Markus Hobiger verfehlt nach Katastrophen-Vorstellung sein 7. Karriere-Finale

Das unter dem Motto “Jung gegen Alt” stehende Semifinale beim 3. April-HTT-150-Turnier, ist am Montag Abend klar zugunsten der “young generation” ausgefallen. Der 20jährige Andreas Tolunay gewann zunächst das erste der beiden Generationen-Duelle gegen den 25 Jahre älteren Vorjahresfinalisten Wolfgang Tschanett mit 6:2, 6:4, und zog nach einer Spielzeit von exakt 80 Minuten in sein 5. Karriere-Finale ein. Im zweiten Vorschluss-Runden-Duell des 18. Saisonturniers blieb dann der 19jährige Philipp Scheider gegen den topgesetzten und 36 Jahre alten Markus Hobiger siegreich. Der Jungstar vom City & Country Sportklub siegte in 1:36 Stunden mit 2:6, 6:1, 6:0, und sprengte damit das – zumindest nach Setzliste – erwartete Traumfinale zwischen den Nummern 1 und 2 des letzten Hallenturniers der Indoor-Saison 2012/2013. Ein Bericht von C.L

cimg7742

Markus Hobiger vereitelt mit desaströser Leistung das erste Finale zweier topgesetzer Spieler seit September vorigen Jahres

Montag Abend, wenige Minuten vor 22 Uhr standen die Zeichen noch ganz klar in Richtung “Traumfinale” beim 3. April-HTT-150-Turnier. Die Nummer 1 Markus Hobiger gegen die Nummer 2 Andreas Tolunay, der papierformgemäße Final-Showdown nach aktueller Setzliste schien sich anzubahnen, zumal beide Herren ihrer Favoritenrolle gerade mit dem Gewinn des ersten Satzes gerecht wurden. Die beiden topgesetzten Spieler eines Turniers im Finale, das gab es schon sehr lange nicht mehr im Circuit, letztmals genau genommen im Herbst vergangenen Jahres, als sich bei der in Wien ausgetragenen Ausgabe des September-HTT-500-Turniers Oberösterreich, die beiden an “Eins & Zwei” gereihten Tourstars Franz Mayrhuber und Mario Kiss gegenüberstanden. Eine Stunde später freilich hatte sich das erste Kräftemessen der beiden Topgesetzten eines HTT-Turniers in dieser Saison quasi in Luft aufgelöst, genauso wie die Titel-Hoffnungen von Markus Hobiger, der sich mit zwei desaströs gespielten Sätzen um den Startplatz für sein mögliches 7 .Karriere-Finale brachte.

img_4305

Konzentrierter und stark spielender Markus Hobiger holt sich den ersten Satz im Semifinale gegen Philipp Scheider mit 6:2

Dabei hatte der 36jährige Guntramsdorfer in seinem 310. Karriere-Single richtig souverän losgelegt. Hobiger wirkte äußerst konzentriert, punktete immer wieder mit platzierten Schlägen von der Grundlinie, und überzeugte mit einer mehr als soliden Vorstellung. Bei eigenem Aufschlag gab sich der Februar-HTT-150-Sieger von 2008 keine Blöße, und zwei Breaks zum 3:1 und schließlich zum 6:2 bescherten dem routinierten Niederösterreicher die höchst verdiente 1:0 Satzführung. In diesen ersten 36 Minuten deutete “nichts, aber auch schon gar nichts” darauf hin, dass Hobiger im Semifinale des 182. Turniers seiner Laufbahn noch ins Straucheln geraten könnte. Es gibt aber gerade im Tennis “nichts, was es nicht gibt”, und man erlebt immer wieder diese unerwarteten Momente und Dinge, die man eigentlich nicht mit Logik erklären kann. Da führt die Nummer 1 des Turniers nach 36 stark gespielten Minuten mit 6:2, und niemand der diesen ersten Durchgang gesehen hat, wäre auf die verrückte Idee gekommen, dass Hobiger in den folgenden exakt 60 Minuten nur noch eines von insgesamt 13 ausgespielten Games gewinnen sollte.

img_4299

Wie Markus Hobiger mit nur einem schlecht gespielten Game ein ganzes Match vergeigte

Das Hobigers Semifinal-Auftritt gegen Philipp Scheider statt im 7. Karriere-Endspiel in einem blamablen Debakel endete, hatte genau zwei Gründe. Da war einmal die mentale Komponente. “Hobi” unterlief im ersten Game des zweiten Satzes ein Mißgeschick, das eigentlich nicht weiter tragisch ist, und so wohl im Laufe einer Tennissaison den Tour-Stars tausende Male passiert. Jeder aktive Tennisspieler kennt die Situation. Du gewinnst gerade den ersten Satz, und prompt geht das erste Game im zweiten Heat verloren. Eine stinknormale Sache, weil man nach erreichtem Teilziel kurz mal abschaltet, den Fokus ablegt, und die nötige Körperspannung verliert. Das man deswegen aber eine komplette Partie aus der Hand gibt, ist schon wieder ein Kunststück an sich, und Markus Hobiger am Montag Abend gelungen. Beim Seitenwechsel auf der Spielerbank sitzend, begann der 36jährigen in höchst negativer Gedankenwelt zu philosophieren. “Es ist immer dasselbe, ich kann einfach nicht zwei Sätze auf gleich gutem Niveau spielen. Ich schenke jedem Gegner den zweiten Satz”, jammerte der Topgesetzte. Nun, man kann sich eine nicht einmal im Ansatz feststehende Niederlage auch einreden. Gratulation Hr. Hobiger, das ist Ihnen am Montag Abend prächtigst gelungen. Es grenzt schon an ein Wunder, wie man quasi von einer Minute auf die andere, einen bis dahin nicht vorhandenen Gegner stark machen, und ins Match zurückholen kann. Ein Vorhandball Scheiders der im Out landet, den Hobiger aber fehlerprdouzierend zurückspielt, ein Doppelfehler, dazu ein “unforced error” mit der Vorhand und ein missglückter Stoppball, diese vier Missgeschicke bedeuteten das 0:1 und den Anfang vom Ende des Hobi’schen Untergangs. Für jeden Spielbeobachter unerklärlich war, wie man wegen eines – und noch dazu des ersten – schlecht gespielten Games, derart wegbrechen kann, wie der 36jährige am Montag Abend. Mit dem zweiten Break zum 0:3 hatte sich Hobigers Spiel total aufgelöst, und das bringt uns zu Ursache Nr. 2 für das verherrende Debakel. Die Hobbytennis-Legende aus Guntramsdorf ist körperlich und konditionell weit weg von jenem Niveau, das man von einem Top-20-Spieler erwarten muss. Mit Fortdauer des Semifinal-Matches wurde Hobiger müder, seine Bewegungen langsamer und die Schritte unkoordinierter. Die notwendige Beinarbeit für seriöses, erfolgreiches Tennis konnte der Routinier nicht abrufen, und so war die Pleite letztlich absehbar. “Ich muss jetzt körperlich was machen, denn ich will ja mit den Besten der Tour mithalten und nicht mit Spielern wie Philipp Scheider”, erklärte Hobiger dem Veranstalter in einer Wechselpause. Dieses bislang noch nie in die Tat umgesetzte Vorhaben ist freilich so alt wie “Hobis Tenniskarriere” selbst, und klingt wie eine hängen gebliebene Schallplatte aus den 90er-Jahren. Hobiger brachte jedenfalls in den Sätzen 2 und 3 nicht ein einziges seiner insgesamt 7 Aufschlagspiele durch, und kassierte damit letztlich ein bitter schmeckendes 1:6, 0:6 aufgedrückt. Und das von einem Philipp Scheider, der wie schon zuletzt im Finale des März-Challenger-Turniers mit der Vorhand extrem streute, und auch sonst nicht seinen besten Tag hatte.

p1250569

Markus Hobiger: “Für diese Leistung gibt es keine Entschuldigung”, und Päppelkönig Philipp Scheider päppelt nicht mehr

“Das war in den Sätzen 2 und 3 die mit Abstand schlechteste Leistung seit ich auf der Hobby-Tennis-Tour spiele. Ich bin voll angefressen. Für diese Leistung gibt es keine Entschuldigung. Ich war bei jedem Schlag zu spät, habe mich schlecht bewegt, und war auch immer wieder bei meinen Grundschlägen in Rückenlage”, übte der 36jährige heftige Selbstkritik. “Die beiden letzten Sätzen waren katastrophal. Ich bin froh, dass die Hallensaison jetzt zu Ende ist, und wir nicht mehr so spät am Abend spielen müssen. Das soll jetzt keine Ausrede sein, aber ich war schon zu Beginn des zweiten Satzes extrem müde. Es geht aber auch nicht, dass ich mich schon nach einem schlecht gespielten Game aufgebe. Ich muss da stabiler werden und an meiner Konzentration arbeiten. Es kann nicht sein, dass ich mich deshalb gleich selbst fertig mache. Diese Niederlage heute ist extrem bitter, weil mein Gegner auch nicht wirklich gut gespielt hat”, jammerte Hobiger, nachdem er erstmals in diesem Turnier über die volle Distanz gehen musste, und dann prompt verlor. “Ich kann um diese Uhrzeit einfach nicht spielen. Schon im Semifinale des März-Challengers gegen Thomas Pratsch war ich schlecht drauf, genauso im Finale gegen Clemens Wimmer, und auch heute war das keine gute Leistung. Ich habe wieder keine Vorhand getroffen, und hätte unser Match heute solange gedauert wie das Finale vor zwei Wochen, dann hätte ich wieder über 100 Eigenfehler in der Statistik stehen gehabt. Zum Glück hat Hobiger dann das Fehler machen übernommen, sonst hätte es für mich traurig ausgeschaut. Zufrieden bin ich nur mit meinem Service”, stellt jener Mann fest, der sich zum zweiten Mal in Folge für ein Endspiel der HTT qualifizierte, und im Head to Head mit Hobiger auf 1:1 stellte. Und noch ein bemerkenswertes Detail am Rande: Der Päppelkönig päppelt nicht mehr, oder besser gesagt nicht mehr im übertriebenen Djokovic-Stil. Ließ der 19jährige den kleinen gelben Filzball im Endspiel des März-Challenger-Turniers gegen Clemens Wimmer noch bis zu rekordverdächtige 31 Mal vor dem Aufschlag aufspringen, begnügte sich Philipp am gestrigen Abend mit durchschnittlich 7 bis 8 Mal päppeln!

cimg7621