Jürgen Buchhammer nach Titel Nr. 2 als neuer Dominator auf 250er-Ebene

La-Ville-Star Jürgen Buchhammer ist der neue Dominator der 250er-Turnierserie im HTT-Zirkus. Vor den Augen seiner Freundin sicherte sich der 29jährige am Dienstag Abend den Sieg bei der 7. Auflage des März-HTT-250-Turniers, und kam nur 3 Wochen nach seinem Premieren-Erfolg beim Februar-HTT-250-Turnier erneut zu Titelehren. Der weiter prächtig in Form agierende Lokalmatador des UTC La Ville behielt in einem wenig hochklassigen Finale gegen Caesar-Bezwinger Andreas Motycka nach 1:44 Stunden mit 4:6, 6:3, 6:0 die Oberhand, und feierte damit bereits den neunten Einzelsieg in Serie. Mit 250 gewonnenen Punkten verbesserte sich Buchhammer überdies in der HTT-Computer-Rangliste auf sein Karriere-High-Ranking von Position Nr. 15, und auch für den unterlegenen Final-Debütanten zahlte sich der Start beim 12. Saisonturnier am Altmannsdorfer Ast voll aus. Motycka steht nach vier Siegen und dem erreichten Endspiel erstmals in seiner Laufbahn unter den Top 100. Ein Bericht von C.L

cimg7404

Jürgen Buchhammer avanciert nach dem Spanier Ignacio Martin zum zweiten 2fach-Champion der Saison

Nach zwei Endspiel-Niederlagen in Serie, ist La-Ville-Star Jürgen Buchhammer nun mit dem zweiten Titelgewinn in Folge scheinbar auf den Geschmack gekommen! Der 29jährige Wiener hat nach den beiden Final-Pleiten mit anfänglichen Problemen und Mißgeschicken im vergangenen Jahr, nun offenbar den “Dreh raus”, und einen sprichwörtlichen Lauf gestartet. Mit dem neunten Einzelsieg in ununterbrochener Reihenfolge, hievte sich Buchhammer am Dienstag Abend zum zweiten zweifachen Saisonsieger nach dem Spanier Ignacio Martin, und avancierte obendrein zum ersten Spieler seit David  Hühne, der zwei HTT-250-Turniere in Serie gewinnen konnte. Der Deutsche gewann im November 2010 und im Jänner 2011 nacheinander zwei Veranstaltungen der immer beliebter werdenden Turnierreihe der Hobby-Tennis-Tour. Der neuerliche Erfolg des 29jährigen vom UTC La Ville war am gestrigen Abend allerdings keineswegs so deutlich ausgefallen, wie sich Buchhammer das noch 24 Stunden zuvor ausgemalt hatte. “Wenn ich solide spielen sollte, müsste es mit dem Titel eigentlich klappen”, zeigte sich die Nummer 3 des 250. Hallenturniers der Open Ära in einer Pressekonferenz nach dem Semifinale optimistisch. Die Motycka-Auftritte bis dahin hatten den Februar-HTT-250-Champion nicht sonderlich beeindruckt, das gefährliche Linkshänder-Tennis seines 43jährigen Final-Gegners hatte er aber scheinbar auch nicht mit einkalkuliert in die ambitionierten Titelplanungen. Und so wurde der finale Showdown am Altmannsdorfer Ast zunächst zu einem echten Geduldspiel für den späteren Sieger.

cimg7397

Jürgen Buchhammer fast eineinhalb Sätze lang rat- und planlos gegen das Linkshänder-Tennis seines Finalgegners

Denn Andreas Motycka zeigte sich bei seinem Final-Debüt alles andere als nervös oder angespannt, und legte nach Abwehr einen Breakballes gleich im ersten Game mit einer 1:0 Führung los. Schon in dieser Anfangsphase bekam man deutlich zu sehen, dass Buchhammer mit der von “linker Hand” ausgeführten Tenniskunst seines Gegenübers große Probleme hatte. Motycka attackierte mit seiner Vorhand immer wieder “cross-court” die Rückhand seines Kontrahenten, und mit dem gefährlichen – nach Außen platzierten – Linkshänder-Aufschlag hatte der Kiss-Bezwinger auch so seine liebe Not. Ja mehr noch, wirkte der 29jährige im ersten Satz des 12. Saisonfinales richtig gehend rat- und konzeptlos, wie dem echt gut spielenden Final-Debütanten vom AZ Tennisclub beizukommen wäre. Einzig die nötige Idee kam dem Lokal-Hero nicht, der das Break zum 2:4 hinnehmen musste, und sich trotz eines prompt erzielten Re-Breaks nach exakt 41 Minuten mit dem 0:1 Satzrückstand konfrontiert sah. Das bitter schmeckende 4:6 war aber noch nicht alles, was Buchhammer in dieser Phase des März-HTT-250-Finales an Rückschlägen wegzustecken hatte. Motycka gelang das frühe Break zum 2:0, und damit schien der 43jährige drauf und dran zu sein, die aktuelle Siegesserie seines 29jährigen Gegenübers zu beenden.

cimg7400

Bei 6:4, 2:0 gibt ein mit heftigen Rückenschmerzen kämpfender Andreas Motycka das Geschehen im März-HTT-250-Finale aus der Hand

Satz und Break eines solide spielenden und recht konstant wirkenden Final-Neulings vor, dazu ein irritierter und noch immer ideenloser Lokalmatador, die große Überraschung  in Form eines Turniersieges der Nr. 127 schien Gestalt anzunehmen. Einmal mehr aber bekam man als Zuschauer in der Folge zu sehen, dass Tennis in vielerlei Hinsicht ein äußerst unberechenbarer Sport ist. Ein kurzes mentales Blackout da, ein Zwicken irgendwo im Körper da, und schon nimmt so eine finale Entscheidung auch schon mal eine völlig neue Wende. Gesehen auch am Dienstag Abend, wo sich zu Beginn des zweiten Durchgangs die entscheidenden Szenen zur angesprochenen Wende ereigneten. Motycka ist plötzlich wieder mit massiven Rückenschmerzen konfrontiert, und für einige Momente völlig von der Rolle. Das Re-Break zum 1:2 schmerzt zwar, doch richtig “desaströs” werden aus Sicht des 43jährigen die folgenden Ballwechsel. Der Linkshänder produziert sechs “unforced errors” in Serie, muss damit den 2:2 Ausgleich hinnehmen, und die ersten Punkte zum nächsten Break abgeben. Mit immer heftiger werdenden Schmerzen im Rückenbereich kämpfend, gelang dem Meisterschaftsspieler vom AZ Tennisclub zwar noch einmal ein Break zum 3:3, doch das war bereits das “letzte Aufflackern” des Endspiel-Neulings, der in der Folge kein einziges Game mehr machen sollte.

cimg7405

Auch Buchhammer mit Schmerzen und nach verwandeltem Matchball ohne große Jubel-Geste

Im eigentlich entscheidenden dritten Satz ist daher schon nach wenigen Augenblicken die Luft raus. Buchhammer führt rasch 3:0, und ab diesem Zeitpunkt sollte der längst geschlagene Motycka nur mehr einen einzigen Punkt – und der kam durch einen Buchhammer-Fehler zu Stande – machen. 9:26 Punkte, so lautete am Ende die verheerende Bilanz des dritten Satzes aus Sicht des Unterlegenen, der nach 1:44 Stunden schließlich auch den ersten Matchball seines Gegenüber mit einer unmotiviert geschlagenen Vorhand ins Aus befördert hatte. Damit war Buchhammers neunter Einzelsieg in Folge und der zweite Saison- und Karriere-Titel binnen drei Wochen perfekt, die großen Jubelstürme blieben aber angesichts der eher trostlosen Schlussphase aus. “Das war jetzt nicht das tolle Finish in einem hervorragenden Match, um hier in großen Jubel ausbrechen zu können. Aber man muss die Freude wohl über das Erreichte im kompletten Turnier sehen”, meinte der neue März-HTT-250-Champion noch am Centercourt stehend. Und selbst bei der Siegerehrung war die Stimmung des Siegers getrübt! Wohlwissend, dass sein zweiter Karriere-Erfolg untrüglich auch mit dem plötzlich aufgetretenen finalen Handicap seines Gegner zu tun hatte. Dabei klagte Buchhammer selbst ebenfalls über körperliche Probleme, die sich bei ihm in Form von störenden Schmerzen im Oberarm der Schlaghand bemerkbar machten.

cimg7409

“Die aktuelle Siegesserie bestätigt mir, dass ich mein derzeitiges Niveau mittlerweile konstant abrufen kann”

“Das ist trotzdem ein absolut irrer Moment für mich, heute schon wieder ein Turnier gewonnen zu haben. Ich erinnere mich dabei immer wieder an die Worte des Veranstalters, der mir genau dieses Szeanrio vorausgesagt hat. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis du deinen ersten Titel gewinnst, und dann wirst du einen Lauf schieben”, meinte er, und genauso ist es jetzt schlussendlich auch gekommen”, erzählte der Sieger. “Die Partie heute war freilich nicht gut. Ich habe nur das Notwendigste getan, um hier zu gewinnen. So langsam und hoch wie möglich auf seine Rückhand, das war das Rezept, nachdem ich zu Beginn richtig Probleme mit seinem Linkshänder-Tennis hatte. Das lag aber auch daran, dass ich die Vorhand nicht wie gewohnt getroffen habe, und das wiederum hatte mit den erwähnten Schmerzen im Oberarm meiner Schlaghand zu tun. Das war zwischenzeitlich ein richtig ungutes Gefühl. Hätte Motycka heute ein bißchen mehr Sicherheit in seinen Schlägen gehabt, dann hätte er dieses Match vermutlich gewonnen”, analysierte der 29jährige vom UTC La Ville. Wie schwierig es trotz des scheinbar nicht enden wollenden Erfolgsruns des Jürgen B. ist, ein Turnier im Circuit zu gewinnen, und dabei obendrein auch noch konstant gute Leistungen abzurufen, ließ der 2fache Saisonsieger im nächsten Statement anklingen. “5 Matches an einem Wochenende zu bestreiten, das ist definitiv hart. Vorallem wenn du auf hohem Niveau konstant spielen willst, musst du voll fit sein. Das ist extrem kraftaufwendig, und eigentlich muss man sich seine Kräfte in den einzelnen Runden entsprechend einteilen. Meine aktuelle Siegesserie bestätigt mir, dass ich derzeit mein Niveau konstant spielen kann. Noch vor wenigen Monaten wäre es undenkbar gewesen, dass ich 9 Spiele in Serie gewinne, noch dazu gegen total verschiedene Gegner und Spielstile. Die jetzige Situation taugt mir voll, und nun muss ich schauen, dass ich den nächsten Schritt setze. Und das ist ein Erfolg auf 500er-Ebene, wenngleich das noch einmal eine ganz andere Stufe ist”, so Buchhammer, der einen Start am kommenden Wochenende beim März-HTT-500-Turnier für nicht sehr wahrscheinlich hält. “Ich würde sehr gerne spielen, aber vermutlich wird das mein Arm nicht zulassen”, dämpfte der 29jährige die Hoffnungen seiner Fans auf einen Start beim letzten 500er-Event der Indoor-Saison 2012/2013.

cimg7410

cimg7401

“Wenn du nur einen schönen Tennisabend verbringen willst, dann “tigerst” du dich auch nicht so hinein wie es nötig wäre, um einen Titel zu gewinnen”

Im ersten Finale seiner HTT-Laufbahn mit Satz und Break voran gelegen und eigentlich auf Titelkurs befindlich, dann mit ärgerlichen Rückenschmerzen aus der Bahn geworfen, da hatte man eigentlich erwartet, dass Andreas Motycka ziemlich verbittert bei der Pressekonferenz Rede und Antwort stehen würde. Doch der 43jährige zeigte sich alles andere als enttäuscht, und wirkte nach der Dreisatz-Niederlage im Endspiel des März-HTT-250-Turniers ziemlich relaxt. “Ich bin auch wirklich zufrieden. Ich wollte an diesem Wochenende Tennis spielen, und ich habe Tennis gespielt, und zwar sogar mehr als genug und als ich wollte”, lachte Motycka. “Das klingt vielleicht jetzt blöd, aber ich habe an diesem Turnier teilgenommen, um zu spielen, und nicht um zu siegen. Mein Ziel – ohne überheblich wirken zu wollen – muss es außerdem sein, keine 250er-Turniere mehr zu spielen. Ich weiß, dass ich vom Potential her viel mehr kann, als ich heute gezeigt habe. Der Buchhammer hat genau das gespielt, was er tun musste, um mich zu schlagen. Viele hohe Bälle, das hat mich nach einiger Zeit auch nicht mehr gefreut. Wenn du nur Tennis spielen willst, und einen schönen Abend am Tennisplatz verbringen möchtest, dann “tigerst” du dich auch nicht so hinein wie es nötig wäre, um einen Titel zu gewinnen. Ich bin aber auch froh, dass das Turnier jetzt vorbei ist. 5 Spiele sind nicht so einfach auszuhalten”, erklärte Motycka zum Abschluss der Pressekonferenz.

cimg7403