Thomas “Leffe” Löffelmann – schaumgebremster 185. Turniersieger der Open Ära

Final-Rookie Thomas Löffelmann hat am Dienstag Abend seinem Kollegen Friedrich Pliemitscher den Status “erfolgreichster Challenger-Spieler der HTT-Geschichte” gerettet. Der 34jährige Wiener verhinderte nämlich mit seinem Endspielerfolg über den 5fachen Challenger-Champion Clemens Wimmer, dass dieser mit seinem sechsten Turniersieg zu Rekordhalter Friedrich Pliemitscher aufschließen konnte. Stattdessen feierte “Leffe” – wie er unter Freunden genannt wird – bei seinem Final-Debüt einen schier unglaublichen Premieren-Titel, und gewann die 7. Auflage des April-Challenger-Turniers nach einem in 2:15 Stunden errungenen 3:6, 7:5, 6:1 Finalsieg. Für den Liesinger bedeutet dieser erste Turniersieg auf der Hobby-Tennis-Tour nicht nur die perfekte Realisierung seines großen Wunschtraumes, sondern er hat mit dem großartigen Triumphzug im Sportzentrum Gudrunstrasse auch als vierter Spieler der Saison sein Ticket für das große Challenger-Tour-Final von 22. bis 26. November 2013 im UTC La Ville gelöst. Ein Bericht von C.L

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April-Challenger-Champion Thomas Löffelmann ohne die erwartete Feier-Orgie

Seit Dienstag Abend 20:18 Uhr umfasst die seit 1990 bestehende “Hall of Fame der Hobby-Tennis-Tour” mit dem frischgebackenen April-Challenger-Champion Thomas Löffelmann ihr insgesamt 185. Siegergesicht. Und das scheint ein ganz symphatisches und beliebtes zu sein, wie die Reaktionen auf “Leffes Premieren-Erfolg” vermuten lassen. Selten in der Geschichte der Challenger-Tour hat ein Turniersieger derart großes Echo erzeugt, wie der 34jährige Wiener am Dienstag Abend. Binnen weniger Minuten hatten sich die zahlreichen Daumenhalter auf seiner Facebook-Seite in höchst erfreute Gratulanten verwandelt, auf hobbytennistour.at wurde beim Live-Ticker rekordverdächtiges Interesse für Challenger-Niveau registriert, und selbst vor Ort war Löffelmann binnen Augenblicken “everbodys darling”. Der 34jährige musste mit seiner riesigen Silber-Trophäe immer wieder mit begeisterten Clubmitgliedern des Sportzentrum Gudrunstraße posieren, dazu ein Foto hier, ein Händeschütteln da, der 34jährige kam aus dem Gratulationsmarathon der unmittelbar nach verwandeltem Matchball über ihn hereinbrach, gar nicht mehr heraus. Doch richtig glücklich wirkte der 185. Turniersieger der Open Ära in den Minuten nach seinem bislang größten Karriere-Triumph nicht. Sieger sehen anders aus, zumindest hat man in 23 Jahren Hobby-Tennis-Tour schon andere “berauschende” Siegerpartys erlebt. Eigentlich komisch, denn von dem sonst “on court” durchaus oftmals extrovertiert und emotional reagierenden Löffelmann, hatte man im Falle seines ersten Turniersieges die etwas andere Jubel- und Feierstimmung erwartet. Doch bei einem Wieselburger, einem Schnapserl und der ein oder anderen genüsslichen Zigarette, vermittelte “Leffe” beinahe den Eindruck, diesen – seinen ersten – Titelgewinn in aller Ruhe genießen zu wollen. Vielleicht musste ja auch erst sacken, was der 34jährige und alle Beteiligten in exakt 135 finalen Minuten am Centercourt des TC Gudrunstraße zuvor erlebt hatten.

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Als es im Finish des großen Finales “zappenduster” über Wien-Favoriten wurde

Das Finale der 7. April-Challenger-Turnier-Auflage war weder hochklassig, noch über weite Strecken mit fesselnder Spannung gesegnet. Und doch war das 19. Saison-Endspiel wieder einmal eines dieser Matches, über das man noch in Wochen und Monaten im Circuit reden wird. Es war das Finish des vierten Challenger-Bewerbs in diesem Jahr, das für lange Zeit unvergessen bleiben wird, und das einen zunächst fast zwei Stunden andauernden und recht öden Final-Nachmittag zu einem außergewöhnlichen und besonderen Abend werden ließ. Es war nämlich längst “zappenduster”, als Clemens Wimmer um 20:18 Uhr mit seinem 14. Doppelfehler endlich Licht in die entscheidende Frage brachte, wer sich beim 298. Sandplatz-Turnier der Geschichte in die Siegerliste wird eintragen können. Über Wien-Favoriten war nach einem herrlichen Frühlingstag die Dämmerung hereingebrochen, als Clemens Wimmer und Thomas Löffelmann nach einer Spielzeit von 1:47 Stunden und zwei ausgetragenen Sätzen, wenige Minuten vor 20 Uhr den Weg zur Bank antraten. Eigentlich – so dachte man seitens der Turnierleitung – würden jetzt wohl die Beteiligten um einen Abbruch wegen Dunkelheit bitten, zumal noch höchstens 15 Minuten halbwegs brauchbares Tageslicht zur Verfügung standen. Doch Wimmer und Löffelmann machten in diese Richtung keinerlei Anstalten, und so vermutete man nun, dass die beiden noch das ein oder andere Game absolvieren wollten. Für mehr sollte es ja auch nicht reichen, zumindest wenn man das bis dahin Gesehene als Maßstab nehmen würde. Alleine der zweite Satz dauerte 69 Minuten, und hatte außer furchterregendes Mondball-Geschupfe, eingebettet in einer unansehnlichen Breakorgie, nicht wirklich viel zu bieten.

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Löffelmann im ersten Satz planlos, und mit dem Geschupfe seines Gegners schwer überfordert

Doch dann startete Löffelmann – motivert vom im letzten Moment gelungenen Satzausgleich – zu einem “finale furioso”. Der 34jährige war aufgeputscht vom Gewinn des zweiten Durchgangs in einem mentalen Zwischenhoch, das er mit aggressiver und risikobereiter Tenniskunst zu seinen Gunsten nützte. Und weil sein – eine halbe Stunde zuvor noch dicht vor dem Titelgewinn stehendes – Gegenüber plötzlich müde, ausgelaugt und demoralisiert wirkte, kam Leffe in einem nur mehr 27 Minuten dauernden Sturmlauf des dritten Satzes zu einem Turniersieg, der wie schon erwähnt eine halbe Stunde zuvor in ganz weiter Ferne schien. Denn der 34jährige hatte sich mit einem katastrophalen Start in sein erstes Tour-Finale, selbst in ziemliche Bedrängnis gebracht. Der erste Satz war nach nur 38 Minuten entschieden, weil Löffelmann mit dem extremst vorgetragenen Schupfertennis seines Gegners überhaupt nicht zu Rande kam. Wimmer stellte jeden Ball mit einer enorm hohen Flugbahn auf, womit “Leffe” schwerstens überfordert war. Dem späteren Sieger fehlte der Plan, wie er dem Wimmer’schen Geschupfe Herr werden sollte. Tempolos mitschupfen führte bei der unglaublichen Konstanz und Geduld seines Kontrahenten nicht zum Erfolg, und das richtige Timing zur Attacke auf die langsamsten gelben Filzkugeln die Löffelmann jemals in seiner Karriere entgegenkamen, hatte der nervös beginnende Final-Rookie auch nicht. Da nützte es schließlich nichts, dass er seine beiden Break-Chancen im ersten Heat ohne “wenn und aber” verwandelte, weil Wimmer eben 4 Mal Löffelmanns Aufschlag durchbrach. Es halfen auch statistisch belegte 100 % am zweiten Service wenig, wenn Geschwindigkeit und Schnitt fehlen, und er am Ende mit diesen 100% nur zu 40 % an Punkten kam. 23 unforced errors waren als Draufgabe ebenfalls zuviel, um Challenger-König Clemens Wimmer im ersten Satz ernsthaft gefährden zu können.

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Wie Löffelmann mit dem Rücken zur Wand die Wende schaffte, und im dritten Satz groß aufspielte

Im zweiten Durchgang unterhalten “Clemens & Thomas” das Publikum dann mit einer “Break-Show”, die acht Games in Serie dauert, und Clemens Wimmer scheinbar als Sieger hervorbringen sollte. Löffelmann hatte ein Dutzend Breakmöglichkeiten leichtfertig verschleudert, als sein Gegenüber im neuten Game beim Stand von 4:4 und nach Abwehr von allein 5 dieser erwähnten Break-Gelegenheiten als erster Spieler seinen Aufschlag halten konnte. 6:3, 5:4, den scheinbar längeren Atem in den – das Geschehen beherrschenden – Grundlinien-Rallyes, dazu die Statistik auf seiner Seite, wonach Löffelmann bis dahin im gesamten zweiten Satz noch kein einziges seiner vier Service-Games durchbringen konnte, Clemens Wimmer stand zehn Minuten nach 19:30 Uhr wirklich ganz dicht davor, mit seinem 6. Challenger-Karriere-Titel zum erfolgreichsten Spieler der Challenger-Tour zu avancieren. Doch ein toll platzierter Smash, ein wuchtiger Vorhand-Winner, garniert mit zwei Wimmer-Fehlern, und prompt hatte “Leffe” im wichtigsten Aufschlagspiel des zweiten Satzes seine Hausaufgaben einmal positiv erledigt. Der 34jährige hatte beim “Servieren gegen den Matchverlust” die Nerven behalten, während Wimmers Nervenkostüm nach dem Game zum 5:5 angespannt schien. Nach Außen hin blieb der Blondschopf zwar wie immer ruhig, doch innerlich brodelte es wohl gewaltig, spielte der 31jährige doch den Sieg vor Augen, ein richtig schlampiges Finish im zweiten Satz. Ein verhundster “Half Volley”, ein missglückter Stoppball, dazu ein Doppelfehler, Wimmer gab seinen Aufschlag zum 5:6 ab, und dieses Geschenk nahm der längst hoch motivierte Löffelmann dankend an. Mit den beiden einzigen Assen im gesamten Finale legte der 34jährige im zwölften und letzten Game den Grundstein zum Satzausgleich. Danach ging es wie schon erwähnt recht flott. Nach nur 18 Minuten hatte sich Löffelmann drei Breaks gesichert, und mit einer tollen eigenen Aufschlagleistung (kein abgegebener Punkt) eine 5:0 Führung herausgeschossen. Das kassierte Break zum 1:5 war nicht mehr weiter tragisch, und aus Sicht Wimmers nur die verdiente Ergebniskosmetik, um in seinem 9. Karriere-Endspiel nicht mit der tragischen Null am Ende aussteigen zu müssen. Löffelmann setzte nach, und als Wimmer um 20:18 Uhr den letzten seiner insgesamt 14 Doppelfehler im Feld seines Gegners platziert hatte, war der Leffe-Triumph endgültig perfekt.

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Thomas Löffelmann: “Mir fehlen die Worte, ich bin so baff”

Kein Jubel, kein Kniefall, nicht einmal eine Geste, dem großen April-Challenger-Champion – dem sonst während eines Turnier-Wochenendes schon einmal die ein oder andere extrovertierte Aktion auskommt – waren die Verhältnisse und Rahmenbedingungen in die Quere gekommen, um den Premieren-Titel so richtig entusiastisch auszuleben. Die Dunkelheit, ein Gegner der total fair nie auf Zeit spielte und seinen Sieg so zumindest vertagen hätte können, aus Respekt verzichtete Löffelmann auf eine ausgelassene Feierstimmung. Und das war dann schließlich das einzige, was dem Mega-Abend des Thomas L. fehlte. Naja, nicht ganz, wie der Sieger zu Beginn seines Interviews bemerkte. “Mir fehlen die Worte. Ich bin so baff. Ich habe mir einen Turniersieg auf der Hobby-Tennis-Tour zwar so sehr gewunschen, aber nie und nimmer damit gerechnet, vorallem nicht heute nach dem ersten Satz. Ich war vor dem Match brutal nervös, wie noch nie in meiner Tenniskarriere, und ich konnte mich im ersten Satz nicht auf Wimmers Spiel einstellen. Es war wie vor einem Monat im Achtelfinale des März-Challenger-Turniers, und ich dachte mir schon, da bist du nach einer Stunde wieder daheim. Im zweiten Satz bin ich dann besser ins Spiel gekommen, Wimmer wurde müder, und das war dann mein Vorteil”, erzählte der Sieger. Und angesprochen auf die kritische Situation, als er im zweiten Satz bei 4:5 gegen den Matchverlust servieren musste, und bis dahin im gesamten zweiten Durchgang ja noch keinen Aufschlag durchgebracht hatte, schilderte der 34jährige: “Natürlich war bei 4:5 eine gewisse Drucksituation vorhanden, aber ich habe mir gesagt, wenn der Wimmer seinen Aufschlag zum 5:4 erstmals halten kann, dann schaffst du das auch. Trotzdem hat mir heute jene Sicherheit gefehlt, mit der ich noch gegen Kobsik, Steinberger und Marhold gespielt habe. Es war aber auch nicht so einfach. Ich war vor dem Spiel extrem nervös. Den ganzen Tag habe ich nur dieses Finale im Kopf gehabt, und sogar in der Nacht davor bin ich so gegen 1 Uhr munter geworden, obwohl ich vom Semifinaltag hundsmüde war. Ich kann den Titelgewinn noch gar nicht richtig realisieren. Ich spüre aber gerade ein riesige Erleichterung”, so Löffelmann, der sich für den Rest der Saison trotz erreichtem Karriere-Ziel, noch einiges vorgenommen hat. “Ich möchte mich mit dem Robert Priewasser für das Challenger-Tour-Final im Doppel qualifizieren, ich will in Kitzbühel beim Challenger-Turnier eine gute Figur abgeben, und gegen den ein oder anderen weiteren Turniersieg würde ich mich auch nicht wehren”, lachte der 185. Turniersieger der Open Ära.

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Clemens Wimmer: “Ganz ehrlich, ich hätte den dritten Satz auch nicht gewonnen, wenn die Sonne gescheint hätte”

“Ja, ich bin enttäuscht, und ich habe gerade ein Gefühl der Leere in mir”, waren die ersten Worte des verhinderten Challenger-Rekord-Champions. “Der erste Satz war komisch einfach. Ich hatte die nötige Länge in meinen Schlägen, auch die nötige Höhe, ehe ich im zweiten Satz immer kürzer wurde. Der Aufschlag war dann auf einmal auch komplett weg. Wie ein Blackout, das du nicht erklären kannst. Mir fehlte im Finish auch die Kraft, der Biss war weg, und ich konnte mich auch nicht mehr auf das Wesentliche fokussieren. Den inneren Schweinehund zu besiegen, das war mir nicht mehr möglich. Vielleicht habe ich in den letzten Tagen auch zuviel gespielt. Ich hatte von Löffelmann im ersten und teilweise im zweiten Satz auch mehr erwartet, aber von ihm ist fast nichts gekommen. Abbrechen wollte ich dieses Finale auf keinen Fall, obwohl es extrem finster war am Ende. Ich hätte das aber als äußerst unfair gegenüber Löffelmann empfunden. Und ganz ehrlich. Ich hätte den dritten Satz auch nicht gewonnen, wenn die Sonne gescheint hätte. Ich möchte jetzt in jedem weiteren Challenger-Turnier dieser Saison das Finale erreichen”, setzte sich der 31jährige zum Abschluss noch richtig große Ziele. Und bei einem Blick auf seine Challenger-Erfolgsbilanz scheint das nicht einmal ein utopischer Plan zu sein. Bei 13 Karriere-Turnier-Starts auf Challenger-Ebene feierte Wimmer neben seinen 5 Turniersiegen gleich 3 weitere Finalteilnahmen, stand zudem noch dreimal im Semifinale, und nur bei 2 Turnieren war schon im Viertelfinale schluss.

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