Ein Titel mit Gewicht

Philipp Mayer gewinnt einseitiges Mai-First-Series-Finale gegen Thomas Peyerl

Es kam wie es kommen musste! Der im Vorfeld – durch den erneuten Boykott der First-Series-Szene und den dadurch entstandenen “künstlichen” Raster – erwartete und befürchtete ungleiche finale Showdown zwischen einem First-Series-Spieler und einem WTB-Akteur hat am Dienstag Nachmittag tatsächlich eine einseitige, unspektakuläre und unspannende Endspiel-Entscheidung beim 3. Mai-First-Series-Turnier zwischen Philipp Mayer und Thomas Peyerl gebracht. In nur 48 Minuten feierte der Schärdinger Philipp Mayer mit einem 6:2, 6:1 Erfolg den zweiten Titelgewinn seiner Karriere, während Thomas Peyerl bei seinem 85. Tour-Auftritt das Happy-End im fünften Endspiel seiner Laufbahn versagt blieb. Ein Bericht von C.L

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Geht es nach der Statistik, dann wird Philipp Mayer heuer Masters spielen

Philipp Mayer beim Masters 2010! Glaubt man der Statistik, dann ist diese gewagte These viel mehr als Utopie. Seit Dienstag 16:39 Uhr stehen die Chancen für den 27jährigen Oberösterreicher exzellent, beim Showdown der acht Saisonbesten im Tennispoint Vienna mit von der Partie zu sein, denn – so belegt es die Statistik – fahren Mai-First-Series-Sieger in der Regel und ohne Ausnahme zum Masters der Hobby-Tennis-Tour. Sowohl Christoph Kramer im Jahr 2008 als auch Gerald Kostolani im Vorjahr konnten sich nach ihren Titelgewinnen in der Folge unter den Top Ten etablieren und 7 Monate später auf den Masterszug aufspringen. Warum sollte das also heuer bei Philipp Mayer anders sein, zumal der Schärdinger in den letzten Wochen mehrmals zeigte, dass selbst die “big names” der Szene für ihn in Reichweite liegen. Nun, ob der 27jährige Ende November tatsächlich im Konzert der ganz Großen aufschlagen und mitmischen wird, bleibt offen. Das Mayer aber am ersten Mai-Wochenende als verdienter Sieger des 3. Mai-First-Series-Turniers hervorging, stand trotz vieler enger Partien außer Zweifel.

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Der Mayer-Weg ins Finale – nichts für schwache Nerven und körperliche Schwächlinge

Zudem scheint es derzeit auf der Tour in Mode gekommen zu sein, Turniersiege zu feiern und davor Matchbälle abgewehrt zu haben. Masterssieger Franz Mayerhuber gelang dieser Coup vor einer Woche, als er sich nach einem abgewehrten Matchball in Runde 1 gegen Martin Kova den April-Grand-Prix-Titel sicherte. Sieben Tage später wiederholte Philipp Mayer dieses Kunststück, als er im Achtelfinale gegen David Hühne 1:6, 3:5 zurück lag, und drei Matchbälle abzuwehren hatte. Wie überhaupt der Erfolgsrun des Schärdingers durch den Mai-First-Series-Rasters nichts für schwache Nerven und schon gar nichts für körperliche Schwächlinge war. Da war zunächst einmal die unangenehme Erstrunden-Auslosung, die ihm mit Martin Kova zwar einen krisengeschüttelten, allerdings auch einen jederzeit für eine Überraschung guten 29fachen Turniersieger bescherte. Dann das legendäre Achtelfinale, wo er gegen David Hühne bei 1:6, 3:5 praktisch schon ausgeschieden war, ehe der Deutsche seinem 3:29 Stunden dauernden Erstrunden-Marathon gegen Sascha Kogler Tribut zollen musste. Eine Runde später im Viertelfinale folgte gegen Rainer Stolz ein weiteres Duell auf Augenhöhe. Dort warf der Schärdinger gegen den allgemeinen Turnierfavoriten seine letzten Kräfte in die Waagschale ohne spielerisch glänzen zu können. Und dann war da noch das Halbfinale gegen Michael Karner, bei dem Mayer im dritten Satz auch schon der Heimreise weitaus näher war als dem Einzug ins Finale. Karner führte 4:2, fand bei 15:40 zwei Breakchancen vor, der Rest der Geschichte ist allseits bekannt.

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Nur gegen Ende des ersten Satzes konnte Peyerl mit seinem Bezwinger mithalten

Mayer hatte also einen äußerst schwierigen und turbulenten vier-etappigen Aufstieg zum Mai-First-Series-Gipfel hinter sich, und so passte das mega-kurze Finalgeschehen das quasi zu einer Art Spaziergang in Richtung letzter Schritt zum Gipfel-Sieg wurde, gar nicht ins Bild. Das der als Underdog gestartete Thomas Peyerl dem haushohen Favoriten in nur 48 Minuten beim 2:6, 1:6 nicht entsprechend mehr Paroli bieten konnte, war womöglich sogar noch Mayers ganz großes Glück. Denn richtig frisch wirkte der 27jähirge am Dienstag Nachmittag am Centercourt nicht. “Ich hatte konditionell überhaupt keine Probleme”, beeilte sich Mayer zu betonen, doch ein echter Wirbelwind sieht anders. Stattdessen wirkte Mayers Performance eher wie ein laues Mai-Lüftchen, das angesichts der totalen Peyerl-Flaute aber zum ungefährdeten Triumph reichte. Denn die finale Vorstellung des 3fachen Second-Series-Champions fiel wirklich richtig enttäuschend aus. Neben dem spielerischen Totalausfall vermisste man beim 26jährigen aber irgendwie auch Kampf und Leidenschaft, mit denen “Tom” bei vielen seiner bisherigen 85. Karriere-Turnierstarts zu überzeugen und begeistern wusste. Peyerl startete in sein fünftes Tourfinale viel zu “brav” und speziell auf der Rückhand viel zu fehlerhaft. Dazu kamen zwei total verhaute Aufschlagspiele, in denen der 2fache August-Second-Series-Sieger nur zu einem einzigen Punkt kam. Damit war der kapitale Fehlstart auch schon perfekt. Nach nur 14 Mnuten aussichtslos 0:5 zurück, da fragte sich Peyerl lautstark und nicht zu Unrecht “warum bin ich überhaupt heute hier her gekommen”! Nun vielleicht deshalb, weil er nur halbwegs in Normalform agierend, an diesen Nachmittag durchaus Chancen zur Überraschung gehabt hätte. Das der 3fache Second-Series-Sieger gegen Topleute mithalten und sie auch schlagen kann, belegen viele seiner Auftritte aus der Vergangenheit. Ob Ebner, Kova, Kramer, oder Müller, ein spielfreudiger Thomas Peyerl hätte es allemal mit einem “schwerbeinigen” Philipp Mayer aufnehmen können. Wie es hätte funktionieren können, demonstrierte Peyerl dann gegen Ende des ersten Satzes, als er mit einigen sehenswerten Ballwechseln und präzisen Aufschlägen ein bißchen Spielkultur aufkommen ließ und zwei Games aufholen konnte. Beim Versuch, seine kleine Chance zur Aufholjagd zu nützen, stoppte er sich dann aber wenig später selbst. Bei 2:5 und 40:15, wackelte “Tom” zwei Volleys in Serie ins Netz, ehe er mit einem Doppelfehler für die Satzführung seines Gegenübers sorgte.

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Mai-First-Series-Sieger Philipp Mayer: “Dieser Titel hat definitiv Gewicht”

Besonders bitter für Peyerl war in dieser Phase der Umstand, dass auch Mayer alles andere als in blendender Spiellaune agierte. Und besonders bitter war auch, dass sich “Tom” zu Beginn des zweiten Satzes mit 13 in Folge abgegebenen Punkten wieder selbst und frühzeitig in eine aussichtslose Situation manövrierte. Damit war jeglicher Spannungsmoment dahin, und das Finale vorzeitig entschieden. Mayer sagte “Danke”, überließ im vorletzten Game seinem Gegner “artig” ein Ehrengame und drehte schließlich nach exakt 48 Minuten Spielzeit das 18. Saisonfinale der Hobby-Tennis-Tour zu. “Die Leistung heute hat gepasst. Ich hätte vielleicht auch noch mehr Fehler gemacht, aber der Thomas hat sie einfach immer früher gemacht. Das er es mir so leicht machen würde, hätte ich nicht gedacht. Konditionell war ich eh noch gut drauf, aber dennoch war das heute grenzwertig. Weil ich auch große Probleme mit meinen Blasen an der Fußsohle hatte. Mit dem Turnier insgesamt bin ich sehr zufrieden. Wenn man physisch angeschlagen ist, und am Ende noch was rausschaut, dann ist das eine tolle Sache”, so Mayer. Und angesprochen darauf, ob der Titel bei einem First-Series-Turnier für ihn irgendeinen Wert hat, meinte der Linkshänder aus Schärding: “Dieser Titel hat definitiv Gewicht. Durch diese spezielle Auslosung war es schwerer als bei einem echten WTB-Turnier. Da hat man oftmals zu Beginn einen Second-Series-Spieler, aber diesmal mussten wir WTB-Spieler uns in den ersten drei Runden alles ausmachen. Nur einer konnte weiterkommen, und ich bin froh, dass ich derjenige war.

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Mayers Rückblick auf einen turbulenten Turnierverlauf

Und Mayer ließ bei der abschließenden “Presse-Konferenz” auch noch einmal seinen unglaublichen Run durch das Mai-First-Series-Tableau Revue passieren. “Runde 1 gegen Martin Kova war sehr schwer, weil er eine ähnliche Spielanlage bevorzugt wie ich. Im Achtelfinale gegen David Hühne habe ich zwar drei Matchbälle abgewehrt, aber da hätte ich auch ganz leicht rausfliegen können. Dann hätte ich mir acht Stunden Laufarbeit erspart, dafür aber nicht diesen herrlichen Pokal gewonnen. Im Viertelfinale gegen Rainer Stolz musste ich die Bälle aufstellen, damit er nicht zurecht kommt. Der Rainer hat im ersten Satz 5:1 geführt, auch das war keine einfache Situation für mich. Naja und das Halbfinale war auch eine sehr enge Angelegenheit. Der Michi Karner hat zunächst super gespielt. Ab dem zweiten Satz wurden die Games enger und er auch ein bißchen müde. So hat es letztlich zum Sieg gereicht”, resümierte der 27jährige aus Schärding.

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“Natürlich ist es ärgerlich, bei einem First-Series-Turnier auf WTB-Spieler zu treffen”

Überraschend fielen dann die ersten Statements der Peyerl-Analyse zum großen Finale aus. “Ich bin hoch zufrieden, denn mehr war heute ganz einfach nicht drinnen. Ich bin nicht klar gekommen mit seinem Spiel, und von Beginn an in eine Art Sumpf geraten. Nüchtern betrachtet bin ich hier beim Mai-First-Series-Turnier aber so weit gekommen wie ich aufgrund der Auslosung kommen musste. Natürlich hätte ich mich im Finale aber besser verkaufen wollen”, erklärte der 26jährige. Ein wenig Ärger verspürte Peyerl dann unter der Dusche, als ihm in den Sinn kam, dass ihm der Boykott seiner Frist-Series-Kollegen einen Endspielgegner wie Philipp Mayer bescherte. “Ja, einen kurzen Moment lang habe ich mir unter der Dusche wirklich gerade gedacht, dass es schade und ärgerlich ist, gegen WTB-Spieler bei einem First-Series-Turnier antreten zu müssen. Aber was soll man machen. Ich bin trotzdem zufrieden wie weit ich gekommen bin. Ich habe gute Punkte für die Rangliste eingeheimst. Ein Turniersieg hätte halt viel Selbstvertrauen gebracht. Diese Erfahrung habe ich nach meinen drei Titeln gemacht. Da geht dann alles plötzlich viel leichter, und du denkst gar nicht mehr nach”, so Peyerl.

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Claus Lippert, 5. Mai 2010