Markus Kurzemann nach sensationeller Aufholjagd zum 7. Karriere-Titel

Exakt zwei Wochen vor Beginn der “French Open der Hobby-Tennis-Tour” hat sich Vorarlbergs Nummer 1 Markus Kurzemann wieder ins Gespräch gebracht. Der 32jährige Dornbirner blieb bei der 18. Auflage des Mai-Masters-Series-1000-Turniers in vier Matches ohne Satzverlust, und feierte am Donnerstag Vormittag nach einer unglaublichen Aufholjagd im Finale gegen Serbiens Jungstar Filip Markovic seinen ersten Turniersieg seit Oktober letzten Jahres und den insgesamt 7. Titelgewinn seiner Karriere. Der Ländle-Star benötigte im Endspiel des 25. Saisonturniers allerdings 1:41 Stunden, um unter Aufbietung seines gesamten Könnens einen hauchdünnen 7:5, 6:4 Erfolg über Hupasch-Bezwinger Filip Markovic einfahren zu können. Nach drei Masters-Series-1000-Finalniederlagen in Serie setzte es für Kurzemann also wieder einmal ein Erfolgserlebnis, und mit seinem insgesamt erst zweiten HTT-Masters-1000-Titel kletterte der 32jährige im aktuellen Computer-Ranking auf Position Nr. 3 empor. Jungstar Filip Markovic durfte sich nach seinem zweiten verloren gegangenen  Karriere-Finale derweil mit dem erstmaligen Einzug unter die Top 20 im HTT-Entry-Ranking freuen. Ein Bericht von C.L

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Markus Kurzemann kommt im ersten Satz nach 1:5 Rückstand und zwei abgewehrten Satzbällen zurück

HTT-Star Markus Kurzemann hat sich am Donnerstag Vormittag mit einem wahren Husarenstück in den erweiterten Kreis der French-Open-Favoriten katapultiert. Der 32jährige sorgte mit einer famosen Aufholjagd im Endspiel des 18. Mai-Masters-Series-1000-Turniers für Furore, und kam trotz 1:5 Rückstandes und zwei abgewehrten Satzbällen gegen Serbiens Jungstar Filip Markovic noch zu Titelehren. Dabei schienen die Hoffnungen des ehemaligen Ranglisten-Ersten auf seinen ersten Masters-Series-1000-Titel seit Februar 2011 zunächst im wahrsten Sinne des Wortes vom Winde verweht zu werden. Mit den äußerst schwierigen Bedingungen am Centercourt des UTC La Ville kam nämlich zunächst einmal ganz klar sein Gegenüber besser zurecht. Markovic wirkte beim Service – und da vorallem beim Aufwurf – stabiler, er agierte an der Grundlinie weitaus aggressiver als sein 14 Jahre älteres Gegenüber, und er minimierte seine Fehlerquote, während Kurzemanns Spiel sich im böigen Wind am Altmannsdorfer Ast regelrecht auflöste. Nach nur 11 Minuten hatte Markovic mit zwei Breaks die scheinbare Vorentscheidung in Durchgang 1 herbeigeführt, und als der 18jährige eine Viertelstunde später bei 5:2 Führung und eigenem Aufschlag zwei Satzbälle hatte, deutete nichts, aber auch schon gar nichts darauf hin, dass Kurzemann in diesem ersten Satz noch zu einer Wende ansetzen könnte. Und doch geschah in der Folge das Unfassbare! Der bullige Ländle-Server packte plötzlich seine besten Schläge aus. Mit einem grandiosen “Half-Volley”, einem ansatzlos geschlagenen Vorhand-Winner, und einem sensationell gesetzten Vorhand-Cross-Ball holte sich der Vorarlberger seinen allerersten Breakball in diesem Finale, den er mit einem “eingewickelten” Rückhand-Slice auch prompt nützte. Die Aufholjagd war also längst in Gang, und am Ende nach 48 Minuten und 1:5 Rückstand mit 6 gewonnenen Games in Serie richtig erfolgreich.

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Filip Markovic läßt auch im zweiten Durchgang eine 4:2 Führung ungenützt

Gespannt war man in der Folge, wie Markovic auf den verlorenen ersten Satz nach 5:1 Führung reagieren würde. Und er tat dies ganz im Stile eines echten Klassemannes, der sich unbeeindruckt vom Geschehenen wieder voll auf das Spiel fokussierte, und kampfkräftig zurückschlug. Der Jungstar holte sich in einer von mehreren Breaks geprägten Phase eine 4:2 Führung, die er allerdings abermals in den La-Ville-Sand des 7er-Courts setzen sollte. Wieder spielte Kurzemann mit dem Rücken zur Wand stehend sein bestes Tennis, und neuerlich brachte der Jungstar einen deutlichen Vorsprung nicht über die Distanz. Ausgerechnet mit seinem ersten Netzangriff und einem ins Netz gesmashten Überkopfball verschaffte Markovic seinem Gegner schließlich den ersten Matchball, ehe der 32jährige kurz darauf seinen zweiten Matchball mit einem Vorhand-Winner quer über den Platz geschlagen verwandelte. Damit hatte Kurzemann im Head to Head mit seinem serbischen Gegenüber auf 3:0 gestellt, und mit seinem insgesamt 7. Karriere-Turniersieg die Nachfolge von Fabian Mayrhuber als Mai-Masters-Series-1000-Champion angetreten.

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Markus Kurzemann schlägt im dritten Versuch erstmals den Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber auf Sand

Nach der Siegerehrung, bei der Vorarlbergs Topstar seine zweite Masters-Series-Trophäe entgegengenommen hatte, sprach der 32jährige aus Dornbirn dann von seinem wertvollsten Titelgewinn bisher. “Bis heute war der Februar-Masters-Series-Turniersieg mit dem Viertelfinalerfolg über Patrick Wiesmühler ganz klar mein wichtigster Turniererfolg. Aber der Titel an diesem Wochenende steht da noch drüber. Dieser Pokal ist mein wertvollster, weil ich im Semifinale auch die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour schlagen konnte”, strahlte der Sieger. Wie überhaupt sein 31. Turnierstart ein ganz besonderer war. Da war zunächst im Achtelfinale einmal der gar nicht willkommene Ausflug auf Opti-Court, der angesichts des regnerischen Wetters am Sonntag Nachmittag notwendig wurde. Dort deklassierte er beim 75. Einzelsieg seiner Laufbahn Matthias Wagner mit 6:3, 6:0, ehe er im Viertelfinale gegen den deutschen Qualifikanten Jan-Philip Toader im 100. Match seiner Karriere mit 6:4, 6:3 siegreich blieb. Damit hatte sich “Kurze” für das Semifinale qualifiziert, wo es zum dritten Mal in Folge nach 2011 und 2012 zu einem Duell mit dem Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber kam. Der Branchen-Primus seinerseits war als frischgebackener April-Masters-Series-1000-Champion ins La Ville angereist, und hatte dieser Tage die historische Chance, seinen eigenen Punkterekord aus dem heurigen Jänner zu übertreffen. Doch nach seinem ersten Auftritt gegen Michael Schwärzli – der übrigens wegen des Schlechtwetters drei Tage lang dauerte – und einem kampflosen Aufstieg gegen Martin Kova, ereilte den 48jährigen Masterssieger im Semifinale das Aus. Im dritten Duell auf Sand und im dritten Aufeinandertreffen im Semifinale des Mai-Masters-Series-Turniers musste sich Mayrhuber unter Flutlicht geschlagen geben. Ein kleines Trostpflaster für den 12fachen Titelträger war aber sicherlich ein Blick auf die Statistik, denn Mayrhuber stand dieser Tage zum 22. Mal in Folge mindestens in einem Masters-Series-Viertelfinale.

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Deutschlands Nummer 1 Jan-Philip Hupasch mit neuerlicher Pleite auf roter Asche

Als Kurzemann dann also die Nummer 1 im dritten Versuch erstmals auf roter Asche in die Knie gezwungen hatte, stand für den 32jährigen sogar die Aufgabe des Finales im Raum. Weil er berufsbedingt nur mehr an den Vormittagen der Folgetage Zeit hatte, musste er auf einen Finalgegner hoffen, der entweder den Namen Filip Markovic oder jenen von Jan-Philip Hupasch trägt. Und weil sich der serbische Jungstar bei seinem 16. Turnierstart aufmachte, die arrivierte Konkurrenz erstmals so richtig ordentlich zu ärgern, und er so nebenbei zum echten Marathonmann avancierte, blieb auch Kurzemann im Rennen um seinen 7. Karriere-Titel. Der 18jährige vom Alt Erlaaer TC hatte in Runde 1 Challenger-König Clemens Wimmer mit 6:1, 6:0 verspeist, ehe er sich in drei Dreisatz-Schlachten für sein zweites Karriere-Endspiel qualifizierte. Comeback-Star Stefan Deiser niedergerungen, musste Markovic zunächst gegen Deutschlands Nummer 1 Jan-Philip Hupasch ran, den er mit 6:2, 5:7, 7:6 eine weitere bittere Niederlage auf Sand zufügte. Eine Woche zuvor war der 21jährige aus Varel im Viertelfinale des April-Masters-Series-1000-Turniers gegen Jürgen Buchhammer k.o. gegangen, French-Open-Titel-Favoriten sehen anders aus. Markovic hingegen könnte einer der heißen Aspiranten auf den zweiten Grand-Slam-Titel des Jahres sein, zumindest wenn er so spielt wie bis zum Finale. Denn auch im Semi knackte der 18jährige mit Christoph Kramer einen Top-Ten-Star im Tie-Break des dritten Satzes. “Ich bin mit dem Verlauf des Turniers sehr zufrieden. Das war mein zweites Tour-Finale und dann gleich auf 1000er-Ebene, damit kann schon leben. Mein Ziel für heuer ist es, einen Masters-Series-1000-Titel zu gewinnen”, erklärte der Sieger, der auch zum verloren gegangenen Finale gegen Markus Kurzemann noch Stellung bezog. “Das war ein Match der vergebenen Chancen. Ich weiß nicht genau was bei meiner klaren Führung im ersten Satz passiert ist. Auch ich habe meine Probleme mit dem Wind gehabt, und der Markus hat mit Fortdauer der Partie auch viel besser gespielt als in den ersten sechs Games. Im zweiten Satz bin ich bei meiner 4:2 Führung ziemlich müde geworden. Die vielen langen Matches in den vergangenen Tagen haben doch einiges an Substanz gekostet. Jetzt brauche ich eine Pause”, analysierte Markovic, der im neuesten HTT-Entry-Ranking auf Position Nr. 16 aufscheinen wird.

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Mai-Masters-Series-1000-Champion Markus Kurzemann verzichtet diese Woche auf eine Titelverteidigung beim Mai-HTT-500-Turnier

Überglück präsentierte sich bei der abschließenden Siegerehrung samt Pressekonferenz dann auch Sieger Markus Kurzemann. “Das ist natürlich ein besonderer Titel für mich, speziell nach dem 1:5 Rückstand im ersten Satz. Da habe ich ehrlich gesagt schon ein Debakel befürchtet. Meine Beinarbeit war unterirdisch, das Timing gleich Null, aber mit Fortdauer des Matches habe ich besser zu meinem Spiel gefunden, und Filip stets unter Druck gesetzt. Mein Ziel war es, trotz klarem Rückstand immer dranzubleiben, und permanent auf meinen Gegner Druck auszuüben. Das ist mir gut gelungen. Jetzt hoffe ich, dass ich zum ersten Mal auch beim Mai-Grand-Slam ganz vorne um den Titel mitspielen kann. Die French Open der HTT sind eben das größte und wichtigste Sandplatzturnier der Stadt. Wenn du dort allerdings gewinnen willst, musst du topfit sein, und deshalb verzichte ich diese Woche auch auf eine Titelverteidigung beim Mai-HTT-500-Turnier”, so der Vorarlberger.

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Tour-Evergreens Martin Kova und Christoph Kramer mit neuen Super-Bilanzen

Nicht unerwähnt sollten auch noch die Auftritte der beiden HTT-Urgesteine Christoph Kramer und Martin Kova bleiben. Die beiden Tour-Evergreens vom TC Top Serve haben am Wochenende des Mai-Masters-Series-1000-Turniers wieder einmal unfassbare Statistiken aufgestellt. Martin Kova, der in den Jahren 2000 und 2004 den Mai-Masters-Series-1000-Titel davontrug, stand dieser Tage bereits zum 15. Mal  bei diesem Turnier auf dem Platz. Von 1998 weg bis 2011 stand er bei 14 Starts nicht weniger als 8 Mal zumindest im Semifinale, und nur einmal – nämlich 2006 – musste sich der mittlerweile auch schon 30jährige in Runde 1 dem Bulgaren Svetlin Stoyjanov geschlagen geben. Im 578. Match seiner Karriere deklassierte der ehemalige Ranglisten-Erste und 30fache Turniersieger den serbischen Challenger-Spieler Miroslav Jelic mit 6:0, 6:0, ehe er zeitbedingt w.o geben musste. Atemberaubend lesen sich auch die Tour-Bilanzen von Christoph Kramer. Der Ranglisten-Zweite feierte an diesem Wochenende seinen 10. Mai-Masters-Series-Karriere-Start, und er bestritt zudem bereits sein 260. Turnier. Zum Auftakt gegen Alexander Walter blieb Kramer mit 6:3, 0:6, 6:4 erfolgreich, ein ganz spezieller Sieg. Denn der Neo-Leopoldsdorfer gewann bei diesem Turnier erstmals seit 11. Mai 2008 wieder ein Spiel. Damals schlug Kramer einen gewissen Walter Posteiner knapp in drei Sätzen. “Wie bitte, was?” Kramer zeigte sich verblüfft angesichts dieser Bilanz. Ja seither hagelte es für den US-Open-Champ der HTT nurmehr bittere Erstrunden-Pleiten. 2009 gegen Markus Seitner, 2010 gegen Michael Kovar, 2011 abermals gegen den ehemaligen Salzburger Sandplatzkönig Markus Seitner, und im Vorjahr musste sich der 30jährige gegen Mario Kiss geschlagen geben. Der Erfolg über Alexander Walter – übrigens der 270ste seiner Laufbahn – tat daher wohl besonders gut!

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