Adios Carlos – Tour-Oldie Karl Ader gegen “Senor Ignacio Martin” ohne Chance

Tour-Oldboy Karl Ader hat im Semifinale des 2. Februar-Future-Turniers im UTC La Ville eine spanische Tennislektion erhalten. Der 69jährige Seniors-Star vom TC Donaufeld war am Montag Abend im Vorschluss-Runden-Treffen mit Spaniens Tour-Newcomer Ignacio Martin wie erwartet ohne Chancen, und musste in nur knapp 40 Minuten die eklatante Überlegenheit des iberischen HTT-Debütanten anerkennen. Der 25jährige aus Madrid dominierte eine höchst einseitige Partie gegen den Schrötter-Bezwinger aus Floridsdorf, und überließ seinem viereinhalb Jahrzehnte älteren Gegner gerade einmal ein höflich wirkendes Ehren-Game. Damit greift Spaniens erster Tour-Star am Mittwoch Abend im Endspiel gegen den serbischen Februar-Challenger-Champion Daniel Strezoski nach dem Premieren-Titel für das “Königreich Espana”. Ein Bericht von C.L

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Karl Ader als “falscher Spanier” im iberischen Duell mit Ignacio Martin dem “richtigen Spanier” chancenlos

Si senor Martin, das war eine wahrlich grandiose Vorstellung, mit der Spaniens Hoffnungen auf den ersten HTT-Titel der Open Ära weiter leben. Der sympathische Neuling von der iberischen Halbinsel erteilte im Semifinale des Februar-Future-Turniers im UTC La Ville dem tapfer – letztlich aber auf verlorem Posten – kämpfenden Donaufeld-Super-Oldie Karl Ader eine 40minütige Lehrstunde samt 1:6, 0:6 Abfuhr, und offerierte mit einer beinahe fehlerlosen Leistung einmal mehr, dass die Future-Tour in Zukunft nicht sein bevorzugtes Betätigungsfeld sein wird. Und während der Ibero-Newcomer mit einer famosen Darbietung zu überzeugen wusste, konnte einem Super-Karli Ader richtig leid tun. Wie sehr sich der bald 70jährige auch mühte, gegen die in allen Belangen bessere spanische Übermacht war nichts zu holen. Dabei hatte sich die Donaufeld-Legende schon im Vorfeld um eine milde Behandlung bemüht, und den haushohen Titelfavoriten auf Court Nr. 4 des UTC La Ville im Nationaltrickot der “Furia Roja” empfangen. Und so standen sich plötzlich im semifinalen iberischen Derby des Februar-Future-Turniers ein echter und ein falscher Spanier gegenüber. Wobei der “falsche Spanier” Karl Ader mehr rot-gelb-rote Erfahrungen hat, als den traditionellen 14tägigen Mallorca-Aufenthalt. Denn was kaum jemand weiß, der HTT-Rekordhalter in Sachen “ältester Sieger eines Einzelmaches” lebte einst als Kind im Heimatland seines halbfinalen Bezwingers.

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Andalusische Kindheitserinnerungen oder wie aus Klein-Karl plötzlich Chico-Carlos wurde

Es war Ende der 40er-Jahre des vorigen Jahrhunderts, der Krieg vorbei, die “Zeiten schlecht”, als aus Klein-Karl plötzlich Chico-Carlos wurde. Das Geld war rar im Hause seiner Mutter, und so wurde der 6jährige Knirps Karl in der sogenannten Kinderlandverschickung nach Spanien gebracht. Mit dem Zug ging es für ihn zunächst nach Barcelona, wo er drei Wochen in einem Kinderheim verbrachte, ehe er zu “seinen Pflegeeltern” in die Alpujarras übersiedelte. Dort in Lanjaron, einem kleinen Ort am Land in der Region Granada, lebte Karl dann ein ganzes Jahr lang, besuchte sogar für 6 Wochen die dortige Schule, und verbrachte eine herrlich unbeschwerte Zeit. Mehr als 60 Jahre später erinnert sich Karl Ader noch immer mit großer Freude an seine “spanische Kindheit”. “Ich habe dort sehr viel Schönes erlebt, und herrliche Erinnerungen an viele tolle Erlebnisse. So kann ich mich an die Stierläufe in Pamplona erinnern, und dann vorallem an das Osterfest, das die Spanier intensiv feiern”, erzählt der Tour-Oldie. Die “Semana Santa”, also die Oster-Woche wird gerade in Andalusien groß gefeiert, und Karl erinnert sich weiter: “Das war imposant und farbenprächtig. Da sind oft tausende Leute bei den Feiern dabei gewesen, viele mit lila Spitzhauben, die typisch für diese Veranstaltungen sind”.

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Ignacio Martin, als erster spanischer Tour-Finalist, und mit seiner ersten Stunde im Wienerisch-Kurs von Karl Ader

Zurück zum halbfinalen Derby der beiden “Tour-Spanier”, die wohl einen kuriosen Tennis-Abend erlebt haben. Dem Karl Ader wird wohl “spanisch vorgekommen sein”, dass einer wie Ignacio Martin bei einem Future-Turnier einlaufen konnte, und für Senor Ignacio werden wohl die verbalen Ansagen seines Gegners während des Matches “wie spanische Dörfer gewesen sein”. Wenn der Karl einen Linienball seines iberischen Gegenübers mit “guat wora” quittierte, oder auf eine verzogene Rückhand mit “a so a Gschlapfta Boi”reagierte, dann blickte Spaniens neuer HTT-Held ungläubig durch die Wäsche. Immerhin, Ignacio hatte am Montag Abend die erste Stunde seines Deutsch-, pardon Wienerisch-Kurses hinter sich gebracht. Muchas Gracias lieber Amigo Carlitos!