Andreas Tolunay macht nach Auftaktsieg das achtelfinale Duell mit Rares Maftei perfekt

Die Spätentschlossenen Peter Holzer und Filip Dogandzic haben das Nennergebnis des fünften HTT-Turnier-Wochenendes der neuen Saison auf 60 Teilnehmer geschraubt, und dennoch – so hatte man zumindest im Vorfeld das Gefühl – steht dieser Tage ein Doppelpack-Event zum Durchschnaufen an. Eine Woche nach der großen Jubiläums-Veranstaltung, mit dem 200. HTT-500-Turnier der Geschichte, die wie berichtet mit der großen finalen Gala-Vorstellung von Christoph Prinz endete, und eine Woche vor dem ersten Masters-Series-1000-Turnier des Jahres, sorgen die 7. Auflage des Februar-HTT-250-Turniers und der erste Saison-Bewerb der Future-Tour im UTC La Ville an diesem Weekend, auch aufgrund ihrer noch fehlenden großen Tradition, für sowas wie die zwischenzeitliche Ruhe vor der Sturm. Die großen medialen Aufmacher für das bevorstehende Turnier-Geschehen von 8. bis 12. Februar 2013, sind der 100. Turnierstart von Gerald Marhold beim Februar-HTT-250-Turnier, und der erste spanische Tourspieler der Geschichte, der beim Future-Turnier am Altmannsdorfer Ast für internationales Flair sorgen wird. Doch Vorsicht: Gut möglich, dass aus dem eigentlich eher höhepunktlos erwarteten Turniergeschehen, der ganz große Aufreger wird. Denn es gährt ganz gewaltig in einigen Kreisen der Future- und Challenger-Tour. Ein Bericht von C.L

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Februar-Challenger-Sieger Daniel Strezoski gerät in die Kritik, und löst allwöchentliche Diskussion über zu starke Spieler in den unteren Turnier-Kategorien aus

Die allwöchentliche Diskussion über Spieler, die zu stark oder technisch überqualifiziert für einzelne Turnierserien sind, ist pünktlich vor dem ersten Aufschlag der Saison-Premiere auf der Future-Tour wieder angebrochen. Das Streitobjekt und Auslöser der aktuellen Debatte heißt Daniel Strezoski, der sich am vergangenen Dienstag – hobbytennistour.at hat berichtet – zum Sieger des Februar-Challenger-Turniers der Kategorie 2 gekürt hat. Die neuerliche Aufregung um einen vermeintlich zu starken Mitspieler hat die sonst so eng zusammenstehende Tour-Community der “Stars aus der zweiten Reihe” allerdings gespalten. Da gibts die Gruppe der Kritiker, die durchaus sachlich argumentierend und besorgt um die Zukunft der jeweils ihr nahestehenden Turnierserie auf die Barrikaden klettert, wobei sich diese Gruppierung nochmals unterteilt. Eine Fraktion wählt den offenen kommunikativen Weg, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, während andere “Unzufriedene” ihr Unverständnis mit wenig effizientem “Altweiber-Tratsch” ausleben. Und dann gibts da noch den Großteil der Challenger- und Future-Familie, die auf die Erfahrung des Turnier-Veranstalters baut, und diesem auch vertraut, die Geschicke des immer größer und komplexer werdenden Pools rund um die “weniger fortgeschrittenen” Hobby-Tennis-Cracks zu leiten. Natürlich ist der mit fast zweieinhalb Jahrzehnten Turnierorganisation “gebriefte” Veranstalter nicht “ohne Fehl und Tadel”, nicht allwissend, und auch nicht davor gefeit, einmal eine falsche Entscheidung zu treffen, aber wer kann das im Leben schon von sich behaupten. Woche für Woche mussten die Kritiker zuletzt allerdings am Ende immer “zurückrudern”, weil wieder einmal einer der viel zu starken und vom ach so bösen und profitgierigen Veranstalter zugelassen Mitspieler genau gar nichts gewonnen hat. “Ich muss mich für letzte Woche entschuldigen, ich habe wohl über das Ziel hinausgeschossen”, meldete sich gestern Abend Markus Fessel zu Wort, und Jänner-Challenger-Champion Sascha Kobsik fasste gar einen neuen Vorsatz. “Ich verfolge diese Problematik jetzt schon seit einiger Zeit. Und ich muss sagen, dass fast immer jene Akteure die im Vorfeld von uns Spielern für ihren Start kritisiert werden, keine Rolle um den Titel spielen. Ich für meinen Teil habe gesehen, dass der Veranstalter zumeist richtig liegt mit seinen Entscheidungen. Er ist ein “alter Hase” in diesem Geschäft, und ich habe beschlossen, ab sofort über solche Sachen nicht mehr mit ihm zu diskutieren”. Indes: für sachliche Diskussionen zu diesem Thema steht der Veranstalter natürlich zur Verfügung, allerdings erst nach den jeweiligen Turnieren, denn zumeist löst sich das Problem schon während der Veranstaltung in Wohlgefallen auf.

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Michael Schwärzli gilt in Spielerkreisen als erster Titelanwärter beim Februar-HTT-250-Turnier

So, kommen wir jetzt aber zum sportlichen Geschehen des ersten Turniertages, wo bei der 7. Auflage des Februar-HTT-250-Turniers der Nachfolger von Hüseyin Tüfekci gesucht wird. “Ob schon eine Beschwerde hinsichtlich des Turnierstarts von Top-Ten-Mann Rares Maftei eingetroffen ist”, scherzte einer der Future-Tour-Spieler am Freitag Abend, doch der rumänische Topstar ist wie beinahe jedes Jahr zu Saisonbeginn weit weg von seiner Bestform. Und hört man sich in Spielerkreisen um, wer denn dieses zweite 250er-Saison-Turnier als Favorit in Angriff nimmt, so vermisst man den Namen Maftei. So schnell kann es gehen, ist man vom bestaunten und bewunderten Shooting-Star und Masters-Teilnehmer zu einem “ganz gewöhnlichen” Mitstreiter avanciert. Wenn die Form nicht passt, die erwarteten Resultate ausbleiben, sinkt im schnelllebigen Tour-Zirkus sofort die Reputation. Favoriten auf den Titel – zumindest wenn man den Assen beim Fachsimpeln zuhört – sind an diesem Wochenende andere! Da fällt vorallem immer wieder der Name von Michael Schwärzli, dem “Kleinen mit der großen Performance”, dem die Konkurrenz an diesem Weekend den ganz großen Wurf in Form des erstes Tour-Titels zutraut. Immer wieder war auch von Jürgen Buchhammer die Rede, der sein großes Können und vorallem seine Trainingsleistungen endlich einmal in zählbaren Erfolg ummünzen sollte. Heiße Tipps könnten aber freilich auch Patrick Meinhart und Matthias Wurzer sein. Linkshänder Meinhart kann auf die Erfahrung von 120. Turnierstarts zurückgreifen und weiß überdies, wie man dieses Turnier gewinnt, immerhin war er im Jahr 2007 ja der erste Februar-HTT-250-Champion der Geschichte. Und Matthias Wurzer hat spätestens seit letzter Woche einen richtig mächtigen Stellenwert in Spielerkreisen erlangt. Sein Sieg über Top-Ten-Mann Hüseyin Tüfekci hat für großes Staunen in der Szene gesorgt.

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Markus Hobiger will trotz vierter Erstrunden-Niederlage in Serie nichts von einer Krise wissen

Die Schlagzeilen des Eröffnungstages schrieben allerdings andere! Zum Beispiel Michael Kunz, der nach seiner krankheitsbedingten Absage beim Jänner-Grand-Slam-Turnier am gestrigen Abend sein Saison-Debüt feierte. Der 41jährige Deutsch Wagramer, der obendrein auch ein kleines Jubiläum mit seinem 90. Karriere-Start beging, fertigte in Runde 1 seinen niederösterreichischen Landsmann Markus Hobiger mit 6:3, 6:2 ab, und fügte dem 36jährigen Guntramsdorfer damit bereits die vierte Erstrunden-Niederlage in Serie zu. Von einer Krise will der Ranglisten-Siebzehnte allerdings nichts wissen. “Ich sehe absolut keine Krise. Sicher ist das momentan nicht angenehm, aber ich hatte bei all meinen frühen Auftakt-Niederlagen auch immer ganz starke Gegner. Der heutigen Partie kann ich allerdings viel Positives abgewinnen. Ich habe nicht so schlecht gespielt, obwohl ich nicht in Form bin. Außerdem hat mich der Michi Kunz heute ganz stark an jene Phase erinnert, als er 2008 das Wimbledon-Turnier der HTT gewonnen hatte. Er hat die Vorhand perfekt getroffen, wenige Fehler gemacht, und auch auf der Rückhand, über die ich eigentlich mein Spiel anlegen wollte, beging er kaum Fehler. So kann er dieses Turnier gewinnen”, flüchtete sich Hobiger nach seinem dritten Auftakt-Aus beim sechsten Februar-HTT-250-Start seiner Laufbahn in seine ganz eigene persönliche Welt und Wahrnehmung, während sein Bezwinger der Realität anno Februar 2013 ins Auge blickte. “Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, aber mir sind einige blöde Fehler unterlaufen. Ich darf zum Beispiel den Gegner nach einer 3:0 Führung im zweiten Satz nicht auf 3:2 herankommen lassen. Gegen stärkere Spieler geht das sicher schief”, übte der Wimbledon-Sieger der HTT von 2008 Selbstkritik.

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Andreas Tolunay schlägt Harald Weikl, und übersteht beim dritten Februar-HTT-250-Antreten erstmals die erste Runde

Was tat sich sonst noch am ersten Spieltag des 7. Februar-HTT-250-Turniers im UTC La Ville? Terra-Rossa-Star Andreas Tolunay hat die Night Session gegen Harald Weikl im einzigen Dreisatz-Match des Eröffnungs-Abends mit 6:3, 6:7, 6:2 für sich entschieden. Bestätigte der 19jährige Ottakringer mit diesem Erfolg seinen unbestreitbaren – und auch von der Konkurrenz registrierten und anerkannten – Aufwärtstrend, so sorgte er in gleichem Atemzug auch wieder einmal für Kopfschütteln bei der Gegnerschaft. “Ich glaube der Tolunay ist der einzige Spieler auf der Welt, der sich sogar bei einer 6:0, 5:0 Führung über sich aufregt, wenn einmal ein Ball nicht nach Wunsch und Plan über das Netz fliegt”, lachte Michael Kunz. Und mit dieser Einschätzung liegt der 41jährige gar nicht arg daneben. Auch am Freitag Abend war der Tolunay-Auftritt schon zwei Hallen weiter vorne akustisch vernehmbar. Diesmal kam der Terra-Rossa-Star mit seinem persönlichen Terminkalender in Konflikt. Zeitmanagment scheint nicht die große Stärke des 19jährigen zu sein, der einen wichtigen privaten Termin verschwitzt hatte, und dementsprechend stressig und nerövs, den Tie-Break des zweiten Satzes abgeben musste. Und das nach 6:3, 5:3 Führung, was wiederum beweist, dass Tolunay trotz erheblicher Fortschritte im spielerischen und auch taktischen Bereich, mental mehrere Schritte hinter der Gegnerschaft hinterherhinkt. Immerhin feierte Ranglisten-Zweiundzwanzigste aber seinen allerersten Sieg beim Februar-HTT-250-Turnier. 2011 aus der Quali kommend, war gegen Markus Seitner in Runde 1 Schluss mit lustig. Und im Vorjahr verhinderte Deutschlands David Hühne das erste Erfolgserlebnis Tolunays bei diesem Turnier. “Ich habe im zweiten Satz einen 3:5 Rückstand aufgeholt. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Spiel. Leider war ich im Finish körperlich am Ende. Ich hatte in beiden Waden Krämpfe vom Feinsten”, schilderte Harald Weikl.

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Markus Eichleter und Christoph Haudek sichern sich mühelos ihr Achtelfinal-Ticket beim Februar-HTT-250-Turnier

Ein erfolgreiches Comeback hat am Freitag Abend WTC-Star Markus Eichleter gefeiert. Der 38jährige Kärntner wurde im Duell mit seinem Clubkollegen Gernot Hansen seiner klaren Favoritenrolle gerecht, und fixierte mit einem niemals gefährdeten 6:0, 6:4 Erfolg den Einzug ins Achtelfinale des 7. Februar-HTT-250-Turniers. Der Linkshänder aus Arnoldstein, der erstmals in dieser Saison, und erstmals seit seinem vorjährigen Antreten beim November-Masters-Series-1000-Turnier wieder Tour-Luft schnupperte, scheint gewappnet für den achtelfinalen Linkshänder-Showdown gegen den Februar-HTT-250-Champion von 2007 Patrick Meinhart. “Ich gehe mal davon aus, dass das eine härtere Partie wird als jene heute, wobei der Gernot im zweiten Satz eh ganz brav gespielt hat”, lobte Eichleter seinen Vereinskameraden. Der hat seinen großen Auftritt aber ohnehin erst am Samstag Abend. “Das war heute nur ein Training für die Future-Tour”, stellte Hansen klar. Ebenfalls einen Platz im Achtelfinale hat sich am Eröffnungstag des Februar-HTT-250-Turniers auch Tour-Neuling Christoph Haudek gesichert. Der 27jährige machte beim 6:0, 6:2 Erfolg über Robert Rother nicht viel Federlesen, und darf nun am heutigen Samstag testen, wie weit es mit der Favoritenrolle von Michael Schwärzli wirklich her ist.

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