Super-Oldie Karl Ader peilt im März-Future-Finale einen Tour-Rekord für die Ewigkeit an

Masterssieger Franz Mayrhuber hat im Semifinale des 10. März-HTT-500-Turniers zwar die Siegesserie von Spaniens neuem Tour-Hero Ignacio Martin beendet, die längst auf der Hobby-Tennis-Tour ausgebrochene “Martin-Mania” konnte aber auch der Ranglisten-Erste mit seinem knapp in drei Sätzen errungenen Halbfinal-Erfolg nicht stoppen. Um den 25jährigen Madrilenen ist ein richtig gehender Hype entstanden, der am Montag Abend in der Vorschluss-Runde des 13. Saisonturniers einen neuen Höhepunkt erfuhr. Sportlich betrachtet brachte der Semifinal-Abend beim letzten großen Hallenturnier aber wie erwähnt das Ende des spanischen Erfolgs-Runs, herbeigeführt vom Besten der Szene, dem Ranglisten-Leader Franz Mayrhuber. Der 48jährige setzte sich nach 152 abwechslungsreichen, teils hochklassigen und richtig dramatischen Minuten mit 7:5, 5:7, 6:4 durch, und feierte damit den insgesamt 140. Einzelsieg seiner beeindruckenden Karriere. Prächtig in Fahrt präsentierte sich am Montag Abend auch Deutschlands Nummer 1 Jan-Philip Hupasch, der sich mit einem ungefährdeten 6:2, 6:3 Erfolg über Mathias Wagner zum bereits vierten Mal in seiner noch kurzen Laufbahn für ein HTT-Endspiel qualifizierte. Die Finalpaarung beim gleichzeitig stattfindenden März-Future-Turnier lautet indes Robert Priewasser gegen Karl Ader. Dort könnte am heutigen Dienstag Abend ein Rekord für die Ewigkeit fallen! Ein Bericht von C.L

cimg7478

Der Branchen-Primus höchst persönlich musste ran, um die erschütterte Hobby-Tennis-Welt im “Spiel der Spiele” wieder zurecht zurücken

Exakt 10 Minuten vor Mitternacht, am gestrigen Montag um 23:50 Uhr, hat die 4 Wochen und 11 Matches dauernde spanische Tennis-Fiesta ein – für viele Zuseher – wohl recht unglückliches Ende gefunden. Ja, es herrschte fast sowas wie “Enttäuschung” im zahlreich erschienen Publikum, als mit dem Matchball ein phantastischer Tennisabend im UTC La Ville zu Ende gegangen war. Irgendwie hatte man das Gefühl, dass mit Franz Mayrhuber der falsche der beiden heldenhaft kämpfen Final-Protagonisten gewonnen hatte. Grund zur Enttäuschung bestand aber freilich keiner, denn die an den Altmannsdorfer Ast gepilgerten HTT-Fans brauchten ihr Kommen keineswegs zu bereuen. Ihnen wurde ein Tennis-Leckerbissen serviert, der schon von der Ausgangslage her, für jede Menge Brisanz und noch mehr Erwartungshaltung sorgte. Das Semifinale der oberen Rasterhälfte in einem von Kritikern für eher mau befundenen März-HTT-500-Turnier, zwischen dem seit 11 Spielen unbesiegten spanischen Shooting-Star Ignacio Martin und dem Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber war aufgrund der imposanten Siegesserie des Madrilenen zum Duell der Giganten hochstilisiert worden. Ein bis vor 4 Wochen völlig unbekannter Spanier hatte mit fast einem Dutzend Aufsehen erregender Siege das Establishment der HTT erschüttert, und so musste der Branchen-Primus höchst persönlich ausrücken, um die auf den Kopf gestellte und in höchste Aufruhr geratene Hobby-Tennis-Welt der Bundeshauptstadt wieder zurecht zurücken. Selten hatte ein Tennismatch auf der HTT in der Vergangenheit ein derart großes Interesse entfacht, wie der spanisch-österreichische Halbfinal-Gipfel am Montag Abend. Der Vorschluss-Runden-Schlager war in aller Munde, und die allgemeine Aufmerksamkeit für den Treff der HTT-Topstars  immens. Unzählige Bekundungen zur Spielstärke des Spaniers langten unmittelbar vor Spielbeginn beim Veranstalter ein, während des Matches “piepste” das Handy des Turnierleiters beinahe ohne Pause, weil neugierige Tour-Fans den jeweils aktuellen Zwischenstand erfahren wollten. Dazu säumten soviele Zuseher wie selten an einem Halbfinal-Abend, direkt vor Ort den 9er-Court im UTC La Ville. Und sogar der im Viertelfinale gegen Ignacio Martin unterlegene Alexander Walter hatte sich in feinstem Zwirn gehüllt, nach einem Opernbesuch mit seiner Gattin, direkt zum “Spiel der Spiele” eingefunden.

cimg7481

Spaniens Tour-Hero Ignacio Martin muss erstmals überhaupt einen Satz abgeben

Das “Match des Jahres” begann – man möchte fast sagen – planmäßig, weil der an Nummer 1 gesetzte Franz Mayrhuber mit einem frühen Break zum 3:1 rasch die Weichen in Richtung klarem Finaleinzug gestellt zu haben schien. Dieses schnelle Break transportierte der Masterssieger vom SK Handelsministerium bis ans Satzende, ehe er mit seinem ersten Aufschlag-Verlust zum 4:5 nochmals in Bedrängnis kam. Mit dem gelungenen Re-Break stieg nämlich plötzlich auch das Selbstvertrauen des Spaniers, der im Folge-Game mit zwei atemberaubend schnellen Vorhand-Krachern den Grundstein zum 5:5 legte, und ein zwischenzeitliches Lächeln ins Gesicht seiner wie immer im Publikum sitzenden Freundin Maria Puy zauberte. Ja, in dieser Phase legte “Don Ignacio” spanisch feurige 5 Minuten auf den Centercourt hin, zelebrierte wie schon den letzten Wochen Powertennis pur, und brachte selbst den eigentlich schon klar führenden Ranglisten-Leader in arge Bedrängnis. Kurios eigentlich, dass es schließlich der Mann aus Kastilien höchst persönlich war, der sich mit einem groben Patzer selbst um die Früchte seiner sensationellen Aufholjagd brachte. Eine abermals klar dominierte Rallye beim Stand von 5:6  wollte der 25jährige aus Madrid mit einem Überkopfball abschließen, doch Martin platzierte den kleinen gelben Filz genau auf den fast an der Hallenmauer stehenden Gegner, der nur sein Racket hinhalten musste, um mit einem eher ungewollten Lob zum Punktgewinn zu kommen. “Jetzt hole ich mir den Satz”, war aus dem Mund des beim Return stehenden Ranglisten-Ersten zu vernehmen, und in der Tat war Augenblicke später der Masterssieger mit einem 7:5 in Führung gegangen. Um exakt 22:17 Uhr, hatte Ignacio Martin also erstmals in seiner HTT-Karriere einen Satz abgegeben.

cimg7477

Dem mit Magenproblemen kämpfenden Ignacio Martin fehlt im dritten Satz bei zwei Break-Chancen nur ein Punkt zum vorentscheidenden 5:2

Die Partie schien dann im zweiten Durchgang eigentlich entschieden, und nichts deutete in der Phase um Mitte des zweiten Satzes darauf hin, dass die Montags-Night-Session noch eine sehenswerte Zugabe zu bieten hatte. Mayrhuber lag 4:2 voran, steuerte unaufhaltsam seinem 23. Karriere-Finale entgegen, als der mit Magenschmerzen agierende Gegner aus Spanien zu einem weiteren “Furioso” ansetzen sollte. Der 25jährige Madrilene begann sich auf der Vorhand einzuschießen, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Immer wieder krachten dem Branchen-Primus die unnehmbarsten Vorhand-Kugeln um die Ohren, der mit 7:5 erzielte Satzausgleich war eigentlich nur die logische und höchst verdiente Konsequenz aus den spanischen Angriffs-Bemühungen. Draußen im Foyer nahm der längst siegreich gebliebene Jan-Philip Hupasch die Kunde vom Satzausgleich mit einem breiten Grinsen zur Kenntnis, “denn ich will im Finale der erste Spieler sein, der den Spanier besiegt”, lachte Deutschlands Nummer 1 bei der gerade stattfindenden Pressekonferenz. Ein dritter Satz musste also den Halbfinal-Hit entscheiden, und dort sah zunächst alles nach einem “spanischen Happy End” aus. “Senor Ignacio” demonstrierte Hobby-Tennis in Reinkultur, während Masterssieger Mayrhuber die Kräfte zu verlassen schienen, und der 48jährige mit “Hadern und Zaudern” beschäftigt war. Bei einer 3:2 Führung musste Spaniens Senkrechtstarter neuerlich eine Toilettenpause einlegen, der Magen rebellierte abermals! Als der 2fache Saisonsieger aus Kastilien dann ziemlich blass um die Nasenspitze herum auf den Court zurückkehrte, hatte er Minuten später wohl mehr als die Vorentscheidung auf dem Schläger. Mayrhuber servierte bei 2:4 und 15:40, lediglich ein Punkt fehlten dem Iberer zum 5:2 im dritten Satz, und damit wohl zum Aufstieg ins Finale. Was er in dieser Phase aber an unerzwungenen Eigenfehlern produzierte, und wie es zu diesen unforced errors kam, konnte er auch später in der Pressekonferenz nicht erklären. “Ich weiß nicht was ich gemacht habe, diese Fehler sind einfach passiert”, meinte Martin. Diese Fehler kosteten ihm schließlich aber den zwölften Sieg in Serie, denn die Magenprobleme schienen Martin doch zuzusetzen. Der Madrilene wirkte im Finish nicht mehr spritzig genug, auch nicht mehr so zwingend in seinen Grundschlägen, während Mayrhuber in gewohnter Manier von einer Ecke des Platzes in die nächste sprintete, und jeden Angriffsball seines spanischen Gegenübers zurück übers Netz schaufelte. Höhepunkt dabei war eine 38 Ballkontakte dauernde Rallye, die dem gesundheitlich angeschlagenen Iberer wohl mehr zusetzte, als seinem 23 Jahre älteren Kontrahenten. Statt 5:2 stand es plötzlich nur mehr 3:4, und Game sollte Ignacio Martin in der Entscheidung keines mehr machen. Nach exakt 2:32 Stunden hatte Franz Mayrhuber mit einem 7:5, 5:7, 6:4 so wie im Vorjahr das Finale beim März-HTT-500-Turnier erreicht, und nur ein kurzes Statement parat. “Ich bin froh, wieder einmal ein knappes Spiel gewonnen zu haben. Der Ignacio hat super gespielt, und ich freue mich auf das Finale gegen Hupasch”, so der 48jährige.

cimg7485

cimg7144

Spaniens Topstar bei der Pressekonferenz: “Ich mag das, was gerade mit mir auf der Hobby-Tennis-Tour passiert”

Weitaus intensiver und länger gestaltete sich die Pressekonferenz mit dem neuen HTT-Topstar Ignacio Martin. Der spanische Überflieger ist derzeit wohl der Mann der Stunde im Circuit, und er genießt sichtlich den Rummel und den Hype um seine Person, wie er im abschließenden Interview bekannte. “Ich mag das, wenn ich auf der HTT so im Fokus stehe. Das macht mir nichts aus, ganz im Gegenteil”. Zum verloren geganenen Semifinal-Hit befragt, meinte der 25jährige: “Ich hatte heute schon vor Spielbeginn Probleme mit dem Magen. Im zweiten Satz waren die Schmerzen weg, zu Beginn des dritten Satzes haben sie aber wieder eingesetzt. Schade ist es um die Break-Chancen die ich zum 5:2 hatte. Ich weiß nicht genau was ich gemacht habe, die Fehler sind einfach passiert. In dieser Phase hat Mayrhuber aber auch sehr gut gespielt. Zufrieden bin ich nicht. Ich fühle mich gerade nicht so gut, weil ich heute durchaus hätte gewinnen können”, so Martin. Druck – angesichts der tollen Siegesserie – verspürte er im Vorfeld nicht. “Im Gegenteil. Ich finde das super, aber 11 Siege hintereinander sind noch nicht so berauschend. 20 Siege wären besser”, lachte Ignacio, der sich auch angesichts des Rummels um seine Person nicht in seiner Leistungsfähigkeit beeinträchtigt fühlt. “Ich mag das, was hier gerade auf der Hobby-Tennis-Tour mit mir passiert. Und ich möchte mich auch bei den vielen Zusehern in der Halle und den interessierten Mitspielern die daheim waren, für die große und mir entgegen gebrachte Aufmerksamkeit bedanken”, so der sympathische 25jährige.

cimg6870

März-HTT-500-Finale bringt die dritte Auflage der neuen deutsch-österreichischen Nachbarschafts-Rivalität zwischen Franz Mayrhuber und Jan-Philip Hupasch

Wenn also im ultimativen Showdown mit der Nummer 1 der Szene die Frage geklärt werden sollte, wie gut er denn nun wirklich ist, der “Nadal der HTT”, dann gab der über zweieinhalb Stunden dauernde Semifinal-Gipfel die richtige Antwort. Er ist richtig gut, und scheinbar doch – wie von manchen Experten vorausgesagt – befähigt, bei den ganz großen Events der Hobby-Tennis-Tour um Titel und Trophäe mitfighten zu können. Ein von vielen ersehntes deutsch-spanisches März-HTT-500-Finale ist dennoch ausgeblieben, stattdessen steht bereits zum dritten Mal die neue und prestigeträchtige deutsch-österreichische Nachbarschafts-Rivalität auf dem Programm. Hupasch gegen Mayrhuber, ein Duell das in den kommenden Jahren, vorallem aber in dieser Saison zum Dauerbrenner werden könnte. Denn neben Franz Mayrhuber, dem wohl konstantesten Spieler im Tour-Zirkus, hat auch Deutschlands Bester Jan-Philip Hupasch den Dreh raus, wie man im Circuit zu Finalteilnahmen kommt. Beim erst 6. Antreten auf der HTT, steht der blonde Deutsche bereits zum vierten Mal im Finale, und greift dort am heutigen Abend (Live ab 21 Uhr auf hobbytennistour.at) nach seinem dritten Tour-Titel.

cimg7482

Deutschlands Nummer 1 Jan-Philip Hupasch deklassiert im Schatten des spanisch-österreichischen Giganten-Gipfels, TK Big Point Muckendorf Jungstar Mathias Wagner in zwei Sätzen

Im Schatten des Topschlagers zwischen Ignacio Martin und Franz Mayrhuber, ballerte sich Hupasch mit einem souverän herausgespielten 6:2, 6:3 Erfolg über Mathias Wagner in sein zweites Saison-Endspiel am Altmannsdorfer Ast. Der 21jährige aus Varel dominierte das zweite direkte Duell mit seinem gleichaltrigen Gegner vom TK Big Point Muckendorf nach Belieben, und hatte nach nur 55 Minuten im Head to Head auf 2:0 gestellt. Ein frühes Break zum 1:0, ein weiterer Return-Gewinn zum 4:1, damit war die Basis zum Gewinn des ersten Satzes gelegt, und in Wahrheit auch die Weichen in Richtung Endspiel gestellt. Denn Wagner hatte an diesem Montag-Abend nicht jene Performance zu bieten, mit der er beispielsweise im zweiten Satz seines Viertelfinales den Slowaken Pavol Cabada aus der Halle schoß. Genau solch eine Darbietung wäre freilich nötig gewesen, um einen im Vergleich zum gestrigen Sonntag diesmal groß aufspielenden Teutonen entsprechend Paroli bieten zu können. Hupasch legte auch zu Beginn des zweiten Satzes mit drei Games in Folge mächtig los, ehe Wagner in seiner besten Phase mit zwei Re-Breaks, seinerseits drei Games in Serie markierte. Zur Wende reichte aber auch das nicht, weil der 21jährige vom TK Big Point Muckendorf zu schwach servierte, und über weite Strecken des zweiten Semifinales nicht über die Rolle des eher passiv  reagierenden Mitläufers kam. “Es lief heute ganz gut. Im ersten Satz habe ich stark serviert, da ist mein Gegner bei meinem Aufschlag nie über “15” gekommen. Eigentlich hatte ich ein schwereres Match erwartet. Hätte Mathias weniger Fehler gemacht, dann wäre es vermutlich ohnehin enger geworden. Die Form ist ganz ok, aber der Teppich in der Halle ist halt nicht unbedingt mein Libelingsbelag”, resümierte Hupasch nach seinem semifinalen Erfolg, während der unterlegene Mathias Wagner etwas ausführlicher beim abschließenden Statement ausholte.

img_1824

Mathias Wagner: “Ich muss noch an der Konstanz arbeiten, um permanent auf höchstem Niveau spielen zu können”

“Schuld an meiner heutigen klaren Niederlage war ohne Zweifel die niedrige Quote am ersten Aufschlag. Ich habe heute richtig schlecht serviert, vielleicht waren es gerade einmal so 30 Prozent am ersten Aufschlag. So wird es dann halt verdammt schwer gegen einen Spieler wie den Jan, der noch dazu sehr gut returniert. Da laufe ich dann im Endeffekt immer hinterher. Außerdem war ich eigentlich permanent unter Druck”, so der 21jährige. Und angesprochen auf die Bilanz, die er nach dem Semifinal-Aus ziehen würde, meinte Wagner: “Natürlich würde ich lügen, wenn ich behaupte, nicht auf das Endergebnis zu schauen. Aber eigentlich ist es wichtiger, auf die Leistung zu schauen. Für ein Finale muss aber wirklich alles passen. Da braucht man eine entsprechende Auslosung, und auch die Gegner müssen mitspielen. Mir fehlt halt noch die Konstanz, um ständig auf höchstem Niveau zu spielen. Daran muss ich eben noch arbeiten”, resümierte der Jungstar vom TK Big Point Muckendorf.

cimg7476

Deutschlands Matthias Dietrich läßt die Chance auf “deutschen Doppelsieg” aus, dafür kann Super-Oldie Karl Ader am Dienstag Abend einen Rekord für die Ewigkeit aufstellen

Während also Jan-Philip Hupasch am Montag Abend für eine weitere deutsche Finalbeteiligung auf der HTT sorgte, musste sich sein Landsmann Matthias Dietrich im Halbfinale des 2. März-Future-Turniers knapp vor dem ersten Endspiel seiner Karriere geschlagen geben. Der 32jährige aus Kassel verlor das semifinale Generations-Duell mit dem 37 Jahre älteren Karl Ader in drei Sätzen mit 5:7, 6:4, 2:6, und ließ damit auch die historische Chance aus, dass Deutschland am Dienstag Abend einen Doppelsieg hätte landen können. Stattdessen könnte der Abend des 12. März 2013 ein historischer aus Gesamtsicht der HTT werden. Denn dem Donaufelder Urgestein Karl Ader fehlt nur mehr ein einziger Sieg, um sich mit seinem ersten Karriere-Titel unsterblich zu machen, und wohl einen Rekordeintrag für die Ewigkeit verbuchen zu können. Sollte der Super-Oldie vom TC Donaufeld im Endspiel gegen Robert Priewasser wie auch schon im ersten Duell der beiden Future-Stars in Runde 1 des letztjährigen November-Masters-Series-1000-Turniers die Oberhand behalten, dann würde der rüstige Fast-Siebziger zum ältesten Turnier-Champion der Geschichte avancieren. Rekorde gibt es zwar auf der HTT unendlich viele, Bestmarken die längst für die Ewigkeit gedacht waren, wurde in letzter Zeit ausradiert, doch ein Ader-Triumph wäre wohl in der Tat ein für alle Zeiten aufgestellter Mega-Rekord. Wer bitte sehr sollte in Zukunft in jenem Alter zu Titelehren stürmen, in dem “everybody’s darling Karl” sich am Dienstag Abend um den so heiß ersehnten ersten Turniersieg bemühen wird.

cimg7480

Karl Ader – Superstar mit fast 70 und wie er Höllenqualen abseits des Courts leidet

Der Super-Senior aus Floridsdorf hätte den Titelgewinn beim dritten Future-Turnier der Saison auch wirklich verdient. Es ist für die meisten Akteure im Circuit wohl nur schwer auszumachen, was der fast 70jährige an diesem Wochenende wieder vollbracht hat. Man kann nur den Hut ziehen vor dem Ader-Senior, der nicht nur auf dem Court überdurchschnittliche Leistungen abliefert, sondern auch abseits richtige Höllenqualen durchmachen muss. Die Nacht zum Semifinale durchwachte Ader, weil er mit enorem Schmerzen in der Hüfte nicht schlafen konnte. Beschwerden an der Fuss-Sohle sind ein ständiger Begleiter bei seinen Matches, und vier Auftritte in drei Tagen – die selbst den Jüngeren massive Probleme bereiten – haben auch dem Super-Senior zugesetzt. “Ich habe vom Fritz Böck gehört, dass der Finaltag immer am Mittwoch ist, und es einen Tag Pause gibt”, versuchte Ader beim Veranstalter einen Ruhetag herauszuschinden. Viel Magnesium, noch mehr heilende Salben, die kommenden 24 Stunden wird Karl Ader wieder zum wandelnden Apotheker, der sich quasi selbst versorgt. Im 70. Match seiner HTT-Karriere kannte Ader aber wieder einmal keine Schmerzen. Und der 69jährige zeigte zudem riesige Moral, als sein deutsches Gegenüber zwischenzeitlich sogar zum 1:1 in Sätzen ausgleichen konnte. Im Finish trumpfte der Oldboy aber nochmals groß auf, erarbeitete sich einen 5:0 Polster, der ihm schließlich reichte, um zum zweiten Mal in seiner Laufbahn in ein Finale auf der HTT einzuziehen. “Ich habe mich eigentlich in der Außenseiterrolle gesehen. Der Gegner hat sehr gut gespielt, und für mich ist die Finalteilnahme eine echte Sensation. Selbst auf Future-Ebene sind lauter gute Spieler im Einsatz, und man braucht definitiv das nötige Quentchen Glück, um dort in ein Finale einziehen zu dürfen”, freute sich Ader. “Ich bin leider unter meinen Möglichkeiten geblieben. Physisch war heute aber nicht mehr möglich, auch von der Konzentration her war es diesmal richtig schwierig. Es hat trotzdem Spaß gemacht, kein Thema”, verabschiedete sich Matthias Dietrich, der übrigens in rund 3 Wochen Vater wird. Wir wünschen dazu jetzt schon alles Gute.

cimg7486

Karl Ader könnte zum ältesten Turniersieger der Open Ära avancieren, während Hartmuth Beck im zweiten Semifinale des März-Future-Turniers gegen Robert Priewasser den Anstrengungen des Super-Sonntags Tribut zollen muss

Karl Ader könnte also am Dienstag Abend mit 69,9 Jahren zum ältesten Turniersieger der Open Ära avancieren, und damit den im vergangenen Herbst beim Oktober-Future-Turnier siegreich gebliebenen Walter Kreilinger als ältesten Champion der Tour-Geschichte ablösen. Diesen magischen und wohl historischen Rekord will freilich Robert Priewasser verhindern, der mit seinem zweiten Karriere-Titel auch die im Oktober letzten Jahres aufgestellte Bestmarke seines oberösterreichischen Landsmannes Walter Kreilinger retten kann. Das zweite Final-Ticket seiner Laufbahn fixierte der 31jährige November-Future-Champion in kurzweiligen 50 Minuten und mit einem 6:2, 6:0 Kantersieg über den sonntägigen Matchball-Helden Hartmuth Beck. Der 46jährige hatte wie sich heute Abend herausstellte, 24 Stunden zuvor mit seinem 3:15 Stunden dauernden Achtelfinal-Triumph über Josef Winkler zwar für massigst Furore gesorgt, andererseits aber wie erwartet “nur” einen Pyrrussieg errungen. Dem unglaublichen Kräfteverschleiß von viereinhalb Stunden Tennis und 5 gespielten Sätzen, musste der 46jährige ganz einfach Tribut zollen. “Die Batterien waren leer, der gestrige Tag hat mir zuviel Substanz gekostet”, erklärte Beck die klare Niederlage. Und auch Robert Priewasser scheint konditionell bereits am berühmten letzten Zacken zu laufen. “Ich habe Angst vor dem Finale, weil ich nicht sicher bin, wie ich dieses Match körperlich schaffen werde”, so der 31jährige. “Ich freue mich aber natürlich sehr über den Finaleinzug”.

cimg7479

Die drei ältesten Turniersieger der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte seit 1990

1. Walter KREILINGER 55,7 Jahre Sieger beim Oktober-Future-Turnier 2012
2. Robert PIATEK 54,9 Jahre Sieger beim Februar-Challenger-Turnier 2011
3. Eduard HOFMEISTER 54,1 Jahre Sieger beim November-Challenger-Turnier 2009

dscf1587