Spaniens Shooting-Star – bald schon die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour?

Spaniens HTT-Star Ignacio Martin hat sich am Dienstag Abend endgültig in der absoluten Tour-Spitze etabliert. Der 25jährige Madrilene entschied im Duell zweier HTT-1000er-Finaldebütanten das Endspiel des 18. März-Masters-Series-Turniers im UTC La Ville gegen Mathias Wagner für sich, und feierte damit bereits seinen dritten Saisonerfolg. In einem über weite Strecken recht einseitigen Match, stand der spanische Shooting-Star gerade einmal 60 Minuten auf dem Platz, ehe er mit einem 6:1, 6:4 sein persönliches Titel-Triple perfekt gemacht hatte, um anschließend von seinem Fanclub so richtig abgefeiert zu werden. Auf den Schultern haben sie in 23 Jahren Hobby-Tennis-Tour noch keinen Sieger aus der Halle getragen, am vergangenen Dienstag freilich war es zum ersten Mal soweit. Und das aus gutem Grund, denn Spaniens Überflieger sorgte wieder einmal für Furore und die Schlagzeilen beim zweiten HTT-Masters der Saison. Ein Bericht von C.L

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Spaniens Champ Ignacio Martin, ein Glücksfall für die HTT und schon bald die Nummer 1?

Er ist der erste Dreifach-Sieger des Jahres, der früheste Dreifach-Champion zu Saisonbeginn seit 2010, als Andreas Harbarth schon beim Februar-HTT-500-Turnier seinen dritten Saisontitel gefeiert hatte, er ist der 35. Masters-Series-1000-Gewinner der Geschichte, der sechste internationale Spieler in der Open Ära, der einen Masters-Series-Titel erobern konnte, er ist die ganz große Entdeckung der bisherigen Saison, und weil aus Spanien kommend, ein echter Glücksfall für die Hobby-Tennis-Tour! Ignacio Martin ist der “Nadal der HTT”, und allerspätestens seit Dienstag Abend im Kreis der Eliteliga angekommen. Der 25jährige Iberer ringt der Hobby-Tennis-Szene Ostösterreichs zur Zeit allerhöchsten Respekt und massigst Bewunderung ab, und für viele Experten dieser Szene gilt Spaniens Tour-Hero als heißester Kandidat, die Regentschaft von Franz Mayrhuber an der Spitze der HTT-Computer-Rangliste zu beenden. Meastro Ignacio – schon bald die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour?

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Jetzt wird es eng für “Kaiser Franz” und seine Gefolgschaft

“Jetzt wird es langsam eng für Kaiser Franz”, stellte Finalbesucher Friedrich Böck recht pointiert fest, nachdem Ignacio Martin das Endspiel des März-Masters-Series-Turniers gegen jenen jungen Mann gewonnen hatte, der keine 24 Stunden zuvor, erwähnten “Kaiser Franz” brüskierte, und den Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber glatt in zwei Sätzen verabschiedet hatte. Nun, so schlimm ist es vorläufig noch lange nicht, aber für den frühzeitig gescheiterten Branchen-Primus und seine momentan ersten Verfolger, hatte der Dienstag Abend zwei schlechte Nachrichten parat. Einerseits scheint Spaniens neuer von Sieg zu Sieg eilender HTT-Topstar “on court” nicht zu schlagen zu sein, und zudem bekräftigte der 25jährige in einem Interview, dass er laut neuesten privaten und beruflichen Entwicklungen noch mindestens ein Jahr in Wien bleiben wird. Damit scheint für viele Tour-Insider zumindest einmal die zeitliche Basis für die erste spanische Nummer 1 und den ersten internationalen Ranglisten-Leader der Geschichte gelegt. Und wenn “Don Ignacio” so weitermacht, dann dürfte einem Sturmlauf in Richtung Ranglisten-Thron in der Tat nur wenig entgegenstehen. Der iberische Shooting-Star eilt von Sieg zu Sieg, von Titel zu Titel, und er macht in der Art und Weise wie er seine Trophäen sammelt, längst keinen Unterschied mehr zwischen HTT-150-Assen und Masters-Series-Stars. Beide Turniere gewann der 25jährige zuletzt ohne Satzverlust, wobei den arrivierten und etablierten Topstars wie Mario Kiss und Mathias Wagner mit 15 Spielgewinnen gerade einmal 4 Games mehr beschieden waren, als den Herren Dewald und Tolunay bei Martins Februar-HTT-150-Solo-Show mit 11 Games.

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Madrid gegen Königstetten – oder wie Ignacio Martin in nur 18 Minuten den ungleichen ersten Satz für sich entscheiden kann

Nach zwei Jahren ohne ausgespieltem Finale, gab es also erstmals wieder eine sportliche Entscheidung im Kampf um den März-Masters-Series-1000-Titel, und das mit gleich zwei Endspiel-Debütanten auf 1000er-Ebene. Der eine stammt aus Madrid, der spanischen Hauptstadt sowie der drittgrößten Stadt der EU mit 3,3 Mio Einwohnern und einer Fläche von 605 Quadratkilometern. Der andere kommt aus Königstetten, einer Marktgemeinde im Tullnerland mit 1.993 Einwohner und einer Größe von 13 Quadratkilometern, und genauso groß wie der Unterschied zwischen den Herkunftsorten der beiden Finalisten, war auch der Unterschied zwischen Spaniens Tour-Star Ignacio Martin und dem Niederösterreicher Mathias Wagner im ersten Satz des 86. Masters-Series-1000-Events der Open Ära. Gerade einmal 18 Minuten hatte der höchst ungleiche “corrida de toros” gedauert, ehe “Stier Ignacio” den überforderten “Torero Mathias” auf die Hörner genommen und aus dessen Titelträumen gerissen hatte. Lange Wort über das Martin-Solo wären unnötig, ein Blick auf die Statistik sagt ohnehin mehr als 1000 Worte. 26:10 Gesamtpunkte, 13 unerzwungene Wagner-Fehler bei nur 36 ausgespielten Punkten, dazu 5 Doppelfehler und nicht den Hauch einer Möglichkeit zum Break, am Ende musste der Jungstar vom TK Big Point Muckendorf noch froh sein, dass er in der schwächsten Viertelstunde seiner HTT-Karriere eines seiner vier Aufschlagspiele halten konnte, um nicht auch noch an der Blamage eines zu Null verlorenen Satzes nagen zu müssen.

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Mathias Wagner kann im zweiten Satz gleich drei Breaks nicht “zu Mehr” nützen

Doch auch das 1:6 war schlimm genug zu verdauen, und da tat es aus Sicht des Königstettners richtig gut, dass sich Ignacio Martin zu Beginn des zweiten Satzes bei eigenem Aufschlag eine kleine künstlerische Auszeit leistete. Wagner selbst hatte sich vom Schock des ersten Satzes nämlich “noch” nicht erholt, und prompt mit einer indiskutablen und 2 Doppelfehler beinhaltenden Aufschlag-Leistung das Re-Break zum 1:1 kassiert. Ein richtungsweisendes Game sollte das folgende Aufschlagspiel des Spaniers werden, das 10 Minuten dauert, 8 Mal über Einstand geht, Wagner vier Break-Möglichkeiten bietet, ehe Martin seinen 6. Spielball zum 2:1 nützen konnte. Mit einem weiteren Break zum 3:1 schien Spaniens Shootingstar die Entscheidung herbeigeführt zu haben, erst recht, als der 25jährige Iberer kurz darauf sogar Spielball zum 4:1 hatte. Das totale Wagner-Debakel  drohte, ehe der Niederösterreicher sich einer seiner Stärken besonnen hatte, und mit der Flucht nach vorne ans Netz und einem dort prächtig gesetzten Volley tatsächlich zum abermaligen Re-Break kam. Der Mayrhuber-Bezwinger konnte danach zum 3:3 ausgleichen, ehe er im Finish abermals bei eigenem Aufschlag patzte. Ja, es war schon wirklich ärgerlich für den Königstettner, dass er an diesem Abend gleich drei geschaffte Breaks in einem Satz nicht “zu Mehr” nützen konnte. Ok, im Aufschlagspiel bei 3:4 konnte der TK Big Point Muckendorf-Star nicht viel machen, war er der bombastischen Gewalt und Präzision der spanischen Returns chancenlos ausgeliefert. Das er aber nach einem neuerlichen Re-Break bei 4:5 wieder mit eigenem Service patzte – und diesmal ohne Fremdeinwirkung – war dann doch enttäuschend.

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Wagners Aufschlagleistungen wie Tag & Nacht – nach famoser Service-Leistung im Semifinale, erlebt der 21jährige im Endspiel ein echtes Aufschlag-Fiasko

Nimmt man das 17. Saisonfinale genauer unter die Lupe, dann war es insgesamt die katastrophale Aufschlagleistung Wagners, warum der 21jährige in seinem ersten Karriere-Endspiel nicht reüssieren konnte. Am Tag zuvor im Semifinale gegen Franz Mayrhuber glänzte der Königstettner noch mit einer phantastischen Service-Leistung, “bombte” 9 Asse ins Feld seines Gegners, und ließ bei 56 % an ersten und 88 % an zweiten Aufschlägen nur 1 Break des Ranglisten-Ersten zu. Bei seiner Finalpremiere freilich erlebte Wagner ein echtes – auch statistisch belegtes – Service-Fiasko. Punktbringende Asse waren Fehlanzeige, stattdessen unterliefen dem 21jährigen 10 Doppelfehler. Bei nur 39 % ersten Aufschlägen und vorallem nur 23 % an gewonnenen Punkten nach dem zweiten Aufschlag, musste Wagner 10 Breakchancen zulassen und mit 7 kassierten Breaks letztlich die verlorene Final-Premiere zur Kenntnis nehmen.

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“Ich habe kein Problem damit ein Finale zu verlieren, nur mit der Art und Weise wie das heute passiert ist”

Der 185. Turniersieger der Open Ära hätte er werden können, stattdessen war Wagner nach Karl Ader und Michael Kunz der bereits dritte rat- und chancenlos Finalgegner von Ignacio Martin. “Es war offensichtlich, dass ich nicht an meine gestrige Leistung anschließen konnte. Es ist eigentlich schwer zu glauben, dass Semifinale und Finale ein und die selbe Person bestritten haben. Meine Aufschlagleistung heute war indiskutabel und katastrophal. Ich konnte nur sehr wenige erste Aufschläge im Feld platzieren, und die waren auch nicht wirklich gut. Ich weiß nicht wirklich was los war, und warum das Finale in diese Richtung ging. Ich bin jetzt eigentlich ziemlich ratlos. Ich habe kein Problem damit ein Finale zu verlieren, nur mit der Art und Weise wie das heute passiert ist”, analysierte Wagner, ehe er auch noch ein Gesamt-Resümee zum März-Masters-Series-1000-Turnier zog. “Im Endeffekt war es so, dass ich durchwachsen in dieses Turnier gestartet bin. Selbst gegen den Michael Kunz habe ich phasenweise nicht so gut gespielt. Im Semifinale gegen den Franz Mayrhuber habe ich ein Super-Spiel abgeliefert, wahrscheinlich das beste Match meiner HTT-Karriere. Über meine heutige Leistung werde ich erst einmal eine Nacht schlafen müssen, um sie richtig einordnen zu können. Ich muss einfach das Positive mitnehmen und in Zukunft an die Mayrhuber-Leistung anknüpfen. Ich will weiter gute Matches spielen und mich verbessern. Nach diesem Turnier werde ich Top 25 sein, aber es macht meiner Meinung nach wenig Sinn, wenn man sich großartige Ziele im Ranking setzt. Weil du kannst solche Sachen nicht alleine aus eigener Kraft schaffen. Sich zu verbessern steht im Vordergrund, und dann kommen die Ergebnisse von ganz alleine”, so der 21jährige aus Königstetten.

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Ignacio Martin , sechster internationaler Masters-Series-Champion der Open Ära im Sieger-Interview

190 Punkte hatte Ignacio Martin für seine beiden ersten Turniersiege beim Februar-Future und beim Februar-HTT-150-Turnier für die Rangliste erobert, gleich 1000 Punkte brachte dem spanischen HTT-Star der Triumph beim März-Masters-Series-Turnier, mit dem der 25jährige in der 86.  Auflage dieser Turnierserie erst zum 6. internationelen HTT-Masters-Series-Champion nach Tashi Liu aus China, Adrian Tismanariu aus Rumänien, dem Neuseeländer Ari Davis und den beiden Deutschen Robin Douglas und Jan-Philip Hupasch avancierte. “Dieser Titel hat natürlich eine viel höhere Bedeutung für mich, als die beiden ersten Erfolge. Er war auch sehr wichtig, um in der Rangliste weiter nach oben zu kommen. Ich hatte aber auch viel Glück, weil Stefan Kraberger im Semifinale w.o geben musste. Gegen ihn wäre es wohl sehr schwierig geworden”, zeigte sich Don-Ignacio auch im großen Erfolg sympathisch bescheiden. Zum Finalspiel selbst meinte der Madrilene: “Mein Gegner war zu Beginn sehr nervös, zumindest hat sein Spiel so gewirkt. Ich weiß, dass er viel besser spielen kann, vorallem kann er besser servieren als gegen mich. Ich habe ihn im Viertelfinale gesehen, und ich war auch sehr überrascht vom Ergebnis im Semifinale gegen Franz Mayrhuber. Der erste Satz war zwar ziemlich schnell vorbei, aber ich habe mich eigentlich auch nicht richtig wohl gefühlt. Im zweiten Durchgang hat er dann besser gespielt, obwohl ich bei meiner 3:1 Führung das Gefühl hatte, das Spiel unter Kontrolle zu haben. Plötzlich stand es aber 3:3, umso wichtiiger war das Game zum 4:3. Das Return-Game zum 5:3 war das beste Tennis, das ich in diesem Finale gespielt habe”, strahlte der neue spanische HTT-Held.

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