Der nächste Challenger-Aufreger – Spieler klagen über zu stark besetztes Turnier

Während die Topstars der Hobby-Tennis-Szene beim Februar-HTT-500-Turnier den 200. Auftritt feiern, dürfen auch die Heros der Challenger-Tour dieser Tage ein rundes Jubiläum begehen. Denn die 7. Auflage des Februar-Challenger-Turniers fällt mit einem weiteren speziellen Termin zusammen. Jelic & Co matchen sich am ersten Februar-Weekend des Jahres beim insgesamt 50sten im UTC La Ville ausgetragenen Hallenturnier, seit der Tour-Zirkus Anfang Jänner 2011 an den Altmannsdorfer Ast übersiedelt ist. Mit 29 Teilnehmern freut man sich zudem über einen neuen Teilnehmerrekord beim Februar-Challenger, der nach der Aufregung im Vorfeld rund um den geplanten Start von Sascha Kobsik auch am zweiten Spieltag nicht zur Ruhe kam. Ein Bericht von C.L

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Wie ein Hühnerstall, in dem zwei Füchse ihr wilderndes Unwesen treiben

Kaum hatte sich die Aufregung um den möglichen Kobsik-Auftritt beim Februar-Challenger-Turnier der Kategorie 2 gelegt, da braute sich am Samstag Nachmittag schon der nächste Sturm über dem Altmannsdorfer Ast zusammen. Die Diskussion um eine mögliche ungerechtfertigte Teilnahme des Jänner-Challenger-Champions gerade eben erst beendet, gerieten die Challenger-Helden am zweiten Spieltag ihres zweiten Saison-Events schon wieder in hellste Aufregung. “Warum ärgern wir uns über den Kobsik, wenn dann mit Leuten wie Schönbichler oder Bieder schon wieder viel zu starke Akteure mitmischen dürfen”, entlud sich der “Volkszorn” der motivierten Challenger-Familie. Technisch und optisch sehenswert spielende Konkurrenten, da regte sich doch bei Buzek & Co prompt massiver Widerstand. Die überzeugend aufgetretenen Roman Schönbichler und Katharina Bieder, sie sorgten mit ihren Auftritten für eine aufgeregte Stimmung wie in einem “Hühnerstall, in dem sich zwei Füchse zur Jagd eingeschlichen haben”. “Was hast Du Dir dabei wieder gedacht, richteten sich die verbalen Angriffe auch in Richtung eines verdutzten Veranstalters, der die hochgekochten Emotionen der Challenger-Stars nicht verstehen konnte. Allerdings entpuppte sich die Aufregung “wieder einmal” als “Sturm im Wasserglas”. Die Füchse “Schönbichler und Bieder” sahen “gefährlich aus, waren letztlich aber zahnlos im Kampf mit der aufgescheuchten Hühner-Herde, und sind dann wenn die Titel-Entscheidung anstehen wird, längst nur mehr interessierte Zuseher.

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Katharina Bieder und Daniel Strezoski bieten im jugendlichen “battle of sexes” das mit Abstand beste Match des Februar-Challenger-Turniers

Indes: Katharina Bieder lieferte sich mit dem unter serbischer Flagge spielenden Daniel Strezoski in der Tat einen sehenswerten Schlagabtausch – wohlgemerkt aber auf Challenger-Niveau. Das die Teenie-Stars vom TK Big Point Muckendorf nur “Vollgas” kennen, und ihr antrainiertes Powertennis auch vom ersten Aufschlag bis zum letzten Ballwechsel gnadenlos durchziehen, ist ja ein offenes Geheimnis. “Das haben wir von unserem Trainer so vorgegeben bekommen”, erzählte Bieder, die erst nach drei Sätzen im jugendlichen Geschlechter-Duell den Kürzeren zog. Auch weil “Kathi” erstmals in ihrer Tennis-Karriere einen jungen Mann zum Gegner hatte, dessen Auftreten sie so noch nie zuvor auf dem Tennisplatz erlebt hatte. Nach klarem Gewinn des ersten Satzes, sah sich die 17jährige Niederösterreicherin plötzlich einem irre gut aufschlagenden Gegner gegenüber, vorallem aber Jemandem, der sich praktisch nach jedem gelungenen Ballwechsel und Punktgewinn wie wahnsinnig “pushte”. Mit diesem Umstand hatte “Kathi” lange Zeit zu kämpfen. “Er setzt einen mit seinem Verhalten psychisch unter Druck”, und auch der Bieder-Papa zeigte sich verwundert. “Sich auch bei Fehlern des Gegners derart zu pushen, das kommt sicher nicht bei allen Gegnern gleich gut an. Da muss er aufpassen, dass er nicht einmal an den falschen Gegner gerät”. Strezoski selbst sah das Ganze weniger dramatisch. “Ich gebe immer Vollgas. Ich bin mit meinem Spiel heute nicht zufrieden. Ich habe meiner Gegnerin einfach zu viele Bälle aufgespielt”, klagte der Sieger.

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Prinz-Freundin Verena Koppensteiner läßt bei ihrem Tour-Debüt zwei Matchbälle ungenützt

Den ersten weiblichen Sieg des Tages hätte nach dem Bieder-Aus Tour-Newcomerin Verena Koppensteiner landen können. Die 29jährige Freundin von Tour-Star Christoph Prinz feierte am Samstag Nachmittag im Duell mit einem anderen jungen Serben ein gelungenes Tour-Debüt. Die gebürtige Zwettlerin kämpfte zweieinhalb Stunden lang aufopfernd gegen Filip Dogandzic, machte im entscheidenden dritten Durchgang einen 2:3 Rückstand wett, führte kurz vor Ende 5:4, und stand bei 2 Matchbällen sogar mit einem Bein bereits im Achtelfinale, als der in Wien lebenden Waldviertlerin der große Premieren-Erfolg doch noch verwehrt blieb. Serbiens Jungstar gewann schließlich 6:4, 2:6, 7:5, und trifft im Achtelfinale auf den Griechen Vasilis Vamvakidis. “Mir bringt derzeit in meiner Situation jedes Match was, aber es ist trotzdem ärgerlich, wenn du zwei Matchbälle hast, und nicht gewinnst”, zog Koppensteiner eine zwiespältige Bilanz.

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Werner Kovarik hat das “Siegen” verlernt

2009, 2010 und 2011 stand Werner Kovarik jeweils im Viertelfinale des Februar-Challenger-Turniers, seit dem vorigen Jahr hat der 38jährige aber scheinbar auch bei einem seiner Lieblings-Veranstaltungen das Siegen verlernt. Der Ottakringer, im Ranking nach zuletzt eher matten Leistungen auf Rang 86 abgerutscht, musste bei seinem Saison-Debüt gegen Russlands Olympiasiegerin Diana Ulojan ran, und wurde am Ende Opfer schwindender Kräfte. Im 275. Match seiner HTT-Karriere war nach verlorenem Tie-Break die Luft raus, selbst die Routine von 183. Turnierstarts konnte Kovarik aus dieser Situation nicht raushelfen. Keine Kondi-Frage war derweil die Niederlage von Rumäniens Challenger-Star Catalin Ancutici, obwohl der 42jährige zweieinhalb Stunden erbitterten Widerstand leistete, ehe er sich Christian Ludwig nach zwei heißen Tie-Breaks und einem 2:6 im dritten Heat geschlagen geben musste. Viel eher klagte Ancutici über eine Szene während des Spieles, bei der er ausrutschte, und sich leicht verletzte.

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Markus Weidinger und Stefan Seebacher nach ihren Februar-Challenger-Auftritten richtig verärgert

5 Sätze hatte am späten Abend auch der Kärntner Stefan Seebacher gespielt, ehe er sich mit Sieg und Niederlage und einer ausgeglichenen Bilanz vom Februar-Challenger-Turnier verabschiedete. Und das tat der 31jährige Klagenfurter auch ein bißchen verärgert, ließ er doch nach seinem Erstrunden-Erfolg über Tour-Neuling Manfred Sacher, im Achtelfinale gegen Mario Ferrari die große Chance aus, die Runde der letzten Acht zu erreichen. Bei 6:3, 4:5 kassierte Seebacher das einzige Break im zweiten Durchgang, und damit hievte er sich gegen die Nummer 2 des Turniers auch schon auf die Verliererstraße. “Diese Situation ärgert mich. Das Break zum Verlust des zweiten Satzes hat mich letztendlich gebrochen”, war sich der Unterlegene sicher. Drei intensive Sätze hatten auch Markus Weidinger und Erik Sichra in ihrem Erstrunden-Duell absolviert, als der Unterlegene vom UTC Neusiedl mächtig sauer zur Pressekonferenz antrat. Weidinger war weniger über das unnötige 6:4, 3:6, 3:6 verärgert, als über das Verhalten seines südamerikanischen Gegners. “Wenn jemand jeden Ball im Out reklamiert, dann wird es schwer”, polterte Markus.

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Souveräner Thomas Pretl gerät in die Kritik von Karl Ader, während Rudolf Ronovsky noch immer das nötige Selbstvertrauen fehlt

Einen souveränen Samstag-Nachmittags-Doppelpack spulte auch Thomas Pretl beim Februar-Challenger-Turnier ab. Gerade einmal sechs Games ließ der 35jährige aus Steyr der arrivierten Gegnerschaft. Jens Gudenus klagte nach dem 2:6, 1:6 über “absolutes Auslosungspech für ein Challenger-Turnier”, und der an Nummer 3 gesetzte Karl Ader ging nach seinem Achtelfinal-Aus noch einen Schritt weiter. “Also für mich ist der Thomas Pretl mit Sicherheit kein Challenger-Spieler für die zweite Kategorie”. Auch der Super-Senior war im ersten Match seines 30. Turnierstarts mit 2:6, 1:6 ohne Chance geblieben. Der Marathon-Mann des zweiten Spieltages war aber ohne Zweifel Rudolf Ronovsky. Sieben Sätze nach viereinhalb Stunden Tennis, am Ende stand “Rudi” ergebnistechnisch zwar mit leeren Händen da, in Wahrheit aber hatte der 46jährige wieder einmal Zeugnis davon abgelegt, dass er mit einer stark steigenden Tendenz im spielerischen Bereich auf dem besten Weg unter die Top 100 ist. Schade nur, dass er mental – zumindest aktuell – noch nicht Top 500-Niveau hat. Während sich viele Spieler im Circuit mit stark überschätztem Selbstbewusstsein nie und nimmer realisierbare Ziele stecken, steckt das Ronovsky’sche Vertrauen in die eigene Stärke und das eigene Können noch in weit ausbaufähigen Kinderschuhen. Gegen Karl Pater hat der Routinier aus Kapellerfeld ein 1:6, 1:4 aufgeholt, und gegen einen fiten Manfred Buzek kann man im dritten Match des Tages dann auch schon mal verlieren. Alles in allem war das ein höchst zufriedenstellender Tag für Ronovsky, nur hat er selbst das halt wieder einmal ganz anders gesehen!

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