uhr der HTT-Champion mit dem niedrigsten Ranking der Open Ära, und zudem stolzer Inhaber eines Tickets für das große Challenger-Tour-Final Ende November im UTC La Ville, und doch war Hannes Pribitzer am Finaltag des verlängerten Pfingst-Tennis-Weekends nicht der strahlende und umjubelte Held. Einerseits ließ ein eher enttäuschendes und mattes Endspiel keine allzugroßen Jubelgesten und Emotionen zu, denn zu eindeutig hatte der neue Titelträger zuvor in 59 Minuten das Geschehen am Centercourt beherrscht. Und für extrovertiertes Abfeiern – so dürfte Pribitzer gefühlt haben – bestand auch kein Grund, zu umstritten waren die Turniertage davor im World Tennis Club Dirnelwiese an der nördlichen Stadtgrenze Wiens gelaufen. Den ersten Titel auf der HTT eher still und leise genießen, unter diesem Motto verbrachte der 22jährige Tour-Neuling den Dienstag Nachmittag im WTC, wenngleich Pribitzer vom Naturell sicher ein Typ sein dürfte, der solch einen Erfolg auch gebührend und ausgelassen gefeiert hätte. Doch die Vorkommnisse rund um sein Verwirrspiel in Sachen “Zu- und Absage” seines Viertelfinal-Duells mit April-Future-Tour-Sieger Karl Ader haben auch beim sonst stets fröhlichen und lebensfrohen Jungstar vom TV Oberrohrbach Spuren hinterlassen. In den Momenten des großen Triumphs kam beim neuen Mai-Challenger-Champion auch die menschliche Seite zum Vorschein, und so betonte der Newcomer in den vergangen Tagen immer wieder, dass er niemandem, und schon gar nicht dem Karl Ader auf den “Schlips treten wollte”. Und auch die nächtliche Party vor dem für Sonntag Abend angesetzten Viertelfinale mit angeblich exzessivem Ausgang, die schließlich im Krankenhaus endete, war so nicht abgelaufen, wie sich Pribitzer bei der Pressekonferenz beeilte klarzustellen. “Wir hatten eine Abschlussfeier, und ich habe nicht viel getrunken. Leider habe ich laut Arzt zuwenig gegessen, und deshalb ist der Kreislauf weggebrochen. Ich musste dann Kohlehydrate zu mir nehmen, viel trinken und mich ausruhen, und deshalb war ich auch so schnell wieder fit. Aber ich bin doch nicht so blöd, und saufe mich vor einem wichtigen Viertelfinale zu”, stellte Pribitzer die Geschehnisse der letzten Samstag-Nacht richtig.

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Hannes Pribitzer als logischer und verdienter Sieger des 7. Mai-Challenger-Turniers 2013

Sportlich betrachtet war der 22jährige an diesem verlängerten Pfingst-Weekend aber ohnehin der Beste. Den slowakischen Qualifikanten Georg Gallo ausgeschaltet, und damit die – immer schwierige – erste Hürde in einem Turnier gemeistert, war Pribitzer eigentlich fortan nicht mehr aufzuhalten. Zwar war er – wie in unseren Vorbereichten schon erwähnt – im Viertelfinale durch seine Aufgabe eigentlich schon ausgeschieden, doch weil Menschlichkeits-Champion Karl Ader seinen Konkurrenten wieder ins Titelrennen zurückholte, im Duell mit dem Junior die Nerven verlor, und erstmals in seinem Tennisleben ein Match aufgab, war der Weg frei ins Semifinale, wo für viele Insider und Experten das vorweggenommene Finale gegen Thomas Dewald anstand. Denn im tatsächlichen Finale war Friedrich Böck in keiner Phase des Spieles in der Lage, dem späteren Sieger auch nur annährend Paroli zu bieten. Körperlich war der 53jährige “platt” wie man umgangssprachlich so schön sagt, denn die vier Erfolge über Frederick Campbell, Hartmuth Beck, Rainer Draxler und Werner Kovarik haben – obwohl allesamt ohne Satzverlust errungen – mächtig viel Substanz gekostet. Und weil Böck im Endspiel obendrein noch mit der falschen Taktik sein zweites Karriere-Finale nach März 2011 bestritt, war der flotte Untergang rasch besiegelt. Mit einem sturen Defensivkonzept konnte Böck zwar gegen Kovarik & Co reüssieren, nicht aber gegen einen Hannes Pribitzer, der spielerisch mindestens eine Klasse stärker zu agieren im Stande war, als das von Böck besiegte Quartett auf dem Weg ins Finale.

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Friedrich Böck geht im ersten Satz nach nur 19 Minuten unter

Wenn deine Kraftreserven eigentlich längst aufgebraucht sind, dir zudem ein Kontrahent im Finale gegenübersteht, der spielerisch eine andere Kragenweite darstellt und obendrein topfit nach dem Pokal zu greifen versucht, dann bist du eigentlich dazu verdammt, volles Risiko zu nehmen. Erst recht, wenn sich schon nach wenigen Ballwechseln herauskristallisiert, dass der Gegner nicht den Fehler machen wird, bedingungslos auf jeden langsam und hoch daherfliegenden Ball mit einem Brachial-Winner zu antworten. Und weil Böck nicht in der Lage war, den späteren Sieger auszuspielen, war eigentlich nach nur zwei Games selbst dem ahnungslosesten Zuseher bewusst, dass es hier nur einen – und zwar ganz klaren – Sieger geben kann. Pribitzer startete in sein Premieren-Endspiel mit 9:0 Punkten, und dürfte wohl schon nach den ersten Ballwechseln – zumindest geahnt – haben, dass die hoch über dem Centercourt stehende Trophäe, am Abend in seinem Wohnzimmer Platz finden wird. Das Anschluss-Game Böcks mit eigenem Aufschlag zum 1:2 erzielt, vermittelte beim Zuschauer nicht das Gefühl, dass sich plötzlich ein engerer Spielverlauf entwickeln könnte. Im Gegenteil: Böck hatte sein Ehrengame im ersten Durchgang sicher, der nach nur 19 Minuten mit 6:1 an Pribitzer gegangen war. Der 53jährige hatte in dieser einseitigen Anfangsphase des 7. Mai-Challenger-Finales eigentlich nur gepunktet, wenn Pribitzer mit seiner Vorhand zu einem Fehlschlag ansetzte, ansonsten war der Eröffnungssatz aus Sicht des Routiniers statistisch betrachtet eine Katastrophe. Nur 11 Punkte insgesamt gemacht, gar nur 30 Prozent an ersten Aufschlägen im Feld des Gegners platziert, die ersten 19 Minuten seines 103. Karriere-Singles waren wohl mit die bittersten seiner seit Mai 2009 währenden Laufbahn.

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Auch Durchgang 2 verläuft unspektakulär und spannungslos

Auch Durchgang 2 war letztlich eine klare Sache für den Jungstar vom TV Oberrohrbach, obwohl er nach 2:0 Führung sein einziges Break in diesem Endspiel kassierte, und bei Böck womöglich sowas wie kurzfristige Hoffnung auf eine Wende aufkam. Doch schon im nächsten Game als es darum ging, das Break zu bestätigen, zog der stets mit Handbremse spielende Pribitzer das Tempo wieder an, um mit dem prompten Re-Break die Kräfteverhältnisse wieder herzustellen. Böck gelang zwar in der Folge noch ein zweites Game zum Zwischenstand von 2:4,  doch nach nur 59 Minuten war die Sache dann erledigt, und Pribitzer mit einem Vorhand-Winner und einem lauten “komm” endgültig Sieger der 7. Auflage des Mai-Challenger-Turniers auf der Dirnelwiese.

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“Vor einem Jahr hätte mich der Böck mit 6:0, 6:0 geschlagen”

“Ich freue mich extrem hier gewonnen zu haben. Es war ein toll organisiertes Turnier. Es gab für mich ein enges Match, und das war im Semifinale gegen Thomas Dewald. Doch auch die anderen Gegner durfte ich nie unterschätzen. Mir war auch vor dem Finale klar, dass der Böck ausschließlich ein Bringer ist, und die Sache damit nicht leicht werden würde. Das Match war sicher nicht schön anzuschauen, aber ich habe versucht, abzuwarten und den richtigen Moment für meine Angriffe zu wählen. Vor einem Jahr hätte mich der Böck in so einem Spiel mit 6:0, 6:0 besiegt, da war ich zu unerfahren und zu ungestüm”, so der Sieger, der dann auch noch ein letztes Mal zum Hickhack um die Ader-Partie Stellung nahm. “Ich wollte wie schon öfters gesagt, keinem Spieler hier auf den Schlips treten. Ich hätte alle Entscheidungen Aders respektiert. Er hätte sich aber wahrscheinlich nicht wohl gefühlt mit einem w.o. für mich. Aber ganz ehrlich: Wenn ich dieses Turnier nicht gewonnen hätte, dann wäre wohl der Dewald oder der Böck zum Sieg gekommen”, so Pribitzer. Und angesprchen auf den Rekord, als Nr. 439 nun der Titelträger mit dem niedrigsten Ranking der Open Ära zu sein, meinte der 22jährige: “Das ist eine extrem geile Geschichte, diesen Rekord geholt zu haben. So leicht wie es jetzt aussieht, war es nämlich nicht hier den Titel zu holen. Man muss als junger Spieler nämlich auch erst einmal jene Matches erfolgreich bestreiten, von denen alle sagen, die muss man unbedingt gewinnen”, so Pribitzer.

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“Ich bin in diesem Turnier in jedem Match mit der Bringer-Taktik zum Erfolg gekommen”

“Ich bin überhaupt nicht traurig”, stellte sich derweil auch Friedrich Böck der abschließenden Pressekonferenz im Salettl des World Tennis Clubs Dirnelwiese. Weil ich mit dem Frederick Campbell eine Runde mehr spielen musste, war ich vom ersten Match an auf Sparflamme unterwegs. Ich bin in diesem Turnier in jedem Match mit der Bringertaktik zum Erfolg gekommen. Knackpunkt war das Match gegen Hartmuth Beck im Achtelfinale, wo ich gerade noch einen dritten Satz vermeiden konnte. Ansonsten wäre mir die Kraft ausgegangen für das Match mit Rainer Draxler. Diesen Sieg hätte ich nie und nimmer geschafft. Im Semifinale gegen Kovarik war ich schon am absoluten Limit. Es tut mir auch sehr leid, dass ich ihm seinen ersten Finaleinzug weggenommen habe, aber ich habe halt auch nichts zu verschenken. Vor dem Finale wusste ich schon, dass ich gegen den Pribitzer keine Chance haben werde, aber ich bin mit dem Erreichten bei diesem Turnier doch zufrieden”, bilanzierte Friedrich Böck nach seinem 69. Karriere-Turnier-Start.

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