Olympiasieger Christoph Mayer verliert Erstrunden-Schlager gegen Jan-Philip Hupasch

Das Handy des Veranstalters läutete beinahe im Minutentakt, genauso wie es eben immer ist, wenn ein Spieltag der Hobby-Tennis-Tour verregnet ist, und sich besorgte HTT-Stars um die Chancen der Austragung ihrer Matches informieren. Einer der der weit über 50 Anrufe des gestrigen Freitags war aber besonders interessant. Um exakt 14:47 Uhr fragte der 3fache Grand-Slam-Sieger Mario Kiss um einen nachträglichen Startplatz beim ersten großen Sandplatz-Turnier des Jahres nach, womit plötzlich die Top 6 der HTT-Entry-List komplett am Start wären, und die ohnehin schon bärenstark besetzte 22. Auflage des April-HTT-500-Turniers mit 7 Top-Ten-Stars fast schon Major-Charakter besitzt. Nur das Wetter spielte einmal mehr nicht mit. Eigentlich ist man des Themas Wetter ja schon höchst überdrüssig, nach einem rekordverdächtig langen Gastspiels des Winters, und zweimaligem Aufschub des Saison-Auftakts im Freien. Dennoch bleibt das Wetter auf der HTT das bestimmende Thema, denn nach ein paar Tagen Frühsommer, prognostizierten die Meteorologen pünktlich zum Auftakt in die Outdoor-Saison 2013 ein verregnetes und unterkühltes Wochenende. Ein Bericht von C.L

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Trotz Schlechtwetter-Prognose – 58 Spieler aus 10 Nationen beim Sandplatz-Auftakt 2013

Die Gier und Lust, nach über einem halben Jahr endlich wieder unter freiem Himmel Turniertennis zu spielen, sie war riesig im Circuit und unter den Stars der Hobby-Tennis-Tour. Anders ist auch trotz angesagtem Schlechtwetter das traumhafte Nennergebnis von 58 Spieler aus 10 Nationen nicht zu erklären, die dem Sandplatz-Auftakt 2013 entgegenfiebern. Besonders gespannt ist man natürlich auf das April-HTT-500-Turnier, das mit einer nunmehr bereits 22jährigen Tradition aufwarten kann, und somit zu den absoluten Klassikern im Tour-Kalender zählt. Einst galt der erste große Schlagabtausch des Jahres auf roter Asche als das drittgrößte Sandplatzturnier im Tour-Zirkus. Nur die “French Open der HTTT” und das Mai-Masters-Series-1000-Turnier standen in der Wertschätzung der Spieler noch höher. Nicht nur aufgrund der rasanten Expansion des Tour-Kalenders verlor die Veranstaltung Mitte der 2000er-Jahre aber viel von ihrem Status. Die Stars der Szene glänzten oftmals durch Abwesenheit, wenngleich die prominentest besetzte Siegerliste gegenteiliges aussagt. In den letzten ein, zwei Jahren zeichnete sich freilich eine Trendumkehr ab, und spätestens mit der heurigen Besetzung ist das April-HTT-500-Turnier wieder auf dem besten Weg zurück zu Glanzzeiten, und um erneut eine der ganz wichtigen Adressen im Sandplatz-Turnier-Tennis der Hobbytennis-Szene zu werden.

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22. Auflage des April-HTT-500-Turniers mit gigantischem Star-Auflauf

Einer der wichtigsten Faktoren, welchen Status ein Turnier im Circuit besitzt, ist natürlich die Nennliste, die umso hochkarätiger besetzt, auf die Wichtigkeit eines Events schließen läßt. Und bei einem Star-Auflauf wie dieser Tage im Sportzentrum Gudrunstraße, kann man davon ausgehen, dass uns ein richtig bedeutender erster Schlagabtausch auf Sand ins Haus steht. Der Raster des 22. April-HTT-500-Turniers ist gespickt mit phantastischen Spielern, unzähligen Titelgewinnern, und er flößt selbst den Tourstars selbst jede Menge Respekt ein. Gemischt natürlich mit großer Vorfreude, denn was kann es für die besten Hobby-Tennis-Spieler dieses Landes schöneres und besseres geben, als sich auf höchstem Niveau um den ersten Sandplatz-Titel des Jahres matchen zu können. Spätestens ab dem Achtelfinale wird wohl jede Paarung ein echter Knüller mit offenem Ausgang werden, und selbst die erste Runde des 20. Saisonturniers hatte schon die ein oder andere echte Schlagerpaarung zu bieten.

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Jan-Philip Hupasch gewinnt Erstrunden-Schlager gegen Christoph Mayer und ist auf HTT-500-Ebene bereits seit 10 Spielen ungeschlagen

Wie beispielweise den Auftakt-Hit zwischen dem April-HTT-500-Sieger von 2009 Christoph Mayer und dem 2fachen Saisonsieger auf 500er-Ebene Jan-Philip Hupasch. Die neue deutsche Nummer 1 im Duell mit dem Olympiasieger von 2008, damit war gleich am Eröffnungstag einmal angerichtet in Sachen Spitzentennis. Wobei im Vorfeld des Topschlagers natürlich einige offene Fragen im Raum standen. Wie gut findet sich Deutschlands Shooting-Star bei seinem ersten Antreten als Top-Ten-Spieler auf roter Asche zurecht, und in welcher Form befindet sich WTC-Neuzugang Christoph Mayer bei seinem Comeback nach über einem halben Jahr Tourpause. Gleich vorweg, Sowohl mit Deutschlands Bestem als auch mit dem Kärntner “Mister Rückhand” dürfte in der heurigen Sandplatz-Saison stark zu rechnen sein. Hupasch setzte am Freitag Nachmittag seinen imposanten Erfolgslauf auf HTT-500-Ebene weiter fort, und baute seine Siegesserie bei 500er-Turnieren auf 10 Erfolge en suite aus. Der gelungene 7:6, 6:4 Auftaktsieg des 21jährigen aus Varel war aber äußerst hart erarbeitet, weil Sandplatzspezialist Christoph Mayer – ohne noch in absoluter Hochform zu sein – bereits wieder seine längst berühmten Stärken ausspielte. Wenn der 28jährige heiß geliebten Sand unter den Füßen spürt, dann tut die Konkurrenz gut daran, sich warm anzuziehen. Vermutlich war es nämlich nur genau die fehlende Matchpraxis, die Mayer am Freitag Nachmittag bei trüben, kühlen und feuchten Bedingungen fehlte, um gleich beim Saison-Debüt für einen echten Paukenschlag zu sorgen. Eine Warnung für die Konkurrenz bleibt der Mayer-Auftritt aber trotz 6:7, 4:6 Niederlage allemal, hatte der Olympiasieger aus Treffen doch in jedem der beiden letztlich verlorenen Sätze eine 4:2 Führung inne. Und das gegen einen Mann, der heuer auf HTT-500er-Ebene wie schon erwähnt noch ungeschlagen ist. Die Selbstverständlichkeit ging Mayer in diesen Phasen der Führung ab, als er im ersten Durchgang bei 4:2 und eigenem Aufschlag 40:15 voran lag, und zwei Gelegenheiten zum 5:2 in den “tiefen Sand” des 8er-Courts des Sportzentrum Gudrunstraße setzte, oder als er bei 4:2 und 40:30 im zweiten Heat abermals patzte. Und die langsamen Verhältnisse kamen jenem Mann auch nicht entgegen, von dem Experten und Insider der Szene meinen, dass er auf trockenen Sandplätzen die schnellste Rückhand im Circuit abzufeuern im Stande ist. “Für das erste Mal war das ganz ok, und ich freue mich schon auf die kommenden Turniere”, zeigte sich Mayer nach seinem verlorenen Saison-Debüt nicht unzufrieden.

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Afrikanischer Challenger-Underdog läßt deutschen “Nord-Süd-Gipfel” im Achtelfinale platzen

Deutschlands neue Nummer 1 gegen Germaniens alte Nummer 1, oder Jan-Philip Hupasch aus Varel in Niedersachsen gegen David Hühne aus Singen in Baden-Württemberg, eigentlich schien der deutsche “Nord-Süd-Gipfel” im Achtelfinale des 22. April-HTT-500-Turniers ausgemachte Sache zu sein, doch dann ließ der 4fache Turniersieger vom Bodensee das mit Spannung erwartete “deutsche Derby” platzen. Weil der 33jährige nicht ganz fit und schon gar nicht austrainiert eine Niederlage kassierte, die ihm unter normalen Umstanden nie und nimmer passiert. Hühne musste sich der gleichaltrigen Nummer 108 im HTT-Computer-Ranking geschlagen geben, und mit Ali Sharif aus Libyen einem echten Challenger-Star den Vortritt ins Achtelfinale lassen. Im Vorfeld hatte David Hühne mit dem Ansuchen um eine Wildcard für das gleichzeitig stattfindende Challenger-Turnier noch für Aufregung in der Challenger-Szene gesorgt. Nach seinem Ausrutscher muss man sich nun wohl auch seitens des Veranstalters hinterfragen, ob dem “weit, weit, weit” von seiner Normalform entfernten Deutschen nicht doch eine Wildcard zu geben gewesen wäre. Wenngleich es im Nachhinein ohnehin egal scheint, zumal sich Deutschlands Ex-Nummer 1 ja in Runde 1 des April-HTT-500-Turniers einem Challenger-Spieler geschlagen geben musste. So gesehen nimmt Hühne noch 20 Ranglisten-Punkte mehr mit, wenngleich es dem 33jährigen derzeit nicht um Punkte und Ranking-Positionen geht. Der Singener muss sich erst wieder langsam herantasten, war zuletzt länger krankheitsbedingt außer Gefecht, und seit Jänner auch nicht mehr auf der Tour im Einsatz. Im dritten Satz seiner Partie gegen den afrikanischen Underdog gab Hühne schließlich bei 2:1 Führung w.o, womit er zudem auch seinen absoluten Negativ-Lauf beim April-HTT-500-Turnier prolongierte. Der Deutsche hat bei seinen nunmehr 5 Turnierstarts hier noch nie die erste Runde überstanden. 2008 gegen Gerald Scheller, 2009 gegen Philipp Hacker, 2010 gegen Tashi Liu wie auch 2011 gegen Franz Mayrhuber setzte es ein verfrühtes Auftakt-Aus, wodurch er 2012 gleich ganz auf einen Start beim ungeliebten ersten großen Sandplatz-Turnier des Jahres verzichtete. “Ich habe nicht zu Unrecht um eine Wildcard für das Challenger-Turnier angesucht. Die Aufregung ist unverständlich und zeigt mir, dass es viele dumme Menschen gibt”, verabschiedete sich Hühne nach seinem verkorksten 290. Karriere-Match, während Ali Sharif einen ganz besonderen Erfolg bejubelte. Mit dem W.o. in knapp mehr als zwei Sätzen, feierte Sharif seinen ersten Sieg in diesem Jahr, den 10ten seiner Laufbahn und genoss erstmals das Gefühl, einen Top 30 Spieler geschlagen zu haben.

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Philipp vs. Hobiger – Klasseunterschied entscheidet über Achtelfinal-Aufstieg

Einen richtig großen Klasse-Unterschied ließ schließlich auch noch Udo Philipp in seinem Erstrunden-Treffen mit Tour-Legende Markus Hobiger aufblitzen. Wir sprechen noch lange nicht von einem Udo P. in absoluter Bestform, als er beispielsweise 2010 das Finale bei den French Open der HTT erreichte, oder als er letztes Jahr mit brillanten Leistungen ins Semifinale selbigen Turniers stürmte, doch auf Sand scheint der 35jährige einfach noch eine ganze Nummer stärker zu sein. Dem scheinbar immer gut gelaunten steirischen HTT-Star ist an diesem Wochenende im mit großartigen Spielern besetzten 22. April-HTT-500-Turnier einiges zuzutrauen. Und diese Einschätzung ist unabhängig von der am Freitag Abend höchst souverän erfüllten Pflichtübung, die der Mann vom ATUS Kalsdorf gegen Markus Hobiger hinter sich brachte. “Für das erste Sandplatztennis-Match im Freien war das ganz in Ordnung”, quittierte Philipp seinen dritten glasklaren Erfolg im dritten Duell mit Hobiger. Der 36jährige Guntramsdorfer nahm in der Nachbetrachtung des 1:6, 2:6 für sich in Anspruch, mit der Umstellung von Halle auf Sand nicht zurecht gekommen zu sein, doch nach nunmehr erst 5 gewonnenen Games in 3 Matches und 6 Sätzen gegen Udo Philipp, braucht sich Hobiger keine Gedanken über “Formtiefs oder Umstellungsprobleme” zu machen. Der Klasseunterschied war’s, der letztlich auch seine persönliche April-HTT-500-Karriere-Bilanz noch ein bißchen weniger ansehnlich machte. Bei 6 Teilnahmen setzte es für den Niederösterreicher bereits Auftakt-Schlappe Nr. 5! “Ich hatte eine schwere Auslosung, und ich habe immer im April das Problem mit der Umstellung auf Sand. Aber ich kriege das sicher in den Griff”, stellte der 36jährige klar.

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