Paul Ganglberger dreht Achtelfinal-Partie gegen Adam Goodsell nach 2:6, 1:5 Rückstand

Vor dem Rückblick auf den Super-Sonntag beim zweiten HTT-Turnier-Doppelpack des Jahres wollen wir noch einen kurzen Blick zurück auf 22 Jahre Februar-HTT-500-Turnier werfen. Seit 1992 ist diese Veranstaltung ein Fix-Punkt im alljährlichen Kalender der Hobby-Tennis-Tour, und lief bis zum Jahr 2011 unter dem Namen Februar-Grand-Prix-Turnier. In der mehr als zwei Jahrzehnte dauernden Geschichte dieses Events mit klingenden Namen in der Siegerliste wie jenen der ehemaligen Ranglisten-Ersten – angefangen von Alois Geyer (Sieger 1992) über Christian Kainz (1996), Claus Lippert 1993 und 2001), Martin Kova (2002) bis hin zu Markus Kurzemann (2011), und dem aktuellen Ranking-Leader Franz Mayrhuber (2012), dominierten  aber vorallem zwei Namen das Geschehen bei dieser 500-Punkte-Veranstaltung. In den 90er-Jahren prägte der Name Hofer die Szenerie dieses Turniers, das bis 1996 beim Floridsdorfer TC beheimat war, und danach 14 Jahre im Tennispoint Vienna zur Austragung gelangte. 5 Mal wanderte die Trophäe für den Sieger dabei an einen der beiden zu dieser Zeit dominierenden Hofer-Brüder. Mister Vorhand Klaus Hofer war 1994 und 1999 nicht zu schlagen, gar dreimal trug sich sein Bruder Roman Hamm (vormals Hofer) in die elitäre Siegerliste des Februar-HTT-500-Turniers ein. 1995, 1997 und im Jahr 2000 war der aufschlagstarke Rasen-Spezialist siegreich geblieben. Und dieser Titel-Hattrick des Roman Hamm blieb lange Zeit als Bestmarke bestehen, bis nach der Jahrtausendwende Andreas Harbarth den Hamm-Rekord nicht nur einstellte, sondern sogar noch ausbaute. Vier Mal – noch dazu in ununterbrochener Reihenfolge – trug der ehemalige Branchen-Primus von 2007 bis 2010 den Pokal aus dem Tennispoint in der Baumgasse davon. Wer sich 2013 als 14. Gewinner in die Siegerliste eintragen wird können, davon konnte man sich am Sonntag-Nachmittag ein Bild machen. Ein Bericht von C.L

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Titelfavorit Christoph Prinz fegt weiter wie ein Wirbelsturm durch das Tabelau, und Markus Mohr avanciert zum Überraschungsmann des Februar-HTT-500-Turniers

Erster Anwärter auf den Titelgewinn bei der heurigen 22. Ausgabe des Februar-HTT-500-Turniers ist ganz ohne Zweifel Christoph Prinz. Der 29jährige Zwettler spazierte am Sonntag Nachmittag in unfassbaren eineinhalb Stunden in die Vorschluss-Runde, und das obwohl er zwei Partien zu absolvieren hatte, und dabei auf den März-Masters-Series-1000-Finalisten Georg Lorber und auf Sensationsmann & Tüfekci-Bezwinger Matthias Wurzer traf. Vier Games, das war die volle Ausbeute, die Georg Lorber im Duell mit dem imposant auftretenden Waldviertler davontragen konnte. Noch schlimmer erwischte es im Viertelfinale Riesentöter Matthias Wurzer. Der 17jährige Mauerbacher war nur rund 17 Stunden nach seinem überraschenden Mega-Coup über Hüseyin Tüfekci nicht in der Lage, seinem niederösterreichischen Landsmann entsprechend Paroli zu bieten. Eine ganz bittere Doppel-Null, eingehandelt in einer knappen halben Stunde, brutaler kann man nicht aus einem Turnier geworfen werden. Wer soll diesen Christoph Prinz eigentlich an diesem Wochenende beim Februar-HTT-500-Turnier stoppen? Nun, der semifinale Gegner wird es wohl nicht sein, wenngleich Markus Mohr vom SV Sozialministerium mit dem Einzug unter die Top 4 sein bislang bestes Karriere-Resultat bejubeln durfte. Der 35jährige realisierte am Sonntag Nachmittag sein ganz persönliches Karriere-Highlight, indem er zunächst trotz verlorenem ersten Satz (0:6) das Achtelfinale gegen den höher eingschätzten Jürgen Buchhammer noch drehte, und im Anschluss auch noch gegen TK Big Point Muckendorf-Jungstar Bernhard Kapeller die Oberhand behielt. “Jetzt gehe ich nur noch schlafen”, verabschiedete sich Mohr nach fünf gespielten und das Halbfinale bringenden Sätzen.

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Wie die Hobby-Tennis-Legende Markus Hobiger ausgerechnet bei seinem 175. Karriere-Turnier demontiert wurde

Von solchen Erfolgen kann Markus Hobiger derzeit nur träumen. Der 36jährige stolpert derzeit mit beängstigender Beständigkeit von einer Pleite in die nächste. Warum sich der nach Erfolgen suchende Guntramsdorfer noch immer in den Top 20 der HTT-Entry-List hält, verdankt er wohl dem Umstand, dass er Woche für Woche selbst bei 500er-Turnieren unter den Top 4 der Setzliste aufscheint, und damit den Vorteil eines Freiloses genießt. Das wiederum bringt dem Tour-Evergreen wichtige und wertvolle Achtelfinalpunkte, mit denen er seine Top 20 Position behaupten kann. Spielerisch freilich hat Hobiger den Status eines Top 20 Mannes längst eingebüßt. Das, was der Februar-HTT-150-Champion des Jahres 2008 im Moment auf den Courts der HTT zu bieten hat, reicht bei weitem nicht aus, um die Besten zu fordern, geschweige denn zu schlagen. Und selbst gegen Challenger-Akteure hat der Niederösterreicher mittlerweile kein probates Mittel parat. Den besten Beweis dafür lieferte das Achtelfinal-Duell mit Bernhard Kapeller, das Hobiger in drei Sätzen vergeigte. Nach verlorenem ersten Satz kämpfte sich “Hobi” zwar zurück ins Match, der dritte Durchgang freilich artete zu einer Demontage einer echten Tour-Legende aus. Mit einem 0:6 schlitterte Hobiger ausgerechnet bei seinem Jubiläums-Start auf der Hobby-Tennis-Tour in eine bittere Schlappe. Die achtelfinale Auftakt-Niederlage beim 175. Karriere-Turnier des Markus Hobiger passte allerdings perfekt ins eher traurige Erscheinungsbild, das der 36jährige im Laufe der Jahre beim Februar-HTT-500-Turnier abgegeben hat. 2009 reichte es für eine Achtelfinal-Teilnahme, sonst setzte es für die Nr. 17 der Entry-List nur enttäuschende Start-Niederlagen. 2008 war Christoph Kramer zu stark, 2010 entpuppte sich Persiens Jan Ohanessi als Spielverderber, 2011 war gegen Albert Wanka nichts zu holen, und im Vorjahr musste sich Hobiger dem deutschen Christian Kornprobst frühzeitig geschlagen geben. “Spätestens zum Beginn der Freiluft-Saison Ende März bin ich aber wieder zurück und voll da, darauf kannst du wetten”, wartete Hobiger bei der abschließenden Pressekonferenz wieder einmal mit typischen Durchhalteparolen auf.

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“Es gleich sich immer alles aus im Leben” – BMTC-Star Clemens Beywinkler gelingt gegen Oberösterreichs Paul Ganglberger die Revanche für die April-HTT-500-Niederlage des letzten Jahres

Die Karriere-Einzelsiege Nr. 39 und 40 feierte am Sonntag Nachmittag hingegen BMTC-Jungstar Clemens Beywinkler. Der 24jährige US-Open-Semifinalist schickte zunächst in einer wenig attraktiven Stotter-Partie Ulojan-Bezwinger Andreas Tolunay vom TC Terra Rossa mit 6:4, 6:3 nach Hause, ehe es im Viertelfinale zu einer ganz speziellen Auseinandersetzung kam. In dieser erwähnten Runde der letzten Acht wartete Paul Ganglberger, der sich unmittelbar zuvor in einer 165 Minuten dauernden Schlacht mit Englands Nummer 1 Adam Goodsell gemessen hatte, und dabei das “Wunder von Altmannsdorf” vollbrachte. (dazu später mehr) Im Leben gleicht sich immer alles aus, oder man bekommt alles irgendwann einmal zurück, diese Sprichwörter und Weisheiten des Lebens, scheinen schon ihre Richtigkeit zu haben. Im Falle von Clemens Beywinkler und Paul Ganglhuber ist ganz gewiss was dran an diesen Thesen, denn beim zweiten Aufeinandertreffen der beiden Tour-Stars kam es zur gleichen Situation wie vor rund 10 Monaten, nur diesmal eben mit umgedrehten Verhältnissen. Wir erinnern und kurz zurück an das April-HTT-500-Turnier des letzten Jahres, als sich Clemens Beywinkler im Achtelfinale des ersten großen Sandplatz-Turniers der Saison beim TC Top Serve auf nassem, langsamen und vorallem kräfteraubenden Untergrund gegen Udo Philipp ins Viertelfinale kämpfte. 6:3, 2:6, 7:6, ein echter Pyrrhussieg, denn eine Runde später im Viertelfinale war Paul Ganglberger Nutznießer, und am Ende mit einem glatten 6:2, 6:3 ins Semifinale des April-HTT-500-Turniers eingezogen. Am Sonntag Abend gab es dafür die Revanche, nachdem sich der 31jährige Mühlviertler im Achtelfinale gegen Adam Goodsell verausgabt hatte, und dann von Clemens Beywinkler mit 2:6, 2:6 aus dem Bewerb gekippt wurde.

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Famoser Paul Ganglberger – der 31jährige Oberösterreicher dreht gegen Englands Serve & Volley-Gott Adam Goodsell ein 2:6, 1:5, und wehrt dabei obendrein noch 3 Matchbälle ab

Indes: Gäbe es die Auszeichnung “man of the day”, Paul Ganglberger wäre am Sonntag Nachmittag erster und höchst verdienter Kandidat dafür gewesen. Der 31jährige aus St. Oswald bei Freistadt hatte nach seinem lockeren Aufgalopp am Samstag Abend gegen den Peruaner Erik Sichra das “achtelfinale Vergnügen”, sich mit Serve & Volley Künstler Adam Goodsell messen zu dürfen. Der Brit-Export mit dem permanenten Offensiv-Drang exerziert und zelebriert allerdings eine Art von Tennis, die Ganglberger so überhaupt nicht liegt. Dieses ständige attackieren am Netz, diese pausenlos vorgetragenen Netzangriffe, zermürbten den Rhythmus liebenden Oberösterreicher dermaßen, dass sich dieser nach nicht einmal einer Stunde Spielzeit und beim Stand von 2:6, 1:5 schon vor dem Aus sah. Eigentlich war Ganglberger schon draußen, denn Goodsell hatte wenig später bei 2:6, 2:5 und 0:40 drei Matchbälle am Stück. Bei 30:40 schien Pauls Zeit dann entgültig abgelaufen. Eine Vorhand des Mühlviertlers fliegt in Richtung Netz, touchiert das Band und der Ball kullert ………… , ja tatsächlich ins Feld seines Gegners. Ein einziger Ball, womöglich nur Zentimeter, haben letztlich dieses Achtelfinale entschieden, denn diese Szene leitete – man mag es kaum glauben – die Wende ein. Goodsell traf keinen Ball mehr, gab Game um Game ab, rettete sich zwar noch in den Tie-Break, doch die unfassbare Niederlage nach 6:2, 5:1 Führung und drei vergebenen Matchbällen war nicht mehr abwendbar. Zu allem Überdruss war dem britischen Serve & Volley-Gott in der Folge auch noch die Saite seines Rackets gerissen, und mit einem von Andy Tolunay geleihten Racket, das wohl viel zu hart bespannt war, ging bei Adams bestem Schlag dem Volley auch so gut wie nichts mehr. Mit 1:6 wurde der britische Tour-Star im dritten Heat sogar noch richtg “abgewatscht”, ehe er sich einem bitteren Interview stellte. “Tennis ist schon ein komischer Sport”, lachte der 23jährige aus Südost-England, der ergänzend ausführte: “Ich war heute von Anfang an ziemlich müde, und ich habe ziemlich schlecht volliert. Vielleicht waren es 50 Prozent die ich beim Volley punkten konnte, und der Gegner hat mit Fortdauer des Matches immer besser gespielt”, so der 2fache Saisonsieger des letzten Jahres.

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Patrick Joksch behält in einem hochklassigen Viertelfinale gegen Serbiens Jungstar Filip Markovic knapp in drei Sätzen die Oberhand

Zum Abschluss des Tages bekamen Fans der Hobby-Tennis-Tour und des gepflegten Tennis-Sports noch einen echten Leckerbissen zu sehen. Allerfeinstes Tennis, geboten von zwei jungen Herren, denen mit Sicherheit die Zukunft auf der HTT gehört. Patrick Joksch und Filip Markovic, dieser österreichisch-serbische Junior-Schlager zwischen dem 20jährigen Niederösterreicher vom TK Big Point Muckendorf, und dem 18jährigen Jung-Serben vom TC Alt Erlaa bot einen exklusiven Ausblick in die nähere HTT-Zukunft. Joksch dominierte zunächst den viertelfinalen Hit mit seiner phantastischen Topspin-Vorhand, zumindest solange, bis es ans “Ausservieren” ging. Dort schwächelte der 20jährige bei 5:4 plötzlich, und mit dem verlorenen Game zum 5:5 war die Wende in Richtung Satzauslgeich eingeleitet. Joksch wirkte in dieser Phase schwerfällig, wenig spritzig in seinen Bewegungen und unschlüssig, mit welcher Taktik er dem aufkommenden Serben begegnen sollte. Markovic hatte den zweiten Satz mit 7:5 gewonnen, und am Ende in vielen langen und höchst sehenswerten Ballwechseln scheinbar das Momentum auf seiner Seite. Denn wieder kam Filip vor den Augen seiner Schwester und seines Vaters nach 2:5 Rückstand zurück und auf 4:5 heran. 4 Matchbälle konnte der Müller-Bezwinger obendrein abwehren, ehe Joksch den Sack doch noch zumachen konnte, und auch seine im Restaurant wartende Oma endlich erlöste. “Solche Aussetzer hat der Patrick öfters, wir wissen nicht genau woran das liegt”, plauderte die Joksch-Oma aus dem Nähkästchen.

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Das Sonntags-Geschehen beim Februar-Challenger-Turnier im UTC La Ville

Machen wir noch einen kurzen Abstecher zum dritten Spieltag beim Februar-Challenger-Turnier 2013. Dort feierte der an Nummer 1 gesetzte Miroslav Jelic im Achtelfinale gegen Russlands Olympiasiegerin Diana Ulojan mit 6:3, 3:6, 6:2 den 20. Einzelsieg seiner Laufbahn, ehe er sich eine Runde später im 60. Match seiner Karriere dem peruanischen Schönbichler-Bezwinger Erik Sichra in drei Sätzen geschlagen geben musste. Halbfinalgegner des Südamerikaners ist Thomas Pretl, der gegen Griechenlands Nr. 2 Vasilis Vamvakidis den dritten mit 6:2 und 6:1 ausgefallen Sieg einfuhr. Ebenfalls die Vorschluss-Runde beim 7. Februar-Challenger-Turnier erreichte Daniel Strezoski. Der 17jährige Wiener, der unter serbischer Flagge spielt, kämpfte zunächst Hartmuth Beck in drei Sätzen nieder, ehe er mit dem müden Tour-Debütanten Manuel Klvana kurzen Prozess machte. Apropos Klvana: Der 30jährige lieferte ein sensationelles und kämpferisch höchst beeindruckendes Tour-Debüt ab. Immerhin warf der Neue nach einer körperlichen und geistigen Gewaltleistung Christian Ludwig in drei Sätzen aus dem Titelrennen. Der sprach danach vom “schlechtesten Match seines Lebens”. Das Semifinale komplettiert wird übrigens von September-Future-Gewinner Manfred Buzek. Der Neuzugang des TC Donaufeld blieb gegen den an Nummer 2 gesetzten Mario Ferrari beim 6:2, 6:1 Erfolg ungefährdet, und darf daher weiter auf den zweiten Titelgewinn seiner Laufbahn spekulieren.

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