Aller guten Dinge sind drei – Jürgen Buchhammer siegt beim Februar-HTT-250-Turnier

Aller guten Dinge sind drei – diese weltberühmte Weisheit stellte sich am Mittwoch Abend wieder einmal als goldrichtig dar. Denn im dritten Versuch – sprich bei der dritten Finalteilnahme seiner Karriere, durfte sich UTC La Ville-Star Jürgen Buchhammer endlich über den heiß ersehnten und hart erarbeiteten ersten Turniersieg auf der Hobby-Tennis-Tour freuen. Der 29jährige Wiener triumphierte im Endspiel des 7. Februar-HTT-250-Turniers gegen TC Top Serve-Star Patrick Meinhart nach exakt 2:02 Stunden mit 4:6, 7:5, 6:3, besiegte damit seinen Final-Fluch, der ihn nach zwei grob verpatzten Endspiel-Teilnahmen verfolgte, und verbesserte sich in der aktuell erschienen HTT-Computer-Entry-List auf Position Nr. 16 und damit auf sein absolutes Karriere-High-Ranking. Für den unterlegenen Patrick Meinhart setzte es hingegen nach 7 Siegen in Serie die allererste Niederlage beim Februar-HTT-250-Turnier, womit dem 22jährigen ausgerechnet beim “doppelten Jubiläum” – Meinhart bestritt dieser Tage sein 120. Turnier und im Endspiel das 240. Single-Match seiner Laufbahn – der 9. Tour-Titel seiner Karriere durch die Lappen ging. Kleines Trostpflaster für den Top-Server aus Simmering ist der Sprung auf Platz 70 im Tour-Ranking, und die Tatsache, mit  8:3 Siegen bei seinen bisherigen Finalteilnahmen noch immer eine äußerst positive Bilanz vorweisen zu können. Ein Bericht von C.L

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Wahnsinns-Geschichte – Jürgen Buchhammer holt genau bei jenem Turnier seinen ersten Titel, bei dem er vor 5 Jahren im Februar 2008 sein Tour-Debüt feierte

Die schönsten und unglaublichsten Geschichten schreibt eben doch immer wieder die Hobby-Tennis-Tour. Das Lokalmatador Jürgen Buchhammer “daheim im La-Ville” erstmals zu Titelehren kam, ist eine nette Notiz am Rande, dass der 29jährige aber ausgerechnet beim Februar-HTT-250-Turnier den Durchbruch zum “Turniersieger” schafft, ist schon wieder eine dieser ganz speziellen Geschichten, die sich um viele der großen HTT-Champions der Vergangenheit ranken. Denn genau hier beim Februar-HTT-250-Turnier vor 5 Jahren (damals noch als Februar-WTT-Turnier im Kalender geführt), feierte Buchhammer sein Debüt im Circuit. Am 8. Februar 2008 war es, als der damals 24jährige bei seinem Premieren-Match auf Deutschlands David Hühne traf, und mit 2 aufgeplatzten Blasen an der Schlaghand eine Satzführung nicht zum Sieg nützen konnte. Das Debüt ging damals 6:2, 2:6, 1:6 verloren, scheinbar ein äußerst brutaler Dämpfer, denn Buchhammer verschwand für unglaublich lange dreieinhalb Jahre von der Bildfläche, ehe er im Oktober 2011 wiederkehrte. Seit diesem Zeitpunkt freilich, arbeitete der 29jährige so intensiv und engagiert wie noch nie in seiner Karriere am Ziel, irgendwann einmal auch auf dieser Hobby-Tennis-Tour Erfolg zu haben. Wobei es nebst der harten und umfangreichen Trainingseinheiten, vorallem auch zwei ganz bittere Erlebnisse zu verarbeiten galt. Zwei Ereignisse, bei denen Buchhammer in Sachen Titelgewinn, praktisch jedes Mal auf der Ziellinie ins Stolpern geriet, und wenig freudige Erfahrungen machen musste. Da war zum Beispiel das Endspiel beim letztjährigen Juli-HTT-250-Turnier im MAXX 23, wo Buchhammer eigentlich schon die Hand am Pokal hatte, dann aber für eine Dummheit gnadenlos bestraft wurde. Wir erinnern uns: Gegner Patrick Bayr lag nach nur 25 Minuten Spielzeit mit 1:4 zurück, klagte überdies über Blasen an der Schlaghand, und stand plötzlich am Netz, um Buchhammer per Shakehands zum Turniersieg zu gratulieren. Doch Buchhammer lehnte dankend ab, überredete seinen späteren Bezwinger zum Weitermachen, und kam selbst ohne ein weiteres Game zu machen, mit 4:6, 0:6 unter die Räder. Eine Aktion die im Tour-Zirkus mit Unverständnis und Häme quittiert wurde, und die Buchhammer zusätzlich unter Druck setzte. Denn als der 29jährige zwei Monate später beim TC Top Serve das Endspiel beim September-HTT-250-Turnier bestreiten durfte, wurde er mit der dortigen finalen Belastung nicht fertig. Mit einer grottenschlechten Leistung musste er mitansehen, wie Adam Goodsell den ersten britischen Titel der Tour-Geschichte eroberte, während er selbst nach dem 0:6, 3:6 Debakel, wort- und grußlos in Begleitung seiner Freundin von der Anlage stürmte.

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Meinhart spielt im ersten Satz seine Routine von 120. Turnierstarts und die Erfahrung von 12 Finalteilnahmen aus, und gewinnt diesen nach 40 Minuten mit 6:4

Im dritten Anlauf am Mittwoch Abend sollte aber alles anders werden! Die beiden schändlichen Final-Scharten auszumerzen, und endlich zum erlesenen Kreis jener Spieler zu gehören, die sich auf der hochgejazzten Hobby-Tennis-Tour in die Ewigen-Siegerliste eintragen konntenm, das war das erklärte Ziel des Abends. Zwar hatte der Ranglisten-Zwanzigste im Vorfeld mit drei absoluten Spitzenleistungen und Siegen über Wolfgang Tschanett, Matthias Wurzer und Alexander Scheller die Weichen Richtung Titel-Chance gelegt, mit TC Top Serve-Star Patrick Meinhart hatte Buchhammer aber alles andere als einen leicht bezwingbaren Finalgegner vor der Brust. Vorallem in Sachen Routine – immerhin spielte Meinhart dieser Tage sein 120. Karriere-Turnier – und in Sachen Final-Erfahrung – der 22jährige stand am Mittwoch Abend in seinem 12. Endspiel – war der Linkshänder dem späteren Champion turmhoch überlegen. Und diese Erfahrung spielte in den ersten 75 Minuten des 8. Saisonfinales scheinbar doch eine entscheidende Rolle. Doch alles der Reihe nach! Buchhammer startete mit Aufschlag und nervös in sein drittes Karriere-Finale, das er gleich mit zwei Doppelfehlern und einem frühen Break in Angriff nahm. Auch das prompt gelungene Re-Break brachte wenig Ruhe und Sicherheit ins Spiel des 29jährigen. Der Lokal-Hero hatte massive Probleme mit dem Linkshänder-Tennis seines Gegners, nicht wirklich einen Plan bei der Hand, und mit einem weiteren Break rasch einen 2:4 Rückstand mental zu verarbeiten. Meinhart hingegen hielt vor den Augen seiner erstmals überhaupt live im Publikum sitzenden Mama seinen Aufschlag, und servierte den ersten Satz nach exakt 40 Minuten ganz sicher mit 6:4 nach Hause.

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Meinhart läßt vor den Augen seiner Mutter eine 6:4, 5:4 Führung bei eigenem Aufschlag aus

Meinhart, der erstmals seit Juni 2011 wieder in einem Tour-Finale stand, schien in der Folge ganz klar Kurs auf Karriere-Titel Nr. 9 zu nehmen. Im August 2010 hatte der TC Top Serve Star im Endspiel des August-Frist-Series-Turniers Alexander Sterzl knapp geschlagen, und damit den bislang letzten Titel seiner Laufbahn – die mittlerweile schon seit Mai 2005 währt – erobert. Ein frühes Break zum 1:0, ein zu Null gewonnenes Aufschlag-Spiel zum 2:0, die Sache schien gegessen, zumal Buchhammer scheinbar noch immer nach der richtigen Taktik suchte. Nur gut, dass in dieser Phase sein Gegner mit einigen unerzwungenen Fehlern mithilft, die Partie offen zu halten. Es folgen mehrere Breaks, mit dem vermeintlich entscheidenden Aufschlagverlust Buchhammers zum 4:5. Und so stand Meinhart plötzlich vor der ganz großen Chance, bei 6:4, 5:4 und eigenem Service, den Sack zuzumachen. Was ihm aber nicht gelang, und anstatt sich Augenblicke später vor den Augen seiner Mama mit dem Pokal in Händen für den 9. Karriere-Titel feiern zu lassen, leitet der 22jährige eine echte Horror-Phase in diesem Endspiel ein. Meinhart macht in den folgenden drei Games nur einen von zwölf möglichen Punkten, muss zwei Mal seinen Aufschlag und damit insgesamt den zweiten Heat mit 5:7 abgeben.

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Buchhammer dreht das Finale im dritten Satz, und gewinnt erstmals in seiner Karriere ein Turnier der HTT

Buchhammer brachte plötzlich seinen Paradeschlag – die Vorhand – wieder besser und effektiver ins Spiel mit ein, während Meinhart – mit dem Gedanken an den vergebenen Sieg – von Schlag zu Schlag und Punkt zu Punkt unsicherer wurde. Nachdem der 22jährige sein fünftes Game in Serie verloren hatte, und im entscheidenden dritten Durchgang 0:2 zurücklag, keimte zwar im Meinhart-Lager mit dem Re-Break zum 1:2 noch einmal sowas wie Hoffnung auf, doch in Wahrheit war das nur mehr ein kleines Strohfeuer, ein letztes Aufflackern im Meinhart’schen Kampf um den zweiten Februar-HTT-Titel seiner Karriere. Mit der Vorhand extrem “streuend”, mit der Rückhand kaum viel besser und auch nicht im notwendigen Rhythmus, kassierte Meinhart sofort wieder das Break zum 1:3. Später in der Nachbetrachtung, ärgerte sich der Unterlegene noch über jene Szenen im fünften Game des dritten Satzes, in denen er ein 0:40 und kurz darauf sogar noch einen vierten Breakball ungenützt läßt. Vorallem zwei Return-Fehler nach miserabler Beinarbeit, waren Stein des Anstosses aus Sicht des 22jährigen. Doch der TC Top Serve-Star war längst völlig von der Rolle, und auch der Griff zu einem neuen Racket brachte nicht die erhoffte Wende. Für die hätte höchstens noch sein Gegner sorgen können, der beim Versuch den Titel zu fixieren, ein wenig nervös wurde. 5:1 und alle Trümpfe in der Hand, begann Buchhammer ordentlich zu schwitzen. Die folgenden acht Punkte gingen allesamt an Meinhart, der mit zwei Game-Gewinnen zu Null auf 3:5 verkürzte, und den Druck auf Buchhammer noch einmal massiv erhöhte. Doch der 29jährige behielt bei eigenem Aufschlag die Nerven, und um 23:52 Uhr also acht Minuten vor Mitternacht war es dann endlich soweit. Buchhammer attckierte mit seiner Vorhand, Meinhart konnte einen “Notschlag” nur mehr ins Out setzen, und damit war der lange ersehnte Moment tatsächlich gekommen. Jürgen riss die Arme zum Zeichen des Sieges in die Höhe, ehe er beim Gang zum Shakehands seinen Blick und seine ausgestreckte Hand samt Zeigefinger in Richtung Veranstalter richtete. “In diesem Moment musste ich an die vielen Gespräche denken, die ich mit Claus Lippert geführt habe. Er hat mir immer wieder gesagt, dass ich es schaffen werde. Er hat an mich geglaubt, und mit dieser Geste wollte ich das zum Ausdruck bringen”, erklärte der Sieger später.

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Mama Meinhart: Tröstendes Küsschen für den Sohnemann und riesiges Lob für den Veranstalter

Für den Verlierer gab es unmittelbar nach Spielende und noch am Centercourt ein tröstendes Küsschen von seinem größten Fan, nämlich von seiner Mutter. Und die ist, was bislang nicht bekannt war, auch ein riesiger Fan von hobbytennistour.at. Seit Mai 2005 “tourt” ihr Sohnemann durch den HTT-Zirkus, doch noch nie war sie live bei einem Turnier vor Ort. Fachwissen und Insider-Kenntnisse sind ihr aber doch eigen, zumal sie eine begeisterte Leserin unserer Webseite ist. Täglich druckt sie die neuesten Storys aus, um sie dann auf der Fahrt in die Arbeit in der U-Bahn zu lesen. Auch die aktuellen Ausdrucke vom Semifinal-Sieg über Michael Schwärzli hatte die Meinhart-Mama bei der Hand, die am Ende des Tages dann in jenem riesigen Ordner landen werden, in dem sämtliche Artikel von Patricks HTT-Karriere fein säuberlich gesammelt sind. “Das ist also der berühmte Claus Lippert”, begrüßte sie knapp vor 21 Uhr den Tour-Veranstalter, und überschüttete diesen mit reichlichst Lob. “Ich bin begeistert von der Hobby-Tennis-Tour-Seite. Wie all diese Beiträge geschrieben sind, das ist ja journalistisch ganz großartig. Wie wenn man in einer Zeitschrift lesen würde. Das kann so nicht jeder. Jedes Tennismatch hat da fast seine eigene Geschichte. Ganz toll”, lobte die Mama des 8fachen Turniersiegers.

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Meinhart trotz Niederlage mit Abschneiden beim Februar-HTT-250-Turnier zufrieden

Bei der anschließenden Siegerehrung schoss sie dann ihre ersten eigenen Fotos für die HTT-Sammelmappe ihres Sohnes, der sich einstweilen bei der Pressekonferenz über seine erste Februar-HTT-250-Niederlage nach 7 Siegen in Serie äußerte. “Mir hat heute irgendwie das Gefühl gefehlt. Vorallem die Vorhand hat nicht funktioniert. Ab 5:4 im zweiten Satz habe ich mich nicht mehr getraut, mit der Vorhand auf den Ball drauf zu gehen. Auch mit dem Service war ich nicht zufrieden, und trotzdem hätte es fast ausgereicht, um hier den Titel zu holen. Buchhammer hat aber ab Ende des zweiten Satzes mit der Vorhand viel sicherer gespielt und weniger Fehler gemacht. Bis 1:4 im dritten Satz hatte ich noch das Gefühl, ähnlich wie im Semifinale gegen Schwärzli zurückkommen zu können. Bei 1:5 wusste ich aber, jetzt ist die Partie verloren. Mit dem Turnier insgesamt und dem Finaleinzug bin ich durchaus zufrieden. Die Partien waren allesamt recht gut”, analysierte der unterlegene Patrick Meinhart.

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“Der größte Dank gebührt hier an dieser Stelle meinem Trainer Markus K.”

Für Jürgen Buchhammer hingegen waren die Minuten knapp vor und knapp nach Mitternacht die schönsten, aufregendsten und emotionalsten Momente seiner Tennis-Karriere. Noch am langen Weg durch 5 Tennishallen hinaus ins Foyer, zeigte sich der 29jährige komplett überwältigt. “Dieser Sieg heute war so wichtig. Denn wer weiß schon, wieviel Zeit, Arbeit und Kraft ich in diesen Erfolg investiert habe. Wie oft habe ich schon nachgedacht darüber, wie es sein würde, wenn es endlich einmal mit einem Titel klappen sollte. Jetzt kann ich es noch gar nicht fassen und nicht zum Ausdruck bringen wie groß die Freude ist. Ich genieße gerade nur den Moment”, stellte der neue Februar-HTT-250-Champion am Gang ins Foyer des UTC La Ville fest. Dort angekommen gab es den ersten Pokal der Karriere, der einen Ehrenplatz im Wohnzimmer erhalten wird, das obligate Blitzlichtgewitter hinterher, und dann auch die Pressekonferenz des Lokal-Heros. “Der Start ins Finale war schlecht. Das Schlimmste war sein Linkshänder-Tennis. Ich habe eineinhalb Sätze lang überlegt, wie ich gegen ihn spielen soll. Die Taktik war eigentlich, über seine Rückhand zu spielen. Das konnte ich aber nicht umsetzen, denn irgendwie hat der Ball ständig eine Kurve gemacht, und war nicht spielbar. Dann habe ich mein Racket gewechselt, und bei 4:5 gedacht, spiele doch endlich deine Stärken aus. Mit der cross geschlagenen Rückhand konnte ich Druck ausüben, und die Vorhand ist ohnehin meine große Stärke. Die funktioniert derzeit prächtig, und auf die kann ich mich verlassen. So hat es dann Gott sei Dank letztlich mit dem Titel geklappt”, erklärte der Sieger. Und auf die Gefühle angesprochen, die er gerade empfindet, sagte Buchhammer: “Die kann ich irgendwie gar nicht beschreiben. Ich habe solange Zeit für diesen Erfolg trainiert, hart gearbeitet und mein Tennis stark verbessert. Noch vor einem Jahr hätte ich nie und nimmer einen Titel wie diesen gewinnen können. Der größte Dank gebührt hier an dieser Stelle aber meinem Trainer Markus K., denn er hat mir unheimlich viel geholfen, und mein Spiel stabiler gemacht. Ich denke, in der Zukunft ist noch viel möglich. Ich bin vorallem auch mental stärker geworden. Als ich im zweiten Satz zurücklag, habe ich mich schon zu Hause gesehen und gedacht, danke das war wieder einmal nichts. Im dritten Satz, als es daran ging zuzudrehen, und es von 5:1 plözlich auf 5:3 ging, war ich aber nicht mit dem Gefühl unterwegs, hier noch verlieren zu können. Ich hätte um jeden Ball gekämpft. Natürlich ertappst du dich ab und zu, wie du nachdenkst, aber da habe ich wieder an meinen Trainer gedacht, der mich lehrte, immer von Punkt zu Punkt zu spielen”, lachte Jürgen. Buchhammer ist übrigens der 181. Sieger der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte, und im heurigen achten Saison-Turnier der achte Sieger.

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